Wirtschaft

Wertschöpfung einfach erklärt und berechnet

Wertschöpfung einfach erklärt und berechnet
Wertschöpfung einfach erklärt und berechnet
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Wertschöpfung ist der Mehrwert, der durch Produktion oder eine Dienstleistung entsteht. Für die grundlegende Rechnung ziehst du vom Wert der erzeugten Leistung die von anderen Unternehmen bezogenen Vorleistungen ab.

Auf dieser Seite lernst du, Wertschöpfung zu berechnen, von Gewinn zu unterscheiden und in einer Wertschöpfungskette sowie beim Bruttoinlandsprodukt richtig einzuordnen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was bei Wertschöpfung gemessen wird

Stell dir eine Bäckerei vor: Sie kauft Zutaten und andere Leistungen ein, verarbeitet sie und verkauft Brot. Der Verkauf allein ist noch nicht die Wertschöpfung. Entscheidend ist, welcher Wert zusätzlich zu den eingekauften Vorleistungen entsteht.

Definition

Wertschöpfung

Wertschöpfung ist der in einem Zeitraum geschaffene Mehrwert. Die Grundidee lautet:

$$\text{Wertschöpfung}=\text{Produktionswert}-\text{Vorleistungen}$$

Beispiel

Ein Brot wird für 4,50 € verkauft. Die dafür bezogenen Zutaten und Leistungen kosten 2,50 €.

$$4{,}50\,€-2{,}50\,€=2{,}00\,€$$

Die Wertschöpfung beträgt 2,00 € je Brot. Dieser Betrag ist der auf dieser Stufe hinzugefügte Wert, nicht automatisch der Gewinn.

Ist der Produktionswert kleiner als die Vorleistungen, ist die Wertschöpfung negativ. Bei einem Produktionswert von 3,20 € und Vorleistungen von 3,50 € gilt:

$$3{,}20\,€-3{,}50\,€=-0{,}30\,€$$

Das Unternehmen hat auf dieser Betrachtungsstufe 0,30 € weniger Wert erzeugt, als es an Vorleistungen eingesetzt hat.

Merke

Ein hoher Verkaufspreis beweist noch keine hohe Wertschöpfung. Du musst immer die Vorleistungen abziehen.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt Wertschöpfung am genauesten?
Lösung: Sie ist der Produktionswert abzüglich der Vorleistungen. — Wertschöpfung misst den hinzugefügten Wert. Gewinn entsteht erst, nachdem weitere Aufwendungen berücksichtigt wurden.
Produktionswert und Vorleistungen unterscheiden

Für eine korrekte Rechnung musst du zuerst die beiden Seiten der Grundformel ordnen.

Definition

Produktionswert

Der Produktionswert ist der Wert der in einem Zeitraum erzeugten Waren und Dienstleistungen. Dazu können Verkäufe, Bestandsänderungen bei Halb- und Fertigerzeugnissen sowie selbst erstellte Anlagen gehören.

Definition

Vorleistungen

Vorleistungen sind Güter und Dienstleistungen, die ein Unternehmen von anderen bezieht und im Produktionsprozess verbraucht oder verarbeitet. Dazu zählen zum Beispiel Rohstoffe, Energie, Transporte oder bezogene Dienstleistungen.

Löhne sind in dieser Rechnung keine Vorleistungen. Sie sind ein Anteil, auf den die geschaffene Wertschöpfung verteilt werden kann. Auch der Werteverzehr einer länger genutzten Maschine wird nicht als Vorleistung behandelt, sondern als Abschreibung.

Beispiel

Eine Möbelproduktion weist einen Produktionswert von 500.000 € und Vorleistungen von 100.000 € aus.

$$500.000\,€-100.000\,€=400.000\,€$$

Die Bruttowertschöpfung beträgt 400.000 €. Wichtig ist die Reihenfolge: Vom Wert der eigenen Produktion werden nur die von außen bezogenen Vorleistungen abgezogen.

