Westmauer (Kotel): Bedeutung und Besuch
Die Westmauer in Jerusalem ist ein bedeutender jüdischer Gebets- und Erinnerungsort. Sie gehört zur westlichen Umfassungsmauer des früheren Tempelbergplateaus – sie war keine Wand des Tempelgebäudes selbst.
Hier erfährst du, warum viele Menschen an der Mauer beten, welche Geschichte mit ihr verbunden ist und wie Besucherinnen und Besucher sich dort respektvoll verhalten.
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Welche Namen hat die Mauer?
Die Anlage wird Westmauer, Kotel oder ha-Kotel ha-Maʿaravi genannt. Das hebräische Wort Kotel bedeutet „Mauer“, ha-Kotel ha-Maʿaravi bedeutet „die westliche Mauer“. Im Englischen heißt sie Western Wall.
Der deutsche Ausdruck Klagemauer erinnert an die Klage über die Zerstörung des Zweiten Tempels. Viele Juden bevorzugen jedoch die Bezeichnungen Westmauer oder Kotel. Wer diese Namen verwendet, orientiert sich stärker am jüdischen Sprachgebrauch.
Westmauer und Kotel sind respektvolle und genaue Bezeichnungen. „Klagemauer“ ist vor allem außerhalb des Judentums verbreitet.
Was ist von der Tempelanlage erhalten?
In Jerusalem standen nacheinander der Erste und der Zweite jüdische Tempel. Der Zweite Tempel wurde im Jahr 70 n. Chr. durch die Römer zerstört.
Die Westmauer wird manchmal verkürzt als „Rest des Tempels“ bezeichnet. Genauer ist: Sie ist ein erhaltener Teil der westlichen Umfassungsmauer des Tempelbergplateaus. Diese Mauer stützte und begrenzte das erweiterte Gelände, auf dem der Tempel stand.
Umfassungsmauer
Eine Umfassungsmauer begrenzt oder stützt ein Gelände. Die Westmauer war daher nicht die Außenwand des Tempelgebäudes.
Behauptung: „Die Westmauer ist eine Wand des Zweiten Tempels.“
Prüfung: Der Satz beschreibt die räumliche Beziehung zu ungenau. Die Mauer gehörte zur Einfassung des Tempelbergplateaus, nicht unmittelbar zum Tempelgebäude.
Genauere Formulierung: „Die Westmauer ist ein erhaltener Teil der Umfassungsmauer des Plateaus, auf dem der Zweite Tempel stand.“
Warum ist die Westmauer ein heiliger Ort?
Der frühere Tempel war das wichtigste Heiligtum des Judentums. Die Westmauer befindet sich nahe bei diesem Ort und erinnert an den zerstörten Tempel. Für viele Juden steht sie außerdem für die bleibende Verbindung zwischen Gott und seinem Volk.
In jüdischen Überlieferungen wird die besondere Nähe Gottes mit dem Begriff Schechina beschrieben. Gemeint ist die göttliche Gegenwart. Deshalb empfinden viele Gläubige das Gebet an der Westmauer als besonders bedeutsam.
Die religiöse Bedeutung entwickelte sich im Lauf der Geschichte. Solange der Tempel bestand, hatte die Westmauer noch nicht ihre heutige Stellung. Spätere rabbinische Überlieferungen werteten sie religiös auf. Unter osmanischer Herrschaft wurde der jüdischen Gemeinde schließlich offiziell eine Gebetsstätte an der Mauer zugestanden.
Jüdisches Leben ist vielfältig. Nicht alle Juden deuten die Mauer gleich, beten dort oder befolgen dieselben religiösen Regeln. Formulierungen wie „für viele Juden“ vermeiden eine falsche Verallgemeinerung.
Wie beten Menschen an der Westmauer?
Viele Gläubige kommen aus Jerusalem und aus anderen Teilen der Welt zum Gebet. Besonders zu jüdischen Feiertagen und zu Beginn des Sabbats am Freitagabend kann der Gebetsplatz stark besucht sein.
Eine bekannte Praxis sind kleine Zettel mit Gebeten, Wünschen oder Danksagungen. Menschen stecken sie in Ritzen zwischen den Steinen. Weil der Platz begrenzt ist, werden Zettel regelmäßig entfernt. Sie werden nicht als gewöhnlicher Abfall behandelt.
Direkt vor der großen Westmauer gibt es getrennte Gebetsbereiche für Männer und Frauen. Einige jüdische Strömungen wünschen zusätzlich einen Bereich für gemeinsames Gebet. Auch darin zeigt sich, dass es innerhalb des Judentums unterschiedliche religiöse Auffassungen gibt.
