Wirtschaft

Relativer Deckungsbeitrag: Engpässe richtig planen

Relativer Deckungsbeitrag: Engpässe richtig planen
Relativer Deckungsbeitrag: Engpässe richtig planen
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Der relative Deckungsbeitrag zeigt, wie viel Deckungsbeitrag ein Produkt je Einheit einer knappen Ressource erwirtschaftet. Bei genau einem Engpass vergleichst du deshalb nicht nur den Deckungsbeitrag je Stück, sondern zum Beispiel den Deckungsbeitrag je Maschinenstunde.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wann brauchst du den relativen Deckungsbeitrag?

Stell dir vor, mehrere Produkte benötigen dieselbe Maschine. Die verfügbare Maschinenzeit reicht aber nicht aus, um von jedem Produkt die höchstmögliche Absatzmenge herzustellen. Dann ist die Maschinenzeit ein Engpass.

Definition

Engpass

Ein Engpass ist eine Ressource, deren verfügbare Kapazität kleiner ist als der Kapazitätsbedarf des geplanten Produktionsprogramms. Engpässe können beispielsweise Maschinenzeit oder verfügbare Arbeitszeit sein.

Das passende Verfahren hängt von der Zahl der Engpässe ab:

  • Kein Engpass: Produkte mit positivem Stückdeckungsbeitrag können bis zu ihrer Absatzhöchstmenge produziert werden.
  • Genau ein Engpass: Du ordnest die Produkte nach ihrem relativen Deckungsbeitrag.
  • Mehrere Engpässe: Die einfache Rangfolge reicht nicht aus; dafür ist eine lineare Optimierung erforderlich.
Merke

Der relative Deckungsbeitrag ist ein Rangmaß für genau einen Engpass. Er ist nicht automatisch das richtige Verfahren für jede Produktionsplanung.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWann ist die relative Deckungsbeitragsrechnung das passende Rangverfahren?
Lösung: Wenn genau eine knappe Kapazität die Produktion begrenzt. — Bei genau einem Engpass lassen sich alle Produkte auf dieselbe knappe Kapazitätseinheit beziehen. Mehrere Engpässe erfordern eine gemeinsame Optimierung.
Wie berechnest du die Kennzahl?

Zuerst berechnest du den Stückdeckungsbeitrag. Er zeigt, welcher Betrag je verkauftem Stück nach Abzug der variablen Stückkosten verbleibt:

$$DB_{Stück}=Verkaufspreis\ je\ Stück-variable\ Kosten\ je\ Stück$$

Variable Kosten verändern sich mit der Produktionsmenge, zum Beispiel Materialkosten oder produktionsabhängige Energie. Der Stückdeckungsbeitrag dient zunächst dazu, Fixkosten zu decken. Er ist deshalb nicht mit Gewinn gleichzusetzen.

Danach beziehst du den Stückdeckungsbeitrag auf den Bedarf der knappen Ressource:

$$DB_{rel}=\frac{DB_{Stück}}{Engpassbedarf\ je\ Stück}$$

Benötigt ein Produkt Maschinenzeit, lautet die Einheit beispielsweise €/h oder €/ZE. ZE steht dabei für Zeiteinheit.

Beispiel

Produkt I wird für 70 € verkauft und verursacht 40 € variable Kosten. Es benötigt eine Maschinenstunde.

  1. Stückdeckungsbeitrag: $70\,€-40\,€=30\,€$ je Stück.
  2. Relativer Deckungsbeitrag: $30\,€:1\,h=30\,€/h$.

Produkt II wird für 60 € verkauft, verursacht ebenfalls 40 € variable Kosten und benötigt nur 0,5 Stunden.

  1. Stückdeckungsbeitrag: $60\,€-40\,€=20\,€$ je Stück.
  2. Relativer Deckungsbeitrag: $20\,€:0{,}5\,h=40\,€/h$.

Produkt II hat den niedrigeren Stückdeckungsbeitrag, liefert aber pro knapper Maschinenstunde den höheren Beitrag. Bei acht Stunden ausschließlicher Fertigung wären es $40\,€/h\cdot8\,h=320\,€$ statt $30\,€/h\cdot8\,h=240\,€$.

