Wirtschaft

Anleihe einfach erklärt: Zins, Kurs und Risiko

Anleihe einfach erklärt: Zins, Kurs und Risiko
Anleihe einfach erklärt: Zins, Kurs und Risiko
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Eine Anleihe ist ein handelbarer Kredit: Du stellst einem Staat, Unternehmen oder einer Bank Geld bereit. Dafür erhältst du nach den vereinbarten Bedingungen Zinsen und hast Anspruch auf Rückzahlung. Sicher ist diese Rückzahlung jedoch nur, solange der Schuldner zahlungsfähig bleibt.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wer leiht hier wem Geld?

Stell dir vor, ein Unternehmen möchte eine große Investition finanzieren. Es kann dafür Anleihen ausgeben. Wer eine Anleihe kauft, wird zum Gläubiger; das Unternehmen ist der Emittent, also der Herausgeber und Schuldner der Anleihe.

Definition

Anleihe

Eine Anleihe ist ein handelbares Wertpapier, das Forderungen gegenüber einem Emittenten verbrieft. Dazu gehören vor allem der Anspruch auf vereinbarte Zinsen und der Anspruch auf Rückzahlung.

Andere Bezeichnungen sind Schuldverschreibung, Obligation oder Bond. Häufige Emittenten sind Staaten, Unternehmen und Banken.

Bei einer Aktie erwirbst du dagegen einen Anteil an einem Unternehmen. Rückzahlungstermin und Zins sind dort nicht vereinbart. Bei einer klassischen Anleihe stehen Laufzeit, Zinsbedingungen und Rückzahlung grundsätzlich von Beginn an fest.

Beispiel

Ein Unternehmen gibt eine Anleihe mit 1.000 Euro Nennwert, fünf Jahren Laufzeit und 3 % Jahreszins aus. Du verleihst dem Unternehmen Kapital. Planmäßig erhältst du jährlich 30 Euro Zinsen, denn $1.000 · 0{,}03 = 30$. Am Laufzeitende werden 1.000 Euro zurückgezahlt, sofern das Unternehmen zahlungsfähig ist.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt eine Anleihe richtig?
Lösung: Der Käufer ist Gläubiger und besitzt Forderungen auf vereinbarte Zahlungen. — Eine Anleihe ist ein Kreditverhältnis. Zahlungen sind vereinbart, können bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten aber ausfallen.
Was bedeuten Nennwert, Kupon und Laufzeit?

Der Nennwert ist der Betrag, auf den sich Zins und planmäßige Rückzahlung beziehen. Der Kupon bezeichnet die vereinbarte Zinszahlung. Bei klassischen Anleihen wird er gewöhnlich jährlich gezahlt.

Der Kupon kann fest sein. Es gibt aber auch variable oder strukturierte Anleihen, deren Zahlungen nach anderen vereinbarten Regeln bestimmt werden. Solche Formen können deutlich schwerer zu beurteilen sein.

Die Laufzeit endet mit der Fälligkeit. Dann wird eine klassische Anleihe gewöhnlich zum Nennwert zurückgezahlt. Anleger müssen sie trotzdem nicht zwingend bis dahin behalten: Handelbare Anleihen können vorher zum jeweils aktuellen Kurs verkauft werden.

Merke

Der Kupon wird aus den Anleihebedingungen bestimmt. Der Börsenkurs kann sich während der Laufzeit verändern.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Der Betrag, auf den sich die Rückzahlung einer klassischen Anleihe bezieht, heißt . Die vereinbarte Zinszahlung heißt . Das Ende der Laufzeit nennt man .

Lösungen: Lücke 1: Nennwert; Lücke 2: Kupon; Lücke 3: Fälligkeit. Nennwert, Kupon und Fälligkeit gehören zu den vereinbarten Bedingungen. Der Kurs entsteht dagegen beim Handel am Markt.
Wie werden Kurs und Ertrag berechnet?

Anleihekurse werden üblicherweise als Prozentsatz des Nennwerts angegeben. Ein Kurs von 98 % bedeutet daher nicht 98 Euro, sondern 98 % des Nennwerts.

Beispiel

Eine Anleihe hat einen Nennwert von 1.000 Euro und steht bei 98 %.

$Kaufpreis = 1.000 · 0{,}98 = 980$ Euro

Ohne Gebühren und Stückzinsen kostet sie 980 Euro. Wird sie später planmäßig zu 1.000 Euro zurückgezahlt, entsteht allein aus der Kursdifferenz ein Ertrag von 20 Euro. Hinzu kommen die vereinbarten Kuponzahlungen.

Zins und Rendite sind nicht dasselbe:

  • Der Kupon ist die vereinbarte Zinszahlung bezogen auf den Nennwert.
  • Die Rendite beschreibt den tatsächlich erzielten Ertrag im Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Sie wird auch durch Kaufkurs, Verkaufskurs oder Rückzahlungswert beeinflusst.

Ein vereinfachter absoluter Gesamtertrag lässt sich so ordnen:

$Gesamtertrag = Kuponzahlungen + Rückzahlung - Kaufpreis$

Diese Rechnung ist noch keine annualisierte Rendite. Gebühren, Steuern und beim Kauf zwischen Zinsterminen mögliche Stückzinsen sind darin ebenfalls nicht enthalten.

