Wirtschaft

Finanzierung einfach erklärt: Arten und Auswahl

Finanzierung einfach erklärt: Arten und Auswahl
Finanzierung einfach erklärt: Arten und Auswahl
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Finanzierung bedeutet, dass ein Unternehmen benötigte Mittel beschafft, zurückzahlt und die Beziehungen zu Kapitalgebenden gestaltet. Dabei muss es entscheiden, woher das Kapital kommt und welche Pflichten oder Mitspracherechte damit verbunden sind.

Auf dieser Seite lernst du, den Finanzierungsbedarf zu bestimmen, Finanzierungsarten sicher einzuordnen und eine begründete Auswahl zu treffen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wozu braucht ein Unternehmen eine Finanzierung?

Ein Unternehmen muss häufig bezahlen, bevor es genügend Einnahmen erzielt. Das gilt zum Beispiel bei einer Gründung, beim Kauf einer Maschine oder während der Entwicklung eines neuen Produkts. Die Finanzierung schließt diese zeitliche Geldlücke.

Definition

Finanzierung

Finanzierung umfasst die Beschaffung und Rückzahlung von Mitteln sowie die Zahlungs-, Informations-, Kontroll- und Sicherungsbeziehungen zwischen einem Unternehmen und seinen Kapitalgebenden.

Eine Investition beschreibt dagegen, wofür Mittel langfristig eingesetzt werden, beispielsweise für eine Maschine. Finanzierung und Investition hängen zusammen, beantworten aber verschiedene Fragen:

  • Investition: Wofür wird das Geld eingesetzt?
  • Finanzierung: Woher kommt das benötigte Geld und welche Folgen hat das?
Beispiel

Eine Bäckerei kauft einen neuen Backofen. Der Ofen ist die Investition. Bezahlt sie ihn mit einem Bankdarlehen, ist das Darlehen die Finanzierung.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Frage gehört zur Finanzierung?
Lösung: Woher kommt das Geld für den neuen Backofen? — Finanzierung beantwortet vor allem, wie benötigte Mittel beschafft und später zurückgezahlt werden.
Zwei Fragen ordnen jede Finanzierung ein

Finanzierungsarten werden nach zwei voneinander unabhängigen Dimensionen geordnet.

Woher stammen die Mittel?

Definition

Innenfinanzierung

Bei der Innenfinanzierung entstehen oder bleiben die Mittel im Unternehmen. Ein typisches Beispiel ist ein Gewinn, der nicht ausgeschüttet, sondern im Unternehmen behalten wird.

Definition

Außenfinanzierung

Bei der Außenfinanzierung fließen Mittel von externen Kapitalgebenden in das Unternehmen, etwa durch einen Bankkredit oder eine Beteiligung.

Welchen Kapitalcharakter haben die Mittel?

Definition

Eigenfinanzierung

Bei der Eigenfinanzierung werden Mittel als Eigenkapital bereitgestellt. Eigenkapital trägt Verluste mit und muss nicht zu einem festen Termin wie ein Kredit zurückgezahlt werden. Externe Eigenkapitalgebende erhalten regelmäßig Einfluss und eine Beteiligung am Gewinn.

Definition

Fremdfinanzierung

Bei der Fremdfinanzierung wird Kapital nur für eine begrenzte Zeit überlassen. Es muss gewöhnlich zurückgezahlt und verzinst werden. Fremdkapitalgebende sind normalerweise nicht am Gewinn beteiligt und erhalten kein unternehmerisches Mitspracherecht.

Die beiden Einteilungen dürfen nicht vermischt werden. Eine Beteiligung eines neuen Eigentümers ist gleichzeitig Außenfinanzierung und Eigenfinanzierung. Ein Bankkredit ist Außenfinanzierung und Fremdfinanzierung.

BeispielHerkunftKapitalcharakter
Einbehaltener GewinninnenEigenkapital
Einlage eines neuen EigentümersaußenEigenkapital
BankkreditaußenFremdkapital
Merke

Frage immer zweimal: Woher kommt das Kapital? Und: Ist es Eigen- oder Fremdkapital?

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Frage 1 von 2LeichtEin Unternehmen behält einen ausschüttungsfähigen Gewinn ein. Wie wird dies eingeordnet?
Lösung: Innenfinanzierung und Eigenfinanzierung — Einbehaltene Gewinne sind intern entstandene Mittel und erhöhen das Eigenkapital.
Frage 2 von 2MittelEin neuer Eigentümer zahlt Kapital in ein Unternehmen ein. Welche Einordnung stimmt?
Lösung: Außenfinanzierung und Eigenfinanzierung — Das Geld kommt von außen. Wegen der Eigentümerstellung gehört es dennoch zum Eigenkapital.
Wie wird der Finanzierungsbedarf berechnet?

