Geldschöpfung: Wie Banken Buchgeld schaffen
Wenn eine Geschäftsbank einen Kredit vergibt, schreibt sie den Betrag auf einem Konto gut. Dadurch entsteht neues Buchgeld. Bei der Tilgung des Kreditbetrags verschwindet dieses Buchgeld wieder.
Dabei können Banken nicht unbegrenzt Kredite vergeben. Kreditnachfrage, Ausfallrisiken, Eigenkapital- und Aufsichtsregeln, Refinanzierungskosten und die Geldpolitik setzen Grenzen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Welches Geld entsteht bei einer Kreditvergabe?
Buchgeld, auch Giralgeld genannt, ist das Guthaben auf einem Bankkonto. Du kannst damit zum Beispiel überweisen oder mit einer Bankkarte bezahlen.
Geldschöpfung
Geldschöpfung ist die Vermehrung der Geldmenge durch neu geschaffenes Geld. Geschäftsbanken schaffen vor allem Buchgeld, wenn sie Kredite vergeben oder bestimmten Kunden Vermögenswerte abkaufen.
Bargeld und Buchgeld sind nicht dasselbe. Hebst du 100 € von deinem Konto ab, sinkt dein Buchgeld um 100 €, während dein Bargeld um 100 € steigt. Die Geldform ändert sich, aber es entsteht dadurch kein zusätzliches Geld. Bei einer Einzahlung läuft die Umwandlung in die andere Richtung.
Geschäftsbanken können Buchgeld, aber kein Bargeld schaffen. Zentralbankgeld umfasst Bargeld und die Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank. Diese Bankguthaben heißen Zentralbankreserven.
Wie schafft ein Kredit neues Buchgeld?
Eine Bank muss für die unmittelbare Kreditgutschrift nicht zuerst das Guthaben eines anderen Kunden verwenden. Sie nimmt gleichzeitig zwei Buchungen vor:
- Auf der Aktivseite ihrer Bilanz entsteht eine Forderung gegen den Kreditnehmer.
- Auf der Passivseite entsteht ein gleich hohes Kundenguthaben.
Mina erhält einen Kredit über 100.000 €.
| Bilanz | Aktivseite | Passivseite |
|---|---|---|
| Bank | Kreditforderung +100.000 € | Einlage +100.000 € |
| Mina | Bankguthaben +100.000 € | Kreditschuld +100.000 € |
Die Bankbilanz verlängert sich um 100.000 €. Minas neues Kontoguthaben gehört zur Buchgeldmenge.
Minas Nettovermögen steigt durch die Kreditaufnahme allein jedoch nicht: Dem Guthaben von 100.000 € steht eine gleich hohe Schuld gegenüber. Rechnerisch ergibt die Veränderung 100.000 € minus 100.000 € gleich 0 €.
Kredite schaffen Einlagen: Mit der Kreditforderung der Bank entsteht gleichzeitig das neue Kontoguthaben des Kreditnehmers.
Auch beim Ankauf eines Vermögenswerts kann eine Bank Buchgeld schaffen. Kauft sie beispielsweise einem Kunden ein Wertpapier ab und schreibt den Preis auf dessen Konto gut, entsteht ein neues Sichtguthaben. Verkauft die Bank einen Vermögenswert an einen Kunden und bucht den Preis von dessen Konto ab, wird Buchgeld vernichtet.
Was geschieht, wenn das neue Geld überwiesen wird?
Überweist Mina das Geld an einen Verkäufer bei derselben Bank, werden nur die Guthaben zwischen zwei Kundenkonten umgebucht. Das bereits geschaffene Buchgeld bleibt bestehen.
Liegt das Empfängerkonto bei einer anderen Bank, müssen die Banken die Zahlung untereinander ausgleichen. Sie verrechnen zunächst gegenläufige Zahlungen. Den verbleibenden Nettosaldo begleichen sie mit Zentralbankreserven.
Mina überweist 100.000 € von Bank A an einen Verkäufer bei Bank B.
| Bank | Aktivseite | Passivseite |
|---|---|---|
| Bank A | Reserven −100.000 € | Einlagen −100.000 € |
| Bank B | Reserven +100.000 € | Einlagen +100.000 € |
Aus Sicht des gesamten Bankensystems wechselt das Buchgeld die Bank. Für Bank A ist der Reserveabfluss trotzdem wichtig: Fehlende Reserven muss sie möglicherweise verzinslich von einer anderen Bank oder von der Zentralbank beschaffen.
Einlagen sind deshalb für Banken wertvoll, obwohl sie nicht vor jeder Kreditvergabe angesammelt werden müssen. Sie können die Finanzierung einer Bank stabilisieren und verbilligen.
Warum können Banken nicht unbegrenzt Geld schaffen?
Die Buchung eines Kredits ist technisch möglich, aber wirtschaftlich nicht grenzenlos sinnvoll oder erlaubt.
- Kreditnachfrage: Haushalte und Unternehmen nehmen nur Kredite auf, wenn sie diese benötigen und die Kosten tragen können.
