Kostenträgerrechnung einfach erklärt
Die Kostenträgerrechnung beantwortet die Frage: Wofür sind Kosten angefallen? Sie ordnet Kosten den hergestellten Produkten oder erbrachten Dienstleistungen zu. So kannst du Selbstkosten berechnen und wirtschaftliche Entscheidungen vorbereiten.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie gelangen Kosten zum Kostenträger?
Ein Kostenträger ist ein Produkt oder eine Dienstleistung, für die Kosten ermittelt werden. Beispiele sind eine Pizza, eine Flasche Limonade, ein Automodell oder eine Beratungsstunde.
Die Kosten- und Leistungsrechnung folgt drei Fragen:
- Was ist angefallen? Die Kostenartenrechnung erfasst und gliedert die Kosten.
- Wo ist es angefallen? Die Kostenstellenrechnung verteilt nicht direkt zurechenbare Kosten auf Unternehmensbereiche.
- Wofür ist es angefallen? Die Kostenträgerrechnung ordnet die Kosten Produkten oder Dienstleistungen zu.
Einzelkosten
Einzelkosten lassen sich einem Kostenträger unmittelbar zurechnen. Der Trüffel auf einer Trüffelpizza ist ein Beispiel: Er wird genau für dieses Produkt verbraucht.
Gemeinkosten
Gemeinkosten lassen sich einem einzelnen Kostenträger nicht unmittelbar zuordnen. Die Stromrechnung einer Pizzeria betrifft zum Beispiel den Pizzaofen, Kühlgeräte und weitere Bereiche. Solche Kosten werden zunächst über Kostenstellen verteilt und anschließend mithilfe von Schlüsseln oder Zuschlagssätzen den Kostenträgern zugerechnet.
Einzelkosten nehmen den direkten Weg. Gemeinkosten nehmen den Weg über die Kostenstellenrechnung. Beide fließen am Ende in die Kostenträgerrechnung ein.
Stückrechnung oder Zeitrechnung?
Die Kostenträgerrechnung kann entweder eine einzelne Leistungseinheit oder eine ganze Abrechnungsperiode betrachten.
| Art | Leitfrage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Kostenträgerstückrechnung | Was kostet eine Einheit? | Stückkosten beziehungsweise Kosten je Mengeneinheit |
| Kostenträgerzeitrechnung | Welchen Erfolg erzielt ein Kostenträger in einer Periode? | Gegenüberstellung von Kosten und Erlösen einer Abrechnungsperiode |
Kostenträgerstückrechnung
Die Kostenträgerstückrechnung wird auch Kalkulation genannt. Sie ermittelt beispielsweise die Kosten je Flasche, je Pizza oder je Beratungsstunde.
Je nach Zeitpunkt unterscheidet man:
- Vorkalkulation: geplante Kosten vor der Produktion oder Auftragsannahme;
- Zwischenkalkulation: bereits entstandene und noch erwartete Kosten während eines längeren Projekts;
- Nachkalkulation: tatsächlich angefallene Kosten nach Abschluss eines Auftrags.
Kostenträgerzeitrechnung
Die Kostenträgerzeitrechnung ermittelt die Kosten eines Kostenträgers innerhalb einer Periode und stellt sie den Erlösen gegenüber. Deshalb heißt sie auch kurzfristige Ergebnisrechnung.
Beim Umsatzkostenverfahren gilt vereinfacht:
$$\text{Betriebserfolg} = \text{Umsatzerlöse der Produkte} - \text{Selbstkosten der Produkte}$$
Welches Kalkulationsverfahren passt?
Das Verfahren hängt davon ab, wie ähnlich die Produkte sind und wie komplex ihre Herstellung ist.
| Produktionsart | Kennzeichen | typisches Verfahren |
|---|---|---|
| Massenproduktion im Einproduktbetrieb | sehr homogener Output, etwa Strom | Divisionskalkulation |
| Sortenfertigung | verwandte Produkte mit festem Kostenverhältnis | Äquivalenzziffernkalkulation |
| Serienfertigung | begrenzte Auflage gleicher Produkte | Äquivalenzziffern- oder teilweise Zuschlagskalkulation |
| Einzelfertigung | individuelles Produkt oder individueller Auftrag | Zuschlagskalkulation |
| Kuppelproduktion | mehrere Produkte entstehen gemeinsam | Kuppelkalkulation |
Divisionskalkulation
Bei einer homogenen Massenproduktion werden die Gesamtkosten durch die hergestellte Menge geteilt. Das liefert durchschnittliche Stückkosten.
Äquivalenzziffernkalkulation
Dieses Verfahren eignet sich für verwandte Sorten, zwischen denen ein festes Kostenverhältnis besteht.
