Preisbildung: Angebot, Nachfrage und Gleichgewicht
Preise entstehen im einfachen Marktmodell durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Der Gleichgewichtspreis liegt dort, wo angebotene und nachgefragte Menge gleich groß sind.
Du lernst, diese Marktlage zu erkennen, ein Gleichgewicht zu berechnen und das Modell von der Preisgestaltung im Alltag zu unterscheiden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie treffen Angebot und Nachfrage zusammen?
Auf einem Markt treffen Anbieter und Nachfrager zusammen. Anbieter verkaufen Güter oder Dienstleistungen. Nachfrager möchten sie zu einem bestimmten Preis kaufen.
Angebot und Nachfrage
Das Angebot ist die Menge eines Gutes oder einer Dienstleistung, die Verkäufer auf einem Markt anbieten. Die Nachfrage ist die Absicht, ein Gut oder eine Dienstleistung zu einem bestimmten Preis zu kaufen.
Die Summen aller angebotenen und aller nachgefragten Mengen heißen Marktangebot und Marktnachfrage.
Im vereinfachten Marktmodell gilt:
- Mit steigendem Preis nimmt die angebotene Menge zu.
- Mit steigendem Preis nimmt die nachgefragte Menge ab.
- Bei sinkendem Preis ist es umgekehrt.
Deshalb steigt die Angebotskurve im Preis-Mengen-Diagramm an, während die Nachfragekurve fällt.
Zwei Fischstände bieten jeweils vier Fische an. Das Marktangebot beträgt acht Fische. Zwei Käufer möchten jeweils vier Fische kaufen. Die Marktnachfrage beträgt ebenfalls acht Fische.
Woran erkennst du das Marktgleichgewicht?
Marktgleichgewicht
Im Marktgleichgewicht sind Angebotsmenge und Nachfragemenge gleich groß. Der zugehörige Preis heißt Gleichgewichtspreis, die dabei gehandelte Menge Gleichgewichtsmenge.
In einem Diagramm ist das Gleichgewicht der Schnittpunkt von Angebots- und Nachfragekurve. Oberhalb des Gleichgewichtspreises ist das Angebot größer als die Nachfrage: Es besteht ein Angebotsüberhang. Unterhalb ist die Nachfrage größer als das Angebot: Es besteht ein Nachfrageüberhang, also ein Mangel aus Sicht der Käufer.
| Marktpreis | Angebotsmenge | Nachfragemenge | Marktlage |
|---|---|---|---|
| 10 € | 350 | 150 | Angebotsüberhang von 200 |
| 9 € | 300 | 200 | Angebotsüberhang von 100 |
| 8 € | 250 | 250 | Marktgleichgewicht |
Bei einem Angebotsüberhang können Anbieter den Preis senken, um mehr zu verkaufen. In der Tabelle schrumpft der Überhang von 200 über 100 auf null Einheiten. Bei 8 € werden 250 Einheiten angeboten und nachgefragt.
Preis über dem Gleichgewicht: Angebotsüberhang. Preis unter dem Gleichgewicht: Nachfrageüberhang. Nur im Gleichgewicht stimmen beide Mengen überein.
Wie bestimmst du das Gleichgewicht?
Grafisch gehst du in vier Schritten vor:
- Zeichne Angebots- und Nachfragekurve in dasselbe Preis-Mengen-Diagramm.
- Suche ihren Schnittpunkt.
- Lies dort den Preis ab.
- Lies dort die Menge ab.
Rechnerisch steht $S(p)$ für die Angebotsmenge und $D(p)$ für die Nachfragemenge beim Preis $p$. Im Gleichgewicht gilt:
$$S(p)=D(p)$$
Du setzt beide Funktionen gleich, löst nach $p$ auf und setzt den gefundenen Preis anschließend in eine der Funktionen ein.
Für einen Smartphone-Markt gelten die Mengenfunktionen
$$S(p)=10000p-2000000$$
und
$$D(p)=-5000p+5500000.$$
1. Funktionen gleichsetzen
$$10000p-2000000=-5000p+5500000$$
2. Nach dem Preis auflösen
$$15000p=7500000$$
$$p=500$$
Der Gleichgewichtspreis beträgt 500 €.
