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Überhangmandat

Überhangmandat einfach erklärt: Entstehung, Bedeutung und Zusammenhang mit Direktmandaten.

Wenn in deiner Klasse Gruppenarbeit verteilt wird, soll es fair bleiben. Jede Gruppe soll ungefähr so viele Aufgaben bekommen, wie zu ihrer Größe passt. Bei Wahlen ist das ähnlich: Sitze im Parlament sollen möglichst zum Wahlergebnis passen. Beim Überhangmandat ging es genau um den Fall, dass eine Partei mehr Sitze bekam, als ihr nach dem Verhältnis der Stimmen eigentlich zustanden.

Deine Lernziele
  • Du verstehst, was ein Überhangmandat ist.
  • Du erkennst, wie Erststimme, Zweitstimme und Direktmandat zusammenhängen.
  • Du kannst an einem einfachen Beispiel erklären, wie Überhangmandate entstanden.
  • Du weißt, warum später zusätzliche Sitze zum Ausgleich eingeführt wurden.
  • Du kennst die heutige Lage bei Bundestagswahlen ab 2025.

Zwei Stimmen bei der Bundestagswahl

Bei Bundestagswahlen hattest du lange zwei Stimmen, die unterschiedliche Aufgaben hatten. Das ist wichtig, weil Überhangmandate nur aus diesem Zusammenspiel verständlich werden.

Die Erststimme war die Stimme für eine Person in deinem Wahlkreis. Ein Wahlkreis ist ein festgelegtes Gebiet, in dem Menschen wählen. Wer in einem Wahlkreis die meisten Erststimmen bekam, gewann dort ein Direktmandat. Ein Direktmandat ist also ein Sitz im Bundestag, den eine Person direkt über ihren Wahlkreis erhält.

Die Zweitstimme war die Stimme für eine Partei. Sie war besonders wichtig, weil sie bestimmte, wie viele Sitze eine Partei insgesamt ungefähr im Bundestag bekommen sollte. Dieses Prinzip heißt Verhältniswahl: Die Sitzverteilung soll ungefähr dem Stimmenverhältnis der Parteien entsprechen.

Definition

Ein Mandat ist ein Sitz in einem Parlament. Wer ein Mandat hat, ist Abgeordnete oder Abgeordneter und darf im Parlament mitentscheiden.

Beispiel

Stell dir vor, ein Bundesland bekommt 10 Sitze im Bundestag. Partei Blau bekommt dort so viele Zweitstimmen, dass ihr 4 Sitze zustehen. Gleichzeitig gewinnen ihre Kandidatinnen und Kandidaten aber 5 Wahlkreise direkt. Dann hat Partei Blau mehr Direktmandate gewonnen, als ihr nach den Zweitstimmen zustehen.

Merke

Die Erststimme entschied über Personen im Wahlkreis. Die Zweitstimme entschied vor allem über die Stärke der Parteien im Parlament.

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Was ein Überhangmandat ist

Ein Überhangmandat war ein zusätzlicher Sitz, der entstehen konnte, wenn eine Partei mehr Direktmandate gewann, als ihr nach den Zweitstimmen zustanden. Das Wort Überhang bedeutet hier: Es hängt etwas über die eigentliche Sitzzahl hinaus.

Wichtig ist: Das Überhangmandat war kein besonderer Sitz für eine bestimmte berühmte Person. Meist konnte man nur sagen: Eine Partei hat in einem Land eine bestimmte Zahl an Überhangmandaten. Der Grund lag in der Rechnung zwischen Direktmandaten und Zweitstimmen.

Definition

Ein Überhangmandat entstand, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate gewann, als ihr dort nach dem Zweitstimmenergebnis zustanden.

Beispiel

Partei Grün stehen nach den Zweitstimmen in einem Bundesland 6 Sitze zu. Ihre Kandidatinnen und Kandidaten gewinnen dort aber 8 Wahlkreise direkt. Dann gibt es 2 Sitze mehr, als die Partei nach der Zweitstimmenrechnung bekommen sollte. Diese 2 zusätzlichen Sitze waren Überhangmandate.

