Politik

Verfassung: Regeln, Rechte und Macht verstehen

Verfassung: Regeln, Rechte und Macht verstehen
Verfassung: Regeln, Rechte und Macht verstehen
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Eine Verfassung enthält die grundlegenden Regeln eines Staates. Sie bestimmt, wie politische Entscheidungen entstehen, welche Einrichtungen Macht ausüben dürfen und welche Rechte die Menschen gegenüber dem Staat haben. In Deutschland heißt die Verfassung Grundgesetz.

Deine Lernziele

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Welche Aufgaben hat eine Verfassung?

Stell dir vor, eine Regierung könnte allein entscheiden, welche Regeln gelten, wie Gerichte urteilen und welche Kritik erlaubt ist. Eine Verfassung soll eine solche unkontrollierte Macht verhindern.

Definition

Verfassung

Eine Verfassung ist die rechtliche Grundordnung eines Staates. Sie legt fest, wie der Staat aufgebaut ist, wie politische Herrschaft ausgeübt wird und wo die Befugnisse staatlicher Einrichtungen enden.

Eine Verfassung beantwortet unter anderem diese Fragen:

  • Welche Staatsorgane gibt es?
  • Wer darf Gesetze beschließen und ausführen?
  • Wie wird eine Regierung gebildet?
  • Wer kontrolliert staatliche Entscheidungen?
  • Welche Rechte schützen die Menschen?
  • Unter welchen Bedingungen darf die Verfassung geändert werden?

Die Verfassung steht über den einfachen Gesetzen. In Deutschland müssen alle anderen Gesetze den Vorgaben des Grundgesetzes entsprechen. Auch Regierung, Verwaltung, Polizei und Gerichte sind daran gebunden.

Merke

Eine Verfassung ermöglicht staatliches Handeln, ordnet politische Macht und begrenzt diese Macht zugleich.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt eine Verfassung am besten?
Lösung: Sie enthält die grundlegenden Regeln über Staatsaufbau, Machtausübung und Rechte. — Eine Verfassung ist die verbindliche rechtliche Grundordnung. Sie regelt mehr als Gerichte und ist nicht mit der Gesamtheit aller Gesetze gleichzusetzen.
Wie schützt eine Verfassung die Menschen?

Grundrechte begrenzen die Staatsmacht. Der Staat muss diese Rechte beachten und Menschen außerdem vor bestimmten Gefahren und Übergriffen schützen.

Im deutschen Grundgesetz stehen die Grundrechte am Anfang, in den Artikeln 1 bis 19. Dazu gehören beispielsweise:

  • Schutz der Menschenwürde
  • Freiheit der persönlichen Lebensgestaltung
  • Gleichheit vor dem Gesetz
  • Glaubens- und Meinungsfreiheit
  • Schutz von Ehe und Familie
  • Schutz privater Kommunikation und der Wohnung
  • Petitionsrecht
Definition

Menschenwürde

Menschenwürde bedeutet: Jeder Mensch besitzt allein durch sein Menschsein einen unverlierbaren Wert. Herkunft, Gesundheit, Leistung, Verhalten oder gesellschaftliche Stellung ändern daran nichts.

Artikel 1 verpflichtet alle staatliche Gewalt, die Menschenwürde zu achten und zu schützen. Auch ein Mensch, der eine Straftat begangen hat, verliert seine Würde nicht.

Freiheitsrechte gelten nicht grenzenlos. Die persönliche Freiheit endet dort, wo Rechte anderer oder gesetzliche Grenzen verletzt werden. Meinungsfreiheit erlaubt zum Beispiel politische Kritik, schützt aber keine Gewaltandrohung.

Beispiel

Eine Schülerin kritisiert öffentlich die geplante Schließung eines Schwimmbads. Das ist eine politische Meinungsäußerung und wird grundsätzlich geschützt.

Droht sie einer Person dabei Gewalt an, kann sie sich dafür nicht auf Meinungsfreiheit berufen. Die Verfassung schützt Freiheit, aber nicht die Verletzung anderer Menschen.

Menschenrechte und Bürgerrechte

Einige Grundrechte gelten für alle Menschen, etwa Menschenwürde und Meinungsfreiheit. Andere Rechte nennt das Grundgesetz ausdrücklich Rechte der Deutschen. Diese werden als Bürgerrechte bezeichnet. Dazu zählt im Wortlaut des Grundgesetzes beispielsweise die Versammlungsfreiheit.

