Diversifikation: Arten, Chancen und Risiken
Diversifikation bedeutet, Angebote, Tätigkeiten oder Geldanlagen zu verbreitern. Dadurch lassen sich Chancen auf mehrere Bereiche verteilen und einseitige Abhängigkeiten verringern. Risiken verschwinden jedoch nicht automatisch: Neue Märkte können unbekannt sein, zusätzliche Kosten verursachen und gemeinsam von einer Krise betroffen werden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Die Grundidee: nicht alles von einem Bereich abhängig machen
Stell dir einen Betrieb vor, der nur ein einziges Produkt verkauft. Bricht dessen Nachfrage ein, trifft das den gesamten Betrieb. Mit mehreren Produkten oder Märkten verteilt sich diese Abhängigkeit.
Diversifikation
Diversifikation oder Diversifizierung ist die gezielte Erweiterung von Wahlmöglichkeiten. Ein Unternehmen kann neue Produkte, Märkte oder Wertschöpfungsstufen aufnehmen. Bei einer Geldanlage wird Vermögen auf verschiedene Anlagen, Branchen oder Anlageklassen verteilt.
Das Gegenstück ist die Konzentration oder Spezialisierung: Dabei richtet man sich besonders stark auf einen begrenzten Bereich aus.
Diversifikation kann zwei Ziele unterstützen:
- Chancen erweitern: Neue Produkte oder Märkte können zusätzliche Erlöse ermöglichen.
- Risiken streuen: Der Erfolg hängt weniger stark von einem einzelnen Produkt, Kunden, Lieferanten oder Vermögenswert ab.
Diversifikation verteilt Chancen und Risiken auf mehrere Bereiche. Sie beseitigt Risiken aber nicht.
Drei Richtungen bei Unternehmen unterscheiden
Bei Unternehmen richtet sich die Einordnung danach, wie das neue Geschäft mit dem bisherigen Geschäft zusammenhängt.
Horizontale Diversifikation
Ein Unternehmen erweitert sein Angebot um verwandte Produkte auf derselben Wirtschaftsstufe. Vorhandene Kenntnisse, Kundenzugänge oder Vertriebswege können oft weitergenutzt werden.
Ein Schuhhersteller nimmt elegante Herrenschuhe in sein bisheriges Schuhangebot auf. Das neue Produkt gehört weiterhin zum Schuhgeschäft: Die Diversifikation ist horizontal.
Vertikale Diversifikation
Ein Unternehmen übernimmt eine vor- oder nachgelagerte Stufe seiner Wertschöpfungskette. Die Wertschöpfungskette umfasst die Schritte von der Beschaffung über die Herstellung bis zum Vertrieb.
Kauft ein Bekleidungsunternehmen einen Textilhersteller, erweitert es sich in Richtung einer vorgelagerten Produktionsstufe. Eröffnet es eigene Geschäfte, übernimmt es eine nachgelagerte Vertriebsstufe. Beides ist vertikale Diversifikation.
Laterale Diversifikation
Ein Unternehmen beginnt eine Tätigkeit ohne sachlichen Zusammenhang mit seinem bisherigen Angebot. Diese Form wird auch konglomerate Diversifikation genannt.
Übernimmt ein Autohersteller eine Baumarktkette, besteht weder ein verwandtes Angebot noch eine vor- oder nachgelagerte Wertschöpfungsstufe. Die Diversifikation ist lateral.
Ein Fahrradhersteller plant drei Erweiterungen:
- Er bietet zusätzlich E-Bikes an. Das ist horizontal, weil die neuen Produkte mit dem bisherigen Fahrradangebot verwandt sind.
- Er kauft einen Hersteller wichtiger Fahrradteile. Das ist vertikal, weil er eine vorgelagerte Produktionsstufe übernimmt.
- Er eröffnet eine Hotelkette. Das ist lateral, weil zwischen Fahrrädern und Hotels kein sachlicher Zusammenhang besteht.
Entscheidend ist nicht, ob das neue Produkt irgendwo auf dem Markt schon existiert. „Neu“ wird aus Sicht des Unternehmens beurteilt.
Risikostreuung bei Geldanlagen verstehen
Bei einer Geldanlage bedeutet Diversifikation, das Vermögen nicht vollständig von einer einzelnen Anlage abhängig zu machen. Gestreut werden kann zum Beispiel über mehrere Unternehmen, Branchen, Anlageformen oder Länder.
Eine Person investiert nicht nur in einen Sonnenschirmhersteller, sondern verteilt ihr Geld auf einen Sonnen- und einen Regenschirmhersteller. Unterschiedliche Wetterlagen können die Unternehmen verschieden beeinflussen.
Der entscheidende Gedanke lautet: Entwickeln sich die Anlagen nicht immer vollständig gleich, kann die Mischung geringere Schwankungen aufweisen als eine einzelne Position. Das Beispiel garantiert aber nicht, dass immer eine Anlage steigt. In einer allgemeinen Wirtschaftskrise könnten beide Unternehmen Verluste erleiden.