Beispiel

Eine Anleihe zahlt jährlich 200 Euro. Nach fünf verbleibenden Zinszahlungen wird sie zu 9.500 Euro gekauft und am Ende zu 10.000 Euro zurückgezahlt.

$5 · 200 = 1.000$ Euro Kuponzahlungen

$10.000 - 9.500 = 500$ Euro Kursgewinn

$1.000 + 500 = 1.500$ Euro vereinfachter Gesamtertrag

Der Betrag von 1.500 Euro ist ein absoluter Ertrag, keine prozentuale Jahresrendite.

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Frage 1 von 2MittelEine Anleihe mit 1.000 Euro Nennwert notiert bei 105 %. Wie hoch ist der Kurswert ohne weitere Kosten?
Lösung: 1.050 Euro — Du rechnest $1.000 · 1{,}05 = 1.050$ Euro.
Frage 2 von 2MittelZwei sonst vergleichbare Anleihen zahlen denselben Kupon. Welche bietet einem Neukäufer tendenziell die höhere Rendite?
Lösung: Die Anleihe mit dem niedrigeren Kaufkurs — Für dieselben Zahlungsansprüche muss beim niedrigeren Kurs weniger Kapital eingesetzt werden. Deshalb ist die Rendite tendenziell höher.
Warum bewegen sich Anleihekurse?

Eine ältere Festzinsanleihe konkurriert mit neu ausgegebenen Anleihen. Ändert sich das allgemeine Marktzinsniveau, verändert sich deshalb ihre Attraktivität.

  • Marktzinsen steigen: Der feste Kupon einer alten Anleihe wirkt weniger attraktiv. Ihr Kurs fällt bei sonst vergleichbaren Bedingungen, bis ihre Rendite wieder konkurrenzfähiger ist.
  • Marktzinsen sinken: Der feste Kupon einer alten Anleihe wirkt attraktiver. Ihr Kurs steigt; die Rendite für einen Käufer zum höheren Kurs sinkt.
Beispiel

Eine bestehende Anleihe zahlt 1 % jährlich. Neue, vergleichbare Anleihen bieten 1,5 %. Kaum jemand würde für beide denselben Preis zahlen. Der Kurs der alten Anleihe muss daher tendenziell sinken, damit ihre Kombination aus Kupon und möglicher Rückzahlung wieder attraktiver wird.

Auch die Bonität, also die erwartete Zahlungsfähigkeit des Emittenten, beeinflusst den Kurs. Verschlechtert sich die Bonität, wächst die Sorge vor ausbleibenden Zahlungen. Der Kurs fällt gewöhnlich. Eine höhere versprochene Rendite ist dann kein Geschenk, sondern ein Hinweis auf höheres Risiko.

Merke

Bei vergleichbaren festverzinslichen Anleihen bewegen sich Marktzins und Kurs grundsätzlich gegensinnig. Ein Kurs kann außerdem fallen, wenn das Ausfallrisiko steigt.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelDie Marktzinsen steigen deutlich. Was geschieht bei sonst gleichen Bedingungen typischerweise mit dem Kurs einer älteren Festzinsanleihe?
Lösung: Er fällt. — Steigende Marktzinsen machen bestehende niedrige Festzinsen weniger attraktiv. Der niedrigere Kurs erhöht die mögliche Rendite für neue Käufer.
Frage 2 von 2SchwerDer Kurs einer Anleihe fällt, obwohl sich der allgemeine Marktzins kaum verändert hat. Welche Erklärung passt?
Lösung: Die Bonität des Emittenten wurde schlechter eingeschätzt. — Neben dem Marktzins beeinflusst besonders die erwartete Zahlungsfähigkeit des Emittenten den Kurs.
Welche Risiken musst du erkennen?

Eine Anleihe kann planbare Zahlungen bieten, ist aber nicht automatisch sicher.

  • Ausfallrisiko: Der Emittent kann Zinsen oder Rückzahlung nicht leisten. Im Extremfall ist ein Totalverlust möglich.
  • Zinsänderungsrisiko: Steigende Marktzinsen können den Kurs drücken. Das wird besonders wichtig, wenn du vor der Fälligkeit verkaufen musst.
  • Kursrisiko: Auch eine veränderte Bonität kann zu Verlusten beim Verkauf führen.
  • Wechselkursrisiko: Bei einer Fremdwährungsanleihe kann eine ungünstige Währungsbewegung den Ertrag in Euro mindern oder in einen Verlust verwandeln.
  • Strukturrisiko: Bei komplexen Anleihen können Zins oder Rückzahlung von zusätzlichen Bedingungen abhängen.

Wer eine klassische Anleihe bis zur Fälligkeit hält, muss einen zwischenzeitlichen zinsbedingten Kursverlust nicht durch Verkauf verwirklichen. Das Ausfallrisiko bleibt jedoch bestehen.

Ratings fassen eine Einschätzung der Zahlungsfähigkeit zusammen. Gute Bewertungen sprechen für ein niedriger eingeschätztes Ausfallrisiko, sind aber keine Garantie und können Entwicklungen hinterherlaufen.

