Politik

Regeln des Zusammenlebens fair gestalten

Regeln des Zusammenlebens fair gestalten

Regeln des Zusammenlebens fair gestalten
Regeln des Zusammenlebens fair gestalten
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Gute Regeln helfen dir, mit anderen friedlich zusammenzuleben. Eine faire Regel schützt Menschen und nimmt ihre Wünsche ernst. Sie verbietet nur das, wofür es einen guten Grund gibt.

Du lernst, einen Streit zu verstehen, eine faire Regel zu finden und gemeinsam zu entscheiden. Alle Beispiele und Aufgaben auf dieser Seite sind erfunden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum Gruppen Regeln brauchen

Stell dir eine Pause ohne Regeln vor: Einige Kinder spielen Fußball, andere möchten in Ruhe reden. Wenn der Ball überall fliegen darf, können Kinder gestört oder verletzt werden.

Menschen in einer Gruppe haben unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche. Deshalb müssen sie klären, was erlaubt ist und wie sie Rücksicht nehmen.

Definition

Bedürfnis

Ein Bedürfnis ist etwas, das du brauchst, damit es dir gut geht. Dazu gehören zum Beispiel Ruhe, Sicherheit und das Gefühl, dazuzugehören.

Definition

Wunsch

Ein Wunsch ist etwas, das du gern möchtest. Hinter einem Wunsch kann ein Bedürfnis stehen: Du möchtest Fangen spielen, weil du Bewegung brauchst. Nicht jeder Wunsch kann immer erfüllt werden.

Definition

Regel

Eine Regel sagt, was du in einer bestimmten Situation tun oder lassen sollst. Regeln können gemeinsam vereinbart oder von anderen festgelegt werden, zum Beispiel von der Schule.

Beispiel

Mila möchte mit einem Ball spielen. Ben braucht einen ruhigen Platz, weil ihn schnelle Bälle ängstigen. Auf dem Schulhof gibt es einen Ballspielplatz mit einem Fangnetz und eine ruhige Sitzecke daneben. Die Regel „Ballspiele finden nur auf dem Ballspielplatz statt“ hilft beiden: Mila kann spielen. Das Netz hält die Bälle von Bens Sitzecke fern.

Merke

Eine Regel ist nicht schon deshalb fair, weil eine erwachsene Person sie aufstellt. Frage: Wen schützt sie? Wen schränkt sie ein? Dürfen die Betroffenen ihre Sicht sagen?

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWarum braucht eine Gruppe Regeln?
Lösung: Regeln helfen, unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche zu ordnen. — Gute Regeln geben Orientierung und helfen, Konflikte friedlich zu lösen.
Erst alle Sichtweisen verstehen

Ein Konflikt ist ein Streit oder ein Gegensatz zwischen Wünschen. Noor und Leo wollen zum Beispiel denselben Platz für verschiedene Spiele nutzen. Bevor du eine Lösung suchst, hörst du allen Beteiligten zu. Ihre Sichtweise zeigt, wie sie die Situation erleben und was ihnen wichtig ist.

Frage nacheinander:

  1. Was ist passiert?
  2. Was möchte jede Person?
  3. Welches Bedürfnis könnte dahinterstehen?
  4. Wodurch fühlt sich jemand gestört oder gefährdet?
Beispiel

Auf dem Schulhof fährt Noor schnell mit dem Roller. Leo möchte dort Fangen spielen.

  • Noors Sicht: Sie wünscht sich Platz zum Rollerfahren und hat Freude an Geschwindigkeit.
  • Leos Sicht: Er braucht Bewegungsraum und möchte nicht angefahren werden.

Die Beschreibung wertet keine Seite ab. Sie zeigt, warum beide Kinder einen verständlichen Grund haben.

Eine Sichtweise zu verstehen bedeutet nicht, ihr automatisch zuzustimmen. Es bedeutet: Du kannst erklären, was der anderen Person wichtig ist.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Aussage beschreibt beide Sichtweisen fair?
Lösung: Noor möchte Roller fahren; Leo braucht sicheren Platz für sein Fangspiel. — Eine faire Beschreibung nennt die Anliegen beider Seiten, ohne eine Person abzuwerten.
Eine faire Regel formulieren

Eine faire Regel ist verständlich und hat einen guten Grund. Für Menschen in derselben Situation gilt sie gleich. Sie soll dich schützen und dir möglichst viel Freiheit lassen. Freiheit heißt hier: Du kannst selbst entscheiden, was du machst.

