Religion

Schiiten: Entstehung, Glaube und Unterschiede

Schiiten: Entstehung, Glaube und Unterschiede
Schiiten: Entstehung, Glaube und Unterschiede
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Schiitinnen und Schiiten bilden nach den Sunniten die zweitgrößte Glaubensrichtung des Islams. Die Trennung begann mit einem Streit darüber, wer die muslimische Gemeinschaft nach Mohammed führen sollte. Heute verbinden beide Richtungen zentrale islamische Glaubensinhalte und Praktiken, während sie sich unter anderem in der Bedeutung der Imame und in einzelnen religiösen Bräuchen unterscheiden.

Deine Lernziele

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Wie entstand die Schia?

Nach Mohammeds Tod war umstritten, wer die muslimische Gemeinschaft führen sollte. Dabei standen sich zwei Auffassungen gegenüber:

  • Die späteren Sunniten akzeptierten Abu Bakr als ersten Kalifen, also als Nachfolger an der Spitze der Gemeinschaft. Sie gingen davon aus, dass ein geeigneter Muslim gewählt werden könne.
  • Die Anhänger Alis meinten, die Führung müsse bei Mohammeds Familie liegen. Für sie war Ali der rechtmäßige Nachfolger.

Ali war Mohammeds Vetter und durch seine Ehe mit Fatima zugleich sein Schwiegersohn. Er wurde nicht unmittelbar, sondern erst später Kalif.

Definition

Schia

Das arabische Schiat Ali bedeutet „Partei Alis“. Daraus entwickelten sich die Bezeichnungen Schia, Schiitinnen und Schiiten.

Merke

Der ursprüngliche Streit drehte sich um die rechtmäßige Führung der muslimischen Gemeinschaft. Erst im Laufe der Geschichte entstanden daraus deutlich unterscheidbare religiöse Traditionen.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Frage stand am Anfang der Trennung?
Lösung: Wer Mohammed als Leiter der muslimischen Gemeinschaft nachfolgen sollte — Der Ausgangspunkt war der Streit um Mohammeds Nachfolge und damit um die rechtmäßige Führung der Gemeinschaft.
Frage 2 von 2MittelWarum unterstützten die frühen Anhänger der Schia Ali?
Lösung: Sie sahen ihn als rechtmäßigen Nachfolger aus Mohammeds Familie an. — Ali war Mohammeds Vetter und Schwiegersohn. Seine Anhänger beanspruchten die Nachfolge für ihn und seine Familie.
Warum sind Ali und die Imame so wichtig?

Im schiitischen Islam ist ein Imam nicht nur ein Vorbeter. Der Begriff bezeichnet hier einen religiösen und geistlichen Leiter aus der Familie Mohammeds. Seine Lehren und sein Vorbild helfen dabei, den Glauben zu verstehen.

Ali gilt als erster Imam. Nach ihm werden weitere Imame verehrt. Innerhalb des schiitischen Islams gibt es verschiedene Gemeinschaften, die unterschiedliche Reihen von Imamen anerkennen. Für die größte Richtung sind zwölf Imame maßgeblich.

Nach dem Glauben dieser Zwölferschiiten lebt der zwölfte Imam verborgen. Er wird Mahdi genannt und soll am Ende der Zeiten zurückkehren und Gerechtigkeit bringen.

Gut zu wissen

Das Wort Imam wird nicht überall gleich verwendet. Im sunnitischen Islam bezeichnet es häufig einen Vorbeter oder Gelehrten. In schiitischen Lehren kann es einen besonders autorisierten religiösen Führer aus Mohammeds Familie meinen.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage berücksichtigt die Vielfalt des schiitischen Islams?
Lösung: Schiitische Gemeinschaften unterscheiden sich darin, welche Reihe von Imamen sie anerkennen. — Die Bedeutung des Imam-Begriffs hängt von der jeweiligen islamischen Tradition ab.
Frage 2 von 2MittelEin Text nennt einen schiitischen Imam einfach einen „Vorbeter“. Was fehlt?
Lösung: Seine besondere religiöse Leitungs- und Deutungsrolle — Im schiitischen Zusammenhang kann „Imam“ weit mehr als die Leitung eines Gebets bezeichnen.
Was verbindet und unterscheidet Schiiten und Sunniten?

Schiiten und Sunniten gehören beide zum Islam. Sie erkennen den Koran als heilige Schrift an, richten das Gebet nach Mekka aus und teilen zentrale religiöse Praktiken wie Gebet, Fasten, Almosengabe und Pilgerfahrt.

Die Unterschiede betreffen vor allem die Nachfolge Mohammeds, die religiöse Autorität und einige Formen der Praxis.

BereichSunnitische TraditionenSchiitische Traditionen
Frühe NachfolgeAbu Bakr gilt als erster Kalif; Ali als vierterAli gilt als rechtmäßiger erster Nachfolger und erster Imam
Religiöse AutoritätMohammeds überlieferte Worte und Handlungen sind besonders wichtigZusätzlich besitzen Lehren und Lebensgeschichten der Imame große Bedeutung
Imam-Begriffhäufig Vorbeter oder Gelehrterin zentralen Lehren religiöser Führer aus Mohammeds Familie
Gedenkenkeine vergleichbare zentrale Imamverehrungbesondere Gedenktage und heilige Stätten erinnern an Imame
Merke

Die Unterschiede sind wichtig, aber sie heben die gemeinsame Zugehörigkeit zum Islam nicht auf. „Schiitisch“ und „sunnitisch“ bezeichnen außerdem keine jeweils völlig einheitlichen Gruppen.

