Arbeitsproduktivität berechnen und richtig deuten
Die Arbeitsproduktivität zeigt, wie viel Output mit einer Einheit Arbeit erzeugt wird. Du teilst dazu den Output durch den Arbeitseinsatz. Die Kennzahl steigt, wenn mit gleich viel Arbeit mehr entsteht oder derselbe Output mit weniger Arbeit erreicht wird.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was misst die Arbeitsproduktivität?
Output ist das Ergebnis einer Produktion, zum Beispiel gefertigte Stühle oder eine preisbereinigte Wirtschaftsleistung. Arbeitseinsatz kann durch geleistete Arbeitsstunden oder durch die Zahl der eingesetzten Personen erfasst werden.
Arbeitsproduktivität
Die Arbeitsproduktivität ist das Verhältnis von Output zu Arbeitseinsatz.
$Arbeitsproduktivität = Output / Arbeitseinsatz$
Sie ist eine Teilproduktivität, weil nur der Produktionsfaktor Arbeit im Nenner steht. Material, Maschinen und Kapital werden nicht direkt berücksichtigt.
Die Einheit gehört zum Ergebnis. Bei 80 Stühlen und 40 Arbeitsstunden lautet sie beispielsweise „Stühle je Arbeitsstunde“.
Eine große Produktionsmenge allein bedeutet noch keine hohe Arbeitsproduktivität. Entscheidend ist, wie viel Arbeit für diese Menge eingesetzt wurde.
Wie berechnest und vergleichst du sie?
Gehe in vier Schritten vor:
- Bestimme den Output.
- Bestimme den dazugehörigen Arbeitseinsatz.
- Teile den Output durch den Arbeitseinsatz.
- Gib das Ergebnis mit Einheit an und deute es im Sachzusammenhang.
Eine Werkstatt fertigt 240 Bauteile in 60 Arbeitsstunden.
$Arbeitsproduktivität = 240 Bauteile / 60 Arbeitsstunden = 4 Bauteile je Arbeitsstunde$
Das bedeutet: Im betrachteten Zeitraum entstanden durchschnittlich vier Bauteile pro Arbeitsstunde.
Später fertigt die Werkstatt 360 Bauteile in 80 Arbeitsstunden:
$360 / 80 = 4{,}5 Bauteile je Arbeitsstunde$
Für die prozentuale Veränderung vergleichst du die Differenz mit dem alten Wert:
$(4{,}5 - 4) / 4 \cdot 100\,\% = 12{,}5\,\%$
Die Arbeitsproduktivität ist also um 12,5 % gestiegen. Der Output stieg zwar um 50 %, aber auch die Arbeitszeit nahm zu. Deshalb darfst du die Outputveränderung nicht mit der Produktivitätsveränderung gleichsetzen.
Produktivitätswerte lassen sich nur sinnvoll vergleichen, wenn Output, Zeitraum und Arbeitseinsatz gleich abgegrenzt sind.
Durchschnitt oder zusätzlicher Beitrag?
Die durchschnittliche Arbeitsproduktivität verteilt den gesamten Output auf den gesamten Arbeitseinsatz. Sie beantwortet: Wie viel Output entstand im Durchschnitt je Arbeitseinheit?
Die Grenzproduktivität der Arbeit betrachtet dagegen eine Veränderung. Sie zeigt, wie viel zusätzlicher Output durch eine zusätzliche Einheit Arbeit entsteht, während die anderen Bedingungen als unverändert angenommen werden.
$Grenzproduktivität = Änderung des Outputs / Änderung des Arbeitseinsatzes$
Fünf Arbeitskräfte fertigen zusammen 20 Tische pro Tag. Die durchschnittliche Arbeitsproduktivität beträgt:
$20 / 5 = 4 Tische je Arbeitskraft und Tag$
Mit einer sechsten Arbeitskraft entstehen 24 Tische. Der zusätzliche Output beträgt:
$24 - 20 = 4 Tische$
Die Grenzproduktivität der sechsten Arbeitskraft beträgt damit vier Tische pro Tag. Durchschnitts- und Grenzproduktivität sind hier zufällig gleich groß. Sie messen trotzdem unterschiedliche Dinge.
