Politik

Wahlsysteme: Mehrheitswahl und Verhältniswahl

Wahlsysteme: Mehrheitswahl und Verhältniswahl
Wahlsysteme: Mehrheitswahl und Verhältniswahl
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Wahlsysteme bestimmen, wie Stimmen in Mandate, also Parlamentssitze, übersetzt werden. Bei der Mehrheitswahl entscheidet vor allem der Sieg im Wahlkreis. Bei der Verhältniswahl zählt vor allem der Stimmenanteil einer Partei. Mischsysteme verbinden Elemente beider Grundtypen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran unterscheiden sich Wahlsysteme?

Stell dir vor, eine Partei erhält viele Stimmen, gewinnt aber nur wenige Wahlkreise. Soll sie trotzdem entsprechend ihrem gesamten Stimmenanteil Sitze bekommen? Die Antwort hängt vom Wahlsystem ab.

Definition

Mehrheitswahl

Bei der Mehrheitswahl gewinnt in einem Wahlkreis eine Person das Mandat. Bei der relativen Mehrheitswahl genügen mehr Stimmen als für jede andere Person. Bei der absoluten Mehrheitswahl ist mehr als die Hälfte der Stimmen nötig.

Stimmen für unterlegene Kandidatinnen und Kandidaten führen in diesem Wahlkreis nicht zu einem Mandat. Deshalb kann eine Partei landesweit viele Stimmen erhalten und trotzdem nur wenige Sitze gewinnen.

Definition

Verhältniswahl

Bei der Verhältniswahl richtet sich die Zahl der Sitze einer Partei nach ihrem Anteil an den Parteistimmen. Die Sitze werden anschließend mit Kandidatinnen und Kandidaten aus Parteilisten besetzt.

Bei einer starren Liste können die Wählenden die von der Partei festgelegte Reihenfolge nicht verändern.

Merke

Mehrheitswahl fragt vor allem: Wer gewinnt den Wahlkreis? Verhältniswahl fragt vor allem: Wie groß ist der Stimmenanteil jeder Partei?

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtEine Kandidatin erhält 42 %, ihre beiden Gegner erhalten 35 % und 23 %. Was gilt bei relativer Mehrheitswahl?
Lösung: Die Kandidatin gewinnt, weil sie mehr Stimmen als jede andere Person hat. — Bei relativer Mehrheitswahl wird nur verglichen, wer die meisten Stimmen hat. Mehr als die Hälfte ist dafür nicht erforderlich.
Wie können dieselben Stimmen anders wirken?

Im folgenden vereinfachten Beispiel gibt es vier Wahlkreise. Jeder Wahlkreis vergibt bei Mehrheitswahl genau einen Sitz. Partei A und Partei B stellen jeweils eine Person auf.

WahlkreisStimmen für AStimmen für BWahlkreissieg
15149A
25149A
35149A
40100B
Gesamt153247
Beispiel

Auswertung als Mehrheitswahl: A gewinnt drei Wahlkreise und damit drei der vier Sitze. B gewinnt einen Wahlkreis und erhält einen Sitz.

Auswertung nach der Verhältnisidee: Zuerst werden alle Stimmen zusammengezählt. Von 400 Stimmen erhält A 153 Stimmen, also 38,25 %. B erhält 247 Stimmen, also 61,75 %. Deshalb müsste B bei einer proportionalen Sitzverteilung den größeren Sitzanteil erhalten.

Die genaue Zahl ganzer Sitze hängt zusätzlich von der Zahl der verfügbaren Sitze und dem verwendeten Berechnungsverfahren ab. Die Grundentscheidung bleibt jedoch sichtbar: Die Mehrheitswahl belohnt gewonnene Wahlkreise, die Verhältniswahl berücksichtigt die gesamten Parteistimmen.

Das Beispiel ist bewusst zugespitzt. Es zeigt nicht, welches System immer „besser“ ist, sondern wie die Übersetzungsregel das Ergebnis verändert.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum erhält A bei der Mehrheitswahl mehr Sitze, obwohl B insgesamt mehr Stimmen hat?
Lösung: A gewinnt drei der vier einzelnen Wahlkreise. — Die Stimmen werden bei der Mehrheitswahl nach Wahlkreisen ausgewertet. Drei knappe Siege können mehr Mandate bringen als ein sehr deutlicher Sieg der Gegenseite.
Wie verbindet die Bundestagswahl beide Grundideen?

Das Bundestagswahlrecht ab 2025 ist eine Verhältniswahl mit personenbezogenen Elementen. Der Bundestag hat 630 Sitze und Deutschland weiterhin 299 Wahlkreise.