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Frage 1 von 1MittelEine Person beleidigt eine andere und behauptet, das sei durch Meinungsfreiheit erlaubt. Was ist die passende Prüfung?
Lösung: Man prüft, ob die Äußerung Rechte anderer oder allgemeine Gesetze verletzt. — Meinungsfreiheit ermöglicht offene politische Diskussion. Sie hebt jedoch die Rechte anderer und die geltenden Gesetze nicht auf.
Wie ordnet die Verfassung staatliche Macht?

Das Grundgesetz beschreibt Deutschland als Republik sowie als demokratischen und sozialen Bundesstaat. Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung sichern zusätzlich, dass Macht an Regeln gebunden und kontrolliert wird.

Die Verfassungsprinzipien

  • Demokratie: Politische Herrschaft geht vom Volk aus. Durch Wahlen bestimmt das Volk für eine begrenzte Zeit politische Vertreter.
  • Republik: Das Staatsoberhaupt ist kein erbliches monarchisches Amt; politische Repräsentanten werden für begrenzte Zeit bestimmt.
  • Rechtsstaat: Auch staatliche Einrichtungen und Amtsträger müssen sich an Gesetze halten. Unabhängige Gerichte kontrollieren die rechtmäßige Anwendung.
  • Sozialstaat: Der Staat übernimmt soziale Verantwortung und unterstützt Menschen in Notlagen.
  • Bundesstaat: Deutschland besteht aus 16 Ländern. Bund und Länder teilen sich staatliche Aufgaben.

Die Prinzipien wirken zusammen. Eine Wahl allein macht noch keinen funktionierenden Rechtsstaat. Gewählte Mehrheiten bleiben an Verfassung, Grundrechte und Gesetze gebunden.

Die drei Gewalten

Die Gewaltenteilung verteilt staatliche Aufgaben:

  1. Die gesetzgebende Gewalt beschließt Gesetze.
  2. Die ausführende Gewalt setzt Gesetze um.
  3. Die rechtsprechende Gewalt entscheidet Streitfälle und kontrolliert die rechtmäßige Anwendung.

Zu den wichtigen Verfassungsorganen gehören Bundestag, Bundesrat, Bundesregierung, Bundespräsident und Bundesverfassungsgericht. Bundestag und Bundesrat wirken an der Gesetzgebung mit. Die Bundesregierung führt politische und staatliche Aufgaben aus. Das Bundesverfassungsgericht schützt das Grundgesetz und die Grundrechte.

Merke

Gewaltenteilung bedeutet nicht, dass die Gewalten nichts miteinander zu tun haben. Sie verteilen Aufgaben und kontrollieren sich, damit Macht nicht bei wenigen Personen konzentriert wird.

Beispiel

Die Polizei gehört zur ausführenden Gewalt. Sie darf nicht nach eigenen Vorlieben handeln, sondern ist an Gesetze gebunden. Hält jemand eine staatliche Maßnahme für rechtswidrig, kann die Entscheidung gerichtlich überprüft werden. So verbinden sich Rechtsstaat und Gewaltenteilung.

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Frage 1 von 2LeichtWelches Prinzip verteilt Aufgaben zwischen Bund und Ländern?
Lösung: Bundesstaatsprinzip — Im Bundesstaat teilen sich Bund und Länder staatliche Aufgaben.
Frage 2 von 2MittelWarum schützt Gewaltenteilung vor Machtmissbrauch?
Lösung: Verschiedene Gewalten übernehmen unterschiedliche Aufgaben und kontrollieren sich. — Die Aufteilung erschwert eine unkontrollierte Konzentration staatlicher Macht.
Warum darf eine Verfassung geändert werden?

Eine Verfassung soll Stabilität schaffen. Deshalb ist sie schwerer zu ändern als ein einfaches Gesetz. Trotzdem muss sie auf neue politische und gesellschaftliche Fragen reagieren können.

Das Grundgesetz ist daher nicht vollständig unveränderlich. Artikel 79 regelt, wie Änderungen möglich sind. Einige grundlegende Entscheidungen stehen jedoch unter einem besonderen Schutz.

Definition

Ewigkeitsklausel

Die Ewigkeitsklausel in Artikel 79 Absatz 3 schützt bestimmte Verfassungsgrundsätze vor ihrer Abschaffung. Dazu gehören die Grundsätze aus Artikel 1 und Artikel 20, die Gliederung Deutschlands in Länder und die grundsätzliche Mitwirkung der Länder an der Gesetzgebung.

Geschützt werden damit unter anderem die Menschenwürde sowie die grundlegende demokratische, rechtsstaatliche, soziale und bundesstaatliche Ordnung.

Gut zu wissen

Die Bezeichnung Ewigkeitsklausel bedeutet nicht, dass kein Satz des Grundgesetzes geändert werden darf. Sie schützt einen unverzichtbaren Kern. Andere Verfassungsänderungen bleiben nach den dafür geltenden Regeln möglich.