- Kreditwürdigkeit und Ausfallrisiko: Kann ein Schuldner Zins und Tilgung nicht leisten, droht der Bank ein Verlust.
- Eigenkapital und Aufsicht: Eigenkapital dient als Puffer für Verluste. Aufsichtsregeln begrenzen, welche Risiken eine Bank eingehen darf.
- Liquidität und Refinanzierung: Abfließende Reserven oder Bargeldabhebungen können dazu führen, dass sich die Bank Zentralbankgeld beschaffen muss.
- Geldpolitik: Höhere Zentralbankzinsen verteuern Reserven und meist auch Bankkredite. Dadurch kann die Kreditnachfrage sinken. Niedrigere Zinsen können in die entgegengesetzte Richtung wirken.
Der Leitzins löst keine automatische Reaktion aus. Ob mehr Kredite entstehen, hängt weiterhin von der Nachfrage, den Risiken, den Erwartungen und den Regeln für Banken ab.
Vertiefung: Warum der Geldschöpfungsmultiplikator nur ein Modell ist
Ein vereinfachtes Modell verwendet den Reservesatz $r$ und den Multiplikator
$$m = \frac{1}{r}$$
Es unterstellt, dass Banken den nicht reservierten Anteil immer weiter als Kredit vergeben und das Geld anschließend wieder vollständig in das Bankensystem eingezahlt wird.
In der Wirklichkeit kann der Prozess früher enden: Vielleicht fehlt die Kreditnachfrage, ein Antragsteller ist nicht kreditwürdig oder eine Bank hält zusätzliche Reserven. Der Multiplikator beschreibt deshalb einen vereinfachten Modellablauf, keinen garantierten Umfang der Geldschöpfung.
Wie wird Buchgeld wieder vernichtet?
Zahlt ein Kreditnehmer den Kreditbetrag zurück, sinken sowohl sein Kontoguthaben als auch die Kreditforderung der Bank. Das zuvor geschaffene Buchgeld verschwindet.
Mina tilgt den vollständigen Kreditbetrag von 100.000 € aus ihrem Guthaben.
| Bilanz | Aktivseite | Passivseite |
|---|---|---|
| Bank | Kreditforderung −100.000 € | Einlage −100.000 € |
| Mina | Bankguthaben −100.000 € | Kreditschuld −100.000 € |
Nach der Tilgung bestehen weder die ursprüngliche Kreditforderung noch das dazugehörige Guthaben fort.
Für die Veränderung der Buchgeldmenge aus Krediten ist daher die Nettokreditvergabe entscheidend:
$$\text{Änderung} = \text{neue Kredite} - \text{Kredittilgungen}$$
Übersteigen neue Kredite die Tilgungen, nimmt die Buchgeldmenge aus Kreditgeschäften zu. Übersteigen die Tilgungen die neuen Kredite, nimmt sie ab.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei der Kreditvergabe entstehen gleichzeitig eine der Bank und ein auf der Passivseite. Bei der Tilgung werden Kreditforderung und wieder abgebaut. Für die Veränderung zählt deshalb die Differenz aus neuen Krediten und .
Welche Folgen kann neu geschaffenes Geld haben?
Geldschöpfung führt nicht automatisch zu Wachstum, Verbraucherpreisinflation oder einer Spekulationsblase. Entscheidend ist unter anderem, wofür das Geld verwendet wird.
| Verwendung | Mögliche Wirkung |
|---|---|
| Neue Maschinen, Arbeitsplätze oder Produktionsverfahren | Produktion und reales Wachstum können steigen. |
| Bereits vorhandene Güter und Dienstleistungen bei kaum wachsendem Angebot | Güter- und Dienstleistungspreise können steigen. |
| Bestehende Aktien, Grundstücke oder Immobilien | Vermögenspreise können steigen; Blasen und spätere Krisen werden möglich. |
Ein Kredit finanziert den Bau einer neuen Werkhalle. Während des Baus werden Leistungen erbracht; später kann das Unternehmen mehr produzieren. Geldmenge und Produktion können gemeinsam steigen.
Finanziert ein gleich hoher Kredit stattdessen den Kauf einer bereits bestehenden Immobilie, entsteht dadurch keine neue Immobilie. Die zusätzliche Nachfrage kann eher ihren Preis erhöhen.
Auch bei produktiven Investitionen gibt es keine Erfolgsgarantie. Scheitert ein Projekt, kann dem neu geschaffenen Geld weniger zusätzliche Produktion gegenüberstehen als geplant.
Frage bei der Beurteilung nicht nur: Wie viel Geld wurde geschaffen? Frage auch: Wofür wird es verwendet, und wächst das Angebot mit?
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Geldschöpfung
- Kreditvergabe: Forderung und Einlage entstehen
- Tilgung: Forderung und Einlage verschwinden
- Zahlungsverkehr: Buchgeld wandert, Reserven gleichen Nettosalden aus
- Grenzen: Nachfrage, Risiko, Eigenkapital, Liquidität und Geldpolitik
- Verwendung: Produktion, Güterpreise oder Vermögenspreise
Mit Google fortfahren