Hadith: Bedeutung, Aufbau und Prüfung erklärt
Ein Hadith ist ein Bericht über eine Aussage, Handlung oder stillschweigende Billigung Mohammeds. Hadithe überliefern sein Vorbild und helfen vielen Musliminnen und Muslimen, allgemeine religiöse Orientierung auf konkrete Situationen zu beziehen. Weil Berichte auch erfunden oder verändert wurden, prüfen Fachgelehrte ihre Überlieferung.
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Was ist ein Hadith?
Das arabische Wort Hadith bedeutet unter anderem „Bericht“, „Mitteilung“ oder „Überlieferung“. Im islamischen Zusammenhang bezeichnet es einen überlieferten Bericht darüber, was Mohammed gesagt, getan oder stillschweigend gebilligt haben soll.
Hadith
Ein Hadith ist ein einzelner überlieferter Bericht über Mohammed. Der Ausdruck kann auch zusammenfassend für die Gesamtheit solcher Überlieferungen stehen.
Hadithe behandeln zum Beispiel Gebet, Fasten und den Umgang mit anderen Menschen. Sie zeigen, wie Mohammed nach der Überlieferung in bestimmten Situationen handelte.
Koran, Sunna und Hadith unterscheiden
Diese drei Begriffe hängen zusammen, bedeuten aber nicht dasselbe:
- Der Koran gilt Musliminnen und Muslimen als Offenbarung Gottes.
- Die Sunna ist Mohammeds überlieferte Lebens- und Handlungsweise.
- Ein Hadith ist ein Bericht, durch den etwas über diese Lebensweise weitergegeben wird.
Der Hadith ist der Bericht; die Sunna ist die darin erkennbare Lebensweise. Der Koran ist davon als Offenbarungsschrift zu unterscheiden.
Der Koran gibt religiöse Orientierung, erklärt aber nicht jede Handlung bis ins Einzelne. Ein Bericht darüber, wie Mohammed betete, ist ein Hadith. Aus solchen Berichten leiten viele Muslime Vorstellungen darüber ab, wie das Gebet nach Mohammeds Vorbild ausgeführt werden kann. Diese vorbildhafte Praxis gehört zur Sunna.
Wie ist ein Hadith aufgebaut?
Ein Hadith besitzt gewöhnlich zwei unterscheidbare Teile: den Überlieferungsweg und den eigentlichen Bericht.
Isnad
Der Isnad ist die Kette der Personen, die einen Bericht weitergegeben haben sollen. Sie beantwortet die Frage: Wer hat den Bericht von wem erhalten?
Matn
Der Matn ist der Inhalt oder Wortlaut des Berichts. Er beantwortet die Frage: Was soll gesagt, getan oder gebilligt worden sein?
Ein vereinfachtes Beispiel lautet: „Person C hörte von Person B, die es von Person A gehört hatte: Mohammed tat in einer bestimmten Situation X.“
- „Person C hörte von Person B, die es von Person A gehört hatte“ ist der Isnad.
- „Mohammed tat in einer bestimmten Situation X“ ist der Matn.
Die Namen und die Handlung sind hier nur Platzhalter. Das Beispiel zeigt den Aufbau und behauptet keinen wirklichen Hadith.
Warum mussten Hadithe geprüft werden?
Ein Hadith konnte religiöse oder rechtliche Autorität erhalten. Dadurch entstand ein Anreiz, die eigene Meinung mit einem angeblichen Bericht über Mohammed zu stützen. Überlieferungen wurden etwa aus politischen, religiösen oder finanziellen Motiven erfunden oder verändert.
Bereits verbreitete Fälschungen ließen sich nur schwer wieder beseitigen. Deshalb entwickelten muslimische Gelehrte eine umfangreiche Hadithwissenschaft.
Zwei Gruppen streiten über eine Regel. Eine Gruppe behauptet ohne verlässliche Grundlage, Mohammed habe genau ihre Position vertreten. Die Behauptung wirkt nun gewichtiger als eine gewöhnliche Meinung. Gerade diese Wirkung erklärt, warum die Herkunft eines Hadiths geprüft werden muss.
Religiöse Bedeutung ersetzt keine Prüfung. Je mehr Autorität ein Bericht beansprucht, desto wichtiger ist die Frage nach seiner Überlieferung.
Wie wurden Überlieferungen untersucht?
Gelehrte prüften nicht nur, ob eine Kette aufgeschrieben war. Sie untersuchten die einzelnen Überlieferer und ihre möglichen Verbindungen.
Wichtige Fragen waren:
- Ist die Kette vollständig oder fehlen Vermittler?
