Wirtschaft

Lorenzkurve berechnen, zeichnen und deuten

Lorenzkurve berechnen, zeichnen und deuten
Lorenzkurve berechnen, zeichnen und deuten
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Die Lorenzkurve zeigt, wie ungleich eine nichtnegative Größe – etwa Einkommen oder Vermögen – verteilt ist. Jeder Punkt gibt an, welchen Anteil der Gesamtsumme die unteren $x\,\%$ der aufsteigend sortierten Personen zusammen besitzen.

Du lernst, die benötigten Anteile zu berechnen, die Kurve zu zeichnen und ihre Aussage sowie ihre Grenzen zu erklären.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was zeigt eine Lorenzkurve?

Stell dir vor, du möchtest untersuchen, wie das Einkommen in einer Gruppe verteilt ist. Dazu ordnest du alle Personen vom kleinsten zum größten Einkommen. Anschließend vergleichst du zwei kumulierte, also schrittweise aufsummierte, Anteile:

  • Auf der x-Achse steht der Anteil der bereits berücksichtigten Personen.
  • Auf der y-Achse steht ihr gemeinsamer Anteil am gesamten Einkommen.
Definition

Lorenzkurve

Die Lorenzkurve stellt den kumulierten Anteil einer aufsteigend sortierten Grundgesamtheit dem kumulierten Anteil ihrer Merkmalssumme gegenüber. Das betrachtete Merkmal muss nichtnegative Werte besitzen.

Ein Punkt $(0{,}8\mid0{,}444)$ bedeutet beispielsweise:

Die unteren 80 % der Personen besitzen zusammen 44,4 % der Gesamtsumme.

„Untere 80 %“ meint dabei die 80 % mit den kleinsten Merkmalswerten. Der Punkt sagt nicht, dass jede dieser Personen denselben Anteil erhält.

Die Gleichverteilungsgerade verläuft von $(0\mid0)$ bis $(1\mid1)$. Auf ihr besitzen zum Beispiel 40 % der Personen genau 40 % der Gesamtsumme. Je weiter die Lorenzkurve unter dieser Geraden liegt, desto ungleicher ist die Verteilung.

Merke

Lies einen Kurvenpunkt immer kumuliert: Die unteren $x\,\%$ besitzen zusammen $y\,\%$ der Gesamtsumme.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas bedeutet der Punkt $(0{,}6\mid0{,}3)$ auf einer Lorenzkurve?
Lösung: Die unteren 60 % besitzen zusammen 30 % der Gesamtsumme. — Die Personen werden vom kleinsten zum größten Wert geordnet. Deshalb bezieht sich der x-Wert auf die unteren 60 %.
Frage 2 von 2MittelEine Lorenzkurve liegt sehr nahe an der Gleichverteilungsgeraden. Was folgt daraus?
Lösung: Die betrachtete Größe ist relativ gleichmäßig verteilt. — Je kleiner der Abstand zur Gleichverteilungsgeraden, desto geringer ist die dargestellte Ungleichheit.
Wie berechnest du die Kurvenpunkte?

Für eine Lorenzkurve gehst du in einer festen Reihenfolge vor:

  1. Sortiere alle Merkmalswerte aufsteigend.
  2. Addiere die Werte schrittweise. So entstehen die kumulierten Merkmalswerte.
  3. Teile jeden kumulierten Wert durch die Gesamtsumme. Das ergibt die y-Koordinaten.
  4. Teile die kumulierte Zahl der Personen durch ihre Gesamtzahl. Das ergibt die x-Koordinaten.
  5. Ergänze den Startpunkt $(0\mid0)$.

Die Sortierung ist unverzichtbar. Ohne sie würdest du nur eine zufällige Reihenfolge aufsummieren und könntest keine Aussage über die Personen mit den kleinsten Werten treffen.

