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Liquidität 3. Grades: berechnen und richtig deuten

Liquidität 3. Grades: berechnen und richtig deuten
Liquidität 3. Grades: berechnen und richtig deuten
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Die Liquidität 3. Grades zeigt, wie weit das Umlaufvermögen die kurzfristigen Verbindlichkeiten rechnerisch deckt. Dazu vergleichst du flüssige Mittel, kurzfristige Forderungen und Vorräte mit den Verpflichtungen, die innerhalb kurzer Zeit fällig werden.

Du lernst außerdem, warum ein hoher Prozentwert nicht automatisch eine sichere Zahlungsfähigkeit bedeutet.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Welche Größen gehören in die Kennzahl?

Die Liquidität 3. Grades setzt das Umlaufvermögen ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten.

Definition

Umlaufvermögen

Für diese Kennzahl besteht das Umlaufvermögen aus flüssigen Mitteln, kurzfristigen Forderungen und Vorräten.

  • Flüssige Mittel sind unmittelbar verfügbares Geld, etwa Kassenbestand und Bankguthaben.
  • Kurzfristige Forderungen sind Zahlungsansprüche, die innerhalb kurzer Zeit beglichen werden sollen.
  • Vorräte sind beispielsweise Rohstoffe, unfertige Erzeugnisse und noch nicht verkaufte Waren.
  • Kurzfristige Verbindlichkeiten sind Verpflichtungen mit kurzer Restlaufzeit, in der Regel bis zu einem Jahr.

Die Formel lautet:

$$\text{Liquidität 3. Grades} = \frac{\text{flüssige Mittel} + \text{kurzfristige Forderungen} + \text{Vorräte}}{\text{kurzfristige Verbindlichkeiten}} \cdot 100\,\%$$

In Worten: Addiere zuerst die drei Bestandteile des Umlaufvermögens. Teile die Summe durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten und multipliziere das Ergebnis mit 100 Prozent.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Position gehört in den Zähler der Liquidität 3. Grades?
Lösung: Vorräte — Der Zähler umfasst flüssige Mittel, kurzfristige Forderungen und Vorräte.
Wie berechnest du den Wert Schritt für Schritt?

Ein Unternehmen weist folgende Beträge aus:

  • flüssige Mittel: 20.000 Euro
  • kurzfristige Forderungen: 60.000 Euro
  • Vorräte: 100.000 Euro
  • kurzfristige Verbindlichkeiten: 120.000 Euro
Beispiel

1. Umlaufvermögen bestimmen

20.000 Euro + 60.000 Euro + 100.000 Euro = 180.000 Euro

2. Verhältnis berechnen

$$\frac{180.000\,\text{Euro}}{120.000\,\text{Euro}} \cdot 100\,\% = 150\,\%$$

3. Ergebnis im Zusammenhang ausdrücken

Das berücksichtigte Umlaufvermögen entspricht 150 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Rechnerisch stehen damit je 1 Euro kurzfristiger Verbindlichkeiten 1,50 Euro Umlaufvermögen gegenüber.

Merke

Zähler und Nenner müssen sich auf denselben Bilanzstichtag beziehen. Erst dann ist ihr Verhältnis sinnvoll interpretierbar.

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Frage 1 von 1MittelEin Betrieb besitzt 90.000 Euro Umlaufvermögen und 60.000 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten. Welcher Rechenansatz ist richtig?
Lösung: 90.000 ÷ 60.000 · 100 Prozent — Die Kennzahl ist ein Verhältnis: Umlaufvermögen geteilt durch kurzfristige Verbindlichkeiten, anschließend mit 100 Prozent multipliziert.
Was bedeutet das Ergebnis?

Ein Wert von 100 Prozent bedeutet eine rechnerisch vollständige Deckung: Das berücksichtigte Umlaufvermögen ist genauso hoch wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten.

