Wirtschaft

Eigenkapitalquote berechnen und richtig deuten

Eigenkapitalquote berechnen und richtig deuten
Eigenkapitalquote berechnen und richtig deuten
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Die Eigenkapitalquote zeigt, wie viel Prozent des Gesamtkapitals durch Eigenkapital finanziert sind. Du berechnest sie, indem du das Eigenkapital durch die Bilanzsumme teilst und das Ergebnis mit 100 multiplizierst.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

So berechnest du die Eigenkapitalquote

Das Eigenkapital umfasst die Mittel, die den Eigentümerinnen und Eigentümern zugerechnet werden. Dazu gehören beispielsweise gezeichnetes Kapital, Rücklagen und ein Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag.

Das Gesamtkapital besteht aus Eigenkapital und Fremdkapital. Es entspricht der Bilanzsumme.

Definition

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote ist der prozentuale Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital beziehungsweise an der Bilanzsumme.

$$\text{Eigenkapitalquote} = \frac{\text{Eigenkapital}}{\text{Gesamtkapital}} \times 100$$

In Worten: Teile das Eigenkapital durch das Gesamtkapital und multipliziere mit 100.

Beispiel

Ein Unternehmen weist 150.000 € Eigenkapital und 350.000 € Fremdkapital aus.

  1. Berechne zuerst das Gesamtkapital:

$$150.000\,€ + 350.000\,€ = 500.000\,€$$

  1. Setze die Werte in die Formel ein:

$$\frac{150.000\,€}{500.000\,€} \times 100 = 30\,\%$$

Die Einheiten Euro kürzen sich. Das Ergebnis bedeutet: 30 % des Gesamtkapitals sind durch Eigenkapital finanziert.

Merke

Steht nur Eigen- und Fremdkapital in der Aufgabe, musst du die beiden Werte zuerst zur Bilanzsumme addieren.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Rechnung liefert die Eigenkapitalquote?
Lösung: Eigenkapital geteilt durch Gesamtkapital, anschließend mal 100 — Im Zähler steht das Eigenkapital. Der Nenner ist das gesamte eingesetzte Kapital beziehungsweise die Bilanzsumme.
Frage 2 von 2MittelEin Unternehmen hat 150.000 € Eigenkapital und 350.000 € Fremdkapital. Wie hoch ist seine Eigenkapitalquote?
Lösung: 30 % — Das Gesamtkapital beträgt 500.000 €. Daher gilt: 150.000 € geteilt durch 500.000 € mal 100 ergibt 30 %.
Was dir die Quote zeigt – und was nicht

Eine höhere Eigenkapitalquote weist im Allgemeinen auf einen größeren Verlustpuffer und eine geringere Abhängigkeit von Fremdkapitalgebern hin. Das kann die Bonität und die Verhandlungsposition bei Krediten verbessern. Zugleich fallen meist weniger Belastungen durch Zins und Tilgung an.

Eine niedrige Quote bedeutet, dass ein großer Teil des Unternehmens mit Fremdkapital finanziert ist. Dadurch können Finanzierungs- und Ausfallrisiken steigen.

Definition

Negative Eigenkapitalquote

Eine negative Eigenkapitalquote entsteht bei negativem Eigenkapital. Dann übersteigen die Schulden beziehungsweise Verpflichtungen das Vermögen. Das ist ein ernstes Warnsignal und kann ohne Gegenmaßnahmen bis zur Insolvenz führen.

Richtwerte unterscheiden sich je nach Bewertungsansatz. Häufig werden Werte um 30 % als Orientierung verwendet. Einzelne Einordnungen bezeichnen mehr als 25 % oder mehr als 30 % als solide und Werte unter 15 % oder 20 % als kritisch. Diese Grenzen sind keine allgemeingültigen Gesetze.

Für eine sinnvolle Beurteilung brauchst du zusätzlichen Kontext:

  • Branche und Kapitalintensität,
  • Geschäftsmodell und Ertragsrisiko,
  • Unternehmensgröße und Rechtsform,
  • Entwicklung über mehrere Jahre,
  • Ertragskraft, Liquidität und weitere Finanzkennzahlen.
Gut zu wissen

Eine hohe Quote ist nicht automatisch optimal. Bei gleichbleibendem Gewinn kann zusätzliches Eigenkapital die Eigenkapitalrentabilität senken. Stabilität und Rentabilität müssen deshalb gemeinsam betrachtet werden.