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Frage 1 von 2LeichtWas ist in der Grundrechnung eine Vorleistung?
Lösung: Holz, das eine Möbelfabrik von einem Sägewerk einkauft — Vorleistungen stammen von anderen Unternehmen und gehen in die eigene Produktion ein.
Frage 2 von 2MittelEin Betrieb verkauft Waren für 60.000 € und verbraucht bezogene Materialien und Dienstleistungen für 25.000 €. Welche Bruttowertschöpfung entsteht?
Lösung: 35.000 € — Es gilt: 60.000 € minus 25.000 € gleich 35.000 €.
Brutto, netto und Gewinn auseinanderhalten

Bruttowertschöpfung bedeutet: Der Werteverzehr langlebiger Produktionsmittel ist noch nicht abgezogen.

$$\text{Bruttowertschöpfung}=\text{Produktionswert}-\text{Vorleistungen}$$

Maschinen und Gebäude verlieren durch Nutzung und Alter an Wert. Dieser Werteverzehr heißt Abschreibung. Nach ihrem Abzug erhältst du die Nettowertschöpfung:

$$\text{Nettowertschöpfung}=\text{Bruttowertschöpfung}-\text{Abschreibungen}$$

Beispiel

Die Möbelproduktion hat eine Bruttowertschöpfung von 400.000 €. Ihre Abschreibungen betragen 20.000 €.

$$400.000\,€-20.000\,€=380.000\,€$$

Die Nettowertschöpfung beträgt 380.000 €.

Die genaue Behandlung von Steuern und Subventionen hängt von der Rechnungsebene und der verwendeten Preisbewertung ab. Deshalb darfst du betriebliche und volkswirtschaftliche Formeln nicht unbemerkt vermischen.

Definition

Gewinn

Gewinn ist der Rest, der nach Abzug der für die Gewinnrechnung maßgeblichen Aufwendungen von den Erträgen bleibt. Wertschöpfung ist weiter gefasst: Sie kann unter anderem als Löhne, Zinsen, Steuern und Gewinn verteilt werden.

Merke

Gewinn ist ein möglicher Teil der Wertschöpfung. Wertschöpfung und Gewinn sind deshalb nicht gleichbedeutend.

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Frage 1 von 2LeichtWarum ist Nettowertschöpfung nicht automatisch Gewinn?
Lösung: Weil aus ihr auch Löhne, Zinsen, Steuern und weitere Anteile getragen werden. — Die Nettowertschöpfung ist eine Verteilungsgröße. Der Gewinn ist nur einer ihrer möglichen Bestandteile.
Frage 2 von 2MittelDie Bruttowertschöpfung beträgt 90.000 €, die Abschreibungen 12.000 €. Wie hoch ist die Nettowertschöpfung?
Lösung: 78.000 € — Ziehe die Abschreibungen ab: 90.000 € minus 12.000 € gleich 78.000 €.
Wertschöpfungsketten ohne Doppelzählung verstehen

Ein Produkt durchläuft oft mehrere Unternehmen. Die Wertschöpfungskette verbindet die Tätigkeiten von der Beschaffung über Produktion und Handel bis zum Service. Auf jeder Stufe kann zusätzlicher Wert entstehen.

Beispiel

Für ein Fass Bier gelten vereinfacht diese Werte:

  • Die Brauerei bezieht Vorleistungen für 35 € und verkauft das Fass für 80 €. Ihre Wertschöpfung beträgt 45 €.
  • Der Großhandel kauft es für 80 € und verkauft es für 90 €. Seine Wertschöpfung beträgt 10 €.
  • Der Einzelhandel kauft es für 90 € und verkauft es für 100 €. Seine Wertschöpfung beträgt 10 €.

