Wirtschaft

Beschaffung und Lagerhaltung einfach optimieren

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Beschaffung stellt die benötigten Produktionsfaktoren bereit. Lagerhaltung gleicht Unterschiede zwischen Lieferung, Produktion und Absatz aus. Die zentrale Aufgabe lautet: Versorgung sichern, ohne unnötig viel Kapital und Lagerfläche zu binden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum Beschaffung und Lager zusammengehören
Definition

Beschaffung

Beschaffung ist die Bereitstellung aller Produktionsfaktoren, die ein Betrieb für seine Leistung benötigt: Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe. Die Beschaffung von Werkstoffen heißt Materialwirtschaft.

Lieferung und Materialverbrauch verlaufen selten genau gleichzeitig. Ein Lager bildet deshalb einen Puffer: Es nimmt Güter auf, bewahrt sie auf und stellt sie bei Bedarf bereit.

Ein hoher Bestand verbessert häufig die Versorgungssicherheit. Gleichzeitig verursacht er Lagerkosten und bindet Kapital. Ein sehr niedriger Bestand spart Kosten, erhöht aber das Risiko von Fehlmengen und Produktionsstillständen.

Merke

Beschaffung und Lagerhaltung werden nicht getrennt optimiert: Eine Entscheidung für niedrige Bestände verändert zugleich Kosten, Lieferfähigkeit und Risiken.

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Frage 1 von 1LeichtWarum hält ein Produktionsbetrieb Material auf Lager?
Lösung: Das Lager gleicht zeitliche und mengenmäßige Unterschiede zwischen Lieferung und Verbrauch aus. — Ein Lager sichert die Versorgung, verursacht aber selbst Kosten und Kapitalbindung.
Bedarf und Bestellzeitpunkt bestimmen

Der Bruttobedarf zeigt den Bedarf vor der Berücksichtigung vorhandener oder bereits bestellter Mengen. Der Nettobedarf ist die Menge, die tatsächlich neu beschafft werden muss.

Vereinfacht gilt:

$$\text{Nettobedarf}=\text{Bruttobedarf}-\text{Lagerbestand}-\text{Bestellbestand}+\text{Vormerkbestand}$$

Der Vormerkbestand wird addiert, weil diese Menge bereits für andere Aufträge reserviert ist.

Beim Bestellpunktverfahren löst das Erreichen des Meldebestands eine Bestellung aus:

$$\text{Meldebestand}=\text{Tagesverbrauch}\cdot\text{Lieferzeit}+\text{Sicherheitsbestand}$$

Der Sicherheitsbestand schützt unter anderem vor Verbrauchsschwankungen, Lieferverzögerungen und Minderlieferungen.

Beispiel

Ein Betrieb verbraucht täglich 50 DVD-Player. Die Lieferzeit beträgt 4 Tage, der Sicherheitsbestand 50 Stück.

Zuerst wird der erwartete Verbrauch während der Lieferzeit berechnet:

$$50\ \text{Stück/Tag}\cdot4\ \text{Tage}=200\ \text{Stück}$$

Dann kommt der Sicherheitsbestand hinzu:

$$200\ \text{Stück}+50\ \text{Stück}=250\ \text{Stück}$$

Sobald der Bestand auf 250 Stück sinkt, wird bestellt. Die Einheit und der Zusammenhang passen: Der Bestand reicht für die Lieferzeit und enthält zusätzlich eine Reserve.

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Frage 1 von 1MittelBei welchem Bestand wird im Beispiel bestellt?
Lösung: Bei 250 Stück — Der Meldebestand besteht aus dem Verbrauch während der Lieferzeit plus Sicherheitsbestand.
Die Bestellmenge austarieren

Kleine Bestellmengen führen zu häufigen Bestellungen und hohen Bestellkosten. Große Bestellmengen senken die Bestellhäufigkeit, erhöhen aber den durchschnittlichen Lagerbestand und damit die Lagerhaltungskosten.