3. Preis einsetzen
$$S(500)=10000 \cdot 500-2000000=3000000$$
Die Gleichgewichtsmenge beträgt 3.000.000 Smartphones. Eine Kontrolle mit $D(500)$ führt zur gleichen Menge. Preis und Menge haben unterschiedliche Einheiten: Euro und Stück.
Wann bewegst du dich auf einer Kurve?
Eine Preisänderung verändert im Modell die angebotene oder nachgefragte Menge. Du bewegst dich dann zu einem anderen Punkt auf derselben Kurve.
Ändert sich Angebot oder Nachfrage dagegen unabhängig vom Preis, verschiebt sich die ganze Kurve. Wird ein Produkt zum Beispiel unabhängig von seinem aktuellen Preis stärker begehrt, ist die Nachfrage bei den betrachteten Preisen größer. Dann reicht eine Bewegung auf der alten Nachfragekurve nicht aus.
Der Preis eines Fisches steigt. Daraufhin möchten Käufer weniger Fisch kaufen. Das ist eine Bewegung auf der bestehenden Nachfragekurve, denn der Preis selbst hat sich geändert.
Wollen Käufer Fisch bei unverändertem Preis stärker nachfragen, hat sich die Nachfrage unabhängig vom Preis geändert. Die Nachfragekurve verschiebt sich.
Frage zuerst: Hat sich nur der Preis des betrachteten Gutes geändert? Dann bewegst du dich auf der Kurve. Hat sich Angebot oder Nachfrage unabhängig von diesem Preis geändert, verschiebt sich die Kurve.
Wo endet das einfache Marktmodell?
Das Modell erklärt einen wichtigen Mechanismus, aber nicht jeden realen Verkaufspreis. Seine Aussagen zum Gleichgewicht gelten unter idealen Bedingungen vollständiger Konkurrenz. Außerdem lässt die einfache Darstellung Angebot und Nachfrage zunächst nur vom Preis abhängen.
In der Praxis berücksichtigen Verkäufer weitere Punkte:
- Material-, Herstellungs-, Transport- und Vertriebskosten,
- angestrebte Verdienste oder Gewinne,
- Qualität und Verkaufsort,
- Angebote und Preise vergleichbarer Geschäfte.
Ein T-Shirt kann deshalb in einer exklusiven Boutique teurer angeboten werden als in einem durchschnittlichen Laden. Der verlangte Preis und der im Marktmodell bestimmte Gleichgewichtspreis sind nicht dasselbe: Der erste kann gezielt kalkuliert werden; der zweite ergibt sich im Modell aus dem Zusammentreffen von Marktangebot und Marktnachfrage.
Das Marktmodell ist ein Analysewerkzeug. Es zeigt, wie Preis und Menge unter vereinfachten Bedingungen zusammenhängen. Es behauptet nicht, dass reale Märkte immer sofort im Gleichgewicht sind oder dass ihr Ergebnis stets fair ist.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Preisbildung
- Marktseiten
- Angebot
- Nachfrage
- Marktgleichgewicht
- Gleichgewichtspreis
- Gleichgewichtsmenge
- Ungleichgewicht
- Angebotsüberhang über dem Gleichgewichtspreis
- Nachfrageüberhang unter dem Gleichgewichtspreis
- Veränderungen
- Preisänderung: Bewegung auf der Kurve
- Preisunabhängige Änderung: Kurvenverschiebung
- Modell und Wirklichkeit
- Ideale Bedingungen vollständiger Konkurrenz
- Kosten, Qualität, Ort und Vergleichsangebote
- Marktseiten
Abschluss-Check
Prüfe dich zum Schluss: Kannst du bei einem neuen Preis-Mengen-Fall zuerst die Marktlage bestimmen, dann ein mögliches Gleichgewicht finden und anschließend erklären, welche Annahmen des Modells in der Wirklichkeit nur eingeschränkt gelten?
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