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Frage 1 von 1SchwerEine Anleihe bietet eine ungewöhnlich hohe erwartete Rendite. Welche Beurteilung ist am sinnvollsten?
Lösung: Die hohe Rendite kann eine Entschädigung für ein erhöhtes Risiko sein. — Rendite und Risiko müssen gemeinsam beurteilt werden. Entscheidend sind unter anderem Emittent, Bonität, Laufzeit, Währung und Rückzahlungsbedingungen.
Wie beurteilst du eine Musteranleihe?

Prüfe eine Anleihe nicht nur nach ihrem Kupon. Gehe in fünf Schritten vor:

  1. Anspruch klären: Welche Zinsen und welche Rückzahlung sind tatsächlich vereinbart?
  2. Preis prüfen: Wie hoch sind Nennwert und aktueller Kurs? Fallen Stückzinsen oder weitere Kosten an?
  3. Zeitraum abgleichen: Passt die Laufzeit zum Zeitpunkt, an dem das Geld wieder benötigt wird?
  4. Risiken untersuchen: Wie sind Bonität, Währung und besondere Bedingungen einzuschätzen?
  5. Ertrag einordnen: Berücksichtigt die angegebene Rendite Kursdifferenzen, Kosten und den Zeitraum?
Beispiel

Musteranleihe A hat 1.000 Euro Nennwert, einen festen Kupon von 2 %, drei Jahre Restlaufzeit und einen Kurs von 101 %. Musteranleihe B verspricht 7 %, lautet aber auf eine Fremdwährung und stammt von einem schwächer eingeschätzten Emittenten.

Nur nach dem Kupon wirkt B besser. Eine begründete Beurteilung nennt jedoch auch Ausfall- und Wechselkursrisiko. A besitzt ebenfalls Risiken: Beim Kauf über 100 % entsteht bis zur planmäßigen Rückzahlung zu 100 % eine negative Kursdifferenz. Ohne weitere Angaben lässt sich deshalb keine der beiden Anleihen pauschal als „beste“ Anlage bezeichnen.

Gut zu wissen

Beim Kauf zwischen zwei Zinsterminen zahlt der Käufer gewöhnlich Stückzinsen für den seit dem letzten Zinstermin aufgelaufenen Zinsanteil. Am nächsten Zinstermin erhält er dafür den vollständigen Kupon. Stückzinsen sind deshalb bei der tatsächlichen Zahlung zu beachten.

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Frage 1 von 1SchwerEine Person benötigt ihr gesamtes Geld sicher in einem Jahr. Die betrachtete Anleihe läuft noch zehn Jahre. Welche Frage ist besonders wichtig?
Lösung: Zu welchem Kurs könnte die Anleihe nach einem Jahr verkauft werden und welche Verluste wären möglich? — Die lange Restlaufzeit passt nicht automatisch zum kurzen Anlageziel. Wer vor Fälligkeit verkaufen muss, trägt das dann bestehende Kursrisiko.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Anleihe
    • Kreditverhältnis
      • Gläubiger und Emittent
      • Zins- und Rückzahlungsanspruch
    • Vereinbarte Größen
      • Nennwert, Kupon und Laufzeit
      • Rückzahlung bei Fälligkeit
    • Markt
      • Kurs in Prozent des Nennwerts
      • Marktzins und Kurs bewegen sich gegensinnig
    • Ertrag
      • Kuponzahlungen
      • Kursgewinn oder Kursverlust
    • Risiken
      • Ausfall und Zinsänderung
      • Währung und komplexe Bedingungen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas unterscheidet den Kupon von der Rendite?
Lösung: Der Kupon ist vereinbart; die Rendite berücksichtigt zusätzlich den eingesetzten Kaufpreis und Kursdifferenzen. — Der Kupon beschreibt die Zinszahlung. Die Rendite ordnet den gesamten Ertrag dem eingesetzten Kapital und Zeitraum zu.
Frage 2 von 3MittelEine Anleihe mit 10.000 Euro Nennwert zahlt jährlich 2 %. Wie hoch ist die jährliche Zinszahlung?
Lösung: 200 Euro — Die jährliche Zinszahlung beträgt $10.000 · 0{,}02 = 200$ Euro.
Frage 3 von 3SchwerEine alte Festzinsanleihe fällt im Kurs, nachdem die Marktzinsen steigen. Ein Schüler sagt: „Der Kursverlust beweist, dass der Emittent zahlungsunfähig wird.“ Was ist die beste Antwort?
Lösung: Der Kurs kann allein wegen des gestiegenen Marktzinses fallen; die Bonität muss getrennt geprüft werden. — Ein fallender Kurs ist ein Signal, aber noch keine eindeutige Diagnose. Prüfe Marktzins, Bonität, Restlaufzeit und Bedingungen getrennt.

Du kannst eine Anleihe beurteilen, wenn du nicht beim Kupon stehen bleibst: Kläre zuerst die Ansprüche, rechne den Kurs in einen Geldbetrag um und untersuche anschließend Laufzeit, Rendite und Risiken gemeinsam.

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