Religion

Priester: Aufgaben und Unterschiede erklärt

Priester: Aufgaben und Unterschiede erklärt
Priester: Aufgaben und Unterschiede erklärt
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Priesterinnen und Priester sind religiöse Amtsträger mit geregelten Aufgaben. Meist werden sie ausgebildet und von einer Religionsgemeinschaft eingesetzt. Doch nicht jede Religion kennt ein Priesteramt, und nicht überall gehören dieselben Aufgaben dazu.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du ein Priesteramt?

Nicht Kleidung oder ein einzelnes Ritual entscheiden darüber, ob jemand Priester ist. Wichtig ist vor allem die anerkannte Stellung innerhalb einer Religionsgemeinschaft.

Definition

Priesteramt

Ein Priesteramt ist eine durch eine Religionsgemeinschaft geregelte religiöse Aufgabe. Eine Person kann es zeitlich begrenzt oder langfristig ausüben. Der Zugang erfolgt meist durch Ausbildung, Auswahl, Abstammung, Einsetzung oder Weihe. Damit sind bestimmte Rechte und Pflichten verbunden.

Häufig gehören folgende Merkmale zusammen:

  • Die Person erlernt religiöse Lehren, Texte und Rituale.
  • Eine Gemeinschaft erkennt ihre Einsetzung an.
  • Sie darf bestimmte Kulthandlungen leiten.
  • Für das Amt gelten besondere Regeln, etwa zu Kleidung oder Lebensführung.
  • Es kann verschiedene Rangstufen geben, zum Beispiel Priester und Hohepriester.

Nicht jedes Merkmal kommt in jeder Religion vor. Ein erbliches Priesteramt kann beispielsweise an eine Familie gebunden sein. In anderen Gemeinschaften erfolgt der Zugang durch eine Weihe oder Wahl.

Merke

Ein Priester ist nicht einfach ein religiöser Mensch, sondern ein anerkannter Amtsträger mit geregelten Aufgaben und Vollmachten.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung trifft ein Priesteramt am besten?
Lösung: Eine Religionsgemeinschaft überträgt einer ausgebildeten oder ausgewählten Person geregelte religiöse Aufgaben. — Entscheidend sind die anerkannte Einsetzung und die damit verbundenen Aufgaben, nicht bloß Interesse oder Teilnahme.
Welche Aufgaben können Priester übernehmen?

Priester können Rituale leiten, religiöses Wissen bewahren und Menschen begleiten. Welche Aufgaben tatsächlich dazugehören, hängt von der jeweiligen Religion und ihrer Geschichte ab.

Typische Aufgaben sind:

  • Gebete, Opferhandlungen oder andere Rituale leiten;
  • heilige Texte lesen und erklären;
  • Tempel, Altäre oder andere Kultorte betreuen;
  • religiöse Regeln und Überlieferungen weitergeben;
  • Menschen unterrichten oder seelsorglich begleiten;
  • eine Gemeinde oder religiöse Einrichtung verwalten.

In manchen Religionen gelten Priester als Vermittler zwischen Menschen und einer Gottheit. Diese Beschreibung ist aber keine allgemeingültige Definition. In der griechischen Antike durften beispielsweise auch Bürger opfern; Priester besaßen dort kein vollständiges Opfermonopol. Die besondere Mittlerrolle wurde eher Sehern zugeschrieben.

Beispiel

Im alten Ägypten versorgten Priester das Kultbild einer Gottheit nach einem genau geregelten Ablauf. Sie öffneten das Heiligtum, reinigten und bekleideten das Kultbild, brachten Speisen dar und verschlossen den Schrein wieder. Das Beispiel zeigt: Priesterliches Handeln konnte aus einem festgelegten Kultdienst bestehen, für den besondere Kenntnisse nötig waren.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Person darf nach geregelter Ausbildung einen Tempelbereich betreuen und dort vorgeschriebene Rituale ausführen. Was spricht hier besonders für ein Priesteramt?
Lösung: Die Verbindung aus Ausbildung, anerkannter Befugnis und geregeltem Kultdienst — Ausbildung, Einsetzung und Amtsaufgaben bilden gemeinsam den entscheidenden Zusammenhang. Kleidung kann das Amt nur nach außen sichtbar machen.
Warum passt der Begriff nicht auf jede Religion?

