Wirtschaft

Differenzkalkulation: Gewinn und Verlust berechnen

Differenzkalkulation: Gewinn und Verlust berechnen
Differenzkalkulation: Gewinn und Verlust berechnen
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Bei der Differenzkalkulation stehen Einkaufs- und Verkaufspreis bereits fest. Du berechnest die Selbstkosten und den erreichbaren Barverkaufspreis. Dann bildest du die Differenz:

$$\text{Gewinn oder Verlust}=\text{Barverkaufspreis}-\text{Selbstkosten}$$

Ein positives Ergebnis ist Gewinn, ein negatives Ergebnis Verlust. Hier lernst du die handelsbezogene Differenzkalkulation Schritt für Schritt.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wann passt die Differenzkalkulation?

Ein Lieferant gibt den Einkaufspreis vor. Gleichzeitig begrenzt der Markt den möglichen Verkaufspreis. Das Unternehmen prüft deshalb: Welche Differenz bleibt zwischen Erlös und Kosten?

Definition

Differenzkalkulation

Die Differenzkalkulation ist eine Form der Handelskalkulation. Sie verbindet eine Vorwärtsrechnung auf der Einkaufsseite mit einer Rückwärtsrechnung auf der Verkaufsseite. Gesucht ist der erreichbare Gewinn oder drohende Verlust.

VerfahrenAusgangspunktGesuchte Größe
VorwärtskalkulationEinkaufspreisnotwendiger Verkaufspreis
Rückwärtskalkulationvorgegebener Verkaufspreiszulässiger Einkaufs- oder Kostenwert
DifferenzkalkulationEinkaufs- und Verkaufspreis stehen festGewinn oder Verlust
Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Situation spricht für eine Differenzkalkulation?
Lösung: Einkaufs- und Verkaufspreis sind vorgegeben; gesucht ist der mögliche Gewinn oder Verlust. — Bei der Differenzkalkulation sind beide Seiten vorgegeben. Du führst sie bis zu Selbstkosten und Barverkaufspreis zusammen.
Die Einkaufsseite führt zu den Selbstkosten

Du rechnest vorwärts vom Listeneinkaufspreis bis zu den Selbstkosten. Verwende nur die Stufen, Prozentsätze und Kosten, die in der Aufgabe vorkommen.

  1. Listeneinkaufspreis netto minus Lieferrabatt ergibt den Zieleinkaufspreis.
  2. Zieleinkaufspreis minus Lieferskonto ergibt den Bareinkaufspreis.
  3. Bareinkaufspreis plus Bezugskosten ergibt den Bezugspreis.
  4. Bezugspreis plus Handlungskosten ergibt die Selbstkosten.

$$\text{LEP}-\text{Lieferrabatt}=\text{ZEP}$$

$$\text{ZEP}-\text{Lieferskonto}=\text{BEP}$$

$$\text{BEP}+\text{Bezugskosten}=\text{Bezugspreis}$$

$$\text{Bezugspreis}+\text{Handlungskosten}=\text{Selbstkosten}$$

Bezugskosten sind zusätzliche Beschaffungskosten, zum Beispiel Fracht oder Transportversicherung. Handlungskosten sind betriebliche Kosten wie Personal, Gebäude und Verwaltung. Ein Handlungskostenzuschlag wird auf den Bezugspreis berechnet.

Merke

Prozentuale Abzüge beziehen sich auf die jeweilige Preisstufe direkt vor dem Abzug. Der Handlungskostenzuschlag bezieht sich auf den Bezugspreis.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Bezugspreis beträgt 80,00 €. Der Handlungskostenzuschlag beträgt 20 %. Wie hoch sind die Selbstkosten?
Lösung: 96,00 € — Die Handlungskosten betragen $80{,}00\,€\cdot0{,}20=16{,}00\,€$. Daher sind die Selbstkosten $80{,}00\,€+16{,}00\,€=96{,}00\,€$.
Die Verkaufsseite führt zum Barverkaufspreis

Du rechnest vom vorgegebenen Listenverkaufspreis rückwärts zum Barverkaufspreis. Ist ein Bruttopreis gegeben, rechnest du zuerst die Umsatzsteuer heraus. Bei 19 % Umsatzsteuer gilt:

$$\text{Listenverkaufspreis netto}=\frac{\text{Listenverkaufspreis brutto}}{1{,}19}$$

Danach ziehst du die Kundenabzüge in der angegebenen Reihenfolge ab:

$$\text{Listenverkaufspreis netto}-\text{Kundenrabatt}=\text{Zielverkaufspreis}$$

$$\text{Zielverkaufspreis}-\text{Kundenskonto}=\text{Barverkaufspreis}$$

Kundenrabatt ist ein Nachlass auf den Listenverkaufspreis netto. Kundenskonto ist ein Nachlass auf den Zielverkaufspreis. Du darfst die beiden Prozentsätze deshalb nicht addieren und gemeinsam vom selben Grundwert abziehen.