Die Andlersche Formel bestimmt unter vereinfachten Bedingungen die Bestellmenge mit der niedrigsten Summe aus Bestell- und Lagerhaltungskosten:

$$x_{\text{opt}}=\sqrt{\frac{2\cdot k_B\cdot x_{\text{ges}}}{EP\cdot i_L}}$$

Dabei bedeuten:

  • $k_B$: Kosten je Bestellung,
  • $x_{\text{ges}}$: Jahresbedarf,
  • $EP$: Einstandspreis je Stück,
  • $i_L$: Lagerhaltungskostensatz als Dezimalzahl.
Beispiel

Gegeben sind ein Jahresbedarf von 24.000 Stück, Bestellkosten von 60 Euro, ein Einstandspreis von 50 Euro und ein Lagerhaltungskostensatz von 25 Prozent, also $0{,}25$.

$$x_{\text{opt}}=\sqrt{\frac{2\cdot60\cdot24.000}{50\cdot0{,}25}}$$

$$x_{\text{opt}}=\sqrt{230.400}=480$$

Die rechnerisch optimale Bestellmenge beträgt 480 Stück.

Das Ergebnis ist ein Modellwert. In der Praxis können Mengenrabatte, begrenzte Lagerkapazität, geringe Haltbarkeit, saisonale Schwankungen oder fehlende finanzielle Mittel eine andere Entscheidung sinnvoll machen.

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Frage 1 von 1MittelWarum ist die berechnete Bestellmenge nicht immer die beste praktische Entscheidung?
Lösung: Weil das Modell reale Einschränkungen wie Haltbarkeit, Lagerkapazität oder Rabatte nicht vollständig abbildet. — Ein rechnerisches Optimum muss immer gegen die Bedingungen des Betriebs geprüft werden.
Das passende Bereitstellungsprinzip wählen
PrinzipGrundideeVorteilRisiko oder Nachteil
EinzelbeschaffungMaterial erst für einen konkreten Auftrag beschaffenkaum Lagerkostenhohe Beschaffungskosten und Lieferrisiko
Vorratsbeschaffunggrößere Mengen beschaffen und lagernhohe VerfügbarkeitLagerkosten und Kapitalbindung
Just-in-Timeaktuell benötigte Mengen zeitgenau lieferngeringe Bestände und wenig Lagerflächestarke Abhängigkeit von zuverlässigen Lieferungen
Cross-Dockingeingehende Ware ohne reguläre Lagerung direkt weiterleitengeringe Lagerunghohe Anforderungen an Abstimmung und IT

Just-in-Time funktioniert nur bei hoher Qualität, zuverlässigen Lieferanten, abgestimmter Planung und einem stabilen Transport. Verzögert sich die Lieferung, kann die Produktion unmittelbar betroffen sein.

Gut zu wissen

Ein Sicherheitsbestand erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen Schwankungen. Ist er zu groß, bindet er unnötig Kapital. Ist er zu klein, steigt das Fehlmengenrisiko.

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Frage 1 von 1SchwerEin Betrieb möchte seine Lagerbestände stark senken. Seine Lieferungen sind jedoch häufig verspätet. Welche Beurteilung ist tragfähig?
Lösung: Just-in-Time wäre ohne zuverlässigere Lieferprozesse riskant. — Bestandsabbau verlagert Anforderungen auf Lieferzuverlässigkeit, Transport, Planung und Informationsaustausch.
Lagerfunktionen und Entnahme organisieren

Ein Lager erfüllt mehrere Aufgaben:

  • Sicherungs- und Versorgungsfunktion: Material und Waren verfügbar halten.
  • Ausgleichs- oder Pufferfunktion: Schwankungen zwischen Beschaffung, Produktion und Absatz überbrücken.
  • Spekulationsfunktion: erwartete Preis- oder Verfügbarkeitsänderungen berücksichtigen.
  • Veredelungsfunktion: eine gewünschte Veränderung während der Lagerung ermöglichen, etwa die Reifung von Käse.

Zu den Lagerprozessen gehören Warenannahme, Einlagerung, Aufbewahrung, mögliche Umlagerung und Entnahme. Bei der Warenannahme werden unter anderem Bestellung, Lieferschein, Menge und sichtbare Schäden geprüft.

Für die Entnahme gibt es unterschiedliche Strategien:

  • FIFO: Zuerst eingelagerte Ware wird zuerst entnommen.
  • LIFO: Zuletzt eingelagerte Ware wird zuerst entnommen.
  • FEFO: Ware mit dem frühesten Mindesthaltbarkeitsdatum wird zuerst entnommen.
  • Freiplatz- oder chaotische Lagerung: Ein IT-System weist geeignete freie Plätze zu.
Merke

Bei verderblicher Ware ist FEFO besonders passend, weil das Ablaufdatum wichtiger sein kann als der Einlagerungszeitpunkt.

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Frage 1 von 1MittelWelche Entnahmestrategie passt am besten zu Waren mit unterschiedlichen Mindesthaltbarkeitsdaten?
Lösung: FEFO — FEFO bedeutet „First Expired, First Out“: Die zuerst ablaufende Ware wird zuerst entnommen.
Lagerkennzahlen richtig deuten

Der durchschnittliche Lagerbestand kann bei vorhandenen Monatsendbeständen so berechnet werden:

$$\text{durchschnittlicher Lagerbestand}=\frac{\text{Jahresanfangsbestand}+\text{12 Monatsendbestände}}{13}$$

Die Lagerumschlagshäufigkeit zeigt, wie oft der durchschnittliche Bestand innerhalb eines Jahres verbraucht und ersetzt wird:

$$\text{Lagerumschlag}=\frac{\text{Materialverbrauch pro Jahr}}{\text{durchschnittlicher Lagerbestand}}$$

Bei der 360-Tage-Konvention gilt:

$$\text{durchschnittliche Lagerdauer}=\frac{360}{\text{Lagerumschlag}}$$

Ein steigender Lagerumschlag führt rechnerisch zu einer kürzeren Lagerdauer. Das kann auf geringere Kapitalbindung hindeuten. Es ist jedoch kein alleiniger Erfolgsbeweis: Ein zu knapper Bestand kann Lieferfähigkeit und Produktion gefährden.

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Frage 1 von 1SchwerDer Lagerumschlag steigt, während der Jahresverbrauch gleich bleibt. Welche Aussage folgt aus den Formeln?
Lösung: Der durchschnittliche Lagerbestand und die rechnerische Lagerdauer sind gesunken. — Kennzahlen zeigen rechnerische Zusammenhänge. Ob die neue Bestandshöhe betrieblich sinnvoll ist, muss zusätzlich geprüft werden.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Beschaffung und Lagerhaltung
    • Bedarf: Brutto- und Nettobedarf bestimmen
    • Bestellzeitpunkt: Meldebestand mit Sicherheitsbestand berechnen
    • Bestellmenge: Bestellkosten und Lagerhaltungskosten ausgleichen
    • Bereitstellung: Einzel-, Vorrats- oder Just-in-Time-Beschaffung wählen
    • Lagerung: Versorgung sichern und passende Entnahmestrategie nutzen
    • Kontrolle: Lagerumschlag und Lagerdauer gemeinsam deuten
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Größe schützt beim Meldebestand vor unerwarteten Schwankungen?
Lösung: Der Sicherheitsbestand — Der Meldebestand umfasst den erwarteten Verbrauch während der Lieferzeit und eine zusätzliche Sicherheitsreserve.
Frage 2 von 4MittelEin Betrieb verbraucht täglich 50 Stück, wartet 4 Tage auf die Lieferung und hält 50 Stück als Sicherheit. Wie hoch ist der Meldebestand?
Lösung: 250 Stück — Die Rechnung lautet $50\cdot4+50=250$ Stück.
Frage 3 von 4MittelEin Betrieb benötigt jährlich 8.000 Stück. Eine Bestellung kostet 40 Euro, der Einstandspreis beträgt 20 Euro je Stück und der Lagerhaltungskostensatz 20 Prozent, also $0{,}20$. Welche optimale Bestellmenge ergibt die Andlersche Formel?
Lösung: 400 Stück — Es gilt $x_{\text{opt}}=\sqrt{\frac{2\cdot40\cdot8.000}{20\cdot0{,}20}}=\sqrt{160.000}=400$ Stück.
Frage 4 von 4SchwerWelche Entscheidung verbindet niedrige Bestände mit einer sinnvollen Risikoprüfung?
Lösung: Just-in-Time nur bei zuverlässigen Liefer-, Qualitäts- und Informationsprozessen einsetzen. — Eine gute Entscheidung betrachtet Kosten und Versorgungssicherheit gemeinsam und prüft die Bedingungen des gewählten Verfahrens.

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