Religion

Islam einfach erklärt: Glaube, Praxis und Vielfalt

Islam einfach erklärt: Glaube, Praxis und Vielfalt
Islam einfach erklärt: Glaube, Praxis und Vielfalt
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Der Islam ist eine monotheistische Weltreligion: Musliminnen und Muslime glauben an einen Gott. Auf Arabisch heißt Gott Allah. Der Islam entstand im frühen 7. Jahrhundert auf der Arabischen Halbinsel und ist mit den Verkündigungen Mohammeds verbunden.

Du lernst hier die Entstehung des Islam, seine wichtigsten Textgrundlagen und die fünf Säulen kennen. Außerdem erfährst du, warum muslimisches Leben vielfältig ist und weshalb Begriffe wie Islam, Scharia und Islamismus nicht gleichgesetzt werden dürfen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie begann der Islam?

Der Islam entstand im frühen 7. Jahrhundert in Arabien. Mohammed lebte in Mekka und verkündete seit etwa 610 Botschaften, die er nach islamischem Glauben von Gott erhielt. Dass diese Botschaften göttliche Offenbarungen sind, ist eine Glaubensaussage.

Definition

Hidschra

Die Hidschra ist Mohammeds Auswanderung von Mekka nach Yathrib, dem späteren Medina, im Jahr 622. Dieses Jahr wurde zum Ausgangspunkt der islamischen Zeitrechnung.

In Medina war Mohammed nicht nur religiöser Verkünder, sondern auch politischer und gesellschaftlicher Anführer. 630 setzte er sich in Mekka durch. Als er 632 starb, stellte sich die Frage, wer die Gemeinschaft führen sollte.

Zeitstrahl
  1. um 570Mohammed wird in Mekka geboren.
  2. 610Nach islamischer Überlieferung beginnt Mohammeds Offenbarungsauftrag.
  3. 622Mohammed wandert nach Medina aus; die islamische Zeitrechnung beginnt.
  4. 630Mohammed kehrt als Anführer nach Mekka zurück.
  5. 632Mohammed stirbt; die Frage seiner Nachfolge gewinnt große Bedeutung.
Merke

Historisch einordnen lässt sich, wann und wo Mohammed wirkte. Die Aussage, dass Gott ihm Botschaften offenbarte, gehört zum islamischen Glauben.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelches Ereignis markiert den Beginn der islamischen Zeitrechnung?
Lösung: Mohammeds Auswanderung nach Medina im Jahr 622 — Die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Hidschra, also der Auswanderung nach Medina im Jahr 622.
Wie unterscheiden sich Koran, Sunna und Hadith?

Die drei Begriffe hängen zusammen, bezeichnen aber nicht dasselbe.

Definition

Koran

Der Koran ist die wichtigste Textgrundlage des Islam. Musliminnen und Muslime verstehen ihn als Offenbarung Gottes an Mohammed. Das arabische Wort bezeichnet eine Lesung, Rezitation oder einen Vortrag.

Definition

Hadith

Ein Hadith ist ein überlieferter Bericht über Worte, Handlungen oder Billigungen Mohammeds. Die Mehrzahl lautet Hadithe.

Definition

Sunna

Die Sunna ist Mohammeds als vorbildlich verstandene Lebenspraxis. Hadithe sind wichtige Überlieferungen, aus denen viele muslimische Gelehrte diese Praxis erschließen.

Beispiel

In einer religiösen Frage können Musliminnen und Muslime zuerst nach Aussagen des Korans fragen. Anschließend können Hadithe herangezogen werden, um zu untersuchen, wie Mohammed in einer ähnlichen Situation gehandelt haben soll. Aus solchen Berichten wird seine vorbildliche Praxis, die Sunna, erschlossen.

Der entscheidende Unterschied lautet: Der Koran gilt als Offenbarungstext, ein Hadith ist ein einzelner Überlieferungsbericht und die Sunna bezeichnet die daraus erschlossene vorbildliche Praxis.

Nicht alle muslimischen Richtungen bewerten jeden Hadith gleich. Einige Strömungen stützen sich besonders stark auf Koran und Hadithe, während koranistische Gruppen Hadithe als Glaubens- und Rechtsquelle ablehnen.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Person sagt: „Sunna und Hadith sind nur zwei Wörter für denselben Text.“ Welche Antwort ist richtig?
Lösung: Ein Hadith ist ein einzelner Bericht; Sunna bezeichnet die vorbildliche Praxis Mohammeds. — Hadithe berichten von Mohammeds Worten und Handlungen. Aus solchen Berichten wird seine Sunna erschlossen. Deshalb darfst du die Begriffe nicht gleichsetzen.
Was bedeuten die fünf Säulen?

Die fünf Säulen fassen zentrale religiöse Pflichten zusammen. Sie geben eine Grundstruktur vor, sagen aber nicht, dass jeder muslimische Mensch seinen Glauben im Alltag genau gleich lebt.

