Religion

Sunniten: Entstehung, Sunna und Vielfalt

Sunniten: Entstehung, Sunna und Vielfalt
Sunniten: Entstehung, Sunna und Vielfalt
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Sunniten bilden die größte Glaubensrichtung innerhalb des Islams. Ihre Entstehung hängt mit der Frage zusammen, wer die muslimische Gemeinschaft nach Mohammeds Tod führen sollte. Das Sunnitentum ist jedoch keine einheitliche Gruppe: In Rechtsfragen, Theologie und religiöser Praxis gibt es unterschiedliche Traditionen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du die Grundidee des Sunnitentums?

Sunniten sind Musliminnen und Muslime. Je nach Quelle und Erhebungszeitpunkt werden ungefähr 85 bis 90 Prozent aller Muslime dem Sunnitentum zugerechnet. Solche Zahlen sind Schätzungen: Nicht alle Menschen verwenden für sich selbst eine konfessionelle Bezeichnung. Manche nennen sich einfach muslimisch.

Definition

Sunna

Sunna bedeutet etwa „Brauch“, „Handlungsweise“ oder „Tradition“. Gemeint ist im sunnitischen Zusammenhang besonders die überlieferte Handlungsweise Mohammeds. Von diesem Begriff leitet sich der Name Sunniten ab.

Sunniten teilen grundlegende islamische Glaubensinhalte und Praktiken mit anderen Muslimen. Die Bezeichnung beschreibt also eine Glaubensrichtung innerhalb des Islams und keine eigene Religion.

Merke

„Sunnitisch“ bezeichnet eine islamische Glaubensrichtung. Das Wort bedeutet nicht, dass alle Sunniten in jeder Frage gleich denken oder handeln.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt Sunniten am genauesten?
Lösung: Sie gehören zur größten Glaubensrichtung innerhalb des Islams. — Sunniten verbindet ihre Zugehörigkeit zum Islam und zur sunnitischen Tradition. Innerhalb dieser Tradition gibt es dennoch Unterschiede.
Wie entstand die Trennung von Sunniten und Schiiten?

Mohammed starb im Jahr 632. Danach musste die muslimische Gemeinschaft klären, wer sie führen sollte. Der Streit drehte sich zunächst vor allem um die Nachfolge.

Definition

Kalif

Ein Kalif ist ein Nachfolger Mohammeds in der Leitung der muslimischen Gemeinschaft. Dabei geht es nicht darum, selbst ein neuer Prophet zu sein.

Die späteren Sunniten vertraten die Auffassung, ein geeigneter und angesehener Muslim könne zum Kalifen bestimmt werden. Eine Verwandtschaft mit Mohammed sollte nicht das entscheidende Kriterium sein.

Sie erkannten folgende Reihenfolge der ersten vier Kalifen an:

  1. Abu Bakr
  2. Umar
  3. Uthman
  4. Ali

Diese vier werden in sunnitischen Traditionen als die rechtgeleiteten Kalifen bezeichnet.

Die späteren Schiiten sahen dagegen Ali als den rechtmäßigen unmittelbaren Nachfolger an. Ali war Mohammeds Vetter und durch seine Ehe mit Fatima auch sein Schwiegersohn. Für die schiitische Auffassung war die besondere Verbindung zu Mohammeds Familie entscheidend.

Beispiel

Warum ist Ali für den Vergleich besonders wichtig?

Sunniten und Schiiten achten Ali, ordnen ihn historisch aber unterschiedlich ein:

  • In der sunnitischen Reihenfolge ist Ali der vierte Kalif.
  • In der schiitischen Auffassung hätte Ali unmittelbar auf Mohammed folgen sollen.

Der Unterschied lautet daher nicht „Ali anerkennen oder ablehnen“. Entscheidend ist, welchen Platz und welche besondere Autorität er in der Nachfolge erhält.

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Frage 1 von 1MittelEine Schülerin sagt: „Sunniten und Schiiten unterscheiden sich darin, dass nur Schiiten Ali achten.“ Wie verbesserst du die Aussage?
Lösung: Beide achten Ali, beurteilen aber seine Stellung in der Nachfolge unterschiedlich. — Beide Traditionen messen Ali Bedeutung bei. Der historische Gegensatz betrifft besonders die Frage, ob er unmittelbar oder nach drei anderen Kalifen folgen sollte.
Warum sind Sunniten nicht alle gleich?

Das Sunnitentum entwickelte sich über viele Jahrhunderte. Dabei entstanden verschiedene Wege, religiöse Regeln und Glaubensfragen auszulegen.

In der sunnitischen Normenlehre werden heute allgemein vier Rechtsschulen anerkannt:

  • die hanafitische,
  • die malikitische,
  • die schafiitische,
  • die hanbalitische Rechtsschule.

Eine Rechtsschule ist eine Tradition, in der Gelehrte religiöse und rechtliche Fragen nach bestimmten Methoden beurteilen. Die Schulen unterscheiden sich in einzelnen Rechtsfragen und rituellen Einzelheiten. Ihre Verschiedenheit hebt die gemeinsame sunnitische Zugehörigkeit nicht automatisch auf.