Die Summe der neu geschaffenen Werte ist:

$$45\,€+10\,€+10\,€=65\,€$$

Das passt zur Gesamtbetrachtung:

$$100\,€-35\,€=65\,€$$

Der Endpreis von 100 € besteht hier aus 35 € ursprünglichen Vorleistungen und 65 € Wertschöpfung der drei betrachteten Stufen.

Würdest du 80 €, 90 € und 100 € einfach addieren, würdest du dieselben Vorleistungen mehrfach zählen. Genau das verhindert die Rechnung mit den Wertschöpfungsanteilen.

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Frage 1 von 2MittelEin Großhandel kauft ein Produkt für 120 € und verkauft es unverändert für 150 €. Welche Wertschöpfung entsteht auf dieser Stufe?
Lösung: 30 € — Auf dieser Handelsstufe gilt: 150 € minus 120 € gleich 30 €.
Frage 2 von 2SchwerWarum addiert man für die Gesamtleistung die Wertschöpfung der Stufen statt alle Umsätze?
Lösung: So werden bereits enthaltene Vorleistungen nicht mehrfach gezählt. — Jede Stufe zählt nur ihren neu hinzugefügten Wert. Dadurch wird eine Doppelzählung vermieden.
Von der Bruttowertschöpfung zum BIP

In der Volkswirtschaft werden die Bruttowertschöpfungen der Unternehmen und Wirtschaftsbereiche zusammengeführt. So zeigt sich, welcher Mehrwert im Inland entstanden ist.

Die amtliche Rechnung bewertet die Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen. Gütersteuern sind darin nicht enthalten, empfangene Gütersubventionen dagegen schon. Für das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP, zu Marktpreisen werden die Nettogütersteuern hinzugefügt.

$$\text{Nettogütersteuern}=\text{Gütersteuern}-\text{Gütersubventionen}$$

$$\text{BIP}=\text{Bruttowertschöpfung}+\text{Nettogütersteuern}$$

Beispiel

Die Bruttowertschöpfung aller betrachteten Wirtschaftsbereiche beträgt 780 Milliarden €. Die Nettogütersteuern betragen 70 Milliarden €.

$$780\,\text{Mrd. €}+70\,\text{Mrd. €}=850\,\text{Mrd. €}$$

Das BIP zu Marktpreisen beträgt in diesem vereinfachten Beispiel 850 Milliarden €.

Gut zu wissen

Wertschöpfungszahlen haben Grenzen. Unbezahlte Haushaltsarbeit wird nicht wie eine verkaufte Marktleistung erfasst. Außerdem können Preissteigerungen einen nominalen Geldwert erhöhen, obwohl nicht mehr Güter oder Dienstleistungen entstanden sind.

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Frage 1 von 2LeichtWas wird zur Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen addiert, um zum BIP zu Marktpreisen zu gelangen?
Lösung: Nettogütersteuern — Nettogütersteuern sind Gütersteuern abzüglich Gütersubventionen.
Frage 2 von 2SchwerDas nominale BIP steigt nur, weil alle Preise steigen. Was folgt daraus?
Lösung: Eine höhere nominale Zahl beweist noch keine höhere reale Wertschöpfung. — Für Zeitvergleiche muss die Preisentwicklung berücksichtigt werden.
Wie Unternehmen Wertschöpfung beeinflussen

Wertschöpfung entsteht nicht nur an der Maschine. Beschaffung, Entwicklung, Produktion, Logistik, Marketing, Vertrieb und Service greifen ineinander. Eine Störung an einer Stelle kann weitere Bereiche treffen.

Ein Lieferausfall kann beispielsweise die Produktion stoppen. Dann fehlen dem Vertrieb Waren, während vereinbarte Liefertermine gefährdet sind. Gute Abstimmung der Informationen und Materialien wird deshalb zum Teil des Wertschöpfungsprozesses.

Unternehmen können ihre Wertschöpfung beeinflussen, indem sie etwa

  • Vorleistungen effizienter einsetzen,
  • Qualität und Produktgestaltung verbessern,
  • Arbeitsabläufe und Lieferwege besser abstimmen,
  • neue Angebote entwickeln,
  • Kundenbedürfnisse in Entwicklung und Service berücksichtigen.