Wie wird die Kennzahl in einer Volkswirtschaft genutzt?
In einem Unternehmen kann der Output aus Stückzahlen oder Dienstleistungen bestehen. Gesamtwirtschaftlich wird meist das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt verwendet. Preisbereinigt bedeutet, dass reine Preisänderungen möglichst herausgerechnet werden.
$Arbeitsproduktivität = reales Bruttoinlandsprodukt / Arbeitsvolumen$
Das Arbeitsvolumen umfasst die geleisteten Arbeitsstunden. Alternativ kann die Wirtschaftsleistung durch die Zahl der Erwerbstätigen geteilt werden. Die Stundenproduktivität ist für viele Zeit- und Ländervergleiche aussagekräftiger, weil Teilzeit und unterschiedliche Arbeitszeiten berücksichtigt werden.
Für kleine Veränderungsraten gilt näherungsweise:
$Änderung der Arbeitsproduktivität \approx Änderung des realen BIP - Änderung des Arbeitsvolumens$
Steigt das reale BIP um 4 % und das Arbeitsvolumen um 3 %, wächst die Arbeitsproduktivität näherungsweise um 1 %.
Steigt das reale BIP um 2 %, während das Arbeitsvolumen um 3 % zunimmt, sinkt die Arbeitsproduktivität näherungsweise um 1 %. Mehr Gesamtproduktion kann also mit einer geringeren Produktivität je Arbeitsstunde verbunden sein.
Was verrät die Kennzahl nicht?
Ein Produktivitätswert ist ein Quotient. Er zeigt nicht von selbst, wie sich Zähler und Nenner einzeln entwickelt haben.
Fall A: Das reale BIP stagniert, während das Arbeitsvolumen um 1 % sinkt. Die Arbeitsproduktivität steigt näherungsweise um 1 %.
Fall B: Das reale BIP wächst um 4 % und das Arbeitsvolumen um 3 %. Auch hier steigt die Arbeitsproduktivität näherungsweise um 1 %.
Die gleiche Produktivitätsrate steht in Fall A für weniger eingesetzte Arbeit ohne Produktionswachstum, in Fall B dagegen für wachsende Produktion und wachsenden Arbeitseinsatz.
Beachte bei der Deutung außerdem:
- Eine Teilproduktivität schreibt den gesamten Output rechnerisch dem Faktor Arbeit zu, obwohl auch Technik, Material, Organisation und Qualifikation mitwirken.
- Unterschiedliche Definitionen von Output oder Arbeitseinsatz können Vergleiche verzerren.
- Preis- und Qualitätsbereinigung sind besonders bei schwer messbaren Dienstleistungen anspruchsvoll.
- Eine steigende Kennzahl beweist keine einzelne Ursache und sagt allein nichts über Arbeitsbelastung, Verteilung oder Lebensqualität aus.
Deute nie nur den Quotienten. Prüfe auch Output, Arbeitseinsatz, Einheit, Zeitraum und Messmethode.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Arbeitsproduktivität
- Grundformel: Output geteilt durch Arbeitseinsatz
- Betriebliche Messung: Stück oder Dienstleistung je Stunde
- Gesamtwirtschaftliche Messung: reales BIP je Arbeitsstunde
- Durchschnitt: gesamter Output je gesamter Arbeit
- Grenze: zusätzlicher Output je zusätzlicher Arbeit
- Vergleich: gleiche Abgrenzung und Einheit nötig
- Deutung: Output und Arbeitseinsatz getrennt prüfen
Abschluss-Check
Du kannst die Kennzahl sicher nutzen, wenn du zuerst korrekt rechnest und anschließend fragst, wodurch sich Output und Arbeitseinsatz verändert haben.
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