Wirtschaft

Produktionsfaktoren in VWL und BWL einfach erklärt

Produktionsfaktoren in VWL und BWL einfach erklärt
Produktionsfaktoren in VWL und BWL einfach erklärt
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Produktionsfaktoren sind alle materiellen und immateriellen Mittel, die zur Herstellung von Waren oder Dienstleistungen benötigt werden. In der Volkswirtschaftslehre stehen meist Arbeit, Boden beziehungsweise Natur und Realkapital im Mittelpunkt. Die Betriebswirtschaftslehre ordnet die Mittel danach, welche Aufgabe sie im Betrieb erfüllen.

Auf dieser Seite lernst du beide Sichtweisen kennen und wendest sie auf neue Produktionsbeispiele an.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woraus entsteht eine wirtschaftliche Leistung?

Produktion bedeutet in der Volkswirtschaftslehre mehr als die Fertigung in einer Fabrik. Auch das Fördern von Rohstoffen, das Ernten von Getreide, das Fangen von Fischen und das Bereitstellen von Waren gehören dazu.

Eine Leistung entsteht nicht aus einem einzigen Mittel. Eine Bäckerei benötigt zum Beispiel Mehl, Wasser, Arbeitszeit, einen Ofen, Räume und Wissen über Rezepte und Abläufe. Diese eingesetzten Mittel heißen Produktionsfaktoren oder Inputfaktoren.

Definition

Produktionsfaktoren

Produktionsfaktoren sind notwendige Einsatzmittel für die Herstellung und Bereitstellung von Waren oder Dienstleistungen. Dazu gehören gegenständliche Mittel wie Maschinen und immaterielle Mittel wie Wissen oder Planung.

Beispiel

Eine Bäckerei stellt Brötchen her:

  • Mehl und Wasser werden verarbeitet.
  • Beschäftigte mischen den Teig und bedienen den Ofen.
  • Ofen, Backbleche und Gebäude werden wiederholt genutzt.
  • Rezeptwissen und Planung steuern den Ablauf.

Das fertige Brötchen entsteht durch die Kombination dieser Beiträge. Der Ofen allein produziert ebenso wenig wie das Mehl allein.

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Frage 1 von 1LeichtWas ist ein Produktionsfaktor?
Lösung: Ein Mittel, das zur Herstellung oder Bereitstellung einer wirtschaftlichen Leistung eingesetzt wird — Entscheidend ist der Einsatz bei der Leistungserstellung. Produktionsfaktoren können materiell oder immateriell sein.
Die drei klassischen Faktoren der Volkswirtschaft

Die traditionelle volkswirtschaftliche Einteilung unterscheidet Arbeit, Boden beziehungsweise Natur und Kapital. Mit Kapital ist im klar abgegrenzten Grundmodell das Sach- oder Realkapital gemeint.

Arbeit

Der Produktionsfaktor Arbeit umfasst körperliche und geistige Tätigkeiten, die Menschen zur Produktion beitragen. Dazu zählen etwa das Montieren eines Fahrrads, das Programmieren einer Steuerung und das Planen einer Lieferung.

Boden und Natur

Der Faktor Boden meint mehr als eine bebaubare Fläche. Er umfasst natürliche Ressourcen wie Felder, Wälder, Gewässer und Bodenschätze.

Je nach Nutzung kann man unterscheiden:

  • Anbauboden liefert land- oder forstwirtschaftliche Erzeugnisse, etwa Getreide oder Holz.
  • Abbauboden stellt Rohstoffe wie Kohle oder Erdöl bereit.
  • Standortboden bietet Fläche für Gebäude, Verkehrswege oder Anlagen.

In neueren Darstellungen wird deshalb häufig von Natur, Umwelt oder natürlichen Ressourcen gesprochen.

Realkapital

Realkapital besteht aus hergestellten Produktionsmitteln wie Gebäuden, Maschinen, Werkzeugen und Fahrzeugen. Diese Mittel helfen dabei, weitere Güter oder Dienstleistungen hervorzubringen.

Geld auf einem Konto ist in dieser Abgrenzung kein Realkapital. Es kann aber verwendet werden, um eine Maschine zu kaufen. Erst die eingesetzte Maschine ist das Produktionsmittel.

Arbeit und Natur werden als originäre Produktionsfaktoren bezeichnet. Sie gelten in diesem Modell als ursprünglich vorhanden. Realkapital heißt derivativer Produktionsfaktor, weil Menschen es mithilfe von Arbeit und natürlichen Ressourcen herstellen.

Merke

Geld kann den Kauf eines Produktionsmittels ermöglichen. Produktionsfaktor im engeren volkswirtschaftlichen Sinn ist jedoch das eingesetzte Realkapital, zum Beispiel die Maschine – nicht der Geldschein.