Gut zu wissen

Überhangmandate waren vor allem im deutschen Bundestagswahlrecht vor der Änderung des Wahlrechts 2023 wichtig. Bei der Bundestagswahl 2021 gab es noch Überhangmandate und viele zusätzliche Sitze zum Ausgleich. Ab der Bundestagswahl 2025 sind Überhangmandate im Bundestag nicht mehr möglich.

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Schritt für Schritt: So entstand ein Überhang

Du kannst dir die Entstehung wie einen Vergleich vorstellen. Zuerst wurde geschaut, wie viele Sitze eine Partei nach den Zweitstimmen bekommen sollte. Dann wurde gezählt, wie viele Wahlkreise sie direkt gewonnen hatte.

Wenn die Zahl der Direktmandate kleiner oder gleich der Sitzanzahl nach Zweitstimmen war, gab es keinen Überhang. Die Partei konnte ihre Sitze mit Direktgewinnern und weiteren Personen von Listen füllen. Wenn die Zahl der Direktmandate aber größer war, entstand ein Überhang.

Eine Landesliste ist eine Liste einer Partei in einem Bundesland. Auf ihr stehen Kandidatinnen und Kandidaten, die über die Zweitstimmen ins Parlament kommen konnten. Direktmandate wurden zuerst berücksichtigt. Danach wurden freie Plätze über die Liste aufgefüllt.

Beispiel

Ein einfaches Rechenbeispiel:

Partei Rot bekommt nach den Zweitstimmen 5 Sitze.

Sie gewinnt aber 7 Wahlkreise direkt.

Rechnung: \(7 - 5 = 2\)

Partei Rot hat also 2 Direktmandate mehr als ihr nach Zweitstimmen zustehen. Früher waren das 2 Überhangmandate.

Merke

Überhangmandate entstanden nicht durch besonders viele Stimmen allein. Sie entstanden durch ein Ungleichgewicht: viele gewonnene Wahlkreise, aber weniger Sitzanspruch nach Zweitstimmen.

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Warum Überhangmandate politisch wichtig waren

Überhangmandate waren nicht nur eine Rechenfrage. Sie konnten die Größe und die Zusammensetzung des Bundestages verändern. Dadurch wurde es politisch wichtig, wie mit ihnen umgegangen wird.

Ein Parteienproporz ist das Verhältnis der Sitze zwischen den Parteien. Wenn Partei A etwa doppelt so viele Zweitstimmen wie Partei B bekommt, soll sie ungefähr doppelt so viele Sitze bekommen. Überhangmandate konnten dieses Verhältnis verzerren, weil eine Partei zusätzliche Sitze erhielt.

Die Wahlgleichheit bedeutet: Stimmen sollen möglichst gleich viel Einfluss auf das Ergebnis haben. Wenn zusätzliche Sitze das Verhältnis stark verändern, kann diese Gleichheit unter Druck geraten.

Beispiel

Partei Gelb bekommt nach den Zweitstimmen 30 Prozent der Sitze. Durch viele Direktmandate erhält sie aber zusätzliche Sitze. Dann kann ihr Sitzanteil höher sein als ihr Zweitstimmenanteil. Andere Parteien wirken dadurch im Parlament kleiner, obwohl ihre Zweitstimmen nicht verschwunden sind.

Gut zu wissen

Das Bundesverfassungsgericht kritisierte frühere Regeln, weil zu viele nicht ausgeglichene Überhangmandate die Wahlgleichheit beeinträchtigen konnten. Ein besonderes Problem war das negative Stimmgewicht. Das bedeutet: In bestimmten Rechenlagen konnten zusätzliche Stimmen einer Partei sogar einen Sitz kosten.