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Frage 1 von 1MittelProdukt A erzielt 60 € Stückdeckungsbeitrag und benötigt 3 Maschinenstunden. Produkt B erzielt 50 € und benötigt 2 Stunden. Welches Produkt erhält den höheren Rang?
Lösung: Produkt B mit 25 €/h. — Für A gilt $60:3=20\,€/h$, für B $50:2=25\,€/h$. Deshalb steht B in der Rangfolge vor A.
Wie entsteht ein Produktionsprogramm?

Bei genau einem Engpass gehst du in dieser Reihenfolge vor:

  1. Prüfe, welche Kapazität knapp ist.
  2. Berechne für jedes Produkt den Stückdeckungsbeitrag.
  3. Schließe Produkte mit negativem Stückdeckungsbeitrag aus der Rangbildung aus.
  4. Teile jeden positiven Stückdeckungsbeitrag durch den Bedarf am Engpass.
  5. Ordne die Produkte absteigend nach ihrem relativen Deckungsbeitrag.
  6. Produziere das bestplatzierte Produkt höchstens bis zur Absatzhöchstmenge.
  7. Weise die verbleibende Kapazität nacheinander den folgenden Produkten zu.

Engpass im Beispiel bestimmen

Für fünf Produkte werden bei ihren Absatzhöchstmengen folgende Kapazitäten benötigt:

  • Anlage 1: $3\cdot100+5\cdot80+4\cdot130+1\cdot175+5\cdot30=1.545\,ZE$.
  • Anlage 2: $1\cdot100+3\cdot80+8\cdot130+5\cdot175+7\cdot30=2.465\,ZE$.

Anlage 1 bietet nur 875 ZE und ist deshalb knapp. Anlage 2 bietet 2.500 ZE und ist kein Engpass. Für die Rangfolge zählt somit der Bedarf auf Anlage 1.

Rangfolge bilden

ProduktStückdeckungsbeitragBedarf Anlage 1Relativer DBRang
A15 €3 ZE5 €/ZE2
B20 €5 ZE4 €/ZE3
C8 €4 ZE2 €/ZE4
D7,50 €1 ZE7,50 €/ZE1
E8 €5 ZE1,60 €/ZE5

Obwohl B den höchsten Stückdeckungsbeitrag besitzt, steht D an erster Stelle: D erwirtschaftet mit jeder knappen ZE den größten Beitrag.

Kapazität zuteilen

Beispiel

Die 875 ZE von Anlage 1 werden nach der Rangfolge verteilt:

  1. D: 175 Stück benötigen $175\cdot1=175\,ZE$. Es bleiben 700 ZE.
  2. A: 100 Stück benötigen $100\cdot3=300\,ZE$. Es bleiben 400 ZE.
  3. B: 80 Stück benötigen $80\cdot5=400\,ZE$. Die Kapazität ist ausgeschöpft.
  4. Für C und E bleiben 0 ZE.

Der Gesamtdeckungsbeitrag beträgt:

$$175\cdot7{,}50\,€+100\cdot15\,€+80\cdot20\,€=4.412{,}50\,€$$

Das Programm ist unter den angegebenen Absatz- und Kapazitätsgrenzen deckungsbeitragsmaximal.

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Frage 1 von 1MittelWarum wird D vor B produziert, obwohl B je Stück 20 € und D nur 7,50 € Deckungsbeitrag erzielt?
Lösung: D liefert mit 7,50 €/ZE den höheren Beitrag je knapper Kapazitätseinheit. — Der Stückdeckungsbeitrag bleibt der Zähler der Rechnung. Erst seine Division durch den Engpassbedarf ermöglicht den richtigen Vergleich.
Was ist zusätzliche Kapazität wert?

Eine zusätzliche Engpasseinheit ist so viel wert wie der zusätzliche Deckungsbeitrag, den sie im betrachteten Bereich ermöglicht.