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Frage 1 von 2LeichtWelcher Faktor ist ein Realkapitalgut?
Lösung: Ein Gabelstapler im Lager — Der Gabelstapler ist ein hergestelltes Produktionsmittel. Erz gehört dagegen zu den natürlichen Ressourcen.
Frage 2 von 2MittelEin Unternehmen nutzt eine Waldfläche zur Holzgewinnung. Welche Zuordnung passt?
Lösung: Boden beziehungsweise Natur, genauer: Anbauboden — Der Wald stellt die natürliche Ressource bereit. Die Tätigkeit der Forstbeschäftigten wäre zusätzlich dem Faktor Arbeit zuzuordnen.
Warum müssen Produktionsfaktoren zusammenwirken?

Bei einer konkreten Produktion werden meist mehrere Faktoren gleichzeitig benötigt. Fehlt ein notwendiger Beitrag, kann die Produktion sinken oder vollständig ausfallen.

Komplementäre Produktionsfaktoren ergänzen einander. Sind zwei Faktoren technisch nicht austauschbar, begrenzt der knappere Faktor die mögliche Produktion. Eine Maschine ohne Bedienung oder Energie kann beispielsweise nicht die vorgesehene Leistung erbringen.

Substitutive Produktionsfaktoren können sich teilweise ersetzen. Ein Unternehmen könnte für eine bestimmte Aufgabe mehr Maschinen einsetzen und dadurch weniger menschliche Arbeitszeit benötigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Faktor vollständig ersetzbar ist: Planung, Wartung oder Rohstoffe können weiterhin notwendig bleiben.

Definition

Faktorkombination

Eine Faktorkombination beschreibt, welche Produktionsfaktoren in welchen Rollen zusammen eingesetzt werden, damit eine bestimmte Leistung entsteht.

Beispiel

Eine Gärtnerei verpackt Gemüse.

  1. Das Gemüse und die genutzte Fläche stammen aus dem Bereich Natur.
  2. Beschäftigte prüfen und verpacken die Ware; das ist Arbeit.
  3. Förderband, Waage und Lieferfahrzeug sind Realkapital.
  4. Ein neues Förderband kann einen Teil der Handarbeit ersetzen.
  5. Ohne Gemüse gibt es trotz Förderband und Beschäftigten nichts zu verpacken.

Das Förderband und ein Teil der Arbeitszeit sind teilweise substituierbar. Gemüse, Verpackungsarbeit und notwendige Betriebsmittel bleiben für den Ablauf zugleich komplementär.

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Frage 1 von 2MittelIn einer Werkstatt fällt die einzige benötigte Spezialmaschine aus. Beschäftigte und Material sind vorhanden, können das Produkt aber nicht fertigstellen. Was zeigt der Fall?
Lösung: Ein fehlender komplementärer Faktor kann die Produktion begrenzen. — Die Maschine ist Realkapital. Weil sie für diesen Arbeitsschritt unverzichtbar ist, begrenzt ihr Ausfall die gesamte Produktion.
Frage 2 von 2SchwerEin Betrieb automatisiert einen wiederholbaren Arbeitsschritt. Welche Aussage ist am genauesten?
Lösung: Realkapital kann einen Teil der Arbeit ersetzen, während andere Beiträge weiterhin nötig bleiben. — Eine neue Faktorkombination verändert die Anteile einzelner Faktoren. Sie beseitigt nicht automatisch alle übrigen Voraussetzungen.
Wie ordnet die BWL die Faktoren eines Betriebs?

Die Volkswirtschaftslehre fragt nach grundlegenden Faktorarten einer gesamten Wirtschaft. Die Betriebswirtschaftslehre betrachtet genauer, wie Produktionsmittel innerhalb eines Unternehmens eingesetzt und koordiniert werden.

Elementarfaktoren wirken direkt an der Leistung mit

Elementarfaktoren werden unmittelbar für die Leistungserstellung eingesetzt. Dazu gehören Werkstoffe, Betriebsmittel und ausführende menschliche Arbeit.

Bei den eingesetzten Mitteln lässt sich weiter unterscheiden:

  • Repetierfaktoren werden in einem Produktionsvorgang verbraucht oder verändert. Beispiele sind Rohstoffe und Betriebsstoffe.
  • Potenzialfaktoren geben über mehrere Produktionsvorgänge hinweg Leistung ab. Dazu zählen etwa Gebäude, Maschinen, Patente, Lizenzen und Know-how.

Dispositive Faktoren steuern den Einsatz

Der dispositive Faktor verbindet und koordiniert die Elementarfaktoren. Dazu gehören insbesondere Leitung, Planung, Organisation und Kontrolle.

Beispiel

In einer Möbelfabrik lassen sich die Beiträge so ordnen:

  • Holz und Leim werden verarbeitet oder verbraucht: Repetierfaktoren.
  • Sägen, Werkzeuge und Fabrikhalle werden wiederholt genutzt: Potenzialfaktoren.
  • Beschäftigte bearbeiten und prüfen die Möbel: ausführende Arbeit als Elementarfaktor.
  • Die Produktionsleitung plant Termine, organisiert Personal und kontrolliert Ergebnisse: dispositiver Faktor.

Die BWL-Einteilung ersetzt die volkswirtschaftliche Sicht nicht. Sie beantwortet eine andere Frage: Welche Funktion übernimmt ein Faktor im Betrieb?