Vor der Suche nach Kapital braucht das Unternehmen einen Finanzplan. Zu ihm gehören:

  1. eine Umsatzplanung mit den erwarteten Verkäufen,
  2. ein Kostenplan mit umsatzabhängigen und laufenden Kosten,
  3. die Ermittlung des Kapitalbedarfs,
  4. eine Rentabilitätsvorschau zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit,
  5. eine Liquiditätsplanung für die verfügbaren Zahlungsmittel.
Definition

Liquidität

Liquidität bedeutet, dass ein Unternehmen seine fälligen Rechnungen rechtzeitig bezahlen kann. Ein rechnerisch erwarteter Gewinn verhindert deshalb nicht automatisch einen vorübergehenden Zahlungsmangel.

Der noch zu finanzierende Bedarf lässt sich in einem einfachen Fall so bestimmen:

$$\text{Finanzierungsbedarf} = \text{Vorfinanzierung} + \text{Gründungs- und Investitionskosten} - \text{Eigenmittel}$$

In Worten: Addiere zuerst alle benötigten Mittel und ziehe anschließend die verfügbaren eigenen Mittel ab.

Beispiel

Ein Unternehmen erwartet erst nach zwölf Monaten Gewinne. Bis dahin benötigt es 100.000 € zur Vorfinanzierung. Für Gründung und Investitionen kommen 40.000 € hinzu. Es stehen 20.000 € Eigenmittel bereit.

$$100.000\,€ + 40.000\,€ - 20.000\,€ = 120.000\,€$$

Das Unternehmen muss somit noch 120.000 € finanzieren. Die Einheit Euro und das positive Ergebnis passen zum Sachzusammenhang.

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Frage 1 von 1MittelEin Unternehmen benötigt 100.000 € zur Vorfinanzierung und 40.000 € für Gründung und Investitionen. Es besitzt 20.000 € Eigenmittel. Wie hoch ist der noch zu finanzierende Bedarf?
Lösung: 120.000 € — Zuerst werden 100.000 € und 40.000 € addiert. Danach werden 20.000 € Eigenmittel abgezogen: 120.000 € bleiben zu finanzieren.
Welche Finanzierungsinstrumente passen zu welchem Bedarf?

Nicht jedes Instrument passt zu jedem Zweck. Wichtig sind besonders Laufzeit, Kosten, Rückzahlung, Sicherheiten, Einfluss und Wirkung auf die Liquidität.

InstrumentTypischer ZweckWichtige Folge
Bankdarlehengrößere, längerfristige VorhabenZinsen und feste Rückzahlungspflichten
Kontokorrentkreditkurzfristige Lücke auf dem Geschäftskontoflexible Nutzung innerhalb eines vereinbarten Rahmens
Lieferantenkreditspätere Bezahlung einer LieferungZahlungsziel verschiebt die Auszahlung
BeteiligungskapitalGründung oder Wachstum mit hohem RisikoEigenkapital von außen; häufig Einfluss und Gewinnbeteiligung
LeasingNutzung teurer Maschinen oder Fahrzeugeregelmäßige Raten; das Objekt bleibt beim Leasinggebenden
FactoringÜberbrückung langer Kundenzahlungszieleoffene Forderungen werden an einen Factor verkauft
BürgschaftKredit trotz fehlender banküblicher Sicherheitendie Bürgschaft sichert einen Teil des Kreditrisikos ab
Gut zu wissen

Steuerliche und bilanzielle Folgen von Leasing oder anderen Instrumenten hängen von den konkreten Bedingungen ab. Eine pauschale Aussage, Leasing sei immer steuerlich oder bilanziell günstiger, wäre deshalb nicht zuverlässig.

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Frage 1 von 2LeichtWas geschieht beim Factoring?
Lösung: Das Unternehmen verkauft offene Kundenforderungen. — Factoring verschafft früher Liquidität, indem offene Forderungen an einen Factor verkauft werden.
Frage 2 von 2MittelEin Betrieb benötigt eine teure Maschine, möchte aber nicht sofort den gesamten Kaufpreis zahlen und muss nicht Eigentümer werden. Welches Instrument passt am ehesten?
Lösung: Leasing — Beim Leasing nutzt der Betrieb das Objekt gegen regelmäßige Zahlungen; Eigentümer bleibt der Leasinggebende.
So triffst du eine begründete Auswahl

Gehe bei einer Finanzierungsentscheidung in fünf Schritten vor:

