Zakāt: Pflichtabgabe im Islam einfach erklärt
Zakāt (Zakat) ist eine verpflichtende religiöse Abgabe für vermögende Musliminnen und Muslime. Sie gilt als dritte der fünf Säulen des Islams und verbindet Glaubenspraxis mit der Unterstützung bedürftiger Menschen.
Auf dieser Seite lernst du, Zakāt von einer freiwilligen Spende zu unterscheiden, ein verbreitetes Berechnungsmodell anzuwenden und Unterschiede in der Praxis zu erklären.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum ist Zakāt mehr als eine Spende?
Zakāt gehört neben Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten und Pilgerfahrt zu den fünf Säulen des Islams. Diese Säulen bezeichnen grundlegende Formen islamischer Glaubenspraxis.
Zakāt
Zakāt ist eine religiös verpflichtende Abgabe zugunsten festgelegter Empfängergruppen. Das arabische Wort wird unter anderem mit Reinigung und Zuwachs erklärt. Damit verbindet Zakāt eine soziale Aufgabe mit einer spirituellen Bedeutung.
Die Abgabe soll Besitz nicht nur beim Einzelnen belassen, sondern Menschen in Not zugutekommen. Im Unterschied dazu ist Sadaqa eine freiwillige Gabe.
Zakāt al-Fitr ist eine besondere Abgabe im Ramadan. Sie soll armen Menschen ermöglichen, am Fest des Fastenbrechens teilzuhaben. Sie ist nicht einfach mit der vermögensbezogenen Zakāt gleichzusetzen.
Zakāt ist verpflichtend, Sadaqa freiwillig. Zakāt al-Fitr ist eine besondere Abgabe im Zusammenhang mit dem Ende des Ramadan.
Wann entsteht die Abgabepflicht?
Ein verbreitetes Modell nennt zwei Bedingungen für Geld und bestimmte Vermögenswerte:
- Das anrechenbare Vermögen erreicht den Nisāb.
- Dieses Vermögen wird anschließend ein vollständiges Mondjahr gehalten.
Nisāb
Der Nisāb ist eine Mindestgrenze. In dem hier dargestellten Modell entspricht sie dem jeweiligen Wert von 85 Gramm Gold. Da sich der Goldpreis verändert, ist auch der Geldwert dieser Grenze veränderlich.
Ein Mondjahr umfasst ungefähr 354 Tage. Persönlich genutzte Dinge der Grundversorgung – etwa das eigene Wohnhaus, Kleidung, Möbel, Nahrungsmittel oder das Familienauto – werden in diesem Modell nicht zum anrechenbaren Vermögen gezählt.
Nicht jede islamische Auslegung ordnet alle Vermögensarten gleich ein. Für Ernten, Nutztiere, Handelswaren und moderne Anlagen können andere Regeln oder Einordnungen gelten. Deshalb ist das vereinfachte Modell nicht auf jeden Einzelfall übertragbar.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Der Nisāb ist eine . In dem dargestellten Modell orientiert er sich am Wert von . Ein Mondjahr umfasst ungefähr Tage. Persönlich genutzte Dinge der Grundversorgung werden dabei .
Wie funktioniert die vereinfachte Berechnung?
Für Geld und bestimmte Vermögenswerte wird häufig dieser Satz verwendet:
$$\text{Zakāt} = \text{anrechenbares Vermögen} \cdot 2{,}5\,\%$$
Das bedeutet: Von 100 Euro anrechenbarem Vermögen werden 2,50 Euro abgegeben – sofern die übrigen Bedingungen erfüllt sind.
Eine Person besitzt seit einem vollständigen Mondjahr 12.000 Euro anrechenbares Vermögen. Wir nehmen für das Beispiel an, dass dieser Betrag über dem aktuellen Nisāb liegt.
Zuerst wird geprüft: Die Mindestgrenze ist erreicht und die Besitzdauer erfüllt.
Dann wird gerechnet:
$$12.000\,€ \cdot 0{,}025 = 300\,€$$
Nach diesem vereinfachten Modell beträgt die Zakāt 300 Euro. Die Rechnung gilt nur unter den genannten Annahmen und nicht automatisch für jede Vermögensart.
Ein typischer Fehler besteht darin, sofort 2,5 Prozent auszurechnen. Vorher musst du klären, welches Vermögen angerechnet wird, ob der Nisāb erreicht ist und ob die zeitliche Bedingung gilt.
Wer darf Zakāt erhalten?
Sure 9:60 nennt acht Empfängergruppen. Dazu gehören:
- Arme,
- Bedürftige,
- Personen, die Zakāt verwalten,
- Menschen, deren Herzen gewonnen oder versöhnt werden sollen,
- Menschen, die aus Unfreiheit befreit werden sollen,
- Verschuldete,
- Empfänger im Zusammenhang mit dem Einsatz „für die Sache Gottes“,
- mittellose Reisende.
Die Kategorien stammen aus einem religiösen und historischen Kontext. Besonders die Formulierung „für die Sache Gottes“ lässt unterschiedliche Auslegungen zu. Manche Organisationen konzentrieren ihre Mittel deshalb auf Arme und Bedürftige.
Warum gibt es unterschiedliche Regeln und Praktiken?
Die Grundidee der Zakāt ist weitgehend klar: Vermögende Gläubige geben verpflichtend etwas ab, um bestimmte Menschen zu unterstützen. Bei der genauen Umsetzung gibt es jedoch Unterschiede.
Einige Darstellungen beziehen die häufig genannten 2,5 Prozent auf Vermögen, eine andere auf Einkommen. Für Ernten und Vieh werden teils andere Sätze genannt. Auch die Frage, welche modernen Vermögensformen einzubeziehen sind, wird unterschiedlich beantwortet.
Ein Gedankenbeispiel macht das Problem sichtbar: Eine rein wörtliche Bindung an alte Güterkategorien könnte einen Reisbauern wegen seiner Ernte belasten, während der Besitzer einer Gummifabrik verschont bliebe, weil Gummi in der historischen Aufzählung nicht vorkommt. Moderne Auslegungen müssen daher entscheiden, wie ältere Regeln auf heutige Wirtschaftsformen übertragen werden.
Auch die Organisation unterscheidet sich. In vielen Ländern entrichten Gläubige Zakāt eigenverantwortlich. In einigen Staaten wird sie staatlich eingezogen. Daneben sammeln Moscheegemeinden, Verbände und Hilfsorganisationen die Abgabe.
Die religiöse Pflicht ist der gemeinsame Kern. Bemessungsgrundlage, Vermögensarten, Sammlung und konkrete Verwendung können unterschiedlich ausgelegt oder organisiert werden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Zakāt
- religiöse Bedeutung: Pflicht, Reinigung und Zuwachs
- soziale Bedeutung: Unterstützung festgelegter Empfängergruppen
- Voraussetzungen im verbreiteten Modell: Nisāb und vollständiges Mondjahr
- Berechnung im verbreiteten Modell: 2,5 Prozent des anrechenbaren Vermögens
- Abgrenzung: Sadaqa ist freiwillig
- Vielfalt: unterschiedliche Vermögensarten, Auslegungen und Organisationsformen
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