Beispiel

Ein Listenverkaufspreis beträgt 1.190,00 € brutto. Bei 19 % Umsatzsteuer erhältst du $1.190{,}00\,€:1{,}19=1.000{,}00\,€$ netto. Nach 5 % Kundenrabatt bleiben 950,00 €. Nach 2 % Kundenskonto bleiben $950{,}00\,€\cdot0{,}98=931{,}00\,€$. Der Barverkaufspreis beträgt 931,00 €.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum wird das Kundenskonto im Beispiel aus 950,00 € berechnet?
Lösung: Weil 950,00 € der Zielverkaufspreis direkt vor dem Skontoabzug ist. — Erst wird der Kundenrabatt vom Listenverkaufspreis netto abgezogen. Der entstehende Zielverkaufspreis ist der Grundwert für das Kundenskonto.
Das Ergebnis richtig deuten

Nun vergleichst du den Barverkaufspreis mit den Selbstkosten:

$$D=\text{Barverkaufspreis}-\text{Selbstkosten}$$

  • $D>0$: Gewinn
  • $D=0$: weder Gewinn noch Verlust
  • $D<0$: Verlust

Für den Gewinn- oder Verlustsatz bezogen auf die Selbstkosten gilt:

$$p=\frac{D}{\text{Selbstkosten}}\cdot100\,\%$$

Der Prozentwert macht unterschiedlich große Produkte besser vergleichbar. Nenne aber immer die Bezugsgröße.

Vertiefung: Handelsspanne und Aufschlagssatz

Derselbe Gewinn führt zu verschiedenen Prozentsätzen, wenn du unterschiedliche Grundwerte verwendest:

$$\text{Aufschlagssatz}=\frac{\text{Gewinn}}{\text{Selbstkosten}}\cdot100\,\%$$

$$\text{Handelsspanne}=\frac{\text{Gewinn}}{\text{Barverkaufspreis}}\cdot100\,\%$$

Der Gewinnsatz auf die Selbstkosten ist ein Aufschlagssatz. Die Handelsspanne bezieht sich dagegen auf den Verkaufspreis.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelDie Selbstkosten betragen 96,00 €, der Barverkaufspreis 120,00 €. Wie hoch ist der Aufschlagssatz?
Lösung: 25 % — Der Gewinn beträgt 24,00 €. Bezogen auf die Selbstkosten ergibt das $24:96\cdot100=25\,\%$.
Ein vollständiges Beispiel verbindet beide Seiten

Ein Möbelhaus kann einen Aktenschrank für höchstens 1.190,00 € brutto verkaufen. Der Listeneinkaufspreis beträgt ebenfalls 1.190,00 € brutto. Gegeben sind 19 % Umsatzsteuer, 50 % Lieferrabatt, 2 % Lieferskonto, 10,00 € Bezugskosten, 50 % Handlungskostenzuschlag, 5 % Kundenrabatt und 2 % Kundenskonto.

Schritt 1: Selbstkosten berechnen

RechenschrittErgebnis
Listeneinkaufspreis netto: $1.190{,}00:1{,}19$1.000,00 €
minus 50 % Lieferrabatt500,00 € Zieleinkaufspreis
minus 2 % Lieferskonto490,00 € Bareinkaufspreis
plus 10,00 € Bezugskosten500,00 € Bezugspreis
plus 50 % Handlungskosten750,00 € Selbstkosten

Schritt 2: Barverkaufspreis berechnen

RechenschrittErgebnis
Listenverkaufspreis netto: $1.190{,}00:1{,}19$1.000,00 €
minus 5 % Kundenrabatt950,00 € Zielverkaufspreis
minus 2 % Kundenskonto931,00 € Barverkaufspreis

Schritt 3: Differenz und Prozentsatz bilden

$$931{,}00\,€-750{,}00\,€=181{,}00\,€$$

$$\frac{181{,}00\,€}{750{,}00\,€}\cdot100=24{,}13\,\%$$

Das Möbelhaus erzielt unter den angenommenen Bedingungen 181,00 € Gewinn je Schrank. Der Gewinn entspricht 24,13 % der Selbstkosten. Runde kaufmännisch auf zwei Dezimalstellen.