Diese besondere Sicherung entstand vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Diktatur und der Erfahrung, dass die Weimarer Demokratie ihre grundlegende Ordnung nicht ausreichend vor ihren Feinden schützen konnte.

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Frage 1 von 1MittelEine Gruppe behauptet: „Wegen der Ewigkeitsklausel darf das Grundgesetz überhaupt nie geändert werden.“ Wie beurteilst du die Aussage?
Lösung: Sie ist falsch, weil nur bestimmte grundlegende Verfassungsentscheidungen dauerhaft geschützt sind. — Artikel 79 Absatz 3 verbindet Stabilität mit Veränderbarkeit: Normale Änderungen sind möglich, der geschützte Kern darf jedoch nicht beseitigt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Verfassungstext und Wirklichkeit?

Die rechtliche Verfassung beschreibt, wie Entscheidungen zustande kommen sollen und wer welche Befugnisse besitzt. Die politische Praxis zeigt, wer tatsächlich besonders großen Einfluss ausübt.

Für diese tatsächlich wirksamen, teilweise informellen Abläufe wird der Begriff Realverfassung verwendet.

Beispiel

In Österreich berichten Medien manchmal, die Regierung habe sich auf ein Gesetz geeinigt. Rechtlich beschließen jedoch Nationalrat und Bundesrat nach ihrer Beratung über das Gesetz und können es noch verändern.

Die Regierung kann eine politische Vorentscheidung prägen. Der formale Gesetzesbeschluss bleibt trotzdem Aufgabe der zuständigen parlamentarischen Organe.

Die Realverfassung ersetzt die rechtliche Verfassung nicht. Informeller Einfluss darf sich nicht über verbindliche Regeln hinwegsetzen. Gerade deshalb müssen politische Entscheidungen immer wieder an der Verfassung gemessen werden.

Auch der Aufbau einer Verfassung kann verschieden sein: Deutschland besitzt mit dem Grundgesetz eine zentrale Verfassungsurkunde. In Österreich verteilt sich das Verfassungsrecht auf mehrere Verfassungsgesetze und weitere Bestimmungen mit Verfassungsrang.

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Frage 1 von 1SchwerEine Regierung einigt sich politisch auf einen Gesetzentwurf. Welche Aussage unterscheidet Einfluss und rechtliche Zuständigkeit richtig?
Lösung: Die Einigung kann politisch wichtig sein; beschlossen wird das Gesetz durch die verfassungsrechtlich zuständigen Organe. — Die Realverfassung beschreibt tatsächlichen Einfluss. Die rechtliche Verfassung bestimmt weiterhin, wer verbindlich entscheiden darf.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Verfassung
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      • rechtliche Verfassung und Realverfassung

Eine Verfassung ist mehr als ein Text über staatliche Einrichtungen. Sie verbindet Rechte, Regeln, Zuständigkeiten und Kontrollen. Wirksam bleibt sie nur, wenn staatliche Organe und die Gesellschaft ihre Grundsätze anerkennen und verteidigen.

Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Aufgabe gehört nicht zu einer Verfassung?
Lösung: Sie legt jede einzelne politische Entscheidung im Voraus fest. — Eine Verfassung schafft den grundlegenden Rahmen. Konkrete politische Entscheidungen werden innerhalb dieses Rahmens getroffen.
Frage 2 von 4MittelDie Polizei handelt ohne gesetzliche Grundlage. Welches Verfassungsprinzip ist besonders berührt?
Lösung: Das Rechtsstaatsprinzip — Im Rechtsstaat dürfen staatliche Stellen nicht beliebig handeln. Sie sind an Verfassung und Gesetze gebunden.
Frage 3 von 4SchwerEine Mehrheit möchte die Menschenwürde aus dem Grundgesetz entfernen. Warum reicht eine gewöhnliche Verfassungsänderung dafür nicht aus?
Lösung: Die Grundsätze aus Artikel 1 gehören zum geschützten Kern der Ewigkeitsklausel. — Artikel 79 Absatz 3 schützt unter anderem die Grundsätze aus Artikel 1 vor Abschaffung.
Frage 4 von 4SchwerEine Regierung besitzt großen politischen Einfluss auf ein Gesetz. Was muss trotzdem geprüft werden?
Lösung: Ob das vorgesehene Verfahren eingehalten wird und die zuständigen Organe entscheiden. — Politischer Einfluss gehört zur Realverfassung. Verbindliches staatliches Handeln bleibt an die rechtliche Verfassung gebunden.

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