Beschaffung: Ziele, Ablauf und Entscheidungen
Beschaffung versorgt ein Unternehmen rechtzeitig mit den benötigten Waren und Dienstleistungen. Dabei genügt es nicht, möglichst billig einzukaufen: Menge, Qualität, Lieferzeit, Kosten, Risiken und Nachhaltigkeit müssen zusammenpassen.
Auf dieser Seite lernst du, den Beschaffungsprozess zu erklären und typische Entscheidungen begründet zu treffen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was Beschaffung im Unternehmen leistet
Ein Möbelhersteller benötigt Holz, Schrauben, Maschinenwartung und Büroausstattung. Die Beschaffung sorgt dafür, dass solche Güter und Dienstleistungen in der richtigen Menge, zur richtigen Zeit, in erforderlicher Qualität und zu passenden Konditionen verfügbar sind.
Beschaffung
Beschaffung umfasst alle Tätigkeiten, mit denen ein Unternehmen benötigte Waren und Dienstleistungen von externen Anbietern erhält. Dazu gehören Planung, Lieferantensuche, Auswahl, Bestellung, Kontrolle und Zahlung.
Beschafft werden zum Beispiel:
- direkte Güter, die unmittelbar in ein Verkaufsprodukt eingehen, etwa Holz für einen Tisch;
- indirekte Güter, die den Betrieb unterstützen, etwa Büromaterial;
- Betriebsmittel, etwa Maschinen und Werkzeuge;
- Dienstleistungen, etwa Wartung oder IT-Unterstützung.
Beschaffung, Einkauf und Logistik unterscheiden
Im Alltag werden Einkauf und Beschaffung oft gleich verwendet. Für eine genaue betriebliche Betrachtung ist die Beschaffung jedoch umfassender: Der Einkauf betrifft vor allem Verhandlung, Bestellung, Annahme und Zahlung. Die Beschaffung schließt auch langfristige Planung, Lieferantenmanagement und Risikobewertung ein.
Die Logistik übernimmt vor allem Transport und Lagerung. Vereinfacht gesagt: Beschaffung sichert die Verfügbarkeit; Logistik bewegt und lagert die Güter.
Ein Fahrradhersteller wählt einen Lieferanten für Bremsen aus und bestellt 500 Stück. Das gehört zur Beschaffung. Der Transport der Bremsen zum Werk und ihre Einlagerung gehören zur Logistik. Beide Bereiche müssen sich abstimmen, damit die Produktion nicht stillsteht.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Beschaffung versorgt ein Unternehmen mit . Der Einkauf ist bei genauer Abgrenzung . Transport und Lagerung sind vor allem Aufgaben der .
Wie der Beschaffungsprozess abläuft
Prozessmodelle können je nach Unternehmen unterschiedlich viele Schritte enthalten. Ein übersichtliches Grundmodell besteht aus sechs Schritten:
- Bedarf ermitteln: Was wird wann, in welcher Menge und Qualität benötigt?
- Lieferanten auswählen: Welche Anbieter erfüllen die Anforderungen?
- Angebote vergleichen und bestellen: Preise, Qualität, Lieferzeit und Bedingungen werden geprüft.
- Lieferung überwachen: Das Unternehmen verfolgt, ob Termin und Menge eingehalten werden.
- Wareneingang prüfen: Gelieferte Menge, Zustand und Qualität werden mit der Bestellung verglichen.
- Rechnung prüfen und zahlen: Erst nach dem Abgleich wird die Zahlung freigegeben.
Der Beschaffungsprozess beginnt nicht mit der Bestellung, sondern mit einem geklärten Bedarf. Eine billige Bestellung ist nutzlos, wenn Menge, Qualität oder Liefertermin nicht stimmen.
Strategisch, taktisch und operativ handeln
- Strategische Beschaffung plant langfristig. Sie untersucht Beschaffungsmärkte, legt Grundsätze fest und entwickelt Lieferantenbeziehungen.
