Rendite berechnen und richtig vergleichen
Die Rendite zeigt, wie erfolgreich eine Geldanlage im Verhältnis zum eingesetzten Kapital war. Sie wird meist für ein Jahr in Prozent angegeben. So kannst du Anlagen unterschiedlicher Größe besser vergleichen als mit dem Gewinn allein.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum der Gewinn allein nicht zum Vergleichen reicht
Der Gewinn ist ein Geldbetrag. Die Rendite setzt diesen Betrag ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital.
Rendite
Die Rendite ist der prozentuale Gewinn oder Verlust einer Investition im Verhältnis zum eingesetzten Kapital und zu einem bestimmten Zeitraum.
Aus 100 € werden nach einem Jahr 105 €. Der Gewinn beträgt 5 €. Bezogen auf die eingesetzten 100 € sind das 5 % Rendite.
Zwei Anlagen bringen jeweils 200 € Gewinn:
- Anlage A: 10.000 € Kapital → $200 / 10.000 \times 100 = 2\,\%$
- Anlage B: 8.000 € Kapital → $200 / 8.000 \times 100 = 2{,}5\,\%$
Der Gewinn ist gleich. Anlage B erzielt aber die höhere Rendite, weil dafür weniger Kapital eingesetzt wurde.
Ein hoher Gewinn bedeutet nicht automatisch eine hohe Rendite. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Gewinn und eingesetztem Kapital.
Wie du die einfache Rendite berechnest
Für einen festen Zeitraum gilt:
$$\text{Rendite in \%}=\frac{\text{Gewinn}}{\text{eingesetztes Kapital}}\times 100$$
Gehe in drei Schritten vor:
- Bestimme den Gewinn: Einnahmen oder Endwert minus Einsatz und berücksichtigte Kosten.
- Teile den Gewinn durch das eingesetzte Kapital.
- Multipliziere das Ergebnis mit 100 und ergänze das Prozentzeichen.
Eine Aktienanlage kostet einschließlich Kaufgebühr 2.000 €. Nach einem Jahr werden nach Abzug der Verkaufsgebühr 2.190 € ausgezahlt.
- Gewinn: $2.190\,€-2.000\,€=190\,€$
- Verhältnis zum Kapital: $190\,€ / 2.000\,€=0{,}095$
- Rendite: $0{,}095\times100=9{,}5\,\%$
Die Rendite für dieses Jahr beträgt 9,5 %. Steuern, Inflation und mögliche Dividenden sind in dieser Rechnung nicht enthalten.
Bei einem Verlust ist der Gewinn negativ. Aus 1.500 € werden nach allen berücksichtigten Gebühren nur 1.190 €:
$$1.190\,€-1.500\,€=-310\,€$$
$$\frac{-310\,€}{1.500\,€}\times100\approx-20{,}7\,\%$$
Die negative Rendite zeigt einen Verlust von rund 20,7 % des eingesetzten Kapitals.
Welche Rendite meinst du genau?
Nicht jede Rendite berücksichtigt dieselben Abzüge. Deshalb solltest du immer prüfen, wie die Kennzahl definiert wurde.
- Bruttorendite: Rendite vor Kosten. Steuern und Inflation sind ebenfalls noch nicht automatisch berücksichtigt.
- Nettorendite: Rendite nach den ausdrücklich einbezogenen Kosten. Je nach Darstellung können zusätzlich Steuern enthalten sein oder fehlen.
- Nominalrendite: ausgewiesene Rendite ohne Berücksichtigung der Inflation.
- Realrendite: Rendite unter Berücksichtigung des Kaufkraftverlusts durch Inflation.
Der Begriff „Nettorendite“ wird nicht immer einheitlich verwendet. Eine seriöse Angabe nennt deshalb, ob beispielsweise Kaufgebühren, Verwaltungskosten und Steuern abgezogen wurden. Inflation behandelst du am klarsten getrennt über die Realrendite.
Du setzt 10.000 € ein und erzielst vor Kosten einen Gewinn von 1.000 €.
- Bruttorendite: $1.000 / 10.000 \times 100=10\,\%$
- Kosten: 200 €
- Gewinn nach Kosten: $1.000\,€-200\,€=800\,€$
- Nettorendite nach diesen Kosten: $800 / 10.000 \times 100=8\,\%$
Die Kosten senken die ausgewiesene Rendite um 2 Prozentpunkte.