Prüfe deinen Vorschlag mit vier Fragen:

  1. Verstehen alle, was sie tun sollen?
  2. Wen oder was schützt die Regel?
  3. Was darf jemand durch die Regel nicht mehr tun?
  4. Gilt sie für alle in derselben Situation gleich?
Beispiel

So kannst du den Konflikt zwischen Noor und Leo Schritt für Schritt lösen:

  1. Zuhören: Noor möchte Roller fahren. Leo möchte Fangen spielen. Beide brauchen Platz und wollen unverletzt bleiben.
  2. Möglichkeiten prüfen: In diesem Beispiel gibt es eine Rollerbahn und daneben eine getrennte Fläche für Laufspiele. Beide Flächen sind groß genug. Die Schule erlaubt dort die jeweiligen Spiele.
  3. Eine Regel vorschlagen und begründen:

Regel: „Roller werden nur auf der Rollerbahn gefahren. Die übrige Fläche bleibt für Laufspiele frei.“

Begründung: Wenn alle auf ihrer Fläche bleiben, kommen sich Roller und laufende Kinder weniger in die Quere. Noor kann weiter Roller fahren, aber nicht mehr überall. Leo kann auf der anderen Fläche Fangen spielen.

  1. Gemeinsam prüfen: Die Kinder besprechen den Vorschlag mit der Lehrkraft. Nach dem Ausprobieren fragen sie: Klappt es? Fühlen sich beide Seiten sicher? Falls nicht, suchen sie eine bessere Regel.

In diesem Beispiel wäre „Noor darf keinen Roller mehr benutzen“ weniger fair. Die getrennten Flächen ermöglichen beiden ihr Spiel. Ein Verbot nur für Noor würde sie deshalb unnötig einschränken.

Gut zu wissen

Fair bedeutet nicht immer, dass alle genau dasselbe tun. Wer zum Beispiel Hilfe braucht, darf zusätzliche Hilfe bekommen. Verschiedene Spielbereiche oder Zeiten können ebenfalls fair sein. Sie müssen zu den Bedürfnissen der Kinder passen.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelDie Spielfläche ist weit genug von der Sitzecke entfernt, sodass es dort ruhig bleibt. Welche Regel passt zu einem Streit um laute und ruhige Spiele?
Lösung: Laute Spiele finden auf der Spielfläche statt; die Sitzecke bleibt ruhig. — Die Regel ermöglicht Bewegung auf der Spielfläche und schützt zugleich die Ruhe in der Sitzecke.
Den passenden Entscheidungsweg wählen

Nicht jede Klassenfrage wird auf dieselbe Weise entschieden. Drei mögliche Wege sind Abstimmung, Los und Kompromiss.

EntscheidungswegSo funktioniert erWann passt er?Wichtige Grenze
AbstimmungAlle geben ihre Stimme für einen Vorschlag ab. Die Stimmen werden gezählt.Wenn mehrere klare Möglichkeiten zur Wahl stehen.Vorher muss klar sein, wie entschieden wird. Auch eine Mehrheit darf andere nicht schlecht behandeln.
LosDer Zufall entscheidet, zum Beispiel durch das Ziehen eines Zettels.Wenn die Möglichkeiten geeignet und fair sind.Ein Los macht einen unfairen Vorschlag nicht fair.
KompromissBeide Seiten geben etwas nach und einigen sich.Wenn eine Lösung wichtige Wünsche beider Seiten erfüllt.Niemand soll dabei verletzt oder ausgegrenzt werden.
Beispiel

Die Klasse möchte für die letzte Schulstunde zwischen zwei Spielen wählen. Beide sind erlaubt und für alle Kinder geeignet.

