Schiiten: Entstehung, Glaube und Unterschiede
Schiitinnen und Schiiten bilden nach den Sunniten die zweitgrößte Glaubensrichtung des Islams. Die Trennung begann mit einem Streit darüber, wer die muslimische Gemeinschaft nach Mohammed führen sollte. Heute verbinden beide Richtungen zentrale islamische Glaubensinhalte und Praktiken, während sie sich unter anderem in der Bedeutung der Imame und in einzelnen religiösen Bräuchen unterscheiden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie entstand die Schia?
Nach Mohammeds Tod war umstritten, wer die muslimische Gemeinschaft führen sollte. Dabei standen sich zwei Auffassungen gegenüber:
- Die späteren Sunniten akzeptierten Abu Bakr als ersten Kalifen, also als Nachfolger an der Spitze der Gemeinschaft. Sie gingen davon aus, dass ein geeigneter Muslim gewählt werden könne.
- Die Anhänger Alis meinten, die Führung müsse bei Mohammeds Familie liegen. Für sie war Ali der rechtmäßige Nachfolger.
Ali war Mohammeds Vetter und durch seine Ehe mit Fatima zugleich sein Schwiegersohn. Er wurde nicht unmittelbar, sondern erst später Kalif.
Schia
Das arabische Schiat Ali bedeutet „Partei Alis“. Daraus entwickelten sich die Bezeichnungen Schia, Schiitinnen und Schiiten.
Der ursprüngliche Streit drehte sich um die rechtmäßige Führung der muslimischen Gemeinschaft. Erst im Laufe der Geschichte entstanden daraus deutlich unterscheidbare religiöse Traditionen.
Warum sind Ali und die Imame so wichtig?
Im schiitischen Islam ist ein Imam nicht nur ein Vorbeter. Der Begriff bezeichnet hier einen religiösen und geistlichen Leiter aus der Familie Mohammeds. Seine Lehren und sein Vorbild helfen dabei, den Glauben zu verstehen.
Ali gilt als erster Imam. Nach ihm werden weitere Imame verehrt. Innerhalb des schiitischen Islams gibt es verschiedene Gemeinschaften, die unterschiedliche Reihen von Imamen anerkennen. Für die größte Richtung sind zwölf Imame maßgeblich.
Nach dem Glauben dieser Zwölferschiiten lebt der zwölfte Imam verborgen. Er wird Mahdi genannt und soll am Ende der Zeiten zurückkehren und Gerechtigkeit bringen.
Das Wort Imam wird nicht überall gleich verwendet. Im sunnitischen Islam bezeichnet es häufig einen Vorbeter oder Gelehrten. In schiitischen Lehren kann es einen besonders autorisierten religiösen Führer aus Mohammeds Familie meinen.
Was verbindet und unterscheidet Schiiten und Sunniten?
Schiiten und Sunniten gehören beide zum Islam. Sie erkennen den Koran als heilige Schrift an, richten das Gebet nach Mekka aus und teilen zentrale religiöse Praktiken wie Gebet, Fasten, Almosengabe und Pilgerfahrt.
Die Unterschiede betreffen vor allem die Nachfolge Mohammeds, die religiöse Autorität und einige Formen der Praxis.
| Bereich | Sunnitische Traditionen | Schiitische Traditionen |
|---|---|---|
| Frühe Nachfolge | Abu Bakr gilt als erster Kalif; Ali als vierter | Ali gilt als rechtmäßiger erster Nachfolger und erster Imam |
| Religiöse Autorität | Mohammeds überlieferte Worte und Handlungen sind besonders wichtig | Zusätzlich besitzen Lehren und Lebensgeschichten der Imame große Bedeutung |
| Imam-Begriff | häufig Vorbeter oder Gelehrter | in zentralen Lehren religiöser Führer aus Mohammeds Familie |
| Gedenken | keine vergleichbare zentrale Imamverehrung | besondere Gedenktage und heilige Stätten erinnern an Imame |
Die Unterschiede sind wichtig, aber sie heben die gemeinsame Zugehörigkeit zum Islam nicht auf. „Schiitisch“ und „sunnitisch“ bezeichnen außerdem keine jeweils völlig einheitlichen Gruppen.
Wie zeigen sich Unterschiede im religiösen Alltag?
Muslime verrichten fünf tägliche Pflichtgebete. Viele Schiitinnen und Schiiten verbinden das Mittags- mit dem Nachmittagsgebet sowie das Abend- mit dem Nachtgebet. Dadurch verteilen sich die fünf Gebete auf drei Gebetszeiten.
Beim Gebet kann die Stirn einen kleinen Gebetsstein berühren. Er besteht aus Erde oder zusammengepresstem Sand und ermöglicht die Niederwerfung auf einem als Boden verstandenen Material.
Ein wichtiger schiitischer Gedenktag ist Aschura. Er erinnert an Husain, einen Enkel Mohammeds und Sohn Alis. Husain wurde im Jahr 680 bei Karbala getötet. Sein Tod besitzt für viele Schiitinnen und Schiiten eine besondere religiöse Bedeutung.
Die Aussage „Schiiten beten nur dreimal“ ist missverständlich. Genauer ist: Viele Schiitinnen und Schiiten verrichten fünf Pflichtgebete, fassen sie aber zu drei Gebetszeiten zusammen.
Sind Konflikte zwischen beiden Gruppen nur religiös?
Nein. Religiöse Zugehörigkeit, Geschichte und politische Machtinteressen können sich gegenseitig beeinflussen. Bei einem konkreten Konflikt musst du deshalb prüfen, welche Akteure welche Ziele verfolgen.
Regierungen oder politische Bewegungen können konfessionelle Unterschiede nutzen, um Unterstützung zu gewinnen oder Gegner abzugrenzen. Daraus folgt aber nicht, dass Schiiten und Sunniten grundsätzlich miteinander im Streit liegen.
Ebenso darfst du extreme Bewegungen, die sich auf eine islamische Tradition berufen, nicht mit allen Angehörigen dieser Glaubensrichtung gleichsetzen.
Wenn zwei Staaten um Einfluss in einer Region ringen und zugleich unterschiedliche islamische Konfessionen prägend sind, erklärt das religiöse Etikett allein den Konflikt nicht. Untersuche zusätzlich Macht, Interessen und politische Entscheidungen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Schiitischer Islam
- Ursprung: Streit um Mohammeds Nachfolge
- Ali: rechtmäßiger Nachfolger und erster Imam
- Imame: religiöse Führung und Überlieferung
- Gemeinsamkeiten: Koran, Mekka und zentrale Praktiken
- Besonderheiten: Gebetszeiten, Gebetsstein und Aschura
- Gegenwart: Religion und Politik sorgfältig unterscheiden
Abschluss-Check
Du hast das Ziel erreicht, wenn du die Entstehung der Schia erklären, die Rolle der Imame beschreiben und einen Vergleich formulieren kannst, der sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede berücksichtigt.
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