Fremdfinanzierung: Formen, Kosten und Risiken
Bei einer Fremdfinanzierung erhält ein Unternehmen Kapital, das es grundsätzlich zurückzahlen muss. Typisch sind eine begrenzte Laufzeit, Zinsen und feste Rückzahlungsregeln. Die Geldgeber werden Gläubiger und erhalten gewöhnlich keine Anteile oder Mitspracherechte.
Auf dieser Seite lernst du, Fremdfinanzierung zu erkennen, wichtige Formen zu unterscheiden und ihre Kosten, Liquiditätswirkungen und Risiken zu beurteilen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was zählt zur Fremdfinanzierung?
Stell dir vor, ein Unternehmen benötigt sofort eine neue Maschine, besitzt aber nicht genug frei verfügbares Geld. Nimmt es dafür ein Darlehen auf, erhält es heute Kapital und verpflichtet sich zu späteren Zahlungen.
Fremdfinanzierung
Fremdfinanzierung stellt einem Unternehmen Fremdkapital zur Verfügung. Das Kapital ist grundsätzlich befristet und muss nach vereinbarten Regeln zurückgezahlt werden. Häufig kommen Zinsen und weitere Gebühren hinzu.
Die Beteiligten haben unterschiedliche Rollen:
- Das Unternehmen ist der Schuldner. Es muss die vereinbarten Zahlungen leisten.
- Der Kapitalgeber ist der Gläubiger. Er hat Anspruch auf Rückzahlung und meist auf Zinsen.
- Der Gläubiger wird gewöhnlich nicht zum Miteigentümer und erhält keine Gewinnbeteiligung.
Fremdfinanzierung eignet sich beispielsweise für Investitionen oder zur Überbrückung eines vorübergehenden Liquiditätsengpasses. Liquidität bedeutet, dass ein Unternehmen seine fälligen Zahlungen rechtzeitig leisten kann.
Fremdkapital bringt heute zusätzliche Liquidität, verursacht aber Verpflichtungen für die Zukunft.
Wie grenzt du die Begriffe richtig ab?
Fremdfinanzierung und Außenfinanzierung beantworten zwei verschiedene Fragen:
| Frage | Einteilung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Woher stammen die Mittel? | Innen- oder Außenfinanzierung | aus dem Unternehmen oder von außerhalb |
| Welche Kapitalart entsteht? | Eigen- oder Fremdfinanzierung | Eigenkapital oder Fremdkapital |
Ein Bankdarlehen ist normalerweise zugleich Außenfinanzierung und Fremdfinanzierung: Das Geld kommt von außen und wird zu Fremdkapital.
Fremdfinanzierung muss jedoch nicht immer Außenfinanzierung sein. Rückstellungen entstehen innerhalb des Unternehmens, gelten aber als Fremdkapital. Sie sind für erwartete spätere Verpflichtungen vorgesehen und können bis zur Auszahlung vorübergehend Finanzierungsmittel bereitstellen.
Bei der Eigenfinanzierung entsteht dagegen Eigenkapital. Eigenkapitalgeber tragen das unternehmerische Risiko mit und erhalten häufig Mitspracherechte oder eine Gewinnbeteiligung. Eine feste Rückzahlung wie bei einem Kredit ist grundsätzlich nicht vorgesehen.
Ein Unternehmen erhält 200.000 Euro von einer Bank als Darlehen. Das ist außenfinanziertes Fremdkapital.
Behält das Unternehmen einen Gewinn ein, handelt es sich um innenfinanziertes Eigenkapital.
Bildet es eine Rückstellung für spätere Pensionszahlungen, entsteht innenfinanziertes Fremdkapital.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein Bankdarlehen ist meist eine und erhöht das . Einbehaltene Gewinne erhöhen dagegen das . Rückstellungen können als innenfinanziertes eingeordnet werden.
Welche Formen gibt es?
Die Instrumente unterscheiden sich darin, was das Unternehmen erhält und welche Gegenleistung es erbringen muss.
Kredit oder Darlehen
Eine Bank, Förderinstitution oder Privatperson stellt Geld bereit. Das Unternehmen zahlt den Betrag nach einem vereinbarten Plan zurück und entrichtet gewöhnlich Zinsen. Je nach Vertrag können Sicherheiten verlangt werden.
Kurzfristige Kredite überbrücken häufig einen vorübergehenden Geldbedarf. Länger laufende Darlehen können größere Investitionen wie Maschinen oder Fahrzeuge finanzieren.
Unternehmensanleihe
Ein Unternehmen kann Schuldverschreibungen ausgeben. Anleger stellen dadurch Fremdkapital bereit. Sie erhalten gewöhnlich Zinsen, den Kupon, und am Laufzeitende den Nominalwert zurück.
Leasing
Beim Leasing nutzt das Unternehmen beispielsweise eine Maschine oder ein Fahrzeug gegen laufende Raten, ohne den vollständigen Kaufpreis sofort zu zahlen. Je nach Vertrag kann das Objekt am Ende gekauft, ersetzt oder zurückgegeben werden.