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Ausgleichsmandate: Der Versuch, die Verzerrung zu korrigieren

Um Überhangmandate auszugleichen, wurden Ausgleichsmandate genutzt. Ein Ausgleichsmandat ist ein zusätzlicher Sitz für andere Parteien, damit das Verhältnis der Sitze wieder näher an das Zweitstimmenergebnis rückt.

Das hatte einen Vorteil: Das Parlament entsprach wieder besser dem Verhältnis der Zweitstimmen. Es hatte aber auch einen Nachteil: Der Bundestag wurde größer. Wenn viele Überhangmandate entstanden, konnten noch mehr Ausgleichsmandate nötig werden.

Definition

Ein Ausgleichsmandat ist ein zusätzlicher Sitz, der vergeben wird, um die Wirkung von Überhangmandaten auf das Parteienverhältnis auszugleichen.

Beispiel

Partei Blau bekommt 3 Überhangmandate. Dadurch hätte sie im Parlament zu viel Gewicht im Vergleich zu den Zweitstimmen. Deshalb erhalten andere Parteien zusätzliche Sitze. So nähert sich die Sitzverteilung wieder dem Zweitstimmenergebnis an.

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Merke

Ausgleichsmandate machten die Sitzverteilung fairer nach Zweitstimmen, vergrößerten aber das Parlament.

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Die heutige Lage ab der Bundestagswahl 2025

Seit der Änderung des Wahlrechts gilt für Bundestagswahlen ab 2025 eine wichtige neue Regel: Die Zahl der Sitze im Bundestag ist grundsätzlich auf 630 begrenzt. Außerdem gibt es die Zweitstimmendeckung. Das bedeutet: Ein Wahlkreissieg führt nur dann zu einem Sitz, wenn die Partei durch Zweitstimmen genügend Sitze erhält.

Dadurch können im Bundestag keine Überhangmandate mehr entstehen. Ein Kandidat oder eine Kandidatin kann also einen Wahlkreis gewinnen, aber trotzdem keinen Sitz bekommen, wenn der Partei dafür keine ausreichende Zweitstimmendeckung zur Verfügung steht.

Definition

Zweitstimmendeckung bedeutet: Ein Direktmandat zählt nur dann als Sitz, wenn es durch den Sitzanspruch der Partei nach Zweitstimmen gedeckt ist.

Beispiel

Partei Orange gewinnt in einem Bundesland 6 Wahlkreise. Nach den Zweitstimmen stehen ihr dort aber nur 4 Sitze zu. Nach der neuen Logik können nicht einfach 2 zusätzliche Überhangmandate entstehen. Nur so viele Wahlkreissieger erhalten ein Mandat, wie durch Zweitstimmen gedeckt sind.

Gut zu wissen

Für ältere Bundestagswahlen musst du Überhangmandate und Ausgleichsmandate verstehen. Für Bundestagswahlen ab 2025 ist wichtig: Überhangmandate sind im Bundestag abgeschafft.

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Zusammenfassung

Ein Überhangmandat entstand früher, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate gewann, als ihr nach den Zweitstimmen zustanden. Dafür musst du die Rollen von Erststimme, Zweitstimme und Direktmandat unterscheiden.

Die Erststimme entschied über Personen im Wahlkreis. Die Zweitstimme bestimmte vor allem, wie stark eine Partei insgesamt im Bundestag vertreten sein sollte. Wenn diese beiden Ergebnisse nicht zusammenpassten, konnte ein Überhang entstehen.

Überhangmandate waren politisch wichtig, weil sie das Verhältnis der Parteien im Parlament verändern konnten. Deshalb wurden Ausgleichsmandate genutzt, die das Verhältnis korrigieren sollten, aber den Bundestag vergrößerten.

Seit der Änderung des Wahlrechts gilt für Bundestagswahlen ab 2025 die Zweitstimmendeckung. Deshalb gibt es im Bundestag keine Überhangmandate mehr.

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