Rückwärtskalkulation: Einkaufspreis berechnen
Bei der Rückwärtskalkulation ist der Verkaufspreis vorgegeben. Du rechnest das Schema rückwärts und bestimmst so den höchsten Einkaufspreis, bei dem Kosten, Nachlässe und der gewünschte Gewinn noch berücksichtigt sind.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wann rechnest du rückwärts?
Rückwärtskalkulation
Die Rückwärtskalkulation ist eine Form der Handelskalkulation. Sie beginnt bei einem vorgegebenen Markt- oder Verkaufspreis und endet beim maximal tragbaren Einkaufspreis.
Die Rechenrichtung hängt davon ab, welche Größe bekannt ist:
- Vorwärtskalkulation: Einkaufspreis bekannt, erforderlicher Verkaufspreis gesucht.
- Rückwärtskalkulation: Verkaufspreis bekannt, höchstens tragbarer Einkaufspreis gesucht.
- Differenzkalkulation: Einkaufs- und Verkaufspreis bekannt, Gewinn oder Verlust gesucht.
Welche Prozentrechnung brauchst du?
Der wichtigste Schritt ist die Bezugsgröße: der Wert, auf den sich ein Prozentsatz bezieht. Ein Gewinnzuschlag von 6 % bezieht sich zum Beispiel auf die Selbstkosten. Ein Lieferrabatt von 7 % bezieht sich auf den Listeneinkaufspreis.
Ist ein erhöhter Wert bekannt, entfernst du einen Zuschlag durch Division. Bei 6 % Zuschlag gilt:
$$\text{Grundwert}=\frac{\text{erhöhter Wert}}{1{,}06}$$
Ist ein nach einem Nachlass verbleibender Wert bekannt, teilst du durch den verbleibenden Anteil. Nach 3 % Skonto bleiben 97 %:
$$\text{Grundwert}=\frac{\text{verminderter Wert}}{0{,}97}$$
Ziehe beim Rückwärtsrechnen nicht einfach denselben Prozentsatz vom Ergebnis ab. Frage zuerst: „Von welchem Grundwert wurden die Prozent berechnet?“
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Nach einem Nachlass von 3 % bleiben %. Einen Zuschlag von 25 % entfernst du durch Division durch . Feste Bezugskosten in Euro werden rückwärts .
In welcher Reihenfolge gehst du vor?
Ein vollständiges Handelsschema kann je nach Fall einzelne Stufen auslassen oder ergänzen. Für das folgende Beispiel gilt diese Reihenfolge:
| Ausgangs- oder Zwischenwert | Rückwärtsrechnung |
|---|---|
| Bruttoverkaufspreis | Umsatzsteuer durch Division entfernen |
| Netto-Listenverkaufspreis | Kundenrabatt abziehen |
| Zielverkaufspreis | Kundenskonto und Provision abziehen |
| Barverkaufspreis | Gewinnzuschlag durch Division entfernen |
| Selbstkosten | Handlungskostenzuschlag durch Division entfernen |
| Bezugspreis | feste Bezugskosten abziehen |
| Bareinkaufspreis | Lieferskonto durch Division durch den Restanteil zurückrechnen |
| Zieleinkaufspreis | Lieferrabatt durch Division durch den Restanteil zurückrechnen |
| Listeneinkaufspreis | Ergebnis: maximaler Lieferanten-Listenpreis |
Die Bezeichnungen einzelner Verkaufsstufen können in Kalkulationsschemata abweichen. Entscheidend sind die Reihenfolge und die jeweilige Bezugsgröße.
Wie funktioniert die Rechnung am Beispiel?
Eine Kaffeepackung soll brutto 10,00 € kosten. Gegeben sind 19 % Umsatzsteuer, 3 % Kundenrabatt, 3 % Kundenskonto, 10 % Provision, 6 % Gewinnzuschlag, 25 % Handlungskostenzuschlag, 0,36 € Bezugskosten, 3 % Lieferskonto und 7 % Lieferrabatt.
1. Umsatzsteuer entfernen
Der Bruttoverkaufspreis entspricht 119 % des Nettopreises:
$$10{,}00\,€ \div 1{,}19 \approx 8{,}40\,€$$
2. Kundenrabatt abziehen
Nach 3 % Rabatt bleiben 97 %:
$$8{,}40\,€ \cdot 0{,}97 \approx 8{,}15\,€$$
3. Kundenskonto und Provision abziehen
Beide Beträge werden in diesem Beispiel vom Wert 8,15 € berechnet:
$$8{,}15\,€ \cdot 0{,}03 \approx 0{,}24\,€$$
$$8{,}15\,€ \cdot 0{,}10 \approx 0{,}82\,€$$
$$8{,}15\,€-0{,}24\,€-0{,}82\,€=7{,}09\,€$$
4. Gewinnzuschlag entfernen
7,09 € sind 106 % der Selbstkosten:
$$7{,}09\,€ \div 1{,}06 \approx 6{,}69\,€$$
5. Handlungskostenzuschlag entfernen
6,69 € sind 125 % des Bezugspreises:
$$6{,}69\,€ \div 1{,}25 \approx 5{,}35\,€$$
6. Feste Bezugskosten abziehen
$$5{,}35\,€-0{,}36\,€=4{,}99\,€$$
7. Lieferskonto rückwärts auflösen
Der Bareinkaufspreis entspricht 97 % des Zieleinkaufspreises:
$$4{,}99\,€ \div 0{,}97 \approx 5{,}14\,€$$
8. Lieferrabatt rückwärts auflösen
Der Zieleinkaufspreis entspricht 93 % des Listeneinkaufspreises:
$$5{,}14\,€ \div 0{,}93 \approx 5{,}53\,€$$
Ergebnis: Der Listeneinkaufspreis darf unter diesen Annahmen höchstens 5,53 € betragen. Ein niedrigerer Einkaufspreis erhöht bei sonst gleichen Bedingungen den Gewinn.
Hier wurde bei jeder Stufe auf Cent gerundet. Je nach vereinbarter Rundungsregel können kleine Rundungsdifferenzen entstehen; die Bezugsgrößen und Rechenoperationen ändern sich dadurch nicht.
Welche Fehler solltest du vermeiden?
- 19 % vom Bruttopreis abziehen: Der Bruttopreis entspricht bei 19 % Umsatzsteuer 119 % des Nettopreises. Richtig ist die Division durch 1,19.
- Prozente auf den falschen Wert beziehen: Gewinn wird hier auf die Selbstkosten, Handlungskosten auf den Bezugspreis gerechnet.
- Skonto oder Rabatt nur addieren: Ist der verminderte Wert bekannt, musst du durch den verbleibenden Prozentsatz teilen.
- Feste Eurobeträge wie Prozentsätze behandeln: Bezugskosten von 0,36 € werden direkt abgezogen.
- Das Schema als starre Universalformel verwenden: In einem anderen Geschäftsfall können Stufen fehlen oder anders benannt sein.
Eine Rückwärtskalkulation zeigt, welcher Einkaufspreis zu den gesetzten Annahmen passt. Beim Vergleich von Lieferantenangeboten können daneben qualitative Kriterien wie Qualität und Nachhaltigkeit wichtig sein.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Rückwärtskalkulation
- Ausgangspunkt: vorgegebener Verkaufspreis
- Rechenregel: richtige Bezugsgröße bestimmen
- Kostenstufen: Verkauf, Selbstkosten, Bezug, Einkauf
- Ziel: maximaler Listeneinkaufspreis
- Kontrolle: Einheit, Rundung und Annahmen prüfen
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