- Taktische Beschaffung setzt die Strategie mittelfristig um, etwa durch Ausschreibungen, Angebotsvergleiche und Vertragsverhandlungen.
- Operative Beschaffung deckt den aktuellen Bedarf. Dazu gehören Bestellen, Überwachen, Prüfen und Bezahlen.
Ein Unternehmen beschließt langfristig, nicht von einem einzigen Stahllieferanten abhängig zu sein. Das ist strategisch. Es holt anschließend Angebote mehrerer Anbieter ein und verhandelt Verträge: Das ist taktisch. Die konkrete Bestellung von 20 Tonnen Stahl und ihre Kontrolle sind operativ.
Digitale Beschaffungssysteme werden E-Procurement genannt. Sie können Anforderungen, Bestellungen, Freigaben und Rechnungen verbinden. Dadurch werden Abläufe transparenter und wiederkehrende Schritte können automatisiert werden.
Kaufen Beschäftigte ohne Abstimmung außerhalb der festgelegten Verfahren ein, spricht man von Maverick Buying. Dadurch können vereinbarte Preise, Qualitätsregeln oder Freigaben umgangen werden.
Welche Ziele miteinander konkurrieren
Beschaffung verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig:
- niedrige Einkaufs- und Prozesskosten;
- sichere und pünktliche Versorgung;
- passende Qualität;
- geringe Lagerkosten;
- flexible Reaktion auf Veränderungen;
- ökologische und soziale Verantwortung.
Diese Ziele können sich widersprechen. Eine große Bestellmenge ermöglicht möglicherweise einen günstigeren Stückpreis. Gleichzeitig bindet sie Geld, benötigt Lagerraum und erhöht Bestandskosten. Kleine Bestellungen entlasten das Lager, können aber häufiger Bestellaufwand und höhere Preise verursachen.
Ein Betrieb benötigt im Jahr viele Kartons. Eine Jahresbestellung ist je Karton günstig, belegt aber viel Lagerfläche. Monatliche Bestellungen benötigen weniger Platz, verursachen jedoch mehr Bestellvorgänge. Die passende Entscheidung hängt deshalb nicht allein vom Stückpreis ab.
Versorgungssicherheit und Just-in-Time
Bei Just-in-Time, kurz JIT, trifft Material möglichst genau dann ein, wenn es in der Produktion benötigt wird. Das senkt den vorgelagerten Lagerbestand. Das Verfahren verlangt jedoch zuverlässige Lieferanten, planbare Mengen und funktionierende Kommunikation. Verzögert sich eine Lieferung, kann die Produktion stillstehen.
Auch die Wahl der Bezugsquellen verändert den Zielkonflikt:
- Local Sourcing nutzt nahe Anbieter. Kurze Wege können Lieferungen erleichtern, die Preise können aber höher sein.
- Global Sourcing erweitert die weltweite Auswahl und kann Preisvorteile bieten. Längere Wege und Kommunikationsprobleme können das Risiko erhöhen.
- Mehrere geeignete Lieferanten schaffen Handlungsoptionen, wenn ein Anbieter ausfällt.
Nachhaltigkeit mitprüfen
Nachhaltige Beschaffung berücksichtigt drei miteinander verbundene Bereiche:
- ökonomisch: Das Unternehmen soll dauerhaft wirtschaftlich handeln.
- ökologisch: Umweltwirkungen und Ressourcenverbrauch sollen berücksichtigt werden.
- sozial: Arbeitsbedingungen und der Ausschluss von Kinderarbeit gehören zur Lieferantenbewertung.
Nachhaltigkeit ist damit kein einzelnes Zusatzkriterium. Sie kann Lieferantenauswahl, Materialien, Transportwege und Vertragsbedingungen beeinflussen.
Wie du Beschaffungsentscheidungen begründest
Eine gute Entscheidung verbindet Zahlen mit einer Prüfung des Sachzusammenhangs. Zwei typische Werkzeuge sind der Meldebestand und der gewichtete Angebotsvergleich.
