Marktgleichgewicht berechnen und verstehen
Ein Marktgleichgewicht liegt vor, wenn bei einem bestimmten Preis genauso viele Einheiten angeboten wie nachgefragt werden. Dieser Preis heißt Gleichgewichtspreis, die dabei gehandelte Menge Gleichgewichtsmenge.
Auf dieser Seite lernst du, das Gleichgewicht im Diagramm zu erkennen, mit Funktionen zu berechnen und Abweichungen davon zu beurteilen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wenn die Pläne beider Marktseiten zusammenpassen
Auf einem Markt treffen Anbieter und Nachfrager aufeinander. Anbieter stellen Güter oder Dienstleistungen bereit. Nachfrager möchten sie zu einem bestimmten Preis kaufen.
Im einfachen Marktmodell gilt typischerweise:
- Mit steigendem Preis nimmt die angebotene Menge zu.
- Mit steigendem Preis nimmt die nachgefragte Menge ab.
Marktgleichgewicht
Das Marktgleichgewicht ist die Situation, in der angebotene und nachgefragte Menge übereinstimmen. Es gilt:
$$Q^S(P^*)=Q^D(P^*)=Q^*$$
Dabei ist $P^*$ der Gleichgewichtspreis und $Q^*$ die Gleichgewichtsmenge.
Ein einfaches Beispiel: Werden zu einem Preis von 40 € genau 14.500 Paar Schuhe angeboten und ebenso viele nachgefragt, sind 40 € der Gleichgewichtspreis und 14.500 Paar die Gleichgewichtsmenge.
Zum Marktgleichgewicht gehören immer zwei Werte: ein Preis und die bei diesem Preis übereinstimmende Angebots- und Nachfragemenge.
So erkennst du das Gleichgewicht im Diagramm
In einem Preis-Mengen-Diagramm steht üblicherweise die Menge auf der waagerechten Achse und der Preis auf der senkrechten Achse.
Die Angebotskurve steigt im Standardmodell: Bei einem höheren Preis wird mehr angeboten. Die Nachfragekurve fällt: Bei einem höheren Preis wird weniger nachgefragt.
Der Schnittpunkt beider Kurven zeigt das Marktgleichgewicht:
- Gehe vom Schnittpunkt waagerecht zur Preisachse. Dort liest du $P^*$ ab.
- Gehe vom Schnittpunkt senkrecht zur Mengenachse. Dort liest du $Q^*$ ab.
Eine Grafik zeigt, dass sich Angebots- und Nachfragekurve bei einem Preis von 2 € und einer Menge von 5.000 Broten schneiden. Dann gilt:
- Gleichgewichtspreis: 2 € je Brot
- Gleichgewichtsmenge: 5.000 Brote
Nur der Schnittpunkt liefert beide Gleichgewichtswerte zusammen.
So berechnest du Preis und Menge
Sind Angebots- und Nachfragefunktionen gegeben, gehst du in zwei Schritten vor:
- Setze beide Mengenfunktionen gleich und löse nach dem Preis auf.
- Setze den gefundenen Preis in eine der Funktionen ein und berechne die Menge.
Für einen Bleistiftmarkt gelten:
$$x_A(p)=100p$$
$$x_N(p)=-100p+100$$
Dabei bezeichnet $x_A$ die angebotene Menge, $x_N$ die nachgefragte Menge und $p$ den Preis in Euro.
1. Gleichgewichtspreis bestimmen
Im Gleichgewicht sind beide Mengen gleich:
$$100p=-100p+100$$
Addiere $100p$ auf beiden Seiten:
$$200p=100$$
Teile durch 200:
$$p^*=0{,}50$$
Der Gleichgewichtspreis beträgt 0,50 € je Bleistift.
2. Gleichgewichtsmenge bestimmen
Setze $p^*=0{,}50$ in die Angebotsfunktion ein:
$$x_A(0{,}50)=100\cdot 0{,}50=50$$
Die Nachfragefunktion liefert ebenfalls 50. Im Gleichgewicht werden somit 50 Bleistifte angeboten und nachgefragt.
Gleichsetzen liefert zuerst den Preis. Einsetzen liefert danach die Menge. Prüfe zum Schluss, ob beide Funktionen beim gefundenen Preis wirklich denselben Wert ergeben.