  1. Schahāda – Glaubensbekenntnis: Sie bekennt den Glauben an den einen Gott und Mohammed als seinen Gesandten.
  2. Salāt – Pflichtgebet: Das Gebet findet grundsätzlich fünfmal täglich zu Zeiten statt, die sich am Sonnenstand orientieren. Gebetet wird in Richtung Mekka. Eine rituelle Waschung gehört zur Vorbereitung.
  3. Zakāt – verpflichtende Abgabe: Finanziell leistungsfähige Gläubige geben einen Teil ihres Vermögens für unterstützungsbedürftige Menschen und weitere vorgesehene Zwecke ab. Häufig werden 2,5 Prozent genannt; Bemessungsgrundlage, Mindestvermögen und Satz können jedoch von der Vermögensart abhängen.
  4. Saum – Fasten im Ramadan: Zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang verzichten Fastende unter anderem auf Essen und Trinken. Für Menschen etwa mit Krankheit, auf Reisen oder in anderen belastenden Situationen gelten Ausnahmen und Möglichkeiten zum Nachholen.
  5. Haddsch – Pilgerfahrt nach Mekka: Sie soll einmal im Leben unternommen werden, wenn Gesundheit und finanzielle Lage es erlauben. Zu ihren Riten gehört die siebenmalige Umrundung der Kaaba.
Beispiel

Eine kranke Person kann im Ramadan vom Fasten ausgenommen sein. Eine Person ohne ausreichendes Geld muss keine Pilgerfahrt unternehmen. Beide Beispiele zeigen: Eine Säule benennt nicht nur eine Handlung, sondern kann auch Bedingungen und Ausnahmen enthalten.

Merke

Die fünf Säulen sind Glaubensbekenntnis, Gebet, Zakāt, Ramadanfasten und Pilgerfahrt. Ob und wie eine Pflicht erfüllt wird, kann von Gesundheit, Vermögen, Situation und religiöser Auslegung abhängen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Handlung gehört nicht zu den fünf Säulen?
Lösung: Der Bau einer Moschee — Der Moscheebau kann für eine Gemeinschaft wichtig sein, gehört aber nicht zu den fünf Säulen.
Frage 2 von 2MittelEine Person ist körperlich und finanziell nicht zu einer Reise nach Mekka in der Lage. Was folgt aus der beschriebenen Regel?
Lösung: Die Verpflichtung zum Haddsch gilt für sie nicht unter denselben Bedingungen wie für eine dazu fähige Person. — Der Haddsch ist an körperliche und finanzielle Möglichkeit gebunden. Die Bedingung gehört zur Regel selbst.
Wie prägen Moschee, Kalender und Feste den Alltag?

Eine Moschee ist ein muslimischer Gebets- und Versammlungsort. Das Wort bedeutet sinngemäß „Ort, an dem man sich im Gebet niederbeugt“. Eine Moschee kann Minarette oder eine Kuppel besitzen, muss aber nicht überall gleich aussehen.

Die Gebetsrichtung weist nach Mekka zur Kaaba, einem quaderförmigen Gebäude im Hof der Großen Moschee. Auch außerhalb einer Moschee können Musliminnen und Muslime beten.

Der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond. Ein Jahr umfasst zwölf Mondmonate und ist mit ungefähr 354 Tagen kürzer als ein Sonnenjahr. Deshalb verschiebt sich der Ramadan gegenüber unserem Sonnenkalender jährlich um ungefähr zehn bis elf Tage.

Am Ende des Ramadan wird das Fest des Fastenbrechens, oft Zuckerfest genannt, gefeiert. Das Opferfest steht in Verbindung mit dem Abschluss der Pilgerfahrt und zählt ebenfalls zu den wichtigsten islamischen Festen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Der muslimische Gebets- und Versammlungsort heißt . Beim Gebet richten sich Gläubige nach aus. Der Fastenmonat heißt . Weil der islamische Kalender dem folgt, wandern Ramadan und Feste durch die Jahreszeiten.

Lösungen: Lücke 1: Moschee; Lücke 2: Mekka; Lücke 3: Ramadan; Lücke 4: Mond. Moschee, Mekka, Ramadan und Mond gehören zu unterschiedlichen Bereichen: Ort, Gebetsrichtung, Fastenmonat und Kalendergrundlage.
Warum gibt es nicht nur eine Form muslimischen Lebens?

Mehr als zwei Milliarden Menschen gehören weltweit dem Islam an. Sie leben in unterschiedlichen Ländern, Kulturen und sozialen Situationen. Deshalb unterscheiden sich Kleidung, Festbräuche, religiöse Gewohnheiten und persönliche Überzeugungen.

Auch innerhalb des Islam gibt es verschiedene Richtungen. Die größte Gruppe bilden die Sunniten. Für sie besitzt die Sunna Mohammeds besondere Bedeutung. Schiiten vertreten die Auffassung, dass Mohammeds Cousin und Schwiegersohn ʿAlī der rechtmäßige erste Nachfolger gewesen sei. Aus dem Streit um die Nachfolge entwickelten sich unterschiedliche religiöse Lehren und Gemeinschaften.

Daneben gibt es etwa ibaditische, sufische, koranistische und weitere Traditionen. Auch innerhalb einer Richtung denken und handeln nicht alle Menschen gleich.

