Wertschöpfungskette einfach erklärt
Eine Wertschöpfungskette verbindet alle Aktivitäten, durch die aus Ressourcen ein Produkt oder eine Dienstleistung mit höherem Nutzen entsteht. Sie reicht zum Beispiel von der Beschaffung über Produktion und Verkauf bis zum Kundenservice. Das Modell von Michael E. Porter hilft dir, diese Aktivitäten zu ordnen und Schwachstellen zu untersuchen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Vom Rohstoff zum Kundennutzen
Stell dir eine Schreinerei vor: Sie kauft Holz, Schrauben und Leim. Daraus fertigt sie einen Tisch, bewirbt ihn, liefert ihn aus und bietet eine Garantie an. Jeder abgestimmte Schritt kann dazu beitragen, dass der Tisch für die Kundschaft nützlicher und wertvoller wird.
Wertschöpfung
Wertschöpfung entsteht, wenn ein Unternehmen durch seine Leistung einen zusätzlichen Wert schafft. Betriebswirtschaftlich lässt sich die Bruttowertschöpfung als Produktionswert minus bezogene Vorleistungen ausdrücken.
Der Produktionswert umfasst die erzeugten Waren und Dienstleistungen. Vorleistungen sind Güter und Dienstleistungen, die andere Unternehmen geliefert haben und die bei der eigenen Leistungserstellung verbraucht werden, etwa Holz, Transportleistungen oder gemietete Räume.
$$Bruttowertschöpfung = Produktionswert - Vorleistungen$$
Die Wertschöpfung ist nicht dasselbe wie die Wertschöpfungskette: Die Wertschöpfung bezeichnet den geschaffenen Mehrwert. Die Wertschöpfungskette zeigt, durch welche miteinander verbundenen Aktivitäten dieser Mehrwert entstehen kann.
Eine Schreinerei gibt für die Herstellung und Bereitstellung eines Tisches insgesamt 600 Euro aus. Sie verkauft ihn für 1.200 Euro.
$$1.200 - 600 = 600$$
In diesem vereinfachten Produktbeispiel beträgt die Differenz 600 Euro. Sie zeigt, dass Verarbeitung, Arbeit, Organisation, Lieferung und Service einen verkaufbaren Wert geschaffen haben. Eine genaue betriebliche Gewinnrechnung müsste jedoch alle tatsächlich anfallenden Kosten berücksichtigen.
Wertschöpfung beschreibt den Mehrwert. Die Wertschöpfungskette ordnet die Aktivitäten, die zu diesem Mehrwert beitragen.
Aktivitäten nach Porter richtig zuordnen
Porters Modell von 1985 unterscheidet Primäraktivitäten und Unterstützungsaktivitäten. Primäraktivitäten sind unmittelbar an Herstellung, Vermarktung, Auslieferung oder Betreuung beteiligt. Unterstützungsaktivitäten schaffen die Voraussetzungen dafür.
Die fünf Primäraktivitäten
- Eingangslogistik: Rohstoffe und Vorprodukte annehmen, lagern und bereitstellen.
- Produktion oder Operationen: Materialien verarbeiten, Qualität prüfen und Produkte verpacken.
- Ausgangslogistik: Fertige Produkte lagern und an die Kundschaft liefern.
- Marketing und Vertrieb: Angebote bekannt machen, Preise festlegen und Verkäufe organisieren.
- Service: Kundschaft beraten sowie Reparaturen, Wartung oder Ersatzteile anbieten.
Die vier Unterstützungsaktivitäten
- Unternehmensinfrastruktur: Führung, Organisation, Verwaltung, Planung und Finanzierung.
- Personalwirtschaft: Beschäftigte gewinnen, einsetzen, vergüten und weiterbilden.
- Technologieentwicklung: Verfahren, Maschinen und IT verbessern oder neue Lösungen entwickeln.
- Beschaffung: Rohstoffe, Maschinen und andere Betriebsmittel einkaufen.
Bei Baumwollhandschuhen gehört die Anlieferung der Baumwolle zur Eingangslogistik. Zuschneiden, Nähen und Qualitätskontrolle gehören zur Produktion. Werbung und Onlineverkauf zählen zu Marketing und Vertrieb. Das Versenden einer Bestellung ist Ausgangslogistik. Hilfe bei einer falschen Größe gehört zum Service.
Personalplanung, geeignete Maschinen, der Einkauf der Baumwolle und die Unternehmensverwaltung unterstützen mehrere dieser Schritte gleichzeitig.