Beispiel

Eine vereinfachte Gruppe besteht aus fünf Personen mit den Einkommen 2 €, 4 €, 5 €, 5 € und 20 €. Die Werte sind bereits aufsteigend sortiert.

Die Gesamtsumme beträgt:

$$2+4+5+5+20=36\,€$$

PersonenAnteil der Personenkumuliertes EinkommenAnteil an 36 €
0 von 50 %0 €0 %
1 von 520 %2 €5,6 %
2 von 540 %6 €16,7 %
3 von 560 %11 €30,6 %
4 von 580 %16 €44,4 %
5 von 5100 %36 €100 %

Für die vier Personen mit den kleinsten Einkommen rechnest du beispielsweise:

$$\frac{2+4+5+5}{36}=\frac{16}{36}\approx0{,}444=44{,}4\,\%$$

Daraus entsteht der Kurvenpunkt $(0{,}8\mid0{,}444)$.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Vor dem Kumulieren werden die Werte sortiert. Die x-Koordinate entsteht aus dem kumulierten Anteil der . Die y-Koordinate entsteht aus dem kumulierten Anteil der .

Lösungen: Lücke 1: aufsteigend; Lücke 2: Personen; Lücke 3: Merkmalssumme. Die Sortierung beginnt beim kleinsten Wert. Danach vergleichst du den Anteil der erfassten Personen auf der x-Achse mit ihrem gemeinsamen Anteil an der Gesamtsumme auf der y-Achse.
Wie zeichnest und liest du die Kurve?

Übertrage die berechneten Punkte in ein Koordinatensystem. Beide Achsen reichen von 0 bis 1 oder von 0 % bis 100 %.

Für das Beispiel erhältst du diese Punkte:

  • $(0\mid0)$
  • $(0{,}2\mid0{,}056)$
  • $(0{,}4\mid0{,}167)$
  • $(0{,}6\mid0{,}306)$
  • $(0{,}8\mid0{,}444)$
  • $(1\mid1)$

Verbinde benachbarte Punkte geradlinig. Eine empirische Lorenzkurve ist daher zwischen den Messpunkten stückweise linear. Sie steigt monoton, fällt also nicht, und verläuft konvex unterhalb der Gleichverteilungsgeraden.

Zeichne zusätzlich die Gerade von $(0\mid0)$ bis $(1\mid1)$. Nun kannst du beide Verläufe vergleichen.

Im Beispiel liest du bei 80 % auf der x-Achse einen y-Wert von rund 44,4 % ab. Die unteren 80 % erhalten also zusammen 44,4 % des Einkommens. Für die oberen 20 % bleibt der Rest:

$$100\,\%-44{,}4\,\%=55{,}6\,\%$$

Gut zu wissen

Die 55,6 % der oberen 20 % sind kein eigener Punkt bei $x=20\,\%$. Sie entstehen als Rest zur Gesamtsumme, nachdem du den Anteil der unteren 80 % abgelesen hast.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelDie unteren 70 % besitzen laut Lorenzkurve 35 % der Gesamtsumme. Welcher Anteil entfällt auf die oberen 30 %?
Lösung: 65 % — Beide Gruppen bilden zusammen die gesamte Grundgesamtheit und besitzen zusammen 100 % der Merkmalssumme. Daher gilt $100\,\%-35\,\%=65\,\%$.
Wie beurteilst du Ungleichheit und Grenzen?

Bei vollkommener Gleichverteilung haben alle Personen denselben Merkmalswert. Dann fällt die Lorenzkurve mit der Gleichverteilungsgeraden zusammen: $x\,\%$ der Personen besitzen genau $x\,\%$ der Gesamtsumme.

Bei maximaler Ungleichheit erhält im idealisierten Extremfall eine Person die gesamte Summe, während alle anderen nichts erhalten. Die Kurve bleibt dann möglichst lange auf der x-Achse und steigt erst am Ende zu $(1\mid1)$.

