Normen und Werte einfach erklärt
Werte sind innere Vorstellungen davon, was wichtig und erstrebenswert ist. Normen sind daraus begründbare Regeln oder Erwartungen für das Verhalten. Du lernst, beide Begriffe zu unterscheiden, demokratische Werte einzuordnen und Konflikte fair zu beurteilen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Werte geben Orientierung
Was ist dir wichtig, wenn Menschen zusammenleben? Vielleicht Freiheit, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft oder Respekt. Solche Vorstellungen helfen dir, Handlungen zu beurteilen und dich zwischen Möglichkeiten zu entscheiden.
Wert
Ein Wert ist eine innere Vorstellung davon, was jemand für wichtig, gut oder erstrebenswert hält. Werte dienen als Maßstäbe für Urteile und Entscheidungen. Man kann sie nicht direkt beobachten, sondern nur aus Aussagen und Handlungen erschließen.
Das Wort „Wert“ kann auch eine messbare Größe bezeichnen, etwa einen Preis in Euro oder eine Entfernung in Kilometern. Bei menschlichen Werten geht es dagegen nicht um eine exakte Messung. Freundschaft lässt sich beispielsweise nicht in Metern oder Euro angeben.
Mara findet Gerechtigkeit wichtig. Bei einer Gruppenarbeit schlägt sie deshalb vor, die Aufgaben so zu verteilen, dass alle einen angemessenen Beitrag leisten können.
Maras Vorschlag macht den Wert sichtbar. Er beweist aber nicht, dass sie in jeder Situation gerecht handeln wird: Zwischen einer inneren Überzeugung und dem tatsächlichen Handeln kann eine Lücke liegen.
Aus Werten werden Normen
Wie wird aus einer allgemeinen Vorstellung eine konkrete Regel? Ein Wert gibt die Richtung vor. Eine Norm übersetzt diese Richtung in eine Verhaltenserwartung.
Norm
Eine Norm ist eine Regel oder anerkannte Erwartung für äußeres Verhalten. Soziale Normen können ungeschrieben sein, etwa eine höfliche Begrüßung. Rechtlich festgeschriebene Normen gehören zur Rechtsordnung.
Gesetz
Ein Gesetz ist eine schriftlich festgelegte, rechtlich verbindliche Norm. Nicht jede soziale Norm ist ein Gesetz: Eine höfliche Begrüßung kann erwartet werden, ohne gesetzlich vorgeschrieben zu sein.
Wert: Respekt
Norm: Wir lassen andere ausreden.
Die Norm legt ein beobachtbares Verhalten fest. Sie schützt die Möglichkeit, die eigene Meinung zu äußern. Zugleich begrenzt sie die Freiheit, jederzeit dazwischenzurufen.
Eine gute Regel gilt nicht allein deshalb als gut, weil eine Autorität sie festlegt. Du kannst sie mit Fragen prüfen:
- Welchen Wert unterstützt die Regel?
- Wen oder was schützt sie?
- Welche Freiheit begrenzt sie?
- Gilt sie für die Betroffenen nachvollziehbar und fair?
Tugend
Eine Tugend ist eine als moralisch gut anerkannte Eigenschaft, die sich zuverlässig im Handeln zeigt. Wer auch in schwierigen Situationen ehrlich handelt, zeigt die Tugend Ehrlichkeit.
Wert bedeutet: „Das ist mir wichtig.“ Norm bedeutet: „So soll man handeln.“ Tugend bedeutet: „So handle ich verlässlich.“
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Respekt ist ein . „Wir beleidigen niemanden“ ist eine daraus begründete . Wird respektvolles Handeln zur verlässlichen Eigenschaft, spricht man von einer .
Demokratische Werte setzen einen gemeinsamen Rahmen
Darf in einer Demokratie jede Person beliebige Werte haben? Menschen dürfen unterschiedliche Lebensentwürfe, Religionen, Vorlieben und Ziele verfolgen. Für ein friedliches Zusammenleben braucht diese Vielfalt jedoch gemeinsame Grundlagen.
In Deutschland bilden Menschenwürde, Menschenrechte, Grundgesetz und Rechtsstaat einen verbindlichen Rahmen. Die Menschenwürde bedeutet: Jeder Mensch ist wichtig und hat Anspruch auf Achtung. Dazu passen demokratische Werte wie Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz und Respekt.
Demokratie ist nicht nur eine Regierungsform. Sie zeigt sich auch im Alltag: andere Meinungen fair behandeln, sich beteiligen, demokratische Entscheidungen akzeptieren und die Rechte anderer achten.