Was oberhalb und unterhalb des Gleichgewichtspreises passiert
Nicht jeder Preis räumt den Markt. Dann stimmen angebotene und nachgefragte Menge nicht überein.
Nachfrageüberhang
Ein Nachfrageüberhang liegt vor, wenn mehr nachgefragt als angeboten wird. Es besteht ein Mangel: Nicht alle Kaufwünsche können erfüllt werden.
Ein Preis unterhalb des Gleichgewichtspreises führt im Standardmodell typischerweise zu einem Nachfrageüberhang. Das kann Aufwärtsdruck auf den Preis erzeugen.
Angebotsüberhang
Ein Angebotsüberhang liegt vor, wenn mehr angeboten als nachgefragt wird. Ein Teil der Ware bleibt unverkauft.
Ein Preis oberhalb des Gleichgewichtspreises führt im Standardmodell typischerweise zu einem Angebotsüberhang. Anbieter können darauf mit Preissenkungen reagieren.
Für den Bleistiftmarkt gilt weiterhin $x_A(p)=100p$ und $x_N(p)=-100p+100$.
Bei $p=0{,}40$ € werden 40 Bleistifte angeboten, aber 60 nachgefragt. Der Nachfrageüberhang beträgt 20 Bleistifte.
Bei $p=0{,}60$ € werden 60 Bleistifte angeboten, aber nur 40 nachgefragt. Der Angebotsüberhang beträgt 20 Bleistifte.
Preisänderung oder Verschiebung der Kurve
Zwei Vorgänge werden leicht verwechselt:
- Ändert sich nur der Preis des betrachteten Gutes, bewegst du dich auf den bestehenden Kurven.
- Ändert sich Angebot oder Nachfrage unabhängig von diesem Preis, verschiebt sich die gesamte Kurve.
Wird Fisch teurer, steigt im einfachen Modell die angebotene Menge und die nachgefragte Menge sinkt. Das sind Bewegungen auf den vorhandenen Kurven.
Kommt dagegen ein attraktives Ersatzprodukt auf den Markt, kann die Nachfrage nach dem bisherigen Produkt bei jedem Preis sinken. Dann verschiebt sich die Nachfragekurve nach links.
Auch Einkommen, Kreditzugang, Werbung, Trends oder Jahreszeiten können Angebot oder Nachfrage unabhängig vom aktuellen Preis verändern. Welche Kurve sich in welche Richtung verschiebt, musst du aus der konkreten Situation ableiten.
Wo das Marktmodell Grenzen hat
Das Marktgleichgewicht ist ein Analysemodell. Es hilft dir, Zusammenhänge zwischen Preis, Angebot und Nachfrage zu untersuchen. Es behauptet weder, dass reale Märkte immer rasch ins Gleichgewicht gelangen, noch dass das Ergebnis automatisch fair ist.
Für die einfache Berechnung werden klar definierte Angebots- und Nachfragefunktionen vorausgesetzt. Häufig wird außerdem angenommen, dass die Marktteilnehmer den Preis nicht allein bestimmen können, sondern ihn als gegeben hinnehmen.
Steigt die Angebotsfunktion und fällt die Nachfragefunktion streng, kann es höchstens einen Schnittpunkt geben. Ein Schnittpunkt und eine positive gehandelte Menge sind dennoch nicht in jedem Modell garantiert.
In realen Märkten können weitere Einflüsse wirken, etwa Informationsunterschiede, begrenzter Wettbewerb, zeitliche Verzögerungen oder Veränderungen von Einkommen und Vorlieben. Solche Faktoren müssen zusätzlich betrachtet werden.
Die Aussage „Der Preis bewegt sich in Richtung Gleichgewicht“ beschreibt einen möglichen Marktmechanismus unter Modellbedingungen. Sie ist keine Garantie für jeden realen Markt.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Marktgleichgewicht
- Kennzeichen: Angebot gleich Nachfrage
- Werte: Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge
- Diagramm: Schnittpunkt beider Kurven
- Berechnung: gleichsetzen und einsetzen
- Preis zu niedrig: Nachfrageüberhang
- Preis zu hoch: Angebotsüberhang
- Modellgrenze: Annahmen mit dem realen Markt vergleichen
Abschluss-Check
Du beherrschst den Kern, wenn du bei einem neuen Fall zuerst Angebot und Nachfrage vergleichst, danach Preis und Menge bestimmst und zuletzt prüfst, ob die Modellannahmen zur Situation passen.
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