- Konnten sich die genannten Personen überhaupt begegnet sein?
- Galten die Überlieferer als ehrlich und zuverlässig?
- Konnten sie sich genau erinnern und sorgfältig berichten?
- Passten Lehrer-Schüler-Beziehungen und Lebenszeiten zusammen?
Dafür sammelten Gelehrte biografische Angaben über Überlieferer. Dieser Forschungszweig wird als Überliefererkritik bezeichnet.
Eine lückenlose Kette beweist für sich allein noch nicht, dass der Inhalt historisch sicher ist. Die formale Struktur des Isnad und die Glaubwürdigkeit der beteiligten Personen sind wichtige, aber unterschiedliche Prüffragen. Auch die historische Aussagekraft solcher Prüfungen wird in der Forschung diskutiert.
Angenommen, Person B behauptet, einen Bericht direkt von Person A gehört zu haben. Aus den Lebensdaten ergibt sich jedoch, dass A bereits gestorben war, bevor B geboren wurde. Dann kann diese direkte Begegnung nicht stattgefunden haben. Die angegebene Kette enthält mindestens eine ungeklärte Lücke.
Was bedeuten die Echtheitsstufen?
Die traditionelle Hadithwissenschaft verwendet verschiedene Kategorien. Drei wichtige Stufen sind:
- ṣaḥīḥ: „gesund“, gewöhnlich als authentisch eingestuft;
- ḥasan: „gut“, akzeptiert, aber schwächer bewertet als ṣaḥīḥ;
- ḍaʿīf: „schwach“, wegen Problemen in der Überlieferung nicht als gleich zuverlässig bewertet.
Daneben bezeichnet mauḍūʿ einen als erfunden oder gefälscht eingestuften Bericht.
Diese Wörter geben ein Urteil innerhalb der traditionellen Hadithkritik wieder. Sie sind nicht einfach mit einem modernen historischen Beweis gleichzusetzen. Außerdem gibt es zahlreiche Untergruppen und weitere Kriterien, etwa die Zahl der Überlieferer oder Lücken im Isnad.
Ein Bericht besitzt eine zusammenhängende Kette aus als zuverlässig und genau bewerteten Personen. Das spricht in der traditionellen Prüfung für eine hohe Einstufung. Fehlt dagegen ein Vermittler oder gilt eine Person als unzuverlässig, kann der Bericht schwächer eingestuft werden. Für ein vollständiges Urteil werden mehrere Merkmale zusammen betrachtet.
Welche Sammlungen und Unterschiede gibt es?
Mit der wachsenden Zahl von Berichten entstanden unterschiedliche Sammlungsformen. Musannaf-Werke ordnen Hadithe nach Themen, etwa Gebet, Pilgerfahrt, Ehe oder Kaufrecht. Musnad-Werke ordnen sie dagegen nach den Gefährten Mohammeds, denen die Berichte jeweils zugeschrieben werden.
Im sunnitischen Islam erhielten besonders die Sammlungen von al-Buchārī und Muslim hohes Ansehen. Zusammen mit vier Sunan-Werken bilden sie die sogenannten sechs Bücher des klassischen sunnitischen Hadithkanons.
Schiitische Traditionen besitzen eigene bedeutende Sammlungen und setzen bei der Anerkennung von Überlieferungswegen andere Schwerpunkte. Deshalb sollte man nicht von einer einzigen, für alle muslimischen Richtungen identischen Hadithsammlung sprechen.
Auch die Bedeutung von Hadithen wird innerislamisch nicht vollkommen einheitlich beurteilt. Für viele Muslime sind sie eine zentrale Quelle religiöser Orientierung; Koranisten lehnen ihre Verwendung als zweite theologische Quelle dagegen ab.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Hadith
- Bedeutung: Bericht über Mohammed und Zugang zur Sunna
- Aufbau: Isnad als Überliefererkette und Matn als Berichtsinhalt
- Prüfung: Vollständigkeit der Kette und Zuverlässigkeit der Personen
- Einordnung: ṣaḥīḥ, ḥasan und ḍaʿīf sowie mauḍūʿ als erfunden
- Sammlungen: thematisch als Musannaf oder nach Gefährten als Musnad
- Vielfalt: unterschiedliche Sammlungen und Bewertungen ihrer Autorität
Abschluss-Check
Du kannst Hadithe nun als Berichte über Mohammed einordnen, ihren Aufbau erklären und traditionelle Echtheitsurteile vorsichtig lesen. Entscheidend ist: Religiöse Bedeutung, Überlieferungsweg und historische Sicherheit sind miteinander verbunden, aber nicht dasselbe.
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