Solche Maßnahmen können den Produktionswert erhöhen oder den Einsatz von Vorleistungen senken. Sie garantieren aber nicht automatisch einen höheren Gewinn: Auch weitere Aufwendungen und die Nachfrage spielen eine Rolle.

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Frage 1 von 2MittelEin Betrieb verringert bei gleichem Produktionswert unnötigen Materialverbrauch. Was geschieht bei sonst gleichen Bedingungen?
Lösung: Die Vorleistungen sinken und die Wertschöpfung steigt. — Bei gleichem Produktionswert führt ein kleinerer Abzug für Vorleistungen zu höherer Wertschöpfung.
Frage 2 von 2SchwerEin wichtiger Rohstoff trifft verspätet ein. Welche Folge zeigt die Vernetzung betrieblicher Funktionen am besten?
Lösung: Die Produktion verzögert sich, und der Vertrieb kann Liefertermine möglicherweise nicht halten. — Wertschöpfungsprozesse sind verbunden. Material- und Informationsstörungen können sich entlang der Kette ausbreiten.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Wertschöpfung
    • Grundrechnung
      • Produktionswert
      • Vorleistungen abziehen
    • Betrachtungsformen
      • brutto vor Abschreibungen
      • netto nach Abschreibungen
    • Verteilung
      • Löhne und Zinsen
      • Steuern und Gewinn
    • Wertschöpfungskette
      • Mehrwert je Stufe
      • Doppelzählung vermeiden
    • Volkswirtschaft
      • Branchenbeiträge addieren
      • Nettogütersteuern zum BIP ergänzen

Prüfe bei jeder Aufgabe zuerst die Betrachtungsebene. Dann ordnest du die Größen, rechnest und erklärst das Ergebnis im Zusammenhang.

Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Formel berechnet die Bruttowertschöpfung?
Lösung: Produktionswert minus Vorleistungen — Die Bruttowertschöpfung misst den Wert, den ein Betrieb den bezogenen Vorleistungen hinzufügt.
Frage 2 von 4MittelEin Betrieb erzielt einen Produktionswert von 240.000 €. Die Vorleistungen betragen 90.000 €, die Abschreibungen 30.000 €. Wie hoch ist die Nettowertschöpfung?
Lösung: 120.000 € — Zuerst: 240.000 € minus 90.000 € gleich 150.000 € Bruttowertschöpfung. Danach: 150.000 € minus 30.000 € gleich 120.000 € Nettowertschöpfung.
Frage 3 von 4SchwerEine Schokoladentafel durchläuft drei Betriebe. Welche Vorgehensweise vermeidet Doppelzählungen?
Lösung: Für jede Stufe den Verkaufspreis minus die bezogenen Vorleistungen berechnen und diese Wertschöpfungsanteile addieren — Jede Stufe trägt nur ihren neu geschaffenen Wert bei. Die Summe dieser Beiträge bildet den gesamten Mehrwert, ohne frühere Leistungen erneut zu zählen.
Frage 4 von 4SchwerEin Unternehmen steigert seinen Verkaufspreis um einen bestimmten Betrag, zugleich steigen seine Vorleistungen um denselben Betrag. Welche Aussage ist sicher richtig?
Lösung: Aus diesen Angaben allein folgt keine höhere Wertschöpfung. — Entscheidend ist die Differenz zwischen Produktionswert und Vorleistungen. Steigen beide um denselben Betrag, bleibt diese Differenz unverändert.

Kurz zusammengefasst: Wertschöpfung zeigt den zusätzlich geschaffenen Wert. Rechne auf jeder Stufe Produktionswert minus Vorleistungen, ziehe für die Nettowertschöpfung die Abschreibungen ab und verwechsle das Ergebnis nicht mit Gewinn.

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