Evangelisch und katholisch: Unterschiede erklärt
Evangelische und römisch-katholische Kirche gehören beide zum Christentum. Sie teilen wichtige Glaubensgrundlagen, unterscheiden sich aber unter anderem bei Kirchenleitung, Ämtern und Sakramenten. Zusammenarbeit trotz dieser Unterschiede heißt Ökumene.
Auf dieser Seite vergleichst du vor allem evangelische Landeskirchen in Deutschland mit der römisch-katholischen Kirche. Andere christliche Kirchen können eigene Regeln und Traditionen haben.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was verbindet beide Kirchen?
Eine Konfession ist eine Glaubensgemeinschaft innerhalb einer Religion. Evangelisch und römisch-katholisch sind zwei christliche Konfessionen.
Beide Kirchen teilen mehr als nur den Namen „christlich“. Gemeinsam sind ihnen unter anderem:
- der Glaube an Gott, Jesus Christus und den Heiligen Geist;
- die Orientierung an der Bibel;
- die Taufe;
- Gottesdienste mit Gebet, Liedern und Bibellesungen;
- das Vaterunser und das Apostolische Glaubensbekenntnis;
- viele Feste des Kirchenjahres, zum Beispiel Weihnachten und Ostern;
- der Einsatz für Nächstenliebe, Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.
Taufe
Die Taufe ist eine christliche Zeichenhandlung mit Wasser. Sie verbindet einen Menschen mit Christus und nimmt ihn zugleich in eine konkrete Kirche auf. Evangelische Landeskirchen und die römisch-katholische Kirche erkennen ihre Taufen gegenseitig an.
Evangelisch und katholisch sind nicht zwei verschiedene Religionen. Es sind verschiedene Konfessionen innerhalb des Christentums.
Warum gibt es evangelische und katholische Kirchen?
Im 16. Jahrhundert kritisierte Martin Luther Missstände in der damaligen Kirche. Ein wichtiger Streitpunkt war der Ablasshandel: Menschen sollten durch Zahlungen einen Erlass von Sündenstrafen erhalten können.
Luther betonte dagegen Gottes Gnade und den Glauben. Außerdem wollte er Lehre und kirchliches Leben an der Bibel prüfen. Seine Kritik führte zusammen mit weiteren Konflikten zur Reformation und schließlich zur Entstehung evangelischer Kirchen.
Heute stimmen evangelische und katholische Kirche in wichtigen Fragen stärker überein als zur Zeit der Reformation. Trotzdem bestehen unterschiedliche Lehren und Strukturen fort.
Luthers 95 Thesen richteten sich zunächst gegen den Ablasshandel. Die spätere Trennung entstand in einem längeren geschichtlichen Konflikt. Sie lässt sich deshalb nicht mit einem einzigen Ereignis vollständig erklären.
Wer leitet und entscheidet?
In der römisch-katholischen Kirche ist der Papst das gesamtkirchliche Oberhaupt. Er leitet die Kirche gemeinsam mit den Bischöfen. Papst und Bischöfe bilden das kirchliche Lehramt, das in Fragen der Lehre eine entscheidende Rolle besitzt.
Evangelische Kirchen haben kein gemeinsames zentrales Oberhaupt. Gemeinden, Synoden, Kirchenleitungen und theologische Fachleute wirken je nach Landeskirche auf unterschiedliche Weise an Entscheidungen mit.
Synode
Eine Synode ist eine kirchliche Versammlung, in der gewählte oder berufene Mitglieder beraten und entscheiden. Sie ähnelt in einigen Aufgaben einem Parlament, ist aber ein kirchliches Organ.
Hinter den Strukturen stehen verschiedene Vorstellungen von Autorität:
- Evangelisch: Die Bibel ist der grundlegende Maßstab. Entscheidungen entstehen im Zusammenspiel verschiedener kirchlicher Stellen.
- Katholisch: Bibel und kirchliche Tradition gehören zusammen. In letzter Konsequenz entscheidet das Lehramt aus Papst und Bischöfen.
Eine Kirche muss eine gemeinsame Regel für ihr kirchliches Leben klären.
In einer evangelischen Landeskirche beraten darüber beispielsweise Synoden und Kirchenleitungen. Eine einzelne leitende Person kann nicht für alle evangelischen Kirchen entscheiden.
In der römisch-katholischen Kirche sind Beratungen ebenfalls möglich. Für verbindliche gesamtkirchliche Lehrentscheidungen besitzen jedoch Papst und Bischöfe eine besondere Autorität.
Welche Aufgaben haben Priester und Pfarrpersonen?
Die römisch-katholische Kirche unterscheidet das gemeinsame Priestertum aller Getauften und das besondere Weiheamt. Zum Weiheamt gehören Diakon, Priester und Bischof. Die Priesterweihe ist ein Sakrament.
In evangelischen Kirchen gilt das allgemeine Priestertum aller Getauften: Alle Christinnen und Christen können ihren Glauben bezeugen und anderen Menschen helfen. Trotzdem gibt es ein geordnetes kirchliches Amt. Pfarrpersonen werden ordiniert und mit dem Dienst an Verkündigung und Sakramenten beauftragt. Diese Ordination ist keine Priesterweihe im katholischen Sinn.
