Politik

Personalisierte Verhältniswahl einfach erklärt

Personalisierte Verhältniswahl einfach erklärt
Personalisierte Verhältniswahl einfach erklärt
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Die personalisierte Verhältniswahl verbindet zwei Ziele: Die Parteien erhalten Sitze grundsätzlich nach ihrem Zweitstimmenanteil, zugleich kannst du mit der Erststimme eine Person aus deinem Wahlkreis wählen. Bei der Bundestagswahl 2025 bestimmte die Zweitstimme das Kräfteverhältnis der Parteien im Bundestag.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie verbindet das System Partei und Person?

Bei einer Verhältniswahl soll der Sitzanteil einer Partei ungefähr ihrem Stimmenanteil entsprechen. Erhält eine Partei etwa 30 Prozent der berücksichtigten Stimmen, soll sie grundsätzlich auch etwa 30 Prozent der zu verteilenden Sitze erhalten.

Bei einer Mehrheitswahl im Wahlkreis gewinnt dagegen die Person mit den meisten Stimmen. Dafür genügt eine relative Mehrheit: Sie muss mehr Stimmen als jede andere kandidierende Person erhalten, aber nicht unbedingt mehr als die Hälfte aller Stimmen.

Definition

Personalisierte Verhältniswahl

Die personalisierte Verhältniswahl verbindet die proportionale Verteilung der Parteisitze mit der Wahl von Personen in Wahlkreisen. Beim deutschen Bundestagswahlsystem geschieht das mit Erst- und Zweitstimme.

Merke

Personalisiert bedeutet nicht, dass allein die Wahlkreissieger über die Zusammensetzung des Bundestages entscheiden. Die Personenwahl ist in eine Verhältniswahl eingebunden.

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Frage 1 von 1LeichtWas ist die Grundidee der personalisierten Verhältniswahl?
Lösung: Parteisitze proportional verteilen und zugleich Personen in Wahlkreisen wählen — Das System verbindet proportionale Parteienrepräsentation mit einer personenbezogenen Wahl im Wahlkreis.
Was bewirken Erst- und Zweitstimme?

Mit der Erststimme wählst du eine kandidierende Person in deinem Wahlkreis. Wer dort mehr Erststimmen als jede andere Person erhält, gewinnt den Wahlkreis. Deutschland ist für Bundestagswahlen in 299 Wahlkreise eingeteilt.

Mit der Zweitstimme wählst du die Landesliste einer Partei. Die Zweitstimmen bestimmen grundsätzlich, wie viele der 630 Bundestagssitze einer Partei zustehen. Deshalb ist die Zweitstimme für das parteipolitische Kräfteverhältnis entscheidend.

Beispiel

Du gibst deine Erststimme der Kandidatin von Partei A und deine Zweitstimme der Landesliste von Partei B. Das ist möglich: Beide Stimmen können unabhängig voneinander vergeben werden.

Deine Erststimme unterstützt die Kandidatin von A im Wahlkreis. Deine Zweitstimme zählt für den Sitzanteil von B.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Stimme bestimmt grundsätzlich den Sitzanteil einer Partei im Bundestag?
Lösung: Die Zweitstimme — Der Anteil der Zweitstimmen ist für die Zahl der Parteisitze maßgeblich.
Frage 2 von 2MittelDu wählst mit der Erststimme Person A und mit der Zweitstimme Partei B. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Die Personenwahl unterstützt A, die Verhältniswahl unterstützt B. — Das sogenannte Stimmensplitting ist möglich: Die beiden Stimmen haben unterschiedliche Aufgaben.
Wie werden die 630 Sitze verteilt?

Die Sitzverteilung für die Bundestagswahl 2025 lässt sich in drei Schritten ordnen:

  1. Oberverteilung: Die 630 Sitze werden nach dem Sainte-Laguë-Verfahren entsprechend den bundesweiten Zweitstimmen auf die berücksichtigten Parteien verteilt.
  2. Unterverteilung: Die Sitze einer Partei werden nach ihren Zweitstimmen auf die Landeslisten dieser Partei verteilt.
  3. Besetzung mit Personen: Innerhalb eines Bundeslandes erhalten zunächst gedeckte Wahlkreissieger Sitze. Verbleibende Sitze werden in der festgelegten Reihenfolge der Landesliste besetzt.

Grundsätzlich werden Parteien berücksichtigt, die mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen erhalten. Für die Bundestagswahl 2025 galt außerdem eine gerichtliche Übergangsregel: Auch eine Partei unter fünf Prozent wurde berücksichtigt, wenn sie mindestens drei Wahlkreise gewann. Listen von Parteien nationaler Minderheiten unterliegen einer eigenen gesetzlichen Ausnahme.

Gut zu wissen

Das Sainte-Laguë-Verfahren ist ein mathematisches Verfahren zur proportionalen Sitzverteilung. Für den Lernweg hier genügt seine Aufgabe: Es übersetzt die berücksichtigten Zweitstimmen möglichst proportional in Sitze.

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Frage 1 von 1MittelEine Partei erhält bundesweit mehr Zweitstimmen. Welche unmittelbare Folge ist grundsätzlich zu erwarten?
Lösung: Ihr stehen bei der Oberverteilung mehr Sitze zu. — Die Oberverteilung richtet die Parteisitze an den bundesweiten Zweitstimmen aus.
Wann zieht ein Wahlkreissieger ein?

Ein Wahlkreissieg garantiert seit der Reform von 2023 nicht mehr in jedem Fall einen Bundestagssitz. Der Sieg muss durch genügend Zweitstimmen der Partei im betreffenden Bundesland gedeckt sein.