Im Beispiel ist Anlage 1 knapp. Nach D, A und B folgt Produkt C mit 2 €/ZE. Werden genau 200 zusätzliche ZE bereitgestellt, können damit $200:4=50$ Stück C produziert werden.

Der zusätzliche Deckungsbeitrag beträgt:

$$50\cdot8\,€=400\,€$$

Damit sind die 200 zusätzlichen ZE höchstens $400\,€:200\,ZE=2\,€/ZE$ wert, wenn die Erweiterung den Gesamtdeckungsbeitrag noch erhöhen soll.

Gut zu wissen

Die 2 €/ZE gelten nur für die betrachteten 200 zusätzlichen ZE. Bei einer größeren Erweiterung kann die Absatzhöchstmenge von C erreicht werden. Danach wäre ein anderes Produkt maßgeblich und der Wert weiterer Kapazität könnte sich ändern.

Die Rechnung liefert außerdem keine automatische Entscheidung für jede reale Situation. Zu beachten sind unter anderem:

  • Absatzhöchstmengen und tatsächlich vorhandene Nachfrage,
  • Kundenwünsche oder bereits festgelegte Aufträge,
  • Qualität und strategische Bedeutung eines Produkts,
  • Beschäftigungs- und Personalfolgen,
  • Änderungen von Preisen, variablen Kosten oder Engpasszeiten,
  • mehrere gleichzeitig auftretende Engpässe.
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Frage 1 von 1SchwerDer Stückdeckungsbeitrag von C steigt von 8 € auf 22 €, während sein Engpassbedarf bei 4 ZE bleibt. Wie verändert sich seine Position?
Lösung: Sein relativer DB steigt auf 5,50 €/ZE; C rückt vor A, bleibt aber hinter D. — $22\,€:4\,ZE=5{,}50\,€/ZE$. Damit liegt C über A mit 5 €/ZE, aber unter D mit 7,50 €/ZE.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Relativer Deckungsbeitrag
    • Voraussetzung: genau ein Engpass
    • Berechnung: Stückdeckungsbeitrag durch Engpassbedarf
    • Rangfolge: höchster Wert zuerst
    • Kapazitätszuteilung: Absatzgrenzen beachten
    • Sensitivität: Preise, Kosten und Zeiten können den Rang ändern
    • Grenzen: Nachfrage, Kundenwünsche, Strategie und weitere Engpässe
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas misst ein relativer Deckungsbeitrag von 5 €/ZE?
Lösung: Das Produkt liefert 5 € Deckungsbeitrag je verbrauchter Engpasseinheit. — Die Einheit €/ZE zeigt unmittelbar, dass eine knappe Kapazitätseinheit den Bezugspunkt bildet.
Frage 2 von 3MittelProdukt X erzielt 36 € Stückdeckungsbeitrag bei 3 Engpassstunden. Produkt Y erzielt 28 € bei 2 Stunden. Welches Produkt steht vorn?
Lösung: Produkt Y, weil $28:2=14\,€/h$ größer als $36:3=12\,€/h$ ist. — Teile bei beiden Produkten den Stückdeckungsbeitrag durch dieselbe Art von Engpasseinheit. Erst dann sind die Werte vergleichbar.
Frage 3 von 3SchwerEine zweite Anlage wird ebenfalls knapp. Darfst du das bisherige Programm unverändert nur nach dem relativen DB der ersten Anlage ordnen?
Lösung: Nein. Bei mehreren Engpässen muss ihr gemeinsamer Einfluss berücksichtigt werden; die einfache Rangfolge genügt nicht. — Positive Stückdeckungsbeiträge ersetzen keine Prüfung der Kapazitätsbedingungen. Bei mehreren Engpässen ist lineare Optimierung erforderlich.

Du beherrschst das Verfahren, wenn du zuerst den Engpass prüfst, anschließend Beiträge je Engpasseinheit vergleichst und die Kapazität unter Beachtung der Absatzgrenzen verteilst.

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