Zuschlagskalkulation
Bei der Zuschlagskalkulation werden Einzelkosten direkt zugerechnet. Gemeinkosten werden mithilfe wert- oder mengenbezogener Schlüssel beziehungsweise Zuschlagssätze verteilt.
Kuppelkalkulation
Die Kuppelkalkulation ist ein besonderes Verfahren für eine Produktion, bei der mehrere Kuppelprodukte gemeinsam entstehen.
Wie werden Selbstkosten berechnet?
Selbstkosten umfassen die bei der Herstellung und Bereitstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung zugerechneten Kosten. Ein mögliches Kalkulationsschema lautet:
$$\text{Materialeinzelkosten} + \text{Materialgemeinkosten} = \text{Materialkosten}$$
$$\text{Fertigungseinzelkosten} + \text{Fertigungsgemeinkosten} + \text{Entwicklungskosten} = \text{Fertigungskosten}$$
$$\text{Materialkosten} + \text{Fertigungskosten} = \text{Herstellkosten}$$
$$\text{Herstellkosten} + \text{Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten} = \text{Selbstkosten}$$
Ein Betrieb fertigt 100 gleiche Leuchten. Für den Auftrag wurden folgende Kosten ermittelt:
- Materialeinzelkosten: 150 €
- Materialgemeinkosten: 50 €
- Fertigungseinzelkosten: 80 €
- Fertigungsgemeinkosten: 20 €
- Verwaltungsgemeinkosten: 30 €
- Vertriebsgemeinkosten: 20 €
1. Materialkosten:
$$150\,€ + 50\,€ = 200\,€$$
2. Fertigungskosten:
$$80\,€ + 20\,€ = 100\,€$$
3. Herstellkosten:
$$200\,€ + 100\,€ = 300\,€$$
4. Selbstkosten des Auftrags:
$$300\,€ + 30\,€ + 20\,€ = 350\,€$$
5. Selbstkosten je Leuchte:
$$350\,€ : 100 = 3{,}50\,€$$
Eine Leuchte verursacht damit Selbstkosten von 3,50 € je Stück. Die Einheit passt, weil Gesamtkosten in Euro durch eine Stückzahl geteilt wurden.
Jetzt selbst rechnen
Ein Betrieb fertigt 100 Taschen. Die Materialkosten betragen 240 €, die Fertigungskosten 160 €, die Verwaltungsgemeinkosten 40 € und die Vertriebsgemeinkosten 60 €.
Berechne die Herstellkosten, die gesamten Selbstkosten und die Selbstkosten je Tasche.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die Herstellkosten betragen . Nach dem Hinzurechnen der Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten ergeben sich Selbstkosten von . Bei 100 Taschen liegen die Selbstkosten je Tasche bei .
Was können Voll- und Teilkosten zeigen?
Vollkostenrechnung
Die Vollkostenrechnung verteilt sämtliche fixen und variablen Kosten einer Periode auf die Kostenträger. Sie unterstützt mittel- und langfristige Entscheidungen, weil ein Unternehmen langfristig seine Gesamtkosten decken muss.
Ein Nachteil zeigt sich bei kurzfristigen Entscheidungen: Werden Fixkosten proportional auf Produkte verteilt, kann das den kurzfristigen Zusammenhang zwischen zusätzlicher Produktion und zusätzlichen Kosten verdecken.
Teilkostenrechnung
Die Teilkostenrechnung berücksichtigt nur einen Teil der Gesamtkosten. Je nach System werden beispielsweise variable Kosten oder Einzelkosten zusammen mit variablen Gemeinkosten auf die Kostenträger verteilt. Fixkosten beziehungsweise fixe Gemeinkosten bleiben dabei unberücksichtigt.
Die Teilkostenrechnung eignet sich für kurzfristige Preisentscheidungen. Für mittel- und langfristige Entscheidungen genügt sie allein nicht, weil die ausgeblendeten Fixkosten langfristig ebenfalls gedeckt werden müssen.
Vollkosten zeigen die langfristig zu deckenden Selbstkosten. Teilkosten unterstützen kurzfristige Entscheidungen, bilden aber nicht alle Kosten ab.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kostenträgerrechnung
- beantwortet: Wofür sind Kosten angefallen?
- übernimmt Einzelkosten direkt
- übernimmt Gemeinkosten über Kostenstellen und Zuschläge
- berechnet Stückkosten und Selbstkosten
- betrachtet mit der Zeitrechnung eine Abrechnungsperiode
- wählt Verfahren passend zur Produktionsart
- unterstützt Preise und Wirtschaftlichkeitsentscheidungen
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