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Frage 1 von 3LeichtWas bedeutet eine Eigenkapitalquote von 30 % unmittelbar?
Lösung: 30 % des Gesamtkapitals sind durch Eigenkapital finanziert. — Die Quote beantwortet nur, welcher Anteil der Bilanzsumme auf Eigenkapital entfällt.
Frage 2 von 3MittelWelche Beurteilung ist fachlich angemessen?
Lösung: Die Quote ist ein wichtiges Signal, muss aber zusammen mit Unternehmens- und Branchendaten beurteilt werden. — Eine Kennzahl verdichtet Informationen. Für ein vollständiges Unternehmensurteil reicht sie allein nicht aus.
Frage 3 von 3SchwerWarum ist eine möglichst hohe Eigenkapitalquote nicht immer das einzige Ziel?
Lösung: Mehr Eigenkapital kann bei gleichem Gewinn die Eigenkapitalrentabilität senken. — Eine hohe Quote stärkt häufig die Stabilität. Gleichzeitig muss das Unternehmen sein eingesetztes Eigenkapital wirtschaftlich nutzen.
Warum sich die Quote verändert

Die Quote kann sich ändern, obwohl die Formel gleich bleibt. Entscheidend ist, was mit dem Eigenkapital und der Bilanzsumme geschieht.

Typische Einflüsse sind:

  • Gewinne einbehalten: Der Jahresüberschuss bleibt im Unternehmen und stärkt das Eigenkapital.
  • Neues Eigenkapital zuführen: Bisherige oder neue Gesellschafter bringen zusätzliches Kapital ein.
  • Verluste: Sie vermindern das Eigenkapital und senken gewöhnlich die Quote.
  • Gewinne ausschütten: Die Ausschüttung vermindert das im Unternehmen verbleibende Eigenkapital.
  • Schulden zurückzahlen: Wird eine Verbindlichkeit mit vorhandener Liquidität beglichen, sinkt die Bilanzsumme bei unverändertem Eigenkapital. Dadurch steigt die Quote.
  • Neue Kredite aufnehmen: Steigt nur das Fremdkapital, wächst die Bilanzsumme und die Eigenkapitalquote sinkt.
Beispiel

Ein Unternehmen hat zunächst 300.000 € Eigenkapital und 900.000 € Fremdkapital.

$$\text{Gesamtkapital} = 300.000\,€ + 900.000\,€ = 1.200.000\,€$$

$$\text{Eigenkapitalquote} = \frac{300.000}{1.200.000} \times 100 = 25\,\%$$

Danach steigt das Eigenkapital bei unverändertem Fremdkapital auf 400.000 €. Die neue Bilanzsumme beträgt 1.300.000 €.

$$\frac{400.000}{1.300.000} \times 100 \approx 30{,}77\,\%$$

Die Quote steigt also von 25 % auf rund 30,77 %. Wichtig: Du musst auch den Nenner anpassen. Zusätzliches Eigenkapital erhöht hier zugleich die Bilanzsumme.

Merke

Frage bei jeder Veränderung getrennt: Was geschieht mit dem Eigenkapital? Was geschieht mit der Bilanzsumme? Erst danach kannst du die Richtung der Quote sicher bestimmen.

Der bloße Verkauf eines Vermögenswerts zum Buchwert verändert die Quote noch nicht, wenn der Erlös als Geld im Unternehmen bleibt. Es wird dann nur eine Vermögensart gegen eine andere getauscht. Erst eine weitere Verwendung, etwa zur Schuldentilgung, kann die Quote verändern.

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Frage 1 von 2MittelWelche Veränderung erhöht bei unverändertem Fremdkapital die Eigenkapitalquote?
Lösung: Gesellschafter führen zusätzliches Eigenkapital zu. — Zusätzliches Eigenkapital erhöht den Zähler. Bei den Beispielwerten steigt die Quote deshalb von 25 % auf rund 30,77 %.
Frage 2 von 2SchwerEine Maschine wird genau zu ihrem Buchwert verkauft. Das Geld bleibt auf dem Bankkonto des Unternehmens. Was passiert unmittelbar mit der Eigenkapitalquote?
Lösung: Sie bleibt unverändert. — Eigenkapital und Bilanzsumme bleiben in diesem vereinfachten Fall unverändert. Deshalb ändert sich auch die Quote nicht.
So vergleichst und beurteilst du die Kennzahl