Definition

Zweitstimmendeckung

Zweitstimmendeckung bedeutet: Eine Partei kann in einem Bundesland nur so viele ihrer Wahlkreissieger unterbringen, wie ihr dort aufgrund der Zweitstimmen Sitze zustehen.

Gewinnt eine Partei mehr Wahlkreise, als sie Sitze erhält, werden ihre Wahlkreissieger nach der Höhe ihres relativen Erststimmenergebnisses geordnet. Die stärksten Ergebnisse werden zuerst berücksichtigt.

Beispiel

Eine Partei gewinnt in einem Bundesland 20 Wahlkreise. Nach der Zweitstimmenverteilung stehen ihr dort aber nur 18 Sitze zu.

  1. Die 20 Wahlkreissieger werden nach ihrem relativen Erststimmenergebnis geordnet.
  2. Die 18 stärksten Wahlkreissieger erhalten die verfügbaren Sitze.
  3. Die beiden relativ schwächsten Wahlkreissieger ziehen nicht ein.

So bleiben zwei Wahlkreise ohne direkt gewählten Abgeordneten. Das Zweitstimmenergebnis und die Gesamtgröße von 630 Sitzen werden dadurch nicht verändert.

Parteilose Wahlkreisbewerber bilden eine Ausnahme: Erzielt eine parteilose Person die relative Mehrheit im Wahlkreis, erhält sie unmittelbar einen Sitz.

Merke

Wahlkreissieg ist nicht immer gleich Bundestagssitz. Bei Parteibewerbern entscheidet zusätzlich die Zweitstimmendeckung.

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Frage 1 von 2MittelEine Partei gewinnt in einem Bundesland 20 Wahlkreise, erhält dort aber nur 18 Sitze. Was geschieht?
Lösung: Die 18 Wahlkreissieger mit den stärksten relativen Erststimmenergebnissen erhalten Sitze. — Die Zahl der Sitze im Bundesland begrenzt, wie viele Wahlkreissieger der Partei berücksichtigt werden können.
Frage 2 von 2SchwerWarum kann trotz eines Wahlkreissiegs der Einzug scheitern?
Lösung: Weil das proportionale Zweitstimmenergebnis die verfügbare Zahl der Parteisitze begrenzt. — Die Personenwahl wirkt innerhalb des Sitzkontingents, das aus den Zweitstimmen folgt.
Welche Ziele und Folgen hat die Verbindung?

Die personalisierte Verhältniswahl verbindet unterschiedliche Anliegen:

AnliegenBeitrag des Systems
Proportionale RepräsentationDie Zweitstimmen bestimmen grundsätzlich die Sitzanteile der Parteien.
Persönliche AuswahlMit der Erststimme kannst du eine konkrete Person unterstützen.
Regionale BindungWahlkreiskandidaten stellen einen Bezug zwischen Region und Parlament her.
Feste ParlamentsgrößeSeit der Reform 2023 entfallen Überhang- und Ausgleichsmandate; der Bundestag umfasst 630 Sitze.

Die Verbindung löst jedoch nicht jeden Zielkonflikt. Soll die Sitzverteilung proportional und die Größe fest bleiben, kann nicht zugleich jeder Wahlkreissieger garantiert einziehen.

Verhältniswahlsysteme führen außerdem häufig dazu, dass mehrere Parteien im Parlament vertreten sind. Eine einzelne Partei erreicht dann nicht zwingend die absolute Mehrheit. Koalitionen und Kompromisse werden wahrscheinlicher. Ob das als Schwäche oder Stärke gilt, ist eine politische Bewertung.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Aussage beschreibt einen Zielkonflikt des geltenden Systems?
Lösung: Eine feste proportionale Sitzverteilung kann verhindern, dass jeder Wahlkreissieger einzieht. — Das System gewichtet die proportionale Parteienrepräsentation und die feste Sitzzahl stärker als eine Einzugsgarantie für alle Wahlkreissieger.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Personalisierte Verhältniswahl
    • Erststimme: Person und Wahlkreissieg
    • Zweitstimme: Parteianteil und 630 Sitze
    • Oberverteilung: Sitze auf Parteien
    • Unterverteilung: Parteisitze auf Landeslisten
    • Zweitstimmendeckung: begrenzt berücksichtigte Wahlkreissieger
    • Ziel: Verhältnis und Personenbezug verbinden
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Stimme ist für das Kräfteverhältnis der Parteien im Bundestag grundsätzlich maßgeblich?
Lösung: Die Zweitstimme — Die Parteisitze werden grundsätzlich aus den Zweitstimmen abgeleitet.
Frage 2 von 3MittelEine Partei hat in einem Bundesland noch Sitze frei, nachdem alle gedeckten Wahlkreissieger berücksichtigt wurden. Wer besetzt die übrigen Sitze?
Lösung: Bewerber der Landesliste in ihrer festgelegten Reihenfolge — Nach den berücksichtigten Wahlkreissiegern folgen die Bewerber der Landesliste.
Frage 3 von 3SchwerEin Schüler sagt: „Die personalisierte Verhältniswahl ist eigentlich eine reine Mehrheitswahl, weil in jedem Wahlkreis eine Person gewinnt.“ Was ist die beste Antwort?
Lösung: Nein. Die Wahlkreissieger bilden den Personenanteil; die Zweitstimmen bestimmen grundsätzlich die Sitzanteile der Parteien. — Das System verbindet beide Elemente, bleibt für die Zusammensetzung des Bundestages aber grundsätzlich eine Verhältniswahl.

Du hast das Prinzip verstanden, wenn du bei einem neuen Fall zuerst nach den Zweitstimmen und den verfügbaren Parteisitzen fragst und erst danach prüfst, welche Wahlkreissieger diese Sitze besetzen.

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