Beispiel

Die Aussage „Alle Musliminnen tragen dieselbe Kleidung“ ist ein Stereotyp, also eine starre Verallgemeinerung. Kleidung hängt unter anderem von persönlicher Entscheidung, religiöser Auslegung, Region und staatlichen Regeln ab. Ein einzelnes Beispiel darf deshalb nicht für alle muslimischen Menschen stehen.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Aussage berücksichtigt die Vielfalt muslimischen Lebens am besten?
Lösung: Muslimische Menschen teilen bestimmte religiöse Bezugspunkte, können ihren Glauben aber unterschiedlich verstehen und leben. — Gemeinsame Bezugspunkte wie Koran oder fünf Säulen heben die innere Vielfalt des Islam nicht auf.
Wie prüfst du schwierige Begriffe und Medienaussagen?

Ein einzelnes Schlagwort erklärt noch keine Religion. Prüfe eine Aussage in drei Schritten:

  1. Begriff klären: Was bedeutet das Wort im religiösen Zusammenhang?
  2. Verallgemeinerung suchen: Wird aus einer Richtung, einem Staat oder einer Person auf alle Muslime geschlossen?
  3. Vielfalt und Kontext ergänzen: Welche unterschiedlichen Auslegungen oder Bedingungen fehlen?
Definition

Scharia

Scharia bedeutet sinngemäß „Weg“ und bezeichnet islamische Vorstellungen von religiösen Normen und Lebensführung. Diese Normen wurden und werden unterschiedlich ausgelegt. Scharia ist daher nicht einfach ein weltweit einheitliches Gesetzbuch.

Definition

Dschihad

Dschihad bedeutet „Sich-Abmühen“ oder „Anstrengung“. Der Begriff kann je nach Zusammenhang ein inneres moralisches Bemühen, den Einsatz für die Religion oder auch Fragen von Kampf und Verteidigung bezeichnen. Die pauschale Übersetzung „heiliger Krieg“ erfasst diese Bedeutungsbreite nicht.

Definition

Islamismus

Islamismus ist eine politische, fundamentalistische Ausrichtung, die aus einer bestimmten Auslegung des Islam verbindliche Regeln für Gesellschaft und Staat ableiten will. Islam und Islamismus sind deshalb nicht dasselbe. Die große Mehrheit der Musliminnen und Muslime teilt extremistische Auffassungen nicht.

Beispiel

Medienaussage: „Die Scharia schreibt allen Muslimen überall dieselben Regeln vor.“

Prüfung: Die Aussage macht aus einem vielschichtigen Begriff ein einheitliches Gesetzbuch. Sie lässt verschiedene Rechtsschulen, religiöse Richtungen, historische Entwicklungen und persönliche Auslegungen weg. Treffender ist: Scharia bezeichnet religiöse Normvorstellungen, die unterschiedlich hergeleitet und angewendet werden.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEine Meldung beschreibt eine extremistische Gruppe und nennt ihr Verhalten anschließend „den Islam“. Was ist die beste Prüfung?
Lösung: Untersuchen, welche politische Ausrichtung gemeint ist, und nicht von einer Gruppe auf alle Muslime schließen. — Eine faire Prüfung trennt Religion, politische Ideologie, einzelne Gruppen und die Vielfalt muslimischer Lebensweisen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Islam
    • Entstehung: Arabien, Mohammed, Hidschra
    • Grundlagen: Koran, Hadithe, Sunna
    • Praxis: fünf Säulen
    • Orte und Zeiten: Moschee, Mekka, Mondkalender, Feste
    • Richtungen: Sunnitentum, Schia und weitere Traditionen
    • Vielfalt: unterschiedliche Auslegungen und Lebensweisen
    • Begriffe prüfen: Islam, Scharia, Dschihad und Islamismus unterscheiden
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas ist ein Hadith?
Lösung: Ein überlieferter Bericht über Worte oder Handlungen Mohammeds — Hadithe dienen vielen Musliminnen und Muslimen dazu, Mohammeds vorbildliche Praxis zu erschließen.
Frage 2 von 3MittelWarum liegt der Ramadan nicht jedes Jahr in derselben Jahreszeit?
Lösung: Der islamische Mondkalender ist kürzer als das Sonnenjahr. — Das islamische Jahr hat ungefähr 354 Tage. Dadurch verschiebt sich der Ramadan jährlich um etwa zehn bis elf Tage gegenüber dem Sonnenkalender.
Frage 3 von 3SchwerJemand sagt: „Eine muslimische Familie lebt anders als eine andere. Eine von beiden muss den Islam falsch verstanden haben.“ Welche Antwort ist begründet?
Lösung: Unterschiede können durch Auslegung, Richtung, Region und persönliche Entscheidung entstehen. — Gemeinsame Grundlagen und innere Vielfalt können gleichzeitig bestehen. Ein Unterschied beweist daher nicht, dass nur eine Lebensweise möglich ist.

Du kannst den Islam nun als Religion mit gemeinsamen Grundlagen und vielfältigen Auslegungen beschreiben. Achte bei neuen Aussagen darauf, Glaubensüberzeugungen, historische Befunde, religiöse Normen und politische Ideologien voneinander zu unterscheiden.

Passend dazu