Das deutsche Wort „Priester“ geht über das lateinische presbyter auf das griechische presbýteros zurück und bedeutet „Älterer“. Der heutige Begriff ist stark durch das Christentum und besonders durch das katholische Weiheamt geprägt.

Deshalb verwenden Religionswissenschaftler häufig den neutraleren Ausdruck religiöse Spezialisten. Er umfasst Menschen mit besonderen religiösen Kenntnissen oder Aufgaben, ohne ihnen vorschnell ein christlich geprägtes Amt zuzuschreiben.

Ein Vorbeter, Mönch, Schamane, Seher oder Religionsgelehrter ist also nicht automatisch Priester:

  • Ein Mönch zeichnet sich vor allem durch seine religiöse Lebensform aus.
  • Ein Seher soll verborgene oder zukünftige Dinge erkennen.
  • Ein Vorbeter koordiniert ein gemeinsames Gebet.
  • Ein Priester erhält seine Befugnisse typischerweise durch ein geregeltes Amt.

Die Grenzen können trotzdem fließend sein. Eine Person kann etwa zugleich Mönch und Priester sein.

Zwei wichtige Gegenbeispiele

Im heutigen Judentum gibt es seit dem Ende des Tempeldienstes keine priesterliche Mittlerrolle. Kohanim, die als Nachfahren Aarons gelten, besitzen weiterhin einen besonderen Abstammungsstatus. Sie sind aber keine Mittler zwischen Gott und den Menschen.

Auch islamische Vorbeter sind keine Priester im hier beschriebenen Sinn. Gemeinsame Gebete benötigen jemanden, der den Ablauf koordiniert; die täglichen Gebete können jedoch auch ohne priesterlichen Amtsträger verrichtet werden.

Gut zu wissen

Wenn eine Person ein Ritual leitet, frage zuerst: Wie wird sie eingesetzt? Welche Vollmacht hat sie? Nach welchen Regeln ist ihre Rolle bestimmt? Erst danach lässt sich ein Vergleich mit einem Priesteramt sinnvoll ziehen.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Religionsgelehrter erklärt heilige Texte, besitzt aber kein besonderes Kultamt. Welche Bezeichnung ist vorsichtiger?
Lösung: Religiöser Spezialist — „Religiöser Spezialist“ beschreibt die Kenntnisse, ohne eine nicht belegte Amtsform zu unterstellen.
Frage 2 von 2SchwerEine unbekannte Religionsgemeinschaft hat eine Person, die gemeinsame Gebete ordnet. Welche Information brauchst du zusätzlich, bevor du sie Priester nennst?
Lösung: Du musst wissen, wie die Rolle eingesetzt wird und welche geregelten Amtsvollmachten dazugehören. — Für die Einordnung zählen die Regeln, die Einsetzung und die Befugnisse der Rolle.
Wie unterscheiden sich christliche Amtsmodelle?

Christliche Kirchen verwenden ähnliche Begriffe, verstehen das Priesteramt aber unterschiedlich. Deshalb darfst du das katholische Modell nicht einfach auf alle Kirchen übertragen.

Katholische Kirche

In der katholischen Kirche wird ein Priester durch das Weihesakrament eingesetzt. Das kirchliche Weiheamt besitzt drei Stufen:

  1. Bischof;
  2. Priester beziehungsweise Presbyter;
  3. Diakon.

Der Bischof besitzt die Fülle des Weihesakraments und spendet die Priesterweihe. Priester verkünden die christliche Botschaft, begleiten Gläubige und leiten Gottesdienste. Zu ihren besonderen Vollmachten gehören die Leitung der Eucharistie und die sakramentale Sündenvergebung in der Beichte.

Ein Priester ist nicht automatisch Pfarrer. Pfarrer bezeichnet eine Aufgabe, nämlich die verantwortliche Leitung einer Pfarrei. Auch Kapläne, Vikare oder Ordenspriester sind Priester, ohne selbst eine Pfarrei zu leiten.

Orthodoxe Kirchen

Auch orthodoxe Kirchen kennen die Ämter von Bischof, Presbyter und Diakon. Im strengen Amtsverständnis ist der Bischof der eigentliche Priester; Presbyter vertreten ihn dauerhaft in den örtlichen Gemeinden und feiern dort unter anderem die Eucharistie.

Orthodoxe Bischöfe leben zölibatär. Presbyter und Diakone können verheiratet sein, wenn die Ehe bereits vor der Diakonenweihe geschlossen wurde.

Evangelische Kirchen

Kirchen der Reformation lehnen einen besonderen Priesterstand im katholischen Sinn ab. Die grundlegenden Priesteraufgaben gelten durch Jesus Christus als erfüllt. Evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer studieren Theologie, leiten Gottesdienste und begleiten Gemeinden, werden aber nicht zu Priestern geweiht.

Beispiel

Drei Personen leiten christliche Gottesdienste:

  • Ein katholischer Pfarrer ist geweihter Priester und leitet eine Pfarrei.
  • Ein orthodoxer Presbyter vertritt den Bischof in einer örtlichen Gemeinde.
  • Eine evangelische Pfarrerin leitet eine Gemeinde, gehört aber keinem besonderen Priesterstand an.

Ähnliche Tätigkeiten bedeuten also nicht automatisch dasselbe Amtsverständnis.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Aussage unterscheidet Amt und Tätigkeit korrekt?
Lösung: Ein katholischer Priester kann Pfarrer sein, muss aber nicht für eine Pfarrei verantwortlich sein. — „Priester“ bezeichnet hier das Weiheamt, „Pfarrer“ die Leitung einer Pfarrei.
Frage 2 von 2SchwerEine evangelische Pfarrerin und ein katholischer Priester leiten jeweils einen Gottesdienst. Was folgt daraus?
Lösung: Sie können ähnliche Tätigkeiten ausüben, obwohl ihre Kirchen das Amt unterschiedlich verstehen. — Für einen Vergleich musst du Tätigkeit, Einsetzung und kirchliches Amtsverständnis getrennt betrachten.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Priester
    • geregelte Ausbildung oder Auswahl
    • anerkannte Einsetzung oder Abstammung
    • Kult, Lehre und religiöse Begleitung
    • besondere Rechte und Pflichten
    • kulturabhängige Bedeutung
    • unterschiedliche christliche Amtsmodelle

Ein Priesteramt verbindet religiöse Aufgaben mit einer anerkannten Stellung. Welche Ausbildung, Rituale, Pflichten oder Vollmachten dazugehören, unterscheidet sich erheblich. Deshalb solltest du nicht von einer einzelnen Tätigkeit auf ein Priesteramt schließen.

Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelches Merkmal gehört am zuverlässigsten zu einem Priesteramt?
Lösung: Die Religionsgemeinschaft erkennt geregelte Amtsaufgaben und Befugnisse an. — Ein Amt entsteht durch geregelte Anerkennung und Befugnisse, nicht durch ein einzelnes äußeres Merkmal.
Frage 2 von 3MittelWarum ist ein islamischer Vorbeter nicht automatisch ein Priester?
Lösung: Die Leitung eines gemeinsamen Gebets allein begründet keine priesterliche Mittlerrolle oder entsprechende Amtsvollmacht. — Ritualleitung und Priesteramt sind zu unterscheiden. Entscheidend sind Einsetzung, Stellung und Befugnisse.
Frage 3 von 3SchwerEine Person ist religiös ausgebildet, leitet Rituale und wird von ihrer Gemeinschaft offiziell eingesetzt. Darfst du sie sicher als Priester bezeichnen?
Lösung: Noch nicht sicher: Du musst prüfen, wie die Gemeinschaft die Rolle selbst versteht und ob der Priesterbegriff dafür passend ist. — Die Merkmale erlauben einen Vergleich. Die endgültige Bezeichnung muss aber das Selbstverständnis und den kulturellen Zusammenhang berücksichtigen.

Wenn du alle drei Entscheidungen begründen kannst, hast du den Kern verstanden: Nicht jede religiöse Autorität ist ein Priester, und nicht jedes Priesteramt funktioniert gleich.

Passend dazu