Geldfunktionen einfach erklärt: drei Kernaufgaben
Geld erfüllt drei Kernaufgaben: Es erleichtert Zahlungen, macht Werte vergleichbar und kann Kaufkraft für später aufbewahren. Ob etwas als Geld funktioniert, hängt vor allem davon ab, welche dieser Aufgaben es erfüllt und ob andere es akzeptieren.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum Geld den Tausch erleichtert
Stell dir vor, du hast Äpfel und möchtest ein Fahrradlicht. Beim direkten Tausch müsstest du eine Person finden, die gleichzeitig dein Obst haben möchte und genau das passende Fahrradlicht anbietet. Diese doppelte Übereinstimmung der Tauschwünsche ist oft schwer zu erreichen.
Mit Geld lassen sich Verkauf und Kauf trennen: Du verkaufst die Äpfel gegen Geld und kaufst das Fahrradlicht später bei einer anderen Person. Beide Geschäfte brauchen nur einen vereinbarten Geldpreis.
Tausch- und Zahlungsmittel
Als Tauschmittel vermittelt Geld den Kauf und Verkauf von Gütern oder Dienstleistungen. Als Zahlungsmittel dient es dazu, einen vereinbarten Geldbetrag zu begleichen. Dafür muss die empfangende Seite das Geld akzeptieren.
Eine Bäckerin braucht keine Person zu suchen, die Brot möchte und zugleich Mehl anbietet. Sie verkauft Brot gegen Geld und bezahlt mit Geld bei ihrem Mehlhändler. Das Geld verbindet zwei getrennte Geschäfte.
Ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel senkt den Suchaufwand: Angebot und Gegenangebot müssen nicht unmittelbar zusammenpassen.
Wie Geld Werte vergleichbar macht
Ein Brot, eine Reparatur und ein Fahrrad sind körperlich völlig verschieden. Gemeinsame Geldpreise bringen ihre Werte auf dieselbe Skala. Dadurch kannst du vergleichen, rechnen und wirtschaftliche Entscheidungen vorbereiten.
Recheneinheit
Als Recheneinheit oder Wertmesser liefert Geld einen gemeinsamen Maßstab. Preise drücken den Wert unterschiedlicher Güter und Leistungen in derselben Einheit aus.
Die Recheneinheit ist nicht dasselbe wie das Zahlungsmittel. Ein Preis kann in einer bestimmten Einheit angegeben sein, obwohl bei der Zahlung ein anderes akzeptiertes Medium verwendet wird.
Auf einem Schulfest stehen die Preise in Euro auf der Liste. Bezahlt wird an den Ständen aber mit vorher gekauften Wertmarken. Der Euro dient als Recheneinheit; die Wertmarken dienen innerhalb des Festes als Zahlungsmittel.
Wie Geld Kaufkraft für später bewahrt
Zwischen einer Einnahme und einem späteren Kauf kann Zeit liegen. Behält Geld in dieser Zeit genügend Kaufkraft, kannst du die heute erhaltene Gegenleistung später nutzen.
Wertaufbewahrungsmittel
Als Wertaufbewahrungsmittel überträgt Geld Kaufkraft von der Gegenwart in die Zukunft. Diese Funktion gelingt nur, wenn das Geld später noch ausreichend viele Güter oder Dienstleistungen kaufen kann.
Geld verdirbt zwar nicht wie viele Waren. Sein wirtschaftlicher Wert kann trotzdem sinken: Steigen die Preise, erhältst du für denselben Geldbetrag weniger. Dieser Verlust an Kaufkraft schwächt die Wertaufbewahrungsfunktion.
Du legst Geld für einen späteren Kauf zurück. Wird das gewünschte Produkt in der Zwischenzeit teurer, reicht dein unveränderter Geldbetrag möglicherweise nicht mehr aus. Das Geld war weiterhin vorhanden, hat aber Kaufkraft verloren.
Aufbewahrter Geldbetrag und aufbewahrte Kaufkraft sind nicht dasselbe.
Warum die Funktionen nicht immer zusammenfallen
Unter stabilen Bedingungen erfüllt eine allgemein akzeptierte Währung meist alle drei Kernfunktionen gleichzeitig. In Grenzfällen können die Funktionen jedoch auf verschiedene Medien verteilt oder unterschiedlich stark erfüllt sein.
Prüfe deshalb stets drei getrennte Fragen:
- Zahlung: Wird das Medium für ein Geschäft akzeptiert?
- Rechnung: Werden Preise und Werte darin angegeben?
- Aufbewahrung: Bleibt seine Kaufkraft über die benötigte Zeit ausreichend erhalten?
Manche Darstellungen nennen zusätzliche Geldfunktionen, etwa Wertübertragung oder Investition. Der gemeinsame Kern der Funktionslehre besteht jedoch aus Tausch- und Zahlungsmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrung. Zusätzliche Funktionen bauen auf diesen Kernaufgaben auf oder gelten in einem bestimmten wirtschaftlichen Zusammenhang.
Eine Wertmarke gilt nur auf einem eintägigen Fest und verfällt danach. Während des Festes kann sie als Zahlungsmittel dienen. Stehen die Preise in Euro, ist sie nicht die Recheneinheit. Wegen ihres Verfalls eignet sie sich außerdem nicht zur längerfristigen Wertaufbewahrung.
So untersuchst du einen neuen Fall
Gehe nicht vom Namen eines Gegenstands aus. Prüfe stattdessen seine tatsächlichen Leistungen.
- Bestimme den Bereich der Akzeptanz: überall, nur in einer Gruppe oder nur für kurze Zeit?
- Prüfe, womit tatsächlich bezahlt wird.
- Prüfe, in welcher Einheit Preise angegeben und verglichen werden.
- Prüfe, ob sich Kaufkraft für später erhalten lässt.
- Formuliere dein Urteil für jede Funktion einzeln.
Ein Betrieb zahlt einen Teil des Lohns in Gutscheinen aus. Die Gutscheine werden nur in einem bestimmten Laden angenommen, während alle Preise in Euro stehen. Sie können dort als begrenztes Zahlungsmittel dienen. Der Euro bleibt die Recheneinheit. Ob die Gutscheine Wert aufbewahren, hängt unter anderem von ihrer Gültigkeitsdauer und der späteren Kaufkraft ab.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Geldfunktionen
- Tausch und Zahlung: Geschäfte vermitteln und Beträge begleichen
- Recheneinheit: Werte messen und Preise vergleichen
- Wertaufbewahrung: Kaufkraft zeitlich übertragen
- Voraussetzung: ausreichende Akzeptanz im jeweiligen Bereich
- Grenzfall: Funktionen können auf verschiedene Medien verteilt sein
- Risiko: Inflation kann die Kaufkraft mindern
Abschluss-Check
Du kannst einen Geld-Grenzfall nun beurteilen, indem du nicht nur fragst: „Ist das Geld?“, sondern genauer prüfst: Womit wird bezahlt, worin wird gerechnet und wie gut bleibt Kaufkraft erhalten?
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