Der Gini-Koeffizient fasst den Abstand zwischen Lorenzkurve und Gleichverteilungsgerade in einer Zahl zusammen. Er beruht auf der Fläche zwischen beiden Linien im Verhältnis zur gesamten Fläche unter der Gleichverteilungsgeraden:

  • $0$ steht für vollständige Gleichheit.
  • Ein Wert nahe $1$ steht für sehr starke Ungleichheit.
  • Eine größere Fläche zwischen den Linien führt zu einem größeren Gini-Wert.
Merke

Die Lorenzkurve zeigt den Verlauf einer Verteilung. Der Gini-Koeffizient verdichtet ihre Ungleichheit zu einer Zahl.

Diese Verdichtung hat eine Grenze: Unterschiedlich geformte Lorenzkurven können dieselbe Fläche und damit denselben Gini-Wert besitzen. Ein gleicher Gini-Wert beweist deshalb nicht, dass zwei Verteilungen gleich aufgebaut sind. Für eine genauere Beurteilung solltest du auch die Kurvenverläufe vergleichen.

Außerdem beschreibt die Lorenzkurve zunächst nur die Verteilung eines Merkmals. Ob diese Verteilung gerecht oder ungerecht ist, lässt sich daraus allein nicht ableiten. Dafür wären zusätzlich ausdrücklich benannte Bewertungskriterien nötig.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerZwei Verteilungen haben denselben Gini-Koeffizienten, aber unterschiedlich geformte Lorenzkurven. Welche Aussage ist sicher?
Lösung: Das zusammengefasste Ausmaß der Ungleichheit ist gleich, der Aufbau der Verteilungen kann sich jedoch unterscheiden. — Verschiedene Kurven können dieselbe Fläche zwischen Kurve und Gleichverteilungsgerade besitzen. Deshalb ergänzt der Kurvenverlauf die Kennzahl.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Lorenzkurve
    • Grundlage: nichtnegative und aufsteigend sortierte Werte
    • x-Achse: kumulierter Anteil der Merkmalsträger
    • y-Achse: kumulierter Anteil der Merkmalssumme
    • Berechnung: sortieren, kumulieren und relativieren
    • Vergleich: Gleichverteilungsgerade von $(0\mid0)$ bis $(1\mid1)$
    • Deutung: größerer Abstand bedeutet stärkere Ungleichheit
    • Ergänzung: Gini-Koeffizient verdichtet die Fläche zu einer Zahl
    • Grenze: Verteilung wird beschrieben, aber nicht automatisch bewertet
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Vorbereitung ist für eine Lorenzkurve zwingend?
Lösung: Die nichtnegativen Merkmalswerte werden aufsteigend sortiert. — Erst die aufsteigende Sortierung macht Aussagen über die jeweils unteren Anteile der Grundgesamtheit möglich.
Frage 2 von 3MittelIn einer Gruppe besitzen die unteren 40 % zusammen 18 % der Gesamtsumme. Welcher Punkt gehört zur Lorenzkurve?
Lösung: $(0{,}4\mid0{,}18)$ — Übersetze die Aussage direkt: 40 % der Personen ergeben $x=0{,}4$, ihr gemeinsamer Anteil von 18 % ergibt $y=0{,}18$.
Frage 3 von 3SchwerVerteilung A liegt mit ihrer Lorenzkurve überall näher an der Gleichverteilungsgeraden als Verteilung B. Was kannst du begründet folgern?
Lösung: Verteilung A ist nach der Lorenzdarstellung gleichmäßiger als Verteilung B. — Eine näher an der Gleichverteilungsgeraden liegende Kurve zeigt geringere Ungleichheit. Vollständige Gleichheit läge jedoch nur vor, wenn beide Linien zusammenfallen.

Du kannst eine Lorenzkurve nun als vollständigen Denkweg verwenden: Werte sortieren, Anteile kumulieren, Punkte zeichnen, den Abstand zur Gleichverteilungsgeraden deuten und die Grenzen der Darstellung benennen.

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