Weitere Unterschiede betreffen die Lebensform und den Zugang zum Amt:
- Evangelische Landeskirchen in Deutschland ordinieren Menschen unabhängig vom Geschlecht. Evangelische Pfarrpersonen dürfen heiraten.
- Die römisch-katholische Kirche weiht nur Männer. Priester des lateinischen Ritus verpflichten sich normalerweise zum Zölibat, also zu einem ehelosen Leben.
„Alle Getauften sind wichtig“ bedeutet evangelisch nicht: „Ein kirchliches Amt ist unnötig.“ Pfarrpersonen werden für besondere öffentliche Aufgaben ausgebildet und ordiniert.
Warum werden Sakramente unterschiedlich gezählt?
Ein Sakrament ist eine heilige Zeichenhandlung, in der Gottes Nähe und Zuwendung sichtbar und erfahrbar werden sollen.
Evangelische Kirchen zählen zwei Sakramente, weil sie Taufe und Abendmahl als von Jesus Christus eingesetzt und biblisch bezeugt verstehen:
- Taufe
- Abendmahl
Die römisch-katholische Kirche feiert sieben Sakramente:
- Taufe
- Eucharistie
- Firmung
- Buße oder Beichte
- Weihe
- Ehe
- Krankensalbung
Abendmahl ist die übliche evangelische, Eucharistie die übliche katholische Bezeichnung für die Mahlfeier. Beide gehen auf Jesu letztes Mahl mit seinen Jüngern zurück. Beide Kirchen glauben an Christi Gegenwart, beschreiben diese aber theologisch unterschiedlich. Eine gemeinsame Feier ist weiterhin nicht allgemein möglich.
Die Ehe wird in der römisch-katholischen Kirche als Sakrament gezählt. Auch evangelische Kirchen feiern einen Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung und sprechen dem Paar Gottes Segen zu. Sie zählen die Ehe jedoch nicht zu ihren beiden Sakramenten.
Der Unterschied liegt also nicht einfach darin, ob eine Handlung vorkommt. Entscheidend ist, welchen Rang und welche Bedeutung die jeweilige Kirche ihr gibt.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Evangelische Kirchen zählen normalerweise Sakramente: und . Die römisch-katholische Kirche zählt Sakramente. Ihre Bezeichnung für die Mahlfeier lautet häufig .
Wie funktioniert Ökumene?
Ökumene bezeichnet die Zusammenarbeit christlicher Kirchen und die Suche nach größerer Einheit. Ihr Ziel ist nicht, alle Traditionen gleichzumachen. Gemeinsamkeiten sollen gelebt und trennende Fragen ehrlich bearbeitet werden.
Ökumenische Zusammenarbeit zeigt sich zum Beispiel durch:
- gemeinsam gestaltete Gottesdienste;
- soziale Projekte für Menschen in Not;
- gemeinsame Veranstaltungen oder Kirchentage;
- gemeinsam genutzte Gemeindezentren und Kirchengebäude;
- die gegenseitige Anerkennung der Taufe.
Beim Abendmahl beziehungsweise bei der Eucharistie bleibt eine deutliche Grenze bestehen. Gerade weil die Mahlfeier für beide Kirchen wichtig ist, wird die fehlende gemeinsame Feier als schmerzhaft erlebt.
Eine evangelische und eine katholische Gemeinde nutzen dasselbe Gemeindezentrum. Sie organisieren gemeinsam eine Hilfsaktion und feiern einen ökumenischen Gottesdienst.
Das ist echte Zusammenarbeit. Die Gemeinden bleiben dennoch verschiedenen Kirchen zugeordnet, und nicht jede heilige Handlung wird automatisch gemeinsam gefeiert. Das Beispiel zeigt daher zugleich Kooperation und bleibende Differenz.
Karteikasten
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Alles auf einen Blick
- Evangelische und römisch-katholische Kirche
- Gemeinsam: christlicher Glaube, Bibel, Taufe und Gottesdienst
- Geschichte: Reformation und fortbestehende Konfessionen
- Leitung: evangelische Synoden oder katholisches Lehramt
- Amt: evangelische Ordination oder katholische Weihe
- Sakramente: evangelisch zwei oder katholisch sieben
- Ökumene: Zusammenarbeit bei bleibenden Differenzen
Die beiden Kirchen teilen zentrale Grundlagen des christlichen Glaubens. Ihre Unterschiede hängen zusammen: Verschiedene Vorstellungen von Autorität prägen Leitung und Amt; verschiedene Sakramentsverständnisse führen zu einer unterschiedlichen Zählung. Ökumene macht Gemeinsamkeiten praktisch sichtbar, ohne Unterschiede zu leugnen.
Abschluss-Check
Prüfe dich zum Schluss: Kannst du zu den Bereichen Leitung, Amt und Sakramente jeweils einen Unterschied erklären und zugleich mindestens drei gemeinsame Grundlagen nennen? Dann kannst du die beiden Konfessionen differenziert vergleichen.
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