Imam: Gebetsleitung und Aufgaben einfach erklärt
Ein Imam leitet ein muslimisches Gemeinschaftsgebet. Dabei steht er vor den Betenden, gibt den Ablauf vor und führt die Gebetshaltungen aus. Imam kann aber auch die Berufsbezeichnung eines ausgebildeten religiösen Leiters sein.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du die Aufgabe eines Imams?
Stell dir vor, viele Menschen möchten gemeinsam beten. Damit alle zur selben Zeit sprechen und ihre Haltung wechseln, übernimmt eine geeignete Person die Leitung: der Imam.
Imam
Ein Imam ist zunächst der Vorbeter eines muslimischen Gemeinschaftsgebets. Er steht vor der Gemeinde und koordiniert den festgelegten Gebetsablauf.
Das ähnlich geschriebene Wort Iman bedeutet dagegen „Glaube“. Imam und Iman bezeichnen also nicht dasselbe.
Ein Imam ist nicht mit einem Priester gleichzusetzen: Für die bloße Leitung eines Gebets sind weder eine Weihe noch grundsätzlich eine besondere Berufsausbildung nötig.
Wie leitet ein Imam das gemeinsame Gebet?
Beim rituellen Gebet folgen festgelegte Abschnitte und Körperhaltungen aufeinander, etwa Stehen, Verbeugen und Niederwerfen. Der Imam steht mit dem Rücken zur Gemeinde. Die Betenden sehen seine Bewegungen und folgen ihnen.
Er spricht Gebetsabschnitte hörbar und kennzeichnet Haltungswechsel unter anderem mit dem Ruf „Allahu akbar“, hier mit „Gott ist größer“ wiedergegeben. So hilft er der Gemeinde, das Gebet gleichzeitig auszuführen.
Eine Gruppe erreicht gemeinsam einen Haltungswechsel. Der Imam spricht den vorgesehenen Ruf und beginnt die nächste Bewegung. Die Gemeinde folgt ihm. Der entscheidende Gedanke lautet: Der Imam betet nicht anstelle der anderen, sondern koordiniert ihr gemeinsames Gebet.
In vielen Moscheen steht der Imam beim Vorbeten in oder nahe der Mihrab, der Gebetsnische. Ihre Form kann seine Stimme verstärken. Eine Minbar ist dagegen eine Kanzel, von der aus vor dem Freitagsgebet oder an Festtagen eine Ansprache gehalten werden kann.
Wann ist Imam eine Funktion und wann ein Beruf?
Für ein einzelnes Gemeinschaftsgebet kann grundsätzlich jeder geeignete Muslim die Funktion des Imams übernehmen. Er muss den Gebetsablauf kennen, Koranverse rezitieren können und die nötige geistige und religiöse Reife besitzen. Eine formale Ernennung oder besondere Ausbildung ist dafür nicht grundsätzlich vorgeschrieben.
Weil das Vorbeten als besondere Ehre gilt, wählen Gemeinden häufig eine Person mit guten Religions- und Korankenntnissen. Das kann ein Gelehrter sein, muss aber kein angestellter Berufsimam sein.
Ein Berufsimam hat dagegen häufig eine mehrjährige Ausbildung und arbeitet dauerhaft für eine Gemeinde. Die Bezeichnung „Imam“ allein verrät deshalb noch nicht, ob jemand nur ein bestimmtes Gebet leitet oder einen religiösen Beruf ausübt.
Bei einem Treffen kennt Amir den Gebetsablauf und kann die benötigten Koranverse rezitieren. Die Anwesenden bitten ihn, das Gebet zu leiten. Amir übernimmt damit die Funktion des Imams, ohne dadurch automatisch angestellter Berufsimam zu werden.
Welche Aufgaben hat ein Berufsimam?
Ein angestellter Imam kann den religiösen Bereich einer Gemeinde betreuen. Seine Arbeit reicht dann weit über das Vorbeten hinaus.
Zu möglichen Aufgaben gehören:
- Kinder religiös zu unterrichten,
- Koranrezitationskreise zu leiten,
- religiöse Fragen zu beantworten,
- Gemeindemitglieder zu beraten,
- Kranke zu besuchen,
- Angehörige nach einem Todesfall zu trösten,
- Totengebete zu leiten,
- Jugendliche zu begleiten und
- Aktivitäten während des Ramadan zu unterstützen.
Nicht jeder Imam übernimmt überall genau dieselben Aufgaben. Die konkrete Arbeit hängt von seiner Stelle und der jeweiligen Gemeinde ab.
Die Wörter „Imam“ und „Vorbeter“ beschreiben die Gebetsleitung gut. Bei einem angestellten Imam kommen häufig Tätigkeiten als Lehrer, Berater, Seelsorger und religiöser Leiter hinzu.
Ist der Imam automatisch Chef der Moschee?
Nein. Besonders in Deutschland sind Moscheen häufig als Vereine organisiert. Dann leitet gewöhnlich der Vereinsvorsitzende die organisatorischen Angelegenheiten. Der Imam trägt vor allem Verantwortung für den religiösen Bereich.
Der Vereinsvorsitzende plant die Finanzierung und organisiert eine Gebäudereparatur. Der Imam bereitet die religiöse Unterweisung vor und leitet das Gebet. Beide tragen Verantwortung, aber für unterschiedliche Bereiche.
Religiöse Leitung ist nicht automatisch organisatorische Vereinsleitung.
Können Frauen Imaminnen sein?
Diese Frage wird innerhalb des Islam unterschiedlich beantwortet. Nach klassischer islamischer Theologie dürfen Frauen Frauengemeinschaften vorbeten, aber keine gemischten Gemeinden aus Frauen und Männern.
Daneben gibt es andere Auffassungen und Praktiken. Einzelne muslimische Gemeinden lassen Frauen auch gemischte Gebete leiten. Bekannt wurden etwa öffentliche Gebetsleitungen durch Amina Wadud im Jahr 2005 und die Arbeit liberaler Moscheegemeinden.
Für diese Frage gibt es keine weltweit für alle muslimischen Richtungen verbindlich entscheidende Lehrautorität. Deshalb solltest du unterschiedliche Positionen als solche benennen und nicht eine einzelne Praxis als Regel für alle Muslime darstellen.
Einige Begründungen für den Ausschluss von Frauen aus der Leitung gemischter Gebete sind umstritten. Auch die Behauptung, die Einschränkung habe vor allem männliche Macht gesichert, ist eine Interpretation und kein eindeutig nachgewiesener historischer Befund.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Imam
- leitet das Gemeinschaftsgebet
- gibt Bewegungen und Gebetsabschnitte vor
- kann eine zeitweise Gebetsfunktion übernehmen
- kann ausgebildeter Gemeindemitarbeiter sein
- unterrichtet und berät möglicherweise
- ist nicht automatisch Leiter des Moscheevereins
- kann je nach islamischer Auffassung auch eine Frau sein
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