Factoring
Beim Factoring verkauft das Unternehmen offene Kundenforderungen an einen Factor. Es erhält dadurch früher Liquidität, gibt aber einen Teil des Forderungswertes als Kosten oder Abschlag ab.
Leasing und Factoring werden in Übersichten unterschiedlich eingeordnet. Für eine Entscheidung ist deshalb ihre wirtschaftliche Wirkung wichtiger als das bloße Etikett: Was erhält das Unternehmen sofort, welche Zahlungen entstehen und welche Rechte werden übertragen?
Wie berechnest du die Finanzierungskosten?
Der ausgezahlte Fremdkapitalbetrag ist nicht automatisch gleich den gesamten Zahlungen. Zinsen und Gebühren erhöhen die Kosten.
Ein Möbelhersteller will eine Maschine für 900.000 Euro anschaffen. Er setzt 150.000 Euro eigene Mittel ein.
- Zuerst bestimmst du den benötigten Fremdkapitalbetrag:
$$900.000\,€ - 150.000\,€ = 750.000\,€$$
- Hinzu kommen 3.300 Euro Gebühren und Bereitstellungszinsen sowie 65.000 Euro weitere Zinszahlungen:
$$750.000\,€ + 3.300\,€ + 65.000\,€ = 818.300\,€$$
- Die zusätzlichen Finanzierungskosten betragen:
$$818.300\,€ - 750.000\,€ = 68.300\,€$$
Das Unternehmen erhält 750.000 Euro Fremdkapital, muss insgesamt aber 818.300 Euro aufbringen. Für die Beurteilung reicht es deshalb nicht, nur auf den ausgezahlten Kreditbetrag zu schauen.
Vertiefung: Fremdkapitalquote
Die Fremdkapitalquote zeigt, welcher Anteil des Gesamtkapitals aus Fremdkapital besteht:
$$Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital · 100\,\%$$
Beträgt das Fremdkapital 600.000 Euro und das Gesamtkapital 1.000.000 Euro, ergibt sich:
$$600.000 / 1.000.000 · 100\,\% = 60\,\%$$
Die Quote allein liefert noch kein abschließendes Urteil. Ein angemessener Wert hängt unter anderem vom Unternehmen und seiner Branche ab. Entscheidend ist, ob das Unternehmen seine Verpflichtungen zuverlässig erfüllen kann.
Wie beurteilst du Chancen und Risiken?
Eine Fremdfinanzierung ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht. Ihre Wirkung hängt vom Vorhaben und von den vereinbarten Zahlungen ab.
Mögliche Vorteile:
- Eine Investition kann durchgeführt werden, obwohl aktuell nicht genug eigene Liquidität vorhanden ist.
- Die bisherigen Eigentümer geben gewöhnlich keine Anteile und Mitspracherechte ab.
- Feste Zahlungen können die Planung erleichtern.
Mögliche Nachteile:
- Zinsen und Gebühren erhöhen die Kosten.
- Tilgung und Zinsen belasten die Liquidität auch bei schwachem Geschäft.
- Eine hohe Verschuldung kann weitere Kredite erschweren.
- Zu hohe Zahlungsverpflichtungen können Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz begünstigen.
Gehe bei einer Entscheidung in vier Schritten vor:
- Kosten prüfen: Wie hoch sind Zinsen, Gebühren und Gesamtzahlungen?
- Liquidität prüfen: Kann das Unternehmen alle Zahlungen fristgerecht leisten?
- Kontrolle prüfen: Bleiben Eigentum und Mitspracherechte unverändert?
- Risiko prüfen: Was geschieht, wenn Einnahmen niedriger als erwartet ausfallen?
Zwei Unternehmen erhalten dasselbe Kreditangebot. Unternehmen A erzielt regelmäßige Einnahmen und kann die Raten auch bei einem vorübergehenden Rückgang bezahlen. Unternehmen B benötigt fast alle erwarteten Einnahmen für die Raten.
Obwohl die Kreditkosten gleich sind, trägt Unternehmen B das höhere Liquiditätsrisiko. Eine gute Beurteilung betrachtet daher nicht nur den Zinssatz, sondern auch die Fähigkeit zur Rückzahlung.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Fremdfinanzierung
- Merkmale: befristet, rückzahlungspflichtig, häufig verzinst
- Beteiligte: Schuldner und Gläubiger
- Formen: Kredit, Anleihe, Leasing und Factoring
- Wirkung: sofort mehr verfügbare Mittel
- Kosten: Zinsen und Gebühren
- Beurteilung: Liquidität, Kontrolle und Risiko
Fremdfinanzierung erweitert zunächst den finanziellen Spielraum. Gleichzeitig entstehen verbindliche Zahlungen. Eine tragfähige Entscheidung verbindet deshalb den Nutzen des finanzierten Vorhabens mit den gesamten Kosten und der Fähigkeit zur Rückzahlung.
Abschluss-Check
Wenn du alle drei Fragen begründen kannst, erkennst du nicht nur Formen der Fremdfinanzierung, sondern kannst ihre Wirkung in einem neuen Unternehmensfall beurteilen.
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