  • Unter 100 Prozent: Das Umlaufvermögen deckt die kurzfristigen Verbindlichkeiten rechnerisch nicht vollständig.
  • Genau 100 Prozent: Beide Größen sind gleich hoch. Eine Sicherheitsreserve ist in der Kennzahl nicht erkennbar.
  • Über 100 Prozent: Das Umlaufvermögen übersteigt die kurzfristigen Verbindlichkeiten.

Das ist eine Bilanzbetrachtung. Sie beweist nicht, dass zu jedem Zahlungstermin genügend Geld auf dem Konto liegt.

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Frage 1 von 1MittelWas bedeutet eine Liquidität 3. Grades von 150 Prozent?
Lösung: Das Umlaufvermögen entspricht dem 1,5-Fachen der kurzfristigen Verbindlichkeiten. — Die 150 Prozent beziehen sich auf die Summe aus flüssigen Mitteln, kurzfristigen Forderungen und Vorräten.
Welcher Richtwert ist angemessen?

Für die Liquidität 3. Grades werden unterschiedliche Richtwerte genannt. Häufig erscheinen Werte ab etwa 120 Prozent, Bereiche von 120 bis 200 Prozent oder die 2:1-Regel mit 200 Prozent.

Diese Angaben sind keine allgemeingültigen Grenzwerte. Ein passender Wert hängt unter anderem von der Branche, dem Unternehmen und der Zusammensetzung des Umlaufvermögens ab.

Gut zu wissen

Ein Wert über 100 Prozent zeigt eine rechnerische Überdeckung. Ob beispielsweise 120, 150 oder 200 Prozent angemessen sind, lässt sich erst im Unternehmenskontext beurteilen.

Auch ein sehr hoher Wert ist nicht automatisch günstig. Große Vorräte erhöhen die Kennzahl, können aber viel Kapital binden. Dieses Kapital steht erst nach dem Verkauf der Vorräte als Geld zur Verfügung.

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Frage 1 von 1SchwerDie Kennzahl eines Handelsbetriebs steigt stark, weil sich unverkaufte Waren im Lager ansammeln. Welche Beurteilung ist angemessen?
Lösung: Die rechnerische Deckung steigt, aber der Lageraufbau und die Kapitalbindung müssen geprüft werden. — Die Ursache der Veränderung ist entscheidend. Mehr Vorräte erhöhen den Zähler, ohne die sofort verfügbaren Geldmittel zu erhöhen.
Warum reicht die Kennzahl allein nicht aus?

Die Liquidität 3. Grades verdichtet mehrere Bilanzpositionen zu einer Zahl. Dabei gehen wichtige Einzelheiten verloren:

  • Forderungen können verspätet oder gar nicht bezahlt werden.
  • Vorräte müssen möglicherweise erst produziert oder verkauft werden.
  • Zahlungen haben unterschiedliche Fälligkeitstermine.
  • Zukünftige Ein- und Auszahlungen erscheinen nicht vollständig in der Stichtagskennzahl.
  • Unterschiedliche Unternehmen können trotz gleicher Kennzahl verschieden liquide Vermögensbestände besitzen.
Merke

Eine Kennzahl ist ein Signal, kein vollständiges Urteil über die Zahlungsfähigkeit. Prüfe immer Zusammensetzung, Entwicklung und Unternehmenskontext.

Für eine belastbarere Analyse kannst du fragen:

  1. Warum hat sich die Kennzahl verändert?
  2. Welchen Anteil haben flüssige Mittel, Forderungen und Vorräte?
  3. Wie schnell werden Forderungen und Vorräte tatsächlich zu Geld?
  4. Welche Zahlungen werden in nächster Zeit fällig?
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Frage 1 von 1SchwerZwei Unternehmen haben jeweils eine Liquidität 3. Grades von 150 Prozent. Unternehmen A besitzt überwiegend Bankguthaben, Unternehmen B überwiegend schwer verkäufliche Vorräte. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Die gleiche Kennzahl kann eine unterschiedliche tatsächliche Zahlungsbereitschaft verdecken. — Für ein Urteil musst du neben dem Prozentwert auch die Zusammensetzung und Liquidierbarkeit des Umlaufvermögens untersuchen.
Wende die Kennzahl auf einen neuen Fall an

Ein Unternehmen meldet zunächst:

  • flüssige Mittel: 35.000 Euro
  • kurzfristige Forderungen: 45.000 Euro
  • Vorräte: 70.000 Euro
  • kurzfristige Verbindlichkeiten: 100.000 Euro

Später steigen die kurzfristigen Forderungen auf 75.000 Euro. Alle anderen Werte bleiben gleich.

Berechne beide Kennzahlen. Erkläre danach, warum die Veränderung allein noch kein abschließendes Urteil erlaubt.

Beispiel

Ausgangswert

$$\frac{35.000 + 45.000 + 70.000}{100.000} \cdot 100\,\% = 150\,\%$$

Neuer Wert

$$\frac{35.000 + 75.000 + 70.000}{100.000} \cdot 100\,\% = 180\,\%$$

Die Kennzahl steigt um 30 Prozentpunkte. Das Umlaufvermögen übersteigt die kurzfristigen Verbindlichkeiten nun stärker.

Für ein Urteil muss jedoch geklärt werden, warum die Forderungen gestiegen sind und wann sie bezahlt werden. Höhere Forderungen können auf mehr Verkäufe hindeuten, aber auch auf verzögerte Zahlungen von Kunden. Die Kennzahl allein entscheidet nicht zwischen diesen Ursachen.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Zusatzinformation hilft bei der Beurteilung des Anstiegs am meisten?
Lösung: Ob die Forderungen fristgerecht eingehen — Prüfe bei einer Kennzahlenänderung zuerst die Position, die sich verändert hat, und ihren Einfluss auf die tatsächliche Zahlungsfähigkeit.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Liquidität 3. Grades
    • Berechnung
      • Flüssige Mittel, Forderungen und Vorräte addieren
      • Durch kurzfristige Verbindlichkeiten teilen
      • Mit 100 Prozent multiplizieren
    • Deutung
      • Unter 100 Prozent: rechnerische Unterdeckung
      • Über 100 Prozent: rechnerische Überdeckung
      • Richtwert vom Kontext abhängig
    • Beurteilung
      • Zusammensetzung des Umlaufvermögens prüfen
      • Fälligkeiten und Einbringlichkeit beachten
      • Veränderungen und Ursachen untersuchen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche drei Vermögensarten bilden gemeinsam den Zähler?
Lösung: Flüssige Mittel, kurzfristige Forderungen und Vorräte — Der dritte Liquiditätsgrad umfasst das für die Kennzahl berücksichtigte Umlaufvermögen.
Frage 2 von 3MittelDas Umlaufvermögen beträgt 180.000 Euro, die kurzfristigen Verbindlichkeiten 120.000 Euro. Wie hoch ist die Liquidität 3. Grades?
Lösung: 150 Prozent — 180.000 geteilt durch 120.000 ergibt 1,5. Multipliziert mit 100 Prozent sind das 150 Prozent.
Frage 3 von 3SchwerEin Unternehmen weist 210 Prozent aus. Welches Urteil ist fachlich angemessen?
Lösung: Der Wert zeigt eine rechnerische Überdeckung; Zusammensetzung, Ursachen und Fälligkeiten müssen zusätzlich geprüft werden. — Ein hoher Wert kann günstig wirken oder auf Kapitalbindung hindeuten. Erst der Datenkontext ermöglicht ein begrenztes Urteil.

Du beherrschst die Kennzahl, wenn du sie nicht nur richtig berechnest, sondern ihren Prozentwert auch in Worte übersetzt und ihre Aussagegrenzen benennst.

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