Stell dir einen Frosch am Teichrand vor: Als Kaulquappe hat er wie ein Fisch im Wasser gelebt und mit Kiemen geatmet – jetzt sitzt er mit vier Beinen an Land und schnappt nach Mücken. Genau dieser Wechsel zwischen Wasser und Land macht Amphibien so besonders. Wenn du dieses Kapitel durchgearbeitet hast, kannst du erklären, warum Amphibien ein „Doppelleben" führen, welche drei großen Gruppen es gibt und warum ihre nackte Haut zugleich ihre größte Stärke und ihre größte Schwäche ist.
Was sind Amphibien?
Amphibien – auf Deutsch auch Lurche genannt – sind wechselwarme Wirbeltiere, die einen Teil ihres Lebens im Wasser und einen Teil an Land verbringen. Der Name kommt aus dem Altgriechischen: amphíbios bedeutet „doppellebig". Weltweit sind heute rund 9.000 Amphibienarten bekannt.
Amphibien gehören zu den Wirbeltieren, besitzen also eine Wirbelsäule aus Knochen. Zusammen mit Reptilien, Vögeln und Säugetieren bilden sie die Landwirbeltiere. Innerhalb dieser Gruppe gelten die Amphibien als besonders ursprünglich, denn sie sind für ihre Fortpflanzung fast immer auf Wasser angewiesen.
Merke: Amphibien führen ein Doppelleben – ihre Larven leben im Wasser, die erwachsenen Tiere meist an Land.
Wechselwarm: abhängig von der Umgebungstemperatur
Amphibien sind wechselwarm (auch wechselwarm oder poikilotherm genannt). Das heißt: Ihr Körper erzeugt kaum eigene Wärme, sondern ihre Körpertemperatur richtet sich nach der Temperatur der Umgebung. Ist es draußen warm, sind sie aktiv; wird es kalt, werden sie träge.
Deshalb fallen Amphibien im Winter in eine Winterstarre. Sie verkriechen sich frostfrei unter Laub, in Erdlöchern oder am Grund von Gewässern und fahren ihren Stoffwechsel fast auf null herunter, bis es im Frühling wieder wärmer wird.
Tipp: Verwechsle „wechselwarm" nicht mit „kaltblütig". Das Blut eines Frosches ist nicht immer kalt – es hat einfach dieselbe Temperatur wie seine Umgebung.
Die Haut – Atmungsorgan und Schutzschild
Die Haut der Amphibien ist dünn, nackt und feucht. Sie hat keine schützenden Schuppen wie bei Reptilien und kein Fell wie bei Säugetieren. Das hat einen großen Vorteil und einen großen Nachteil.
- Vorteil – Hautatmung: Amphibien können einen Teil des Sauerstoffs direkt über die feuchte Haut aufnehmen. Der Sauerstoff wird im Hautschleim gelöst und gelangt so ins Blut. Manche Molche atmen sogar fast ausschließlich über die Haut.
- Schutz durch Drüsen: In der Haut sitzen Schleimdrüsen, die sie feucht halten, und Giftdrüsen, die Fressfeinde abschrecken. Die Warzen einer Kröte sind solche Drüsen, keine Krankheit.
- Nachteil – Austrocknung: Weil die feuchte Haut ständig Wasser verdunstet, dürfen Amphibien nie ganz austrocknen. Deshalb sind sie an feuchte Lebensräume gebunden und oft nachts aktiv, wenn die Luft kühler und feuchter ist.
Merke: Über die feuchte Haut atmen Amphibien mit – deshalb müssen sie sie immer feucht halten und dürfen nicht austrocknen.
Die drei großen Gruppen der Amphibien
Alle heute lebenden Amphibien lassen sich in drei Gruppen einteilen. Sie unterscheiden sich vor allem im Körperbau und in der Fortbewegung.
| Gruppe | Fachname | Beispiele | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Froschlurche | Anura | Frosch, Kröte, Unke | kein Schwanz als erwachsenes Tier, lange Sprungbeine |
| Schwanzlurche | Urodela | Molch, Salamander | behalten ihren Schwanz, vier etwa gleich lange Beine |
| Schleichenlurche | Gymnophiona | Blindwühlen | wurmförmig, ohne Beine, leben grabend im Boden |
Die Froschlurche sind die größte und bekannteste Gruppe. Als erwachsene Tiere haben sie keinen Schwanz und bewegen sich springend fort. Die Schwanzlurche wie der Feuersalamander behalten ihr Leben lang einen Schwanz und schlängeln sich schwimmend oder schreitend fort. Die Schