Stell dir vor, in deiner Schule finden viele eine Regel unfair und sprechen darüber. Einige wollen die Regel verbessern, andere möchten alles so lassen. So ähnlich begann vor ungefähr 500 Jahren ein großer Streit in der Kirche.
Was sich verändern sollte
Im frühen 16. Jahrhundert gehörten die meisten Menschen in Mitteleuropa zur katholischen Kirche. Viele glaubten fest an Gott und hatten zugleich Angst vor Strafen nach dem Tod.
Reformation bedeutet Erneuerung. Gemeint ist eine vielfältige Bewegung im Christentum des 16. Jahrhunderts. Menschen wollten Kirche und Glaubenspraxis verändern. Daraus entwickelten sich verschiedene evangelische Richtungen neben der katholischen Kirche.
Ein Mensch konnte sagen: „Die Kirche soll sich stärker an der Bibel orientieren und verständlich erklären, woran Christinnen und Christen glauben.“ Das ist ein Beispiel für den Wunsch nach einer Reform der Kirche.
Ein wichtiger Streitpunkt war der Ablass. Nach damaliger katholischer Lehre ging es dabei um den Erlass zeitlicher Sündenstrafen. Ablassbriefe wurden gegen Geld angeboten. Viele Menschen verstanden das so, als könne man sich mit Geld vor Strafe schützen. Genau das kritisierten Reformatoren.
Ein Prediger versprach Menschen, ein Ablassbrief könne ihnen oder verstorbenen Angehörigen im Jenseits helfen. Menschen bezahlten aus Sorge und Angst.
Die Reformation begann nicht, weil Menschen plötzlich nicht mehr glauben wollten. Sie fragten: Wie kann Kirche glaubwürdig sein und wie findet ein Mensch Gottes Vergebung?
Martin Luther widerspricht
Martin Luther war ein Mönch und Professor für Theologie. Theologie ist das Nachdenken und Forschen über Gott, Glauben und Religion. Luther kritisierte besonders den Ablasshandel.
1517 veröffentlichte er die 95 Thesen. Thesen sind kurze Aussagen oder Fragen, über die man diskutieren kann. Darin stellte Luther seine Kritik am Ablass zusammen. Ob er die Thesen wirklich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, ist historisch nicht sicher. Sicher ist: Seine Kritik wurde schnell bekannt.
Luther meinte nicht, dass Glaube unwichtig sei. Er meinte: Niemand kann Gottes Zuwendung mit einem bezahlten Brief erwerben.
Luther wollte zunächst die bestehende Kirche erneuern. Die spätere Trennung in katholische und evangelische Kirchen war nicht sein ursprüngliches Ziel.
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Die Bibel und der Glaube
Luther las die Bibel, die heilige Schrift des Christentums, sehr genau. Daraus entwickelte er eine zentrale Überzeugung: Gott spricht Menschen aus Gnade gerecht. Gnade bedeutet: Gott schenkt Zuwendung, obwohl Menschen sie nicht verdienen können.
Diese Sicht nennt man Rechtfertigung allein durch den Glauben. Rechtfertigung bedeutet hier: Gott spricht einen Menschen gerecht. Luther meinte damit Vertrauen auf Gott. Gute Taten sind wichtig, aber sie sind nicht der Preis für Gottes Gnade.
Jemand hilft einer anderen Person. Nach Luthers Verständnis tut sie das nicht, um Gottes Liebe zu kaufen. Sie handelt gut, weil sie Gott vertraut und anderen helfen möchte.
Luther übersetzte außerdem Teile der Bibel ins Deutsche. Damals waren viele kirchliche Texte auf Latein. Dadurch konnten mehr Menschen die Bibel selbst lesen oder beim Vorlesen verstehen. Der Buchdruck half dabei, Texte schnell zu vervielfältigen.
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Aus Streit wird eine Trennung
Luthers Ideen verbreiteten sich rasch. Manche Städte und Fürsten unterstützten sie. Fürsten waren Herrscher über einzelne Gebiete im damaligen Reich. Andere blieben beim katholischen Glauben und lehnten Luthers Lehre ab.
Es entstanden heftige Konflikte. 1521 musste Luther vor dem Kaiser in Worms Stellung nehmen. Danach wurde er geschützt auf die Wartburg gebracht. Dort arbeitete er an seiner Bibelübersetzung.
Mit der Zeit bildeten sich verschiedene Konfessionen. Eine Konfession ist eine Glaubensrichtung innerhalb des Christentums. Neben der römisch-katholischen Kirche entstanden evangelische Kirchen.
In einem Gebiet konnte der Fürst die lutherische Lehre unterstützen. In einem Nachbargebiet blieb der Fürst katholisch. So konnten Menschen in nahe gelegenen Orten unterschiedlichen Konfessionen angehören.
Die Reformation war nicht nur ein Streit über Religion. Auch Macht, Geld und die Entscheidungen von Herrschern beeinflussten ihren Verlauf.
Mehr als Luther allein
Die Reformation hatte mehrere wichtige Personen und Orte. In Zürich wirkte Huldrych Zwingli, in Genf Johannes Calvin. Beide waren Reformatoren. Ein Reformator ist jemand, der Veränderungen in Kirche und Glauben anstoßen will.
Sie stimmten Luther in vielem zu, zum Beispiel darin, dass die Bibel wichtig ist. Sie deuteten manche Glaubensfragen aber anders. Deshalb entstanden verschiedene evangelische Richtungen, etwa lutherische und reformierte Kirchen.
Auch die Täuferbewegung gehörte zu den reformatorischen Bewegungen. Täufer waren Gruppen, die nur Menschen taufen wollten, die sich bewusst selbst für den Glauben entschieden hatten. Sie wurden von verschiedenen Seiten verfolgt.
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Folgen bis heute
1555 wurde im Augsburger Religionsfrieden zunächst geregelt, dass ein Fürst die Konfession seines Gebiets bestimmen durfte. Das bedeutete nicht, dass alle Menschen frei wählen konnten. Viele mussten sich anpassen oder wegziehen.
Religiöse Gegensätze und politische Machtkämpfe führten später auch zu Kriegen. Besonders schlimm war der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648. Der Westfälische Frieden von 1648 beendete ihn und regelte das Zusammenleben der Konfessionen neu.
Die Reformation prägte Kirchen, Schule, Sprache, Musik und Politik. Sie hatte aber auch Schattenseiten: Menschen wurden wegen ihres Glaubens verfolgt, und Martin Luther schrieb später judenfeindliche Texte. Diese Aussagen werden heute klar zurückgewiesen.
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Zusammenfassung
Die Reformation war eine Erneuerungsbewegung im Christentum des 16. Jahrhunderts. Martin Luther kritisierte den Ablasshandel und betonte: Gottes Gnade ist nicht käuflich. Seine 95 Thesen, seine Bibelübersetzung und der Buchdruck verbreiteten neue Ideen.
Aus dem Konflikt entstanden verschiedene evangelische Konfessionen neben der katholischen Kirche. Die Folgen waren weitreichend und auch schmerzhaft: Es gab Trennung, Verfolgung und Kriege. Bis heute erinnert die Reformation daran, dass Glauben, Kritik und gesellschaftliche Macht eng miteinander verbunden sein können.
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