  1. Bedarf klären: Wie viel Geld wird wann und wie lange benötigt?
  2. Zweck bestimmen: Geht es um eine kurzfristige Lücke, eine langfristige Investition oder riskantes Wachstum?
  3. Folgen vergleichen: Prüfe Zinsen, Rückzahlung, Einfluss, Gewinnbeteiligung und Verlustrisiko.
  4. Zahlungsfähigkeit prüfen: Kann das Unternehmen alle fälligen Zahlungen auch bei langsameren Einnahmen leisten?
  5. Sicherheiten und Bedingungen prüfen: Reichen Bonität und Sicherheiten aus, oder könnte eine Bürgschaft helfen?
Definition

Bonität

Bonität ist die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Sie beeinflusst, ob ein Kredit gewährt wird und zu welchen Konditionen. Banken prüfen dafür unter anderem die wirtschaftliche Lage und die Fähigkeit zur Rückzahlung.

Beispiel

Ein junges Unternehmen benötigt viel Kapital für ein riskantes Wachstumsvorhaben. Es hat noch keine Gewinne und kann feste Kreditraten nur schwer tragen. Beteiligungskapital kann zur Situation passen, weil es Eigenkapital stärkt und keine feste Kreditrückzahlung verlangt. Dafür müssen die bisherigen Eigentümer regelmäßig Einfluss und Gewinnbeteiligung der neuen Kapitalgebenden akzeptieren.

Die Entscheidung lautet deshalb nicht einfach „Eigenkapital ist besser“. Sie lautet: Die Vorteile für Risiko und Liquidität werden gegen Einfluss und Gewinnbeteiligung abgewogen.

Bei öffentlichen Förderkrediten gelten programmspezifische Bedingungen. Für die im Ausgangsmaterial beschriebenen ERP- und KfW-Kreditangebote lautet eine wichtige Grundregel: Der Antrag wird über die Hausbank und vor Beginn des Vorhabens gestellt. Einzelne Programme, Beträge und Konditionen können sich ändern und müssen im konkreten Verfahren geprüft werden.

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Frage 1 von 1SchwerEin Start-up hat wenig Sicherheiten, noch keine Gewinne und kann feste Raten nur schwer tragen. Welche Überlegung spricht am stärksten für Beteiligungskapital statt eines Bankkredits?
Lösung: Beteiligungskapital verlangt keine feste Kreditrückzahlung, kann aber Einfluss und Gewinnbeteiligung mit sich bringen. — Entscheidend ist der Zielkonflikt: Eigenkapital entlastet von festen Kreditraten, verändert bei externen Beteiligungen aber regelmäßig Einfluss- und Gewinnansprüche.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Finanzierung
    • Bedarf planen
      • Vorfinanzierung und Investitionen
      • Eigenmittel abziehen
    • Herkunft bestimmen
      • Innenfinanzierung
      • Außenfinanzierung
    • Kapitalcharakter prüfen
      • Eigenkapital
      • Fremdkapital
    • Instrument auswählen
      • Kredit, Beteiligung oder Leasing
      • Factoring oder Bürgschaft
    • Folgen beurteilen
      • Liquidität und Rückzahlung
      • Risiko, Sicherheiten und Einfluss
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage unterscheidet Innen- und Außenfinanzierung richtig?
Lösung: Die Einteilung richtet sich danach, ob die Mittel aus dem Unternehmen oder von außen stammen. — Innen und außen beschreiben die Herkunft der Mittel. Eigen- und Fremdkapital beschreiben dagegen ihre rechtliche und wirtschaftliche Stellung.
Frage 2 von 3MittelWelches Beispiel ist Außenfinanzierung und Fremdfinanzierung zugleich?
Lösung: Ein Bankdarlehen — Beim Bankdarlehen stammt das Geld von außen und muss gewöhnlich verzinst zurückgezahlt werden.
Frage 3 von 3SchwerEin Unternehmen hat viele offene Kundenrechnungen mit langen Zahlungszielen und benötigt sofort Zahlungsmittel. Welche Entscheidung ist am besten begründet?
Lösung: Factoring kann die Zeit bis zur Kundenzahlung überbrücken. — Beim Factoring verkauft das Unternehmen offene Forderungen und erhält dadurch früher Liquidität. Ob es insgesamt vorteilhaft ist, hängt von den konkreten Bedingungen und Kosten ab.

Finanzierung ist eine Abwägungsentscheidung: Das passende Instrument deckt den benötigten Betrag zum richtigen Zeitpunkt, bleibt tragbar für die Liquidität und berücksichtigt Rückzahlung, Risiko, Sicherheiten und Einfluss.

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