  • Bei einer Abstimmung kann die Klasse vorher vereinbaren: Jedes Kind hat eine Stimme. Das Spiel mit mehr Stimmen gewinnt. Die größere Zahl von Stimmen heißt hier Mehrheit. Bei gleich vielen Stimmen gibt es keinen Gewinner. Dann greift eine vorher vereinbarte Regel, zum Beispiel ein Los.
  • Beim Los schreibt die Klasse jedes Spiel auf einen gleich großen Zettel. Die Zettel werden gleich gefaltet und gut gemischt. Ein Kind zieht, ohne hineinzusehen. Der gezogene Zettel bestimmt das Spiel. So wird keine Möglichkeit absichtlich bevorzugt.
  • Möchte eine Gruppe Bewegung und die andere Ruhe, kann ein Kompromiss lauten: zuerst ein kurzes Bewegungsspiel, danach ein ruhiges Spiel. Das passt, wenn genug Zeit bleibt und beide Gruppen einverstanden sind. Beide geben den Wunsch auf, ihr Spiel die ganze Stunde zu spielen.
Merke

Prüfe zuerst, ob die Möglichkeiten fair sind. Besprecht dann, wie ihr entscheidet. Eine Mehrheit darf zum Beispiel nicht bestimmen, dass ein Kind wegen seiner Herkunft nicht mitspielen darf.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerZwei Gruppen möchten den einzigen Klassenball in derselben Pause nutzen. Beide Spiele sind erlaubt und auch in einer kürzeren Spielzeit gut möglich. Welche Lösung berücksichtigt beide Seiten am besten?
Lösung: Die Gruppen einigen sich auf zwei gleich lange Spielzeiten und wechseln sich mit dem Ball ab. — Die geteilte Zeit ist ein Kompromiss: Beide Gruppen verändern ihren ursprünglichen Wunsch und können den Ball nutzen.

Probiere es selbst

Zwei Kinder wollen mit derselben Kiste Bausteine bauen. Beide möchten zuerst die ganze Kiste haben. Sie haben genug Zeit, um nacheinander zu bauen.

Aufgabe: Beschreibe beide Wünsche. Schlage eine faire Regel vor und erkläre, warum sie hilft. Sprich deine Antwort aus oder schreibe sie auf. Überlege erst selbst, bevor du die Lösung liest.

Beispiel

Mögliche Lösung: Beide Kinder möchten die Bausteine zuerst benutzen. Sie können vereinbaren: „Wir bauen nacheinander und haben gleich viel Zeit. Ein Los entscheidet, wer anfängt.“ Beide verzichten darauf, die Kiste die ganze Zeit zu behalten. Dafür kann jedes Kind bauen. Das Abwechseln ist ein Kompromiss; das Los klärt nur die Reihenfolge. Die Kinder müssen auch vereinbaren, wann sie die Steine wieder auseinandernehmen und weitergeben.

Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Faire Regeln des Zusammenlebens
    • Bedürfnisse und Wünsche unterscheiden
    • mehrere Sichtweisen ohne Abwertung beschreiben
    • Menschen schützen und nicht unnötig einschränken
    • verständliche Regeln für alle formulieren
    • Abstimmung, Los oder Kompromiss passend wählen
    • Entscheidungen später erneut prüfen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWas solltest du vor einer Lösung zuerst tun?
Lösung: Die Sichtweisen und Bedürfnisse der Beteiligten klären. — Erst wenn du die verschiedenen Anliegen kennst, kannst du eine begründete Lösung suchen.
Frage 2 von 4MittelWelche Begründung zeigt, dass eine Regel geprüft wurde?
Lösung: „Die Regel schützt ruhige Bereiche und lässt Ballspiele auf der markierten Fläche zu.“ — Eine gute Begründung nennt den Schutz und erklärt, welche Freiheit in welchem Umfang begrenzt wird.
Frage 3 von 4SchwerDie Klasse wählt zwischen zwei gleich geeigneten Ausflugszielen. Beide haben gleich viele Stimmen. Die Klasse hat ein Los für diesen Fall vereinbart. Welcher nächste Schritt passt?
Lösung: Die Klasse kann zwischen den gleichwertigen Zielen losen. — Wenn beide Möglichkeiten fair und machbar sind, kann die Klasse das Los als Regel für einen Gleichstand vereinbaren.
Frage 4 von 4SchwerAuf dem Schulhof streiten Kinder über Musik und Ruhe. Wie gehst du sinnvoll vor?
Lösung: Du sammelst die Sichtweisen, prüfst die Bedürfnisse und suchst eine begrenzte Zeit oder Fläche für Musik. — Eine faire Lösung beginnt mit den Sichtweisen und sucht dann eine klare Regel, die Ruhe schützt und Musik soweit möglich erlaubt.

Passend dazu

7 Kapitel

Kapitel 1