Eine Nominalrendite von 5 % bei 2 % Inflation entspricht näherungsweise einer Realrendite von 3 %. Diese Näherung hilft bei kleinen Prozentsätzen. Sie zeigt: Selbst eine positive Nominalrendite bedeutet nicht automatisch, dass die Kaufkraft im gleichen Maß steigt.
Wie du besondere Renditeangaben einordnest
Bei verschiedenen Anlagen stammen Erträge aus unterschiedlichen Quellen:
- Aktien: Kursgewinn oder Kursverlust und mögliche Dividenden
- Anleihen: Zinszahlungen und mögliche Kursänderungen
- Immobilien: Mieteinnahmen, abzüglich der jeweils berücksichtigten Kosten
- Sparprodukte: vereinbarte Zinsen; bei einem einfachen einjährigen Produkt können Zinssatz und Rendite übereinstimmen
Die Dividendenrendite misst nur die Ausschüttung je Aktie im Verhältnis zum betrachteten Aktienkurs:
$$\text{Dividendenrendite in \%}=\frac{\text{Dividende je Aktie}}{\text{Aktienkurs}}\times100$$
Eine Aktie kostet 50 € und zahlt 2 € Dividende je Aktie.
$$2\,€ / 50\,€\times100=4\,\%$$
Die Dividendenrendite beträgt 4 %. Sie sagt aber nichts darüber aus, ob der Aktienkurs gestiegen oder gefallen ist.
Bleibt die Dividende gleich und fällt der Kurs, steigt die Dividendenrendite rechnerisch. Das ist nicht automatisch eine gute Nachricht: Der Wertverlust der Aktie kann die Gesamtrendite verschlechtern.
Auch eine Mietrendite muss genau bezeichnet werden. Die Bruttomietrendite setzt meist die Jahreskaltmiete ins Verhältnis zum Kaufpreis. Eine aussagekräftigere Nettobetrachtung zieht beispielsweise laufende Vermietungskosten ab und kann auch Kaufnebenkosten berücksichtigen.
Wie du Renditen sinnvoll vergleichst
Eine Rendite ist nur dann gut vergleichbar, wenn die Rechnungen dieselben Bedingungen verwenden. Prüfe deshalb:
- Zeitraum: Beziehen sich beide Angaben auf denselben Zeitraum? „p. a.“ bedeutet „pro Jahr“.
- Ertragsbestandteile: Sind Zinsen, Dividenden, Mieten und Kursänderungen vollständig erfasst?
- Kosten: Wurden Kauf-, Verkaufs-, Verwaltungs- oder andere Kosten gleich behandelt?
- Steuern und Inflation: Sind sie enthalten, getrennt ausgewiesen oder gar nicht berücksichtigt?
- Risiko: Welche Verluste sind möglich? Eine höhere Renditechance geht häufig mit höherem Risiko einher.
- Verfügbarkeit: Wie lange ist das Kapital gebunden oder möglichen Kursschwankungen ausgesetzt?
Vergleiche niemals nur zwei Prozentzahlen. Vergleiche auch Zeitraum, Berechnung, Kosten, Risiko und Verfügbarkeit des Kapitals.
Vor einer Investition ist die Rendite meist nur eine Erwartung oder Prognose. Erst im Nachhinein lässt sich die tatsächlich erzielte Rendite berechnen. Frühere Renditen garantieren keine zukünftigen Ergebnisse.
Die Verteilung des Kapitals auf unterschiedliche Anlagen heißt Diversifikation. Sie verringert die Abhängigkeit von einer einzelnen Anlage, beseitigt Verlustrisiken aber nicht.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Rendite
- Berechnung
- Gewinn durch Kapital mal 100
- Verlust als negativen Gewinn einsetzen
- Vergleich
- gleichen Zeitraum verwenden
- gleiche Erträge und Abzüge erfassen
- Bereinigungen
- Kosten senken die Nettorendite
- Inflation mindert den realen Erfolg
- Einordnung
- Renditechance und Risiko gemeinsam betrachten
- Prognosen sind keine Garantien
- Besondere Kennzahlen
- Dividendenrendite misst nur Ausschüttung zum Kurs
- Mietrendite hängt von den einbezogenen Kosten ab
- Berechnung
Abschluss-Check
Du kannst Rendite nun berechnen und zugleich ihre Grenzen erkennen: Die Prozentzahl wird erst aussagekräftig, wenn Kapital, Zeitraum, Erträge, Kosten, Inflation und Risiko klar benannt sind.
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