Den Meldebestand berechnen
Beim Bestellpunktverfahren wird bestellt, sobald der Bestand einen vorher festgelegten Meldebestand erreicht. Dieser soll den Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit und einen Sicherheitspuffer abdecken.
Meldebestand = Mindestbestand + täglicher Verbrauch · Wiederbeschaffungszeit
Der Mindestbestand ist der Sicherheitspuffer. Die Wiederbeschaffungszeit reicht von der Bestellung bis zur Einlagerung.
Ein Betrieb hält mindestens 20 Bauteile als Puffer. Pro Tag werden 8 Bauteile verbraucht. Eine neue Lieferung benötigt 4 Tage.
- Verbrauch während der Lieferzeit:
8 Stück pro Tag · 4 Tage = 32 Stück. - Sicherheitspuffer ergänzen:
20 Stück + 32 Stück = 52 Stück. - Ergebnis: Sobald der Bestand auf 52 Stück sinkt, wird die Bestellung ausgelöst.
Die Einheit passt: Der tägliche Verbrauch wird mit Tagen multipliziert und ergibt Stück. Zusammen mit dem Mindestbestand entsteht wieder eine Stückzahl.
Der errechnete Meldebestand ist nur so zuverlässig wie seine Annahmen. Schwanken Verbrauch oder Lieferzeit stark, muss der Betrieb den Puffer und die Risiken zusätzlich beurteilen.
Lieferanten gewichtet vergleichen
Bei einem gewichteten Vergleich erhalten wichtige Kriterien ein höheres Gewicht. Jede Bewertung wird mit dem Gewicht multipliziert; anschließend werden die Ergebnisse addiert.
Ein Unternehmen bewertet Qualität mit 60 Prozent und Lieferzuverlässigkeit mit 40 Prozent. Die Skala reicht von 1 bis 5 Punkten; mehr Punkte sind besser.
- Lieferant A: Qualität 4, Lieferzuverlässigkeit 3. Gesamtwert:
0,60 · 4 + 0,40 · 3 = 3,60 Punkte. - Lieferant B: Qualität 3, Lieferzuverlässigkeit 5. Gesamtwert:
0,60 · 3 + 0,40 · 5 = 3,80 Punkte.
Nach diesen festgelegten Kriterien liegt Lieferant B vorn. Vor der Entscheidung muss das Unternehmen trotzdem prüfen, ob weitere Mindestanforderungen oder Risiken bestehen.
Folgen einer Störung untersuchen
Fällt eine Lieferung aus, wirkt die Störung oft über die Beschaffung hinaus:
- Material fehlt.
- Die Produktion kann sich verzögern.
- Die Logistik kann fertige Produkte später ausliefern.
- Der Absatz kann zugesagte Termine nicht halten.
- Rechnungswesen und Finanzierung müssen veränderte Zahlungen oder zusätzliche Kosten berücksichtigen.
So wird sichtbar: Betriebliche Funktionen arbeiten als vernetzter Prozess und nicht als isolierte Abteilungen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Beschaffung
- Zweck: Waren und Dienstleistungen passend verfügbar machen
- Prozess: Bedarf, Auswahl, Bestellung, Kontrolle und Zahlung
- Ebenen: strategisch, taktisch und operativ
- Ziele: Kosten, Qualität, Zeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit abwägen
- Werkzeuge: Meldebestand und gewichteter Angebotsvergleich
- Schnittstellen: Produktion, Logistik, Absatz und Rechnungswesen
- Risiken: Lieferausfall, schwankender Bedarf und Abhängigkeit
Abschluss-Check
Du beherrschst den Kern des Themas, wenn du nicht nur den billigsten Anbieter findest, sondern erklären kannst, wie eine Beschaffungsentscheidung Kosten, Versorgung, Qualität, Nachhaltigkeit und andere Unternehmensbereiche beeinflusst.
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