Merke

Halte die Reihenfolge ein: zuerst Selbstkosten, dann Barverkaufspreis, danach Differenz in Euro und Prozent. Ein Zwischenfehler verändert alle folgenden Ergebnisse.

Jetzt selbst rechnen

Ein Artikel hat einen Bezugspreis von 80,00 €. Die Handlungskosten betragen 20 % des Bezugspreises. Der vorgegebene Barverkaufspreis liegt bei 120,00 €.

  1. Berechne die Selbstkosten.
  2. Bestimme Gewinn oder Verlust in Euro.
  3. Berechne Aufschlagssatz und Handelsspanne.
  4. Beurteile die Aussage für eine Sortimentsentscheidung.
Beispiel

Lösung: Die Handlungskosten betragen $80{,}00\,€\cdot0{,}20=16{,}00\,€$. Die Selbstkosten liegen bei $80{,}00\,€+16{,}00\,€=96{,}00\,€$.

Die Differenz ist $120{,}00\,€-96{,}00\,€=24{,}00\,€$. Es entsteht Gewinn. Der Aufschlagssatz beträgt $24:96\cdot100=25\,\%$. Die Handelsspanne beträgt $24:120\cdot100=20\,\%$.

Unter den angegebenen Preisen und Kosten spricht das positive Ergebnis für die Aufnahme des Artikels. Diese Aussage gilt nur, wenn alle relevanten Kosten vollständig und richtig erfasst sind.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerWelche Begründung ist für eine Sortimentsentscheidung am besten?
Lösung: Das positive Ergebnis spricht unter den gegebenen Preisen und vollständig erfassten Kosten für den Artikel. — Die Differenzkalkulation liefert eine wichtige Wirtschaftlichkeitsaussage. Sie ersetzt aber nicht die Prüfung der Daten und aller weiteren Entscheidungsbedingungen.

Typische Fehler sind: Umsatzsteuer nicht herausrechnen, Rabatt und Skonto auf denselben Grundwert beziehen, Bezugskosten vergessen, Handlungskosten auf den falschen Preis berechnen sowie Handelsspanne und Aufschlagssatz verwechseln.

Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Differenzkalkulation
    • Voraussetzung: Einkaufs- und Verkaufspreis stehen fest
    • Einkaufsseite: LEP zu Selbstkosten
    • Verkaufsseite: Bruttoverkaufspreis zu Barverkaufspreis
    • Ergebnis: Barverkaufspreis minus Selbstkosten
    • Kennzahl: Aufschlagssatz auf Selbstkosten
    • Entscheidung: Gewinn oder Verlust unter den gegebenen Bedingungen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas bedeutet ein negatives Ergebnis der Differenzkalkulation?
Lösung: Der Barverkaufspreis liegt unter den Selbstkosten; es entsteht Verlust. — Das Vorzeichen folgt aus Barverkaufspreis minus Selbstkosten. Ein negativer Wert bedeutet, dass der Erlös die Selbstkosten nicht deckt.
Frage 2 von 3MittelEin Artikel hat Selbstkosten von 200,00 € und einen Barverkaufspreis von 230,00 €. Welche Differenz entsteht?
Lösung: 30,00 € Gewinn — Die Differenz beträgt $230{,}00\,€-200{,}00\,€=30{,}00\,€$ und ist positiv.
Frage 3 von 3SchwerZwei Artikel erzielen jeweils 24,00 € Gewinn. Bei Artikel A betragen die Selbstkosten 96,00 €, bei Artikel B 120,00 €. Welcher Artikel hat den höheren Aufschlagssatz?
Lösung: Artikel A, weil 24,00 € bezogen auf 96,00 € einen größeren Anteil ergeben. — Artikel A erreicht $24:96\cdot100=25\,\%$. Artikel B erreicht $24:120\cdot100=20\,\%$. Deshalb hat Artikel A den höheren Aufschlagssatz.

Passend dazu