Freiheit hat Grenzen
Freiheit bedeutet, selbst entscheiden zu können. Sie gilt innerhalb der Gesetze und endet dort, wo andere geschädigt oder in ihren Rechten und Freiheiten beeinträchtigt werden.
Noah möchte in der Pause laut Musik hören. Die anderen möchten sich unterhalten oder ausruhen. Seine Freiheit, Musik zu hören, trifft auf ihre Freiheit, nicht gegen ihren Willen stark gestört zu werden.
Eine mögliche Regel lautet: Musik wird nur mit Kopfhörern gehört. Sie verbietet Musik nicht, sondern gleicht verschiedene Freiheiten aus.
Wertekonflikte fair untersuchen
Werte können in einer Situation miteinander in Konflikt geraten. Dann ist nicht unbedingt ein Wert unwichtig. Vielmehr lassen sich nicht alle berechtigten Anforderungen gleichzeitig vollständig erfüllen.
Wertekonflikt
Ein Wertekonflikt liegt vor, wenn eine Entscheidung mindestens zwei bedeutsame Werte berührt und jede mögliche Wahl einen davon beeinträchtigt.
Torsten beobachtet, wie Lena in einer Mathematikarbeit von Aische abschreibt. Wegen der ähnlichen Lösungen hält der Lehrer Aische für die Betrügerin. Aische erhält eine schlechte Note, Lena eine gute. Lena braucht die Note für ihre Versetzung und ist mit Torsten befreundet.
Torsten muss zwischen Loyalität gegenüber einer Freundin und Gerechtigkeit gegenüber Aische abwägen. Schweigt er, bleibt die Freundschaft möglicherweise unbelastet, aber Aische wird ungerecht behandelt. Berichtet er die Beobachtung, unterstützt er die Aufklärung, riskiert jedoch den Konflikt mit Lena.
Eine begründete Entscheidung nennt deshalb nicht nur das Ergebnis. Sie benennt die betroffenen Personen, Werte und Folgen. Besonders schwer wiegt hier, dass eine Unbeteiligte eine ungerechte Strafe erhält.
So gehst du bei einem Wertekonflikt vor:
- Beschreibe die Situation ohne vorschnelle Bewertung.
- Benenne die Sichtweisen der Beteiligten.
- Ordne ihren Anliegen die betroffenen Werte zu.
- Prüfe mögliche Entscheidungen und ihre Folgen.
- Begründe, welche Lösung Rechte und Werte am besten ausgleicht.
- Nimm ein starkes Gegenargument ernst und antworte darauf.
Werte können sich wandeln
Warum galten früher teilweise andere Vorstellungen als heute? Wertewandel ist die längerfristige Veränderung verbreiteter Einstellungen in einer Gesellschaft. In der Erziehung wurden beispielsweise früher Gehorsam und Pflichterfüllung stärker betont, während heute Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein mehr Gewicht erhalten.
Werte unterscheiden sich außerdem zwischen Personen und Kulturen. Daraus folgt aber nicht, dass in einer Demokratie jede Handlung gleichermaßen akzeptabel ist. Menschenwürde, Menschenrechte und faire Konfliktregeln begrenzen die Beliebigkeit.
Veränderte Wertorientierungen können politische Entscheidungen und schließlich auch Gesetze beeinflussen. Umgekehrt ist ein Gesetz nicht dasselbe wie ein Wert: Das Gesetz formuliert eine verbindliche rechtliche Norm, während der Wert die dahinterliegende Orientierung bezeichnet.
Werte können persönlich und historisch verschieden sein. Demokratisches Zusammenleben braucht trotzdem einen gemeinsamen menschenrechtlichen Rahmen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Normen und Werte
- Orientierung
- Werte prägen Urteile und Entscheidungen
- Tugenden zeigen sich verlässlich im Handeln
- Regeln
- Normen übersetzen Werte in Verhaltenserwartungen
- Gesetze sind rechtlich festgeschriebene Normen
- Demokratie
- Menschenwürde und Menschenrechte bilden den Rahmen
- Freiheit wird mit den Rechten anderer ausgeglichen
- Konflikte und Wandel
- Perspektivwechsel verbessert Abwägungen
- Wertvorstellungen können sich historisch verändern
- Orientierung
Abschluss-Check
Prüfe dich zum Schluss: Kannst du zu einer Regel den zugrunde liegenden Wert nennen, ihren Schutz erklären und zeigen, welche Freiheit sie begrenzt? Dann kannst du Normen nicht nur erkennen, sondern auch demokratisch beurteilen.
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