Noah beobachtet, wie eine Besucherin einen gefalteten Zettel in eine Mauerritze steckt. Er beschreibt die Handlung so:
„Die Besucherin legt ein schriftliches Gebet oder einen persönlichen Wunsch in die Mauer. Diese Praxis ist an der Westmauer verbreitet.“
Die Formulierung beschreibt die Beobachtung, ohne zu behaupten, dass alle Menschen dort dasselbe tun oder dass jeder Zettel denselben Inhalt hat.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die Westmauer ist für viele Juden ein . Manche Menschen stecken schriftliche Gebete in die . Die getrennten Bereiche zeigen eine bestimmte religiöse .
Wie verhältst du dich bei einem Besuch?
Auch Nichtjuden dürfen den großen Platz grundsätzlich besuchen. Vor dem Betreten finden Sicherheitskontrollen statt. Am Gebetsbereich werden angemessene Kleidung, ruhiges Verhalten und Rücksicht auf betende Menschen erwartet.
Für Männer ist direkt an der Mauer eine Kopfbedeckung vorgesehen. Dafür kann eine Kippa bereitliegen. Örtliche Hinweise sind wichtig, weil an Feiertagen oder während religiöser Ruhezeiten besondere Regeln gelten können.
Respekt bedeutet mehr als das Befolgen einzelner Vorschriften:
- Beobachte zuerst, bevor du dich bewegst oder fotografierst.
- Sprich leise und halte Abstand zu betenden Menschen.
- Beachte die ausgewiesenen Bereiche und örtlichen Hinweise.
- Behandle religiöse Handlungen nicht als Unterhaltung.
- Frage höflich, wenn eine Situation unklar ist.
Eine Schulgruppe betritt den Platz. Zwei Schüler wollen laut vor Betenden für ein lustiges Foto posieren.
Eine respektvolle Entscheidung wäre, das Foto dort nicht aufzunehmen. Die Gruppe bleibt leise, hält Abstand und prüft die örtlichen Hinweise zum Fotografieren. So schützt sie die ungestörte Ausübung des Gebets.
Wie wirkten Geschichte und Politik auf den Ort?
Von 1948 bis 1967 konnten Juden beziehungsweise Israelis die Westmauer nicht erreichen. Nach der israelischen Einnahme der Jerusalemer Altstadt im Jahr 1967 wurde der heutige große Vorplatz geschaffen. Dafür riss man das dicht an der Mauer liegende Maghrebinerviertel mit seinen Häusern ab; die Bewohner wurden vertrieben.
Diese Geschichte zeigt: Die Westmauer ist zugleich religiöser Ort, historisches Bauwerk und politisch umkämpfter Raum. Eine sachliche Darstellung verschweigt weder die religiöse Bedeutung noch die Folgen politischer Entscheidungen für andere Menschen.
Vertiefung: die kleine Westmauer
Der Kotel HaKatan, die „kleine Westmauer“, liegt in einer engen Gasse im muslimischen Viertel. Er befindet sich näher an der angenommenen Stelle des früheren Allerheiligsten und ist deshalb für einige streng religiöse Gruppen besonders bedeutsam.
Seine stärkere jüdische Verehrung begann offenbar erst während der britischen Mandatszeit. Für diese Entwicklung gibt es unterschiedliche politische Deutungen. Der Archäologe Dan Bahat verband sie mit Bestrebungen gegen britische und arabische Herrschaft. Der Kulturwissenschaftler Pawel Maciejko deutete sie als Teil territorialer und messianischer Ansprüche kleiner radikaler Gruppen.
Beides sind zugeschriebene Interpretationen, keine sicher nachgewiesenen Motive aller Beteiligten. Maciejkos Kritik darf insbesondere nicht auf alle Juden, alle Orthodoxen oder alle Bewohner Jerusalems übertragen werden.
Ein historischer Fakt beschreibt ein belegtes Ereignis. Eine Deutung erklärt mögliche Motive oder Bedeutungen. Deutungen müssen als solche erkennbar bleiben.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Westmauer (Kotel)
- Bauwerk
- Umfassungsmauer des Tempelbergplateaus
- keine Wand des Tempelgebäudes
- Religiöse Bedeutung
- Erinnerung an den Tempel
- Gebet und Gottesnähe
- unterschiedliche jüdische Sichtweisen
- Religiöse Praxis
- Gebete und Wünsche auf Zetteln
- getrennte Gebetsbereiche
- Respektvoller Besuch
- Ruhe und angemessene Kleidung
- Kopfbedeckung für Männer am Gebetsbereich
- örtliche Hinweise beachten
- Geschichte und Politik
- fehlender Zugang von 1948 bis 1967
- Umgestaltung des Vorplatzes
- Fakten von Deutungen trennen
- Bauwerk
Abschluss-Check
Du hast den Kern verstanden, wenn du die Westmauer genau als Bauwerk einordnen, ihre religiöse Bedeutung ohne Verallgemeinerung erklären und angemessenes Verhalten an diesem Gebetsort begründen kannst.
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