Eine Wertkette ist deshalb keine einfache Liste voneinander getrennter Abteilungen. Eine neue Maschine betrifft beispielsweise die Beschaffung, benötigt Finanzierung, verändert die Produktion und kann eine Weiterbildung der Beschäftigten erfordern.
Flüsse, Schnittstellen und Störungen untersuchen
Eine Wertschöpfungskette funktioniert nur, wenn an ihren Schnittstellen die richtigen Dinge weitergegeben werden. Eine Schnittstelle ist der Übergang zwischen zwei Aktivitäten oder Beteiligten.
Drei Flüsse helfen dir bei der Analyse:
| Fluss | Leitfrage | Beispiel beim Tisch |
|---|---|---|
| Materialfluss | Wohin bewegen sich Rohstoffe und Produkte? | Holz kommt zur Werkstatt, der Tisch zur Kundschaft. |
| Informationsfluss | Welche Angaben werden benötigt oder weitergegeben? | Eine Bestellung nennt Maße und Liefertermin; die Werkstatt meldet den Fertigstellungstermin. |
| Geldfluss | Wer bezahlt wen und wofür? | Die Kundschaft bezahlt die Schreinerei; diese bezahlt Lieferanten und Dienstleister. |
Ein Holzlieferant liefert verspätet. Dadurch fehlt Material in der Produktion. Der Tisch wird später fertig, die Ausgangslogistik muss den Liefertermin ändern und der Vertrieb muss die Kundschaft informieren. Bleibt eine Zahlung trotzdem bald fällig, kann auch die Finanzplanung betroffen sein.
Die Störung beginnt in der Beschaffung, wirkt aber über mehrere Schnittstellen weiter. Genau solche Abhängigkeiten macht die Wertschöpfungskette sichtbar.
Für eine Analyse kannst du so vorgehen:
- Lege das Produkt oder die Dienstleistung fest.
- Ordne die beteiligten Primär- und Unterstützungsaktivitäten zu.
- Zeichne Material-, Informations- und Geldflüsse ein.
- Suche Übergaben, hohe Kosten, Verzögerungen und Qualitätsprobleme.
- Prüfe mögliche Maßnahmen und ihre Folgen für andere Aktivitäten.
Mögliche Maßnahmen sind ein anderer Lieferant, modernere Maschinen oder die Vergabe einer Aufgabe an einen externen Dienstleister. Diese Verlagerung heißt Outsourcing. Sie kann Kosten senken oder die Konzentration auf eigene Kernkompetenzen erleichtern. Ob sie wirklich sinnvoll ist, muss jedoch anhand von Kosten, Qualität, Abhängigkeiten und Risiken geprüft werden.
Erweiterte Wertschöpfungskette
Porters Grundmodell richtet den Blick vor allem auf Aktivitäten innerhalb eines Unternehmens. Für soziale und ökologische Fragen ist häufig eine erweiterte Sicht nötig: Sie kann vom Rohstoffabbau oder Anbau über Zulieferer, Produktion und Nutzung bis zu Recycling oder Entsorgung reichen.
Dabei fragt man zum Beispiel nach Arbeitsbedingungen, Transportwegen, Umweltwirkungen und Wiederverwertbarkeit. Eine Lieferkette betrachtet vor allem die Versorgung und Weitergabe von Gütern. Die erweiterte Wertschöpfungskette bezieht zusätzlich die wertschaffenden Aktivitäten, die Nutzung und das Lebensende des Produkts ein.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Wertschöpfungskette
- Wert schaffen
- Produktionswert und Vorleistungen unterscheiden
- Kundennutzen erhöhen
- Primäraktivitäten
- Eingangslogistik, Produktion und Ausgangslogistik
- Marketing, Vertrieb und Service
- Unterstützungsaktivitäten
- Infrastruktur und Personalwirtschaft
- Technologieentwicklung und Beschaffung
- Vernetzung analysieren
- Material-, Informations- und Geldfluss
- Schnittstellen und Störungen
- Erweiterte Sicht
- Lieferanten und Nutzung
- Recycling sowie soziale und ökologische Risiken
- Wert schaffen
Abschluss-Check
Du beherrschst das Thema, wenn du bei einem neuen Produkt nicht nur einzelne Abteilungen aufzählst, sondern ihre Aktivitäten, Flüsse, Schnittstellen und gegenseitigen Auswirkungen erklären kannst.
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