In der Fachsprache beschreibt die Korrelation, wie ähnlich sich zwei Größen entwickeln. Ein Diversifikationseffekt ist möglich, wenn Anlagen nicht vollständig gleichgerichtet sind. Je stärker sie von denselben Ursachen abhängen, desto geringer kann der Streuungsvorteil ausfallen.
Auch ein Fonds kann viele Vermögenswerte bündeln. Die bloße Anzahl reicht jedoch nicht zur Beurteilung: Viele Anlagen aus derselben Branche können weiterhin von demselben Risiko betroffen sein.
Sicherheit, Rendite und Verfügbarkeit stehen bei Geldanlagen in einem Spannungsverhältnis. Eine Mischung verschiedener Anlagen kann unterschiedliche Eigenschaften verbinden. Sie hebt diesen Zielkonflikt jedoch nicht auf und ist keine Garantie für Gewinn oder Kapitalerhalt.
Chancen und verbleibende Risiken abwägen
Diversifikation ist keine automatische Erfolgsformel. Ob sie nützt, hängt vom konkreten Zusammenhang ab.
Mögliche Chancen
- Mehrere Produkte können unterschiedliche Kundengruppen erreichen.
- Mehrere Lieferanten oder Vertriebswege können einseitige Abhängigkeiten verringern.
- Verwandte Produkte können vorhandene Anlagen, Verfahren oder Vertriebswege gemeinsam nutzen.
- Verschieden reagierende Geldanlagen können das Gesamtrisiko senken.
Mögliche Risiken und Kosten
- Das Unternehmen kennt neue Kunden, Märkte oder Technologien möglicherweise noch nicht.
- Entwicklung, Produktion und Vermarktung verursachen zusätzliche Kosten.
- Bei lateraler Diversifikation kann das Unternehmen sein bisheriges Kompetenzfeld weit verlassen.
- Neue Angebote können auf zu geringe Nachfrage treffen.
- Verschiedene Geldanlagen können durch dieselbe Krise gleichzeitig verlieren.
Wirtschaftlich erfolgreich ist eine unternehmerische Diversifikation erst, wenn die zusätzlichen Erlöse mindestens die zusätzlichen Kosten decken. Bei Geldanlagen muss außerdem geprüft werden, ob die Positionen tatsächlich unterschiedlich genug reagieren.
Frage nicht nur: „Wie viele Bereiche gibt es?“ Frage auch: „Wovon hängen diese Bereiche ab, welche Kosten entstehen und welches gemeinsame Risiko bleibt?“
Neue Fälle Schritt für Schritt beurteilen
Nutze bei Unternehmensfällen diese Reihenfolge:
- Bestimme das bisherige Geschäft.
- Benenne die neue Tätigkeit.
- Prüfe den Zusammenhang: verwandt, vor- oder nachgelagert oder sachlich unabhängig?
- Ordne horizontal, vertikal oder lateral zu.
- Nenne mindestens eine Chance und ein verbleibendes Risiko.
Bei Geldanlagen gehst du ähnlich vor:
- Bestimme, auf welche Vermögenswerte, Branchen oder Anlageklassen das Geld verteilt ist.
- Prüfe, ob dieselben Risikofaktoren alle Positionen treffen können.
- Erkläre den möglichen Streuungsvorteil.
- Benenne ein Risiko, das durch die Streuung nicht verschwindet.
Ein Möbelhersteller kauft einen Holzlieferanten.
- Bisheriges Geschäft: Herstellung von Möbeln.
- Neue Tätigkeit: Lieferung eines wichtigen Ausgangsmaterials.
- Zusammenhang: Der Holzlieferant liegt vor der Möbelproduktion.
- Einordnung: vertikale Diversifikation in eine vorgelagerte Stufe.
- Mögliche Chance: geringere Abhängigkeit von fremden Lieferanten.
- Verbleibendes Risiko: Die Übernahme verursacht Kosten und schützt nicht vor einer sinkenden Nachfrage nach Möbeln.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Diversifikation
- Grundidee
- Chancen verbreitern
- Abhängigkeiten verringern
- Unternehmen
- horizontal: verwandte Produkte
- vertikal: weitere Wertschöpfungsstufe
- lateral: sachlich neues Geschäft
- Geldanlage
- mehrere Vermögenswerte und Branchen
- unterschiedlich wirkende Risikofaktoren
- Grenzen
- zusätzliche Kosten
- fehlende Erfahrung und Nachfrage
- gemeinsame Risiken bleiben
- Grundidee
Abschluss-Check
Du beherrschst die Grundidee, wenn du bei einem neuen Fall den Zusammenhang einordnen, einen möglichen Vorteil erklären und mindestens ein verbleibendes Risiko benennen kannst.
Mit Google fortfahren