Eigenkapitalrentabilität: Formel und Bewertung
Die Eigenkapitalrentabilität zeigt, wie viel Gewinn ein Unternehmen im Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital erzielt. Du berechnest sie, indem du den Jahresüberschuss durch das Eigenkapital teilst und das Ergebnis mit 100 multiplizierst.
Auf dieser Seite lernst du, die Kennzahl zu berechnen, Veränderungen zu erklären und ein begrenztes Urteil zu formulieren. Dabei prüfst du besonders, ob ein hoher Wert wirklich für eine bessere wirtschaftliche Lage spricht.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was misst die Eigenkapitalrentabilität?
Wenn Eigentümer einem Unternehmen Kapital bereitstellen, tragen sie ein wirtschaftliches Risiko. Die Eigenkapitalrentabilität zeigt aus ihrer Sicht, wie stark dieses Kapital in einer Periode verzinst wurde.
Eigenkapitalrentabilität
Die Eigenkapitalrentabilität, kurz EKR, ist das Verhältnis des Jahresüberschusses zum Eigenkapital. Die Bezeichnungen Eigenkapitalrendite und Return on Equity (ROE) meinen dieselbe Kennzahl.
Die Grundformel lautet:
$$\text{EKR in Prozent}=\frac{\text{Jahresüberschuss}}{\text{Eigenkapital}}\times 100$$
In Worten: Teile den Jahresüberschuss durch das Eigenkapital und wandle den Dezimalwert durch die Multiplikation mit 100 in Prozent um.
Der Jahresüberschuss ist der Gewinn nach Steuern und steht in der Gewinn- und Verlustrechnung. Das Eigenkapital findest du in der Bilanz. Für einen sinnvollen Vergleich müssen die verwendeten Werte nach derselben Methode bestimmt worden sein.
Ein Unternehmen erzielt 100.000 € Jahresüberschuss und weist 1.000.000 € Eigenkapital aus.
$$\text{EKR}=\frac{100.000\,€}{1.000.000\,€}\times 100=10\,\%$$
Das bedeutet: Das Unternehmen hat in dieser Periode 10 Cent Gewinn je Euro Eigenkapital erwirtschaftet.
Die EKR bewertet nicht den Gewinn allein. Sie setzt den Gewinn immer ins Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital.
Wie berechnest du die Kennzahl sicher?
Gehe in vier Schritten vor:
- Bestimme die Ergebnisgröße. Üblich ist der Jahresüberschuss nach Steuern.
- Entnimm das Eigenkapital der Bilanz.
- Teile den Jahresüberschuss durch das Eigenkapital.
- Multipliziere mit 100 und gib das Ergebnis in Prozent an.
Ein Jahresabschluss nennt einen Jahresüberschuss von 48,2 Mio. € und ein Eigenkapital von 292,9 Mio. €.
$$\text{EKR}=\frac{48{,}2\text{ Mio. }€}{292{,}9\text{ Mio. }€}\times 100\approx16{,}46\,\%$$
Die Einheit „Mio. €“ kürzt sich im Bruch. Übrig bleibt ein Verhältnis, das als Prozentwert angegeben wird. Je 100 € Eigenkapital wurden rechnerisch etwa 16,46 € Gewinn erzielt.
Manchmal wird statt des Jahresüberschusses das EBIT verwendet. EBIT ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Mit 68,3 Mio. € EBIT und demselben Eigenkapital ergäbe sich:
$$\frac{68{,}3}{292{,}9}\times100\approx23{,}31\,\%$$
Die beiden Werte von 16,46 % und 23,31 % widersprechen sich nicht: Sie beruhen auf unterschiedlichen Ergebnisgrößen. Die EBIT-Variante ist weniger üblich und darf nicht unbemerkt mit einer EKR auf Basis des Jahresüberschusses verglichen werden.
Auch der Eigenkapitalbegriff kann abweichen. Bilanzielles und wirtschaftlich verfügbares Eigenkapital sind nicht immer gleich. Wird ein kleinerer Eigenkapitalwert eingesetzt, steigt die berechnete EKR, ohne dass das Unternehmen mehr Gewinn erzielt hat.
Bei Einzel- und Personengesellschaften ist außerdem zu prüfen, ob die Arbeitsleistung des Inhabers bereits als Aufwand berücksichtigt wurde. Erhält der Inhaber keinen Lohn, kann vor der Berechnung ein kalkulatorischer Unternehmerlohn vom Jahresüberschuss abgezogen werden. So wird die Kennzahl eher mit Unternehmen vergleichbar, die ein Geschäftsführungsgehalt als Aufwand verbuchen.
Wie erklärst du Veränderungen?
Steigt der Gewinn bei gleichbleibendem Eigenkapital, steigt die EKR. Das zeigt ein Vergleich zweier Geschäftsjahre:
| Geschäftsjahr | Jahresüberschuss | Eigenkapital | EKR |
|---|---|---|---|
| Jahr 1 | 20.000 € | 100.000 € | 20 % |
| Jahr 2 | 30.000 € | 100.000 € | 30 % |
Der Anstieg von 20 % auf 30 % lässt sich hier rechnerisch durch den höheren Jahresüberschuss erklären.
Doch dieselbe Veränderung kann andere Ursachen haben:
- Der Umsatz steigt oder Kosten sinken, sodass der Gewinn zunimmt.
- Ein einmaliger Ertrag erhöht nur den Gewinn eines Jahres.
- Das Eigenkapital sinkt bei gleichbleibendem Gewinn. Der Nenner wird kleiner und die EKR steigt rechnerisch.