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Frage 1 von 2LeichtWelche Tätigkeit gehört zum dispositiven Faktor?
Lösung: Die Produktionsleitung plant den Einsatz von Personal und Maschinen. — Planung und Koordination steuern die Kombination der direkt eingesetzten Elementarfaktoren.
Frage 2 von 2MittelWelche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Leim ist ein Repetierfaktor, weil er bei der Produktion verbraucht oder verändert wird. — Entscheidend ist, ob ein Mittel im einzelnen Vorgang verbraucht beziehungsweise verändert wird oder über viele Vorgänge Leistung abgibt.
Typische Verwechslungen sicher vermeiden

Kapital bedeutet nicht in jeder Darstellung dasselbe

Im volkswirtschaftlichen Grundmodell ist mit Kapital meist Realkapital gemeint. Manche weiter gefassten Darstellungen beziehen auch finanzielle Mittel oder Humankapital ein. Prüfe deshalb immer, welche Definition verwendet wird. Für die Zuordnung auf dieser Seite gilt: Maschine gleich Realkapital; Geld ermöglicht ihren Kauf.

Natur ist mehr als eine Landfläche

Gewässer, Wälder, Bodenschätze sowie Wind und Sonne können ebenfalls natürliche Produktionsgrundlagen sein. Ein Fabrikgebäude gehört dagegen nicht zur Natur, nur weil es auf einem Grundstück steht: Das Gebäude ist hergestelltes Realkapital, die Fläche gehört zum Faktor Boden.

Wissen kann unterschiedlich eingeordnet werden

Moderne Ansätze ergänzen Wissen, Bildung, Information oder technischen Fortschritt teilweise als weiteren Produktionsfaktor. In einer betrieblichen Einteilung kann Know-how zugleich als immaterieller Potenzialfaktor betrachtet werden. Die Zuordnung hängt also von der gewählten Perspektive ab.

Ein Gegenstand kann ohne Kontext falsch eingeordnet werden

Frage bei jeder Zuordnung:

  1. Wird etwas natürlich bereitgestellt?
  2. Leistet ein Mensch körperliche oder geistige Arbeit?
  3. Ist es ein hergestelltes Produktionsmittel?
  4. Wird es im Betrieb verbraucht, wiederholt genutzt oder zur Steuerung eingesetzt?
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Frage 1 von 1SchwerEine Softwarelizenz wird mehrere Jahre zur Steuerung von Maschinen genutzt. Welche betriebswirtschaftliche Einordnung passt am besten?
Lösung: Immaterieller Potenzialfaktor — Potenzialfaktoren können materiell oder immateriell sein. Eine länger nutzbare Lizenz stellt über mehrere Produktionsvorgänge Leistung bereit.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Produktionsfaktoren
    • VWL: Arbeit, Boden oder Natur und Realkapital
    • Herkunft: Arbeit und Natur originär, Realkapital derivativ
    • Kombination: komplementär oder teilweise substitutiv
    • BWL: direkt eingesetzte Elementarfaktoren
    • Verbrauch: Repetierfaktoren
    • Mehrfachnutzung: Potenzialfaktoren
    • Steuerung: dispositiver Faktor
    • Erweiterungen: Wissen, Bildung, Information oder technischer Fortschritt
Abschluss-Check

Ordne immer zuerst die Perspektive ein: Geht es um die grundlegenden Faktoren einer Volkswirtschaft oder um die Funktion eines Mittels innerhalb eines Betriebs?

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Frage 1 von 3LeichtWas gehört im volkswirtschaftlichen Grundmodell zum Faktor Boden beziehungsweise Natur?
Lösung: Ein Fluss, dessen Wasser für eine wirtschaftliche Leistung genutzt wird — Der volkswirtschaftliche Bodenbegriff umfasst auch Gewässer und andere natürliche Ressourcen.
Frage 2 von 3MittelEine Bäckerei kauft einen neuen Ofen mit ihrem Kontoguthaben. Welche Aussage trifft zu?
Lösung: Der Ofen ist Realkapital; das Geld ermöglichte seinen Kauf. — Trenne Finanzierung und Produktion: Geld verschafft Verfügung über den Ofen, während der Ofen als Produktionsmittel eingesetzt wird.
Frage 3 von 3SchwerIn einer Fahrradfabrik werden Metallteile verarbeitet, Maschinen genutzt und Arbeitsabläufe geplant. Welche vollständige Zuordnung passt?
Lösung: Metallteile sind Repetierfaktoren, Maschinen Potenzialfaktoren und die Ablaufplanung ein dispositiver Faktor. — Die Metallteile gehen verändert in die Fahrräder ein. Maschinen geben über viele Vorgänge Leistung ab. Planung koordiniert den Einsatz dieser Elementarfaktoren.

Du hast den Kern verstanden, wenn du bei einem neuen Beispiel nicht nur einzelne Dinge aufzählst, sondern ihre Rolle in der Faktorkombination begründen kannst.

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