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Frage 1 von 2MittelWelche Aussage vergleicht beide Richtungen angemessen?
Lösung: Sie teilen zentrale Grundlagen des Islams, unterscheiden sich aber unter anderem bei Nachfolge und religiöser Autorität. — Ein guter Vergleich nennt sowohl die gemeinsamen Grundlagen als auch konkrete Unterschiede.
Frage 2 von 2SchwerEine Person behauptet: „Schiiten und Sunniten glauben fast nichts gemeinsam.“ Wie kannst du antworten?
Lösung: Beide erkennen unter anderem den Koran, die Gebetsrichtung nach Mekka und zentrale islamische Praktiken an. — Einzelne Unterschiede dürfen nicht so dargestellt werden, als gehörten beide Gruppen verschiedenen Religionen an.
Wie zeigen sich Unterschiede im religiösen Alltag?

Muslime verrichten fünf tägliche Pflichtgebete. Viele Schiitinnen und Schiiten verbinden das Mittags- mit dem Nachmittagsgebet sowie das Abend- mit dem Nachtgebet. Dadurch verteilen sich die fünf Gebete auf drei Gebetszeiten.

Beim Gebet kann die Stirn einen kleinen Gebetsstein berühren. Er besteht aus Erde oder zusammengepresstem Sand und ermöglicht die Niederwerfung auf einem als Boden verstandenen Material.

Ein wichtiger schiitischer Gedenktag ist Aschura. Er erinnert an Husain, einen Enkel Mohammeds und Sohn Alis. Husain wurde im Jahr 680 bei Karbala getötet. Sein Tod besitzt für viele Schiitinnen und Schiiten eine besondere religiöse Bedeutung.

Beispiel

Die Aussage „Schiiten beten nur dreimal“ ist missverständlich. Genauer ist: Viele Schiitinnen und Schiiten verrichten fünf Pflichtgebete, fassen sie aber zu drei Gebetszeiten zusammen.

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Frage 1 von 2LeichtWas bedeutet die Formulierung „drei Gebetszeiten“ bei vielen Schiiten?
Lösung: Fünf Pflichtgebete werden teilweise zeitlich zusammengelegt. — Mittags- und Nachmittagsgebet sowie Abend- und Nachtgebet können jeweils verbunden werden.
Frage 2 von 2MittelWelche Erklärung für Aschura ist richtig?
Lösung: Der Gedenktag erinnert an Husains Tod bei Karbala. — Aschura macht sichtbar, welche Bedeutung die Geschichte der Imame für schiitische Traditionen besitzt.
Sind Konflikte zwischen beiden Gruppen nur religiös?

Nein. Religiöse Zugehörigkeit, Geschichte und politische Machtinteressen können sich gegenseitig beeinflussen. Bei einem konkreten Konflikt musst du deshalb prüfen, welche Akteure welche Ziele verfolgen.

Regierungen oder politische Bewegungen können konfessionelle Unterschiede nutzen, um Unterstützung zu gewinnen oder Gegner abzugrenzen. Daraus folgt aber nicht, dass Schiiten und Sunniten grundsätzlich miteinander im Streit liegen.

Ebenso darfst du extreme Bewegungen, die sich auf eine islamische Tradition berufen, nicht mit allen Angehörigen dieser Glaubensrichtung gleichsetzen.

Beispiel

Wenn zwei Staaten um Einfluss in einer Region ringen und zugleich unterschiedliche islamische Konfessionen prägend sind, erklärt das religiöse Etikett allein den Konflikt nicht. Untersuche zusätzlich Macht, Interessen und politische Entscheidungen.

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Frage 1 von 1SchwerZwei politische Gegner werden als „sunnitisch“ und „schiitisch“ bezeichnet. Welche Schlussfolgerung ist zulässig?
Lösung: Die Konfession kann eine Rolle spielen, doch politische Interessen müssen zusätzlich untersucht werden. — Unterscheide die Zugehörigkeit von Menschen zu einer Konfession von den Zielen bestimmter Regierungen oder Bewegungen.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Schiitischer Islam
    • Ursprung: Streit um Mohammeds Nachfolge
    • Ali: rechtmäßiger Nachfolger und erster Imam
    • Imame: religiöse Führung und Überlieferung
    • Gemeinsamkeiten: Koran, Mekka und zentrale Praktiken
    • Besonderheiten: Gebetszeiten, Gebetsstein und Aschura
    • Gegenwart: Religion und Politik sorgfältig unterscheiden
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWoraus leitet sich die Bezeichnung „Schiiten“ ab?
Lösung: Aus „Schiat Ali“, der „Partei Alis“ — Der Name verweist unmittelbar auf die ursprüngliche Anhängerschaft Alis.
Frage 2 von 3MittelWas ist der wichtigste Unterschied im ursprünglichen Nachfolgestreit?
Lösung: Ob die Führung gewählt werden konnte oder Ali und Mohammeds Familie zustand — Der Streit betraf zunächst die legitime Führung nach Mohammeds Tod.
Frage 3 von 3SchwerEin Artikel behauptet: „Schiiten beten weniger und gehören deshalb kaum zum Islam.“ Wie prüfst du die Aussage?
Lösung: Ich erkenne die Verwechslung von Gebeten und Gebetszeiten und beachte die gemeinsamen islamischen Grundlagen. — Viele Schiitinnen und Schiiten verbinden fünf Pflichtgebete zu drei Zeiten. Unterschiede in der Praxis ändern ihre Zugehörigkeit zum Islam nicht.

Du hast das Ziel erreicht, wenn du die Entstehung der Schia erklären, die Rolle der Imame beschreiben und einen Vergleich formulieren kannst, der sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede berücksichtigt.

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