- Eine andere Ergebnis- oder Eigenkapitaldefinition wird verwendet.
Umgekehrt kann eine sinkende EKR aus einem niedrigeren Gewinn oder aus einem höheren Eigenkapital entstehen. Mehr Eigenkapital kann die finanzielle Stabilität verbessern. Eine niedrigere EKR ist daher nicht automatisch schlecht.
Eine Kennzahlenveränderung zeigt zunächst was sich rechnerisch verändert hat. Für die Erklärung des Warum musst du Gewinn, Eigenkapital und Unternehmenskontext untersuchen.
Warum kann Fremdkapital die EKR hebeln?
Beim Leverage-Effekt nimmt ein Unternehmen Fremdkapital auf und investiert es. Ist die Rendite der damit finanzierten Investition höher als der Fremdkapitalzins, kann die EKR steigen. Das Eigenkapital bleibt dabei zunächst unverändert, während ein zusätzlicher Gewinnbeitrag entstehen kann.
Ausgangslage:
- Eigenkapital: 1 Mio. €
- Schulden: 1 Mio. €
- Gewinn: 250.000 €
$$\text{EKR vorher}=\frac{250.000}{1.000.000}\times100=25\,\%$$
Nach einem zusätzlichen Kredit von 2 Mio. € steigt der Gewinn bei erfolgreicher Mittelverwendung auf 400.000 €:
$$\text{EKR nachher}=\frac{400.000}{1.000.000}\times100=40\,\%$$
Die EKR steigt rechnerisch von 25 % auf 40 %. Gleichzeitig ist das Unternehmen höher verschuldet. Die Kennzahl allein zeigt dieses zusätzliche Risiko nicht vollständig.
Der Hebel wirkt nicht automatisch positiv. Liegt die Investitionsrendite unter dem Fremdkapitalzins, kostet das geliehene Kapital mehr, als es erwirtschaftet. Zins- und Tilgungsverpflichtungen bleiben außerdem auch in schwachen Geschäftsjahren bestehen.
Eine hohe EKR kann deshalb zwei sehr unterschiedliche Geschichten erzählen: effiziente Kapitalnutzung oder eine kleine Eigenkapitalbasis bei hoher Verschuldung. Prüfe mindestens die Eigenkapitalquote, den Verschuldungsgrad und die Entwicklung des Gewinns.
Wie formulierst du ein begrenztes Urteil?
Ein einzelner Prozentwert reicht nicht für ein vollständiges Unternehmensurteil. Ein Wert über 10 % wird zwar häufig als Orientierung genannt, ist aber kein allgemeingültiger Zielwert. Branche, Risiko, Kapitalbedarf und Unternehmensphase unterscheiden sich.
Nutze für deine Beurteilung diese Prüffolge:
- Berechnungsbasis klären: Wurden Jahresüberschuss oder EBIT sowie bilanzielles oder wirtschaftliches Eigenkapital verwendet?
- Zeit vergleichen: Ist die Entwicklung über mehrere Jahre stabil oder fällt nur ein Ausnahmejahr auf?
- Branche beachten: Werden Unternehmen mit ähnlicher Kapitalintensität und ähnlichen Rahmenbedingungen verglichen?
- Ursachen prüfen: Haben Gewinn, Eigenkapital, Verschuldung oder Sondereffekte den Wert verändert?
- Weitere Kennzahlen ergänzen: Besonders hilfreich sind Eigenkapitalquote, Gesamtkapitalrentabilität, Cashflow und weitere Angaben zur Kapitalstruktur.
- Urteil begrenzen: Formuliere, was die Daten nahelegen und welche Informationen noch fehlen.
Unternehmen A erreicht 22 % EKR, Unternehmen B 14 %. Daraus folgt nicht automatisch, dass A wirtschaftlich besser aufgestellt ist.
Ein passendes begrenztes Urteil lautet: „Unternehmen A verzinst sein ausgewiesenes Eigenkapital in dieser Periode stärker. Für eine belastbare Beurteilung fehlen jedoch Angaben zur Eigenkapitalquote, Verschuldung, Branchenzugehörigkeit, Berechnungsbasis und mehrjährigen Entwicklung.“
Bei Start-ups ohne Gewinn ist die EKR kaum aussagekräftig. Dort kann beispielsweise der monatliche Kapitalverbrauch, die Burn-Rate, für die aktuelle Lage hilfreicher sein.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die EKR setzt den ins Verhältnis zum . Eine ungewöhnlich hohe EKR sollte zusammen mit der geprüft werden. Für einen Zeitvergleich sind aussagekräftiger als ein einzelnes Jahr.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Eigenkapitalrentabilität
- Berechnung
- Jahresüberschuss durch Eigenkapital mal 100
- Ergebnis in Prozent
- Interpretation
- Gewinn und Eigenkapital als Ursachen prüfen
- Zeit, Branche und Sondereffekte beachten
- Kapitalstruktur
- hohe EKR kann durch wenig Eigenkapital entstehen
- Fremdkapital kann Rendite und Risiko hebeln
- Urteil
- Berechnungsbasis vergleichen
- weitere Kennzahlen ergänzen
- Berechnung
Abschluss-Check
Du hast das Lernziel erreicht, wenn du die Kennzahl nicht nur korrekt berechnest, sondern auch erklären kannst, warum sich derselbe Prozentwert je nach Berechnungsbasis, Verschuldung und Unternehmenskontext unterschiedlich beurteilen lässt.
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