  • Mit der Erststimme wählst du eine Person aus deinem Wahlkreis.
  • Mit der Zweitstimme wählst du die Landesliste einer Partei.
  • Die Zweitstimmen sind grundsätzlich maßgeblich dafür, wie viele Sitze eine Partei erhält.
  • Der Erststimmensieg einer Parteibewerberin oder eines Parteibewerbers führt nur dann zu einem Direktmandat, wenn dieses durch die Zweitstimmen der Partei gedeckt ist.
  • Für Einzelbewerberinnen und Einzelbewerber gilt diese Zweitstimmendeckung nicht; ihnen genügt die relative Mehrheit im Wahlkreis.
Gut zu wissen

Ein Wahlkreissieg einer Parteibewerbung und ein Sitzanspruch der Partei sind also nicht dasselbe. Die Erststimme bestimmt, welche Person im Wahlkreis vorne liegt. Die Zweitstimmen begrenzen, wie viele Sitze die Partei insgesamt besetzen kann.

Die Landeslisten sind starr: Du kannst ihre von der Partei festgelegte Reihenfolge nicht verändern.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Parteibewerberin gewinnt ab 2025 die meisten Erststimmen in ihrem Wahlkreis. Was folgt daraus sicher?
Lösung: Sie liegt im Wahlkreis vorn; für ein Direktmandat muss zusätzlich Zweitstimmendeckung bestehen. — Die Zweitstimmen sind für den Sitzanspruch der Parteien maßgeblich. Deshalb kann eine Parteibewerbung trotz Wahlkreissiegs ohne Mandat bleiben.
Nach welchen Zielen lassen sich Systeme vergleichen?

Ein Wahlsystem muss mehrere Ziele miteinander verbinden. Diese Ziele können sich gegenseitig begrenzen.

ZielMehrheitswahlVerhältniswahl
Abbildung der ParteistimmenStimmenanteil und Sitzanteil können stark voneinander abweichen.Stimmen- und Sitzanteile sollen einander möglichst entsprechen.
Regionale BindungEin Wahlkreis ist meist unmittelbar mit einer gewählten Person verbunden.Die Sitzverteilung richtet sich vor allem nach Parteistimmen und Listen.
Chancen kleiner ParteienStimmen ohne Wahlkreissieg führen häufig zu keinem Sitz.Kleinere Parteien können grundsätzlich leichter Sitze erhalten.
MehrheitsbildungKann klare Parlamentsmehrheiten begünstigen.Kann Koalitionen zwischen mehreren Parteien erforderlich machen.

Diese Folgen sind Tendenzen, keine Naturgesetze. Aus einem Wahlsystem allein lässt sich nicht sicher ableiten, ob eine Regierung stabil sein wird.

Merke

Wahlsysteme lösen den Zielkonflikt zwischen genauer Repräsentation, regionaler Bindung und Mehrheitsbildung nicht vollständig. Sie gewichten diese Ziele unterschiedlich.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEin Land möchte Parteistimmen möglichst genau abbilden und zugleich eine persönliche Verbindung zwischen Wahlkreisen und Abgeordneten erhalten. Welche Entscheidung passt am besten?
Lösung: Ein Mischsystem kann beide Ziele verbinden, muss aber Regeln für mögliche Konflikte festlegen. — Ein Mischsystem kombiniert Elemente, beseitigt den Zielkonflikt aber nicht. Es muss festlegen, welches Element bei widersprüchlichen Ergebnissen Vorrang hat.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Wahlsysteme
    • Mehrheitswahl: Wahlkreissieg entscheidet
    • Verhältniswahl: Parteistimmen bestimmen Sitzanteile
    • Mischsystem: verbindet Personen- und Listenelemente
    • Bundestagswahl: Erststimme und maßgebliche Zweitstimme
    • Vergleich: Repräsentation, regionale Bindung, Mehrheitsbildung
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage beschreibt die Verhältniswahl?
Lösung: Der Anteil der Parteistimmen bestimmt grundsätzlich den Anteil der Sitze. — Bei der Verhältniswahl sollen sich die Anteile der Stimmen und Sitze möglichst entsprechen.
Frage 2 von 3MittelPartei X gewinnt sechs von zehn Wahlkreisen knapp, Partei Y erhält aber insgesamt mehr Stimmen. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Mehrheitswahl kann X mehr Wahlkreismandate geben, während Verhältniswahl den höheren Gesamtstimmenanteil von Y berücksichtigt. — Für die Mehrheitswahl sind die einzelnen Wahlkreissiege entscheidend. Die Verhältniswahl betrachtet dagegen die Parteistimmen insgesamt.
Frage 3 von 3SchwerWarum ist die Aussage „Mehrheitswahl sorgt immer für stabile Regierungen“ nicht haltbar?
Lösung: Ein Wahlsystem kann Mehrheitsbildung beeinflussen, politische Stabilität hängt aber nicht allein davon ab. — Wahlsysteme können bestimmte Ergebnisse begünstigen. Ein allgemeiner, sicherer Zusammenhang zwischen Wahlsystem und politischer Stabilität lässt sich daraus nicht ableiten.

Prüfe zum Schluss deine Erklärung: Kannst du für ein neues Wahlergebnis zuerst die Wahlkreissiege und dann die Gesamtstimmen vergleichen? Wenn du daraus unterschiedliche Sitzwirkungen und den zugrunde liegenden Zielkonflikt erklären kannst, hast du das Kernziel erreicht.

Passend dazu