Auch in theologischen Fragen gibt es mehrere sunnitische Richtungen und unterschiedliche Auffassungen darüber, wer genau zum Sunnitentum gehört. Der Begriff „sunnitisch“ hatte deshalb im Laufe der Geschichte keine völlig unveränderliche Grenze.

Beispiel

Die vier Rechtsschulen zeigen eine wichtige Beziehung:

gemeinsame sunnitische Zugehörigkeit + unterschiedliche Auslegungen in Einzelfragen

Vielfalt innerhalb einer Glaubensrichtung ist also nicht dasselbe wie die Trennung in verschiedene Religionen.

Merke

Sprich besser von sunnitischen Traditionen oder von vielen Sunniten, wenn eine Aussage nicht nachweislich für alle gilt.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die vier sunnitischen unterscheiden sich in einzelnen Rechtsfragen. Diese Unterschiede zeigen die innere des Sunnitentums. Sunniten bilden trotzdem eine Glaubensrichtung innerhalb des .

Lösungen: Lücke 1: Rechtsschulen; Lücke 2: Vielfalt; Lücke 3: Islams. Rechtsschulen sind Auslegungstraditionen innerhalb des Islams. Ihre Unterschiede belegen, dass das Sunnitentum nicht völlig einheitlich ist.
Wie lassen sich heutige Konflikte einordnen?

Der historische Nachfolgestreit erklärt, wie die konfessionelle Trennung begann. Er erklärt aber nicht automatisch jeden heutigen Konflikt zwischen sunnitisch und schiitisch geprägten Gruppen oder Staaten.

Bei gegenwärtigen Auseinandersetzungen können mehrere Faktoren zusammenwirken:

  • religiöse Zugehörigkeit und Deutung,
  • politische Machtinteressen,
  • staatliche Konkurrenz,
  • regionale und historische Entwicklungen.

Religiöse Bezeichnungen können dabei genutzt werden, um politische Ansprüche zu begründen oder Menschen zu mobilisieren. Umgekehrt wäre es ebenfalls zu einfach, Religion in jedem Fall für bedeutungslos zu erklären. Politik und Religion können sich gegenseitig beeinflussen.

Beispiel

Wenn zwei Staaten mit unterschiedlicher konfessioneller Prägung um Einfluss in einer Region kämpfen, reicht die Aussage „Das ist ein Religionskrieg“ nicht aus.

Eine sorgfältige Einordnung fragt zusätzlich:

  1. Welche politischen Ziele verfolgen die Beteiligten?
  2. Welche Rolle spielt die religiöse Zugehörigkeit tatsächlich?
  3. Wird konfessionelle Sprache benutzt, um Machtinteressen zu rechtfertigen?

So wird aus einer vorschnellen Behauptung eine begründete Untersuchung.

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Frage 1 von 1SchwerEine Nachricht erklärt einen politischen Konflikt allein mit dem Gegensatz zwischen Sunniten und Schiiten. Welche Prüfung ist am sinnvollsten?
Lösung: Untersuchen, welche religiösen und politischen Faktoren im konkreten Konflikt zusammenwirken. — Eine gute Einordnung vermeidet einfache Erklärungen. Sie prüft, welche Bedeutung Religion, Machtinteressen und historische Bedingungen im konkreten Fall haben.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Sunniten
    • größte islamische Glaubensrichtung
    • Name von Sunna abgeleitet
    • Entstehung
      • Streit um Mohammeds Nachfolge
      • Reihenfolge Abu Bakr, Umar, Uthman, Ali
    • Verhältnis zu Schiiten
      • gemeinsame islamische Grundlagen
      • unterschiedliche Einordnung Alis und der Nachfolge
    • innere Vielfalt
      • vier Rechtsschulen
      • verschiedene theologische Traditionen
    • heutige Einordnung
      • Religion und Politik können zusammenwirken
      • keine pauschalen Aussagen über alle Sunniten
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWovon leitet sich der Name „Sunniten“ ab?
Lösung: Von der Sunna, also der überlieferten Handlungsweise oder Tradition — Der Name verweist auf die Sunna, besonders auf die überlieferte Handlungsweise Mohammeds.
Frage 2 von 3MittelWarum ist die Reihenfolge Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali für das Verständnis wichtig?
Lösung: Sie verdeutlicht die sunnitische Auffassung von der frühen Nachfolge Mohammeds. — Die Reihenfolge zeigt, dass Sunniten zunächst drei andere Kalifen und anschließend Ali anerkennen.
Frage 3 von 3SchwerWelche Aussage berücksichtigt Geschichte und innere Vielfalt am besten?
Lösung: Das Sunnitentum entstand im Zusammenhang mit dem Nachfolgestreit und umfasst verschiedene Rechts- und Lehrtraditionen. — Eine treffende Erklärung verbindet die historische Entstehung mit der späteren Vielfalt und vermeidet Verallgemeinerungen über alle Sunniten.

Du hast das Thema verstanden, wenn du drei Dinge verbinden kannst: den Streit um die Nachfolge, die Bedeutung der Sunna und die Vielfalt innerhalb des Sunnitentums.

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