Ein guter Vergleich besteht aus mehr als zwei Prozentzahlen. Gehe in vier Schritten vor:

  1. Berechnen: Verwende bei beiden Unternehmen oder Jahren dieselbe Formel und vergleichbare Bilanzwerte.
  2. Veränderung beschreiben: Sage klar, ob die Quote gestiegen, gefallen oder ungefähr gleich geblieben ist.
  3. Ursachen prüfen: Untersuche Eigenkapital, Fremdkapital und Bilanzsumme. Mögliche Ursachen sind Gewinne, Verluste, Kapitalzuführungen, Ausschüttungen oder Schuldenabbau.
  4. Urteil begrenzen: Beziehe Branche, Geschäftsmodell, Risiko und weitere Kennzahlen ein. Benenne, welche Informationen noch fehlen.
Beispiel

Für 2023 wurden durchschnittliche Eigenkapitalquoten von 30,2 % für deutsche Unternehmen insgesamt, 30,5 % für KMU und 30,1 % für Großunternehmen ausgewiesen.

Du darfst daraus ableiten, dass die drei Durchschnittswerte dicht beieinanderlagen. Du darfst daraus aber nicht schließen, dass jedes einzelne Unternehmen ungefähr 30 % erreichte oder finanziell stabil war. Ein Durchschnitt verdeckt Unterschiede zwischen Unternehmen.

Eine belastbare Formulierung lautet zum Beispiel:

Die gestiegene Eigenkapitalquote spricht zunächst für einen größeren Eigenkapitalpuffer. Für eine abschließende Beurteilung müssen jedoch die Ursache der Veränderung, die Branchenlage, die Ertragskraft und weitere Kennzahlen geprüft werden.
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Frage 1 von 1SchwerWelche Aussage zu den Durchschnittswerten von 2023 ist zulässig?
Lösung: Die durchschnittlichen Quoten von Unternehmen insgesamt, KMU und Großunternehmen lagen dicht beieinander. — Durchschnittswerte eignen sich zur Orientierung. Ein Urteil über ein einzelnes Unternehmen benötigt dessen eigene Daten und zusätzlichen Kontext.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Eigenkapitalquote
    • Berechnung
      • Eigenkapital geteilt durch Bilanzsumme mal 100
      • Gesamtkapital gleich Eigenkapital plus Fremdkapital
    • Aussage
      • Finanzierung und Verlustpuffer
      • kein vollständiges Unternehmensurteil
    • Veränderungen
      • Gewinne und Kapitalzufuhr
      • Verluste, Ausschüttungen und Kredite
    • Beurteilung
      • Zeit- und Branchenvergleich
      • Ertragskraft, Risiko und weitere Kennzahlen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Größe steht im Nenner der Formel für die Eigenkapitalquote?
Lösung: Das Gesamtkapital beziehungsweise die Bilanzsumme — Die Eigenkapitalquote setzt das Eigenkapital ins Verhältnis zum gesamten eingesetzten Kapital.
Frage 2 von 4MittelEin Unternehmen hat 10.000 € Eigenkapital und 25.000 € Fremdkapital. Wie hoch ist seine Eigenkapitalquote gerundet?
Lösung: 28,57 % — Das Gesamtkapital beträgt 35.000 €. Die Rechnung lautet: 10.000 geteilt durch 35.000 mal 100, also rund 28,57 %.
Frage 3 von 4MittelWelche zwei Vorgänge können eine steigende Eigenkapitalquote erklären?
Lösung: Einbehaltene Gewinne und zusätzliches Eigenkapital — Einbehaltene Gewinne und Kapitalzuführungen stärken das Eigenkapital. Auch ein Schuldenabbau kann die Quote erhöhen, wenn dabei die Bilanzsumme sinkt und das Eigenkapital gleich bleibt.
Frage 4 von 4SchwerDie Quote eines Unternehmens steigt von 25 % auf rund 30,77 %. Welches Urteil ist am besten begründet?
Lösung: Die Kapitalstruktur wirkt zunächst stabiler; Ursache, Branche, Ertragskraft und weitere Kennzahlen müssen trotzdem geprüft werden. — Die höhere Quote spricht für einen größeren Eigenkapitalanteil. Erst zusätzliche Daten zeigen, wodurch sie gestiegen ist und wie die Entwicklung insgesamt zu beurteilen ist.

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