Eigenkapital: Definition, Bilanz und Kennzahlen
Eigenkapital ist der Teil des Unternehmenskapitals, der den Eigentümern zuzurechnen ist. In der Bilanz lässt es sich als Differenz zwischen Vermögen und Schulden bestimmen. Es trägt unternehmerisches Risiko und muss nicht wie ein Kredit zu einem festgelegten Termin zurückgezahlt werden.
Auf dieser Seite lernst du, Eigenkapital in der Bilanz zu erkennen, seine Veränderungen zu erklären und wichtige Kennzahlen zu berechnen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was Eigenkapital auszeichnet
Eigenkapital entsteht vor allem auf zwei Wegen:
- Eigentümer bringen Geld oder andere Vermögenswerte in das Unternehmen ein.
- Erwirtschaftete Gewinne werden nicht vollständig ausgeschüttet, sondern im Unternehmen belassen.
Eigenkapital
Eigenkapital sind die Mittel, die den Eigentümern eines Unternehmens zuzurechnen sind. Es steht dem Unternehmen grundsätzlich ohne feste Rückzahlungsfrist zur Verfügung und trägt Verluste mit.
Eigenkapitalgeber tragen unternehmerisches Risiko: Gewinne können ihren Anteil stärken, Verluste können ihn vermindern. Bei einer Insolvenz besteht kein gesicherter Rückzahlungsanspruch wie bei einem gewöhnlichen Kredit.
Fremdkapital stammt dagegen von Gläubigern. Es ist grundsätzlich rückzahlbar und häufig mit Zinsen verbunden.
Eigenkapital ist außerdem nicht dasselbe wie Liquidität. Liquidität bedeutet, dass ein Unternehmen seine fälligen Zahlungen leisten kann. Eigenkapital kann auch in Maschinen, Gebäuden oder Vorräten gebunden sein und steht dann nicht unmittelbar als Zahlungsmittel bereit.
Eigenkapital beantwortet die Frage nach der Finanzierung und Risikotragung. Liquidität beantwortet die Frage, ob fällige Zahlungen geleistet werden können.
Wie du Eigenkapital aus der Bilanz ermittelst
Die Aktivseite einer Bilanz zeigt das Vermögen und damit die Verwendung der Mittel. Die Passivseite zeigt, woher das Kapital stammt. Dort stehen Eigenkapital und Fremdkapital.
Da beide Bilanzseiten gleich groß sind, gilt:
$$\text{Eigenkapital} = \text{Vermögen} - \text{Schulden}$$
Das so berechnete Ergebnis heißt bilanzielles oder buchmäßiges Eigenkapital. Es beruht auf den in der Bilanz angesetzten Werten.
Ein Unternehmen besitzt Anlagevermögen von 150.000 € und Umlaufvermögen von 80.000 €. Es hat Rückstellungen von 15.000 € und Verbindlichkeiten von 50.000 €.
Zuerst bestimmst du das gesamte Vermögen:
$$150.000\,€ + 80.000\,€ = 230.000\,€$$
Dann addierst du die Schulden:
$$15.000\,€ + 50.000\,€ = 65.000\,€$$
Nun ziehst du die Schulden vom Vermögen ab:
$$230.000\,€ - 65.000\,€ = 165.000\,€$$
Das bilanzielle Eigenkapital beträgt 165.000 €. Zur Kontrolle gilt: 165.000 € Eigenkapital plus 65.000 € Schulden ergeben wieder 230.000 € Gesamtkapital.
Das effektive Eigenkapital kann vom buchmäßigen Eigenkapital abweichen. Es berücksichtigt zusätzlich stille Reserven oder stille Verluste. Deren genaue Höhe steht nicht unbedingt in der Bilanz und lässt sich häufig erst bei einem Verkauf oder einer Liquidation sicher feststellen.
Welche Bestandteile in der Bilanz stehen
Bei Kapitalgesellschaften wird das Eigenkapital in mehrere Positionen gegliedert:
| Bestandteil | Bedeutung |
|---|---|
| Gezeichnetes Kapital | Nominelles Kapital aus den Einlagen der Gesellschafter; bei der GmbH heißt es Stammkapital, bei der AG Grundkapital. |
| Kapitalrücklage | Zusätzliche von außen zugeführte Beträge, etwa ein Aufgeld über dem Nennwert eines Anteils. |
| Gewinnrücklagen | Einbehaltene Gewinne, die bestimmten Rücklagen zugeordnet werden. |
| Gewinn- oder Verlustvortrag | Nicht verwendetes Ergebnis aus früheren Geschäftsjahren. |
| Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag | Positives oder negatives Ergebnis des aktuellen Geschäftsjahres. |
Kapitalrücklage und Gewinnrücklage klingen ähnlich, haben aber eine andere Herkunft: Die Kapitalrücklage entsteht insbesondere durch zusätzliche Zahlungen der Gesellschafter. Gewinnrücklagen stammen aus einbehaltenen Unternehmensgewinnen.
Das gezeichnete Kapital verändert sich nicht durch jeden Jahresgewinn oder Jahresverlust. Dafür gibt es die weiteren Eigenkapitalpositionen. Es ändert sich nur durch eine förmliche Kapitalerhöhung oder Kapitalherabsetzung.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein Aufgeld bei der Ausgabe neuer Anteile fließt in die . Ein einbehaltener Unternehmensgewinn kann die erhöhen. Das aktuelle positive Jahresergebnis heißt . Das nominelle Haftkapital einer GmbH heißt .
Wodurch sich Eigenkapital verändert
Eigenkapital ist keine unveränderliche Größe. Geschäftsergebnisse und Vorgänge der Eigentümer können es erhöhen oder vermindern.
| Vorgang | Wirkung auf das Eigenkapital |
|---|---|
| Einlage der Eigentümer | steigt |
| Kapitalerhöhung | steigt |
| einbehaltener Gewinn | steigt |
| Entnahme | sinkt |
| Kapitalherabsetzung | sinkt |
| Verlust | sinkt |
Ein Einzelunternehmen besitzt zu Jahresbeginn 70.000 € Eigenkapital. Der Eigentümer legt 8.000 € zusätzlich ein. Das Unternehmen erzielt einen Gewinn von 12.000 € und der Eigentümer entnimmt 5.000 €.
$$70.000\,€ + 8.000\,€ + 12.000\,€ - 5.000\,€ = 85.000\,€$$
Am Jahresende beträgt das Eigenkapital 85.000 €. Einlage und Gewinn erhöhen es; die Entnahme vermindert es.
Verluste können das Eigenkapital vollständig aufzehren. Übersteigen weitere Verluste das vorhandene Eigenkapital, weist die Bilanz einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag aus. Das ist ein Warnsignal, bedeutet aber nicht automatisch, dass überhaupt kein Vermögen vorhanden ist.
Wie du Eigenkapital-Kennzahlen berechnest
Kennzahlen setzen Eigenkapital zu einer passenden Bezugsgröße ins Verhältnis. So lassen sich verschiedene Aspekte der Finanzierung untersuchen.
Eigenkapitalquote
Die Eigenkapitalquote zeigt den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital:
$$\text{Eigenkapitalquote} = \frac{\text{Eigenkapital}}{\text{Gesamtkapital}} \cdot 100\,\%$$
Eigenkapitalrendite
Die Eigenkapitalrendite zeigt, wie sich der Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital entwickelt hat:
$$\text{Eigenkapitalrendite} = \frac{\text{Gewinn}}{\text{Eigenkapital}} \cdot 100\,\%$$
Anlagendeckungsgrad
Der Anlagendeckungsgrad zeigt, welcher Anteil des Anlagevermögens rechnerisch durch Eigenkapital gedeckt ist:
$$\text{Anlagendeckungsgrad} = \frac{\text{Eigenkapital}}{\text{Anlagevermögen}} \cdot 100\,\%$$
Ein Unternehmen hat 90.000 € Eigenkapital, 150.000 € Gesamtkapital, 12.000 € Gewinn und 120.000 € Anlagevermögen.
1. Eigenkapitalquote
$$\frac{90.000\,€}{150.000\,€} \cdot 100\,\% = 60\,\%$$
60 % des Gesamtkapitals sind Eigenkapital.
2. Eigenkapitalrendite
$$\frac{12.000\,€}{90.000\,€} \cdot 100\,\% \approx 13{,}3\,\%$$
Der Gewinn entspricht rund 13,3 % des eingesetzten Eigenkapitals.
3. Anlagendeckungsgrad
$$\frac{90.000\,€}{120.000\,€} \cdot 100\,\% = 75\,\%$$
75 % des Anlagevermögens sind rechnerisch durch Eigenkapital gedeckt.
Eine Kennzahl ist nie allein ein vollständiges Urteil. Ob ein Wert angemessen ist, hängt unter anderem vom Unternehmen und seiner Situation ab. Ein hoher Wert ist deshalb nicht automatisch in jeder Lage besser.
Lies bei jeder Kennzahl Zähler und Nenner genau: Bei der Eigenkapitalquote steht das Gesamtkapital im Nenner, bei der Eigenkapitalrendite das Eigenkapital und beim Anlagendeckungsgrad das Anlagevermögen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Eigenkapital
- Herkunft: Einlagen und einbehaltene Gewinne
- Bilanz: Passivseite und Vermögen minus Schulden
- Risiko: trägt Gewinne und Verluste mit
- Bestandteile: gezeichnetes Kapital, Rücklagen, Vorträge und Jahresergebnis
- Veränderungen: Einlagen und Gewinne erhöhen, Entnahmen und Verluste vermindern
- Kennzahlen: Quote, Rendite und Anlagendeckungsgrad
- Abgrenzung: weder Fremdkapital noch automatisch Liquidität
Abschluss-Check
Wenn du Definition, Bilanzgleichung und Bezugsgrößen der Kennzahlen auseinanderhältst, kannst du Eigenkapital nicht nur berechnen, sondern auch sinnvoll einordnen.
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