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Bilanzanalyse: Kennzahlen berechnen und beurteilen

Bilanzanalyse: Kennzahlen berechnen und beurteilen
Bilanzanalyse: Kennzahlen berechnen und beurteilen
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Bei einer Bilanzanalyse untersuchst du nicht nur die Bilanz, sondern den gesamten Jahresabschluss. Du bereitest Daten auf, berechnest passende Kennzahlen und vergleichst sie. Erst danach formulierst du ein begrenztes Urteil über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Welche Informationen untersuchst du?

Der Name kann täuschen: Eine Bilanzanalyse betrachtet den Jahresabschluss als Ganzes.

Zur Datenbasis gehören je nach Abschluss und Berichtspflicht:

  • die Bilanz mit Vermögen und Kapital,
  • die Gewinn- und Verlustrechnung, kurz GuV, mit Aufwendungen und Erträgen,
  • der Anhang mit Erläuterungen und Zusatzinformationen,
  • der Lagebericht, sofern er vorliegt.
Definition

Bilanzanalyse

Die Bilanzanalyse ist die methodische Untersuchung eines Jahres- oder Konzernabschlusses. Ihr Ziel ist ein nachvollziehbares Urteil über die Lage und Entwicklung eines Unternehmens.

Die Analyse unterscheidet drei Teilbereiche:

  • Vermögenslage: Worin ist das Kapital gebunden, etwa in Maschinen, Vorräten oder Forderungen?
  • Finanzlage: Wie ist das Vermögen finanziert, und kann das Unternehmen seine Verpflichtungen erfüllen?
  • Ertragslage: Wie erfolgreich wirtschaftet das Unternehmen?

Eine interne Analyse kann zusätzliche Unternehmensdaten verwenden. Eine externe Analyse ist auf veröffentlichte Informationen beschränkt und deshalb meist weniger genau.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Unterlagen bilden eine geeignete Grundlage für eine umfassende Bilanzanalyse?
Lösung: Bilanz, GuV, Anhang und ein gegebenenfalls vorhandener Lagebericht — Die Zahlen aus Bilanz und GuV werden durch Erläuterungen aus Anhang und gegebenenfalls Lagebericht ergänzt.
Wie gehst du systematisch vor?

Eine Kennzahl allein ist noch keine Analyse. Ein nachvollziehbarer Ablauf führt von der Fragestellung zu einem begrenzten Gesamturteil.

  1. Analyseziel festlegen: Willst du vor allem Liquidität, Finanzierung oder Rentabilität beurteilen?
  2. Daten sammeln: Erfasse Bilanz, GuV, Anhang, einen vorhandenen Lagebericht und geeignete Vergleichsdaten.
  3. Daten aufbereiten: Ordne, gliedere oder fasse Positionen passend zum Analyseziel zusammen.
  4. Kennzahlen auswählen und berechnen: Nutze Kennzahlen, die zur Fragestellung und zum Unternehmen passen.
  5. Vergleichen und Ursachen prüfen: Vergleiche mehrere Jahre, Unternehmen oder begründete Zielwerte und untersuche mögliche Gründe für Abweichungen.
  6. Teilurteile und Gesamturteil bilden: Verbinde die Ergebnisse mit qualitativen Informationen und benenne ihre Grenzen.
Beispiel

Du möchtest beurteilen, ob ein Unternehmen kurzfristige Verpflichtungen erfüllen kann. Dafür suchst du gezielt nach flüssigen Mitteln, kurzfristigen Forderungen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Du berechnest eine Liquiditätskennzahl und prüfst anschließend ihre Entwicklung. Eine Rentabilitätskennzahl würde eine andere Frage beantworten.

Merke

Die sinnvolle Reihenfolge lautet: Datenbasis → Aufbereitung → Kennzahlen → Vergleich → Ursachenanalyse → Teilurteile → begrenztes Gesamturteil.

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Frage 1 von 1MittelEin Unternehmen weist eine deutlich niedrigere Eigenkapitalquote als im Vorjahr aus. Was ist der nächste sinnvolle Schritt?
Lösung: Ursachen, Datenkontext und weitere Kennzahlen untersuchen — Eine Veränderung ist zunächst ein Signal. Für eine Erklärung brauchst du mögliche Ursachen, weitere Abschlussdaten und einen passenden Vergleich.
Wie berechnest du zentrale Kennzahlen?

Kennzahlen setzen Abschlussgrößen zueinander in Beziehung. Achte darauf, dass Zähler und Nenner sachlich, zeitlich und wertmäßig zusammenpassen.

Eigenkapitalquote und Fremdkapitalquote

Die Eigenkapitalquote zeigt den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital:

$$\text{Eigenkapitalquote}=\frac{\text{Eigenkapital}}{\text{Bilanzsumme}}\cdot 100$$

Die Fremdkapitalquote zeigt entsprechend den Anteil des Fremdkapitals:

$$\text{Fremdkapitalquote}=\frac{\text{Fremdkapital}}{\text{Bilanzsumme}}\cdot 100$$

Wenn das Gesamtkapital vollständig in Eigen- und Fremdkapital aufgeteilt ist, ergänzen sich beide Quoten zu 100 Prozent.

Beispiel

Ein Unternehmen besitzt 100.000 € Eigenkapital und 100.000 € Fremdkapital. Die Bilanzsumme beträgt 200.000 €.

$$\text{Eigenkapitalquote}=\frac{100.000}{200.000}\cdot 100=50\,\%$$

$$\text{Fremdkapitalquote}=\frac{100.000}{200.000}\cdot 100=50\,\%$$

Die Finanzierung besteht zu gleichen Teilen aus Eigen- und Fremdkapital. Daraus folgt noch kein vollständiges Urteil über Liquidität oder Ertragslage.

Achtung: Verbindlichkeiten gehören zum Fremdkapital. Du darfst sie nicht zusätzlich addieren, wenn sie bereits in der angegebenen Fremdkapitalsumme enthalten sind.

Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad vergleicht Fremdkapital mit Eigenkapital:

$$\text{Verschuldungsgrad}=\frac{\text{Fremdkapital}}{\text{Eigenkapital}}\cdot 100$$

Im Beispiel beträgt er:

$$\frac{100.000}{100.000}\cdot 100=100\,\%$$

Das bedeutet: Fremd- und Eigenkapital sind gleich hoch. Der Verschuldungsgrad ist nicht mit der Fremdkapitalquote zu verwechseln, denn beide Kennzahlen verwenden unterschiedliche Nenner.

Liquidität

Liquiditätskennzahlen untersuchen, ob kurzfristig verfügbare Mittel zu kurzfristigen Verbindlichkeiten passen.

$$\text{Liquidität 1. Grades}=\frac{\text{flüssige Mittel}}{\text{kurzfristige Verbindlichkeiten}}\cdot 100$$

Die Liquidität 2. Grades bezieht zusätzlich kurzfristige Forderungen ein:

$$\text{Liquidität 2. Grades}=\frac{\text{flüssige Mittel}+\text{kurzfristige Forderungen}}{\text{kurzfristige Verbindlichkeiten}}\cdot 100$$

Bei 30.000 € flüssigen Mitteln, 20.000 € kurzfristigen Forderungen und 40.000 € kurzfristigen Verbindlichkeiten ergibt sich:

$$\frac{30.000+20.000}{40.000}\cdot 100=125\,\%$$

Rechnerisch entsprechen die einbezogenen Mittel 125 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Ob die Forderungen rechtzeitig und vollständig eingehen, musst du zusätzlich prüfen.

Umsatzrentabilität

Die Umsatzrentabilität zeigt, wie viel Gewinn auf den Umsatz entfällt:

$$\text{Umsatzrentabilität}=\frac{\text{Gewinn}}{\text{Umsatz}}\cdot 100$$

In einem Rechenfall mit 90.000 € Gewinn und 600.000 € Umsatz gilt:

$$\frac{90.000}{600.000}\cdot 100=15\,\%$$

Das sind 15 € Gewinn je 100 € Umsatz. Ob dieser Wert günstig ist, lässt sich erst anhand seiner Entwicklung und geeigneter Vergleichswerte beurteilen.

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Frage 1 von 3LeichtWas bedeutet ein Verschuldungsgrad von 100 Prozent?
Lösung: Fremdkapital und Eigenkapital sind gleich hoch. — Beim Verschuldungsgrad wird Fremdkapital durch Eigenkapital geteilt. Gleich hohe Beträge ergeben 100 Prozent.
Frage 2 von 3MittelEin Unternehmen hat 24.000 € flüssige Mittel und 60.000 € kurzfristige Verbindlichkeiten. Wie hoch ist die Liquidität 1. Grades?
Lösung: 40 Prozent — 24.000 geteilt durch 60.000 mal 100 ergibt 40 Prozent.
Frage 3 von 3MittelEin Unternehmen erzielt 45.000 € Gewinn bei 300.000 € Umsatz. Wie hoch ist die Umsatzrentabilität?
Lösung: 15 Prozent — 45.000 geteilt durch 300.000 mal 100 ergibt 15 Prozent.
Wie werden aus Zahlen begrenzte Urteile?

Eine Kennzahl erhält erst im Vergleich Bedeutung. Drei Vergleichsformen sind besonders wichtig:

  • Zeitvergleich: dieselbe Kennzahl über mehrere Jahre,
  • Unternehmens- oder Branchenvergleich: Vergleich mit passenden Unternehmen oder einem Branchenniveau,
  • Soll-Ist-Vergleich: Vergleich mit einem begründeten Zielwert.

Feste Schwellenwerte sind keine allgemeingültigen Naturgesetze. Vermögensstrukturen, Geschäftsmodelle, Bilanzierungsentscheidungen und Finanzierungsbedingungen unterscheiden sich. Ein Richtwert kann deshalb eine Untersuchung auslösen, aber das Urteil nicht ersetzen.

Definition

Fristenkongruenz

Fristenkongruenz bedeutet, dass die Dauer der Finanzierung zur Dauer der Vermögensbindung passen soll. Langfristig gebundenes Vermögen sollte langfristig finanziert werden.

Der Deckungsgrad 1 prüft den Anteil des Anlagevermögens, der durch Eigenkapital gedeckt ist:

$$\text{Deckungsgrad 1}=\frac{\text{Eigenkapital}}{\text{Anlagevermögen}}\cdot 100$$

Der Deckungsgrad 2 bezieht zusätzlich langfristiges Fremdkapital ein:

$$\text{Deckungsgrad 2}=\frac{\text{Eigenkapital}+\text{langfristiges Fremdkapital}}{\text{Anlagevermögen}}\cdot 100$$

Auch hier ist eine Abweichung zunächst ein Signal. Du musst untersuchen, welche Positionen sich verändert haben und ob die Finanzierung zum Unternehmen passt.

Eine Veränderung ursachenbezogen erklären

Sinkt die Eigenkapitalquote, sind mehrere Ursachen denkbar:

  • Verluste haben das Eigenkapital verringert.
  • Neue Kredite haben Fremdkapital und Bilanzsumme erhöht.
  • Eine Ausschüttung oder Entnahme hat das Eigenkapital vermindert.
  • Mehrere Veränderungen sind gleichzeitig eingetreten.

Die Kennzahl allein verrät nicht, welche Ursache tatsächlich vorliegt. Dafür brauchst du mindestens weitere Abschlussdaten und möglichst einen Zeitvergleich.

Beispiel

Unternehmen A besitzt eine Eigenkapitalquote von 61,1 Prozent, Unternehmen B eine Quote von 22,2 Prozent. A ist damit rechnerisch weniger fremdfinanziert. Ein verantwortbares Urteil lautet dennoch nicht: „A ist insgesamt besser.“

Zusätzlich wären etwa Liquidität, Rentabilität, Laufzeiten der Schulden, Branchenzugehörigkeit und die Entwicklung über mehrere Jahre zu prüfen. Erst daraus entstehen begründete Teilurteile.

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Frage 1 von 1SchwerZwei Unternehmen haben dieselbe Eigenkapitalquote. Darf daraus dieselbe wirtschaftliche Lage abgeleitet werden?
Lösung: Nein, denn Liquidität, Rentabilität, Branche und Entwicklung können verschieden sein. — Für ein Gesamturteil musst du mehrere Kennzahlen, qualitative Informationen, Ursachen und geeignete Vergleiche verbinden.
Wo liegen die Grenzen der Bilanzanalyse?

Bilanzanalyse macht Zusammenhänge sichtbar, beseitigt aber die Grenzen des Ausgangsmaterials nicht.

  • Vergangenheitsbezug: Der Abschluss beschreibt ein vergangenes Geschäftsjahr und einen bestimmten Bilanzstichtag.
  • Verzögerung: Bei der Veröffentlichung können die Daten bereits zusätzlich veraltet sein.
  • Bilanzpolitik: Bewertungswahlrechte, Ermessensspielräume und gezielt terminierte Geschäfte können Abschlusswerte und Kennzahlen beeinflussen.
  • Stichtagseffekt: Eine günstige Situation am Bilanzstichtag muss nicht für das ganze Jahr typisch sein.
  • Unvollständigkeit: Managementqualität, Marktstellung, Produktqualität oder aktuelle Auftragslage sind aus dem Abschluss oft nur eingeschränkt erkennbar.
  • Begrenzter Informationszugang: Externe Analysen verfügen meist über weniger Daten als interne Analysen.
Definition

Window Dressing

Window Dressing bezeichnet die gezielte Gestaltung von Geschäften vor dem Bilanzstichtag, damit der Abschluss günstiger erscheint. Die Lage kann dadurch besser wirken, als sie dauerhaft ist.

Ein sachgerechtes Urteil trennt drei Ebenen:

  1. Beobachtung: „Die Eigenkapitalquote ist von 38 auf 31 Prozent gesunken.“
  2. Mögliche Erklärung: „Verluste oder zusätzliche Kredite könnten die Veränderung verursacht haben.“
  3. Prüfbedarf: „GuV, Anhang, Kreditentwicklung und weitere Jahre müssen untersucht werden.“
Merke

Eine Kennzahl ist ein Signal, kein vollständiges Unternehmensurteil. Formuliere Ursachen als Möglichkeiten und nenne Informationen, mit denen du sie prüfen könntest.

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Frage 1 von 1MittelKurz vor dem Bilanzstichtag verbessert sich eine Kennzahl auffällig. Welche Prüfung ist besonders sinnvoll?
Lösung: Prüfen, ob einmalige oder gezielt terminierte Geschäfte den Stichtagswert beeinflusst haben — Vergleiche mehrere Perioden und untersuche Erläuterungen sowie ungewöhnliche Geschäftsvorfälle rund um den Bilanzstichtag.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Bilanzanalyse
    • Datenbasis: Bilanz, GuV, Anhang und gegebenenfalls Lagebericht
    • Aufbereitung: Positionen ordnen und vergleichbar machen
    • Kennzahlen: Finanzierung, Liquidität und Rentabilität untersuchen
    • Vergleich: Zeit, Unternehmen, Branche oder Sollwert heranziehen
    • Ursachenanalyse: Veränderungen und Bilanzpolitik prüfen
    • Urteil: Teilurteile verbinden und Grenzen benennen
Abschluss-Check

Nutze bei Rechenfragen die passende Formel. Prüfe danach, wie weit das Ergebnis tatsächlich trägt.

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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage beschreibt eine fachgerechte Bilanzanalyse?
Lösung: Sie verbindet aufbereitete Abschlussdaten, mehrere Kennzahlen, Vergleiche und qualitative Informationen. — Eine Bilanzanalyse führt von der Datenbasis über Berechnung und Vergleich zu einem begrenzten, nachvollziehbaren Urteil.
Frage 2 von 3MittelEin Unternehmen hat 120.000 € Eigenkapital und eine Bilanzsumme von 400.000 €. Wie hoch ist seine Eigenkapitalquote?
Lösung: 30 Prozent — 120.000 geteilt durch 400.000 mal 100 ergibt 30 Prozent.
Frage 3 von 3SchwerDie Eigenkapitalquote sinkt, während die Liquidität 2. Grades steigt. Welches Urteil ist angemessen?
Lösung: Finanzierung und kurzfristige Deckung entwickeln sich unterschiedlich; Ursachen und weitere Daten müssen geprüft werden. — Die Eigenkapitalquote beschreibt die Kapitalstruktur, die Liquidität 2. Grades die kurzfristige Deckung. Für ein Gesamturteil brauchst du zusätzlich Ursachen, Vergleiche, Rentabilität und qualitative Informationen.

Ein belastbares Kurzurteil nennt zuerst die rechnerische Beobachtung, danach mindestens zwei mögliche Ursachen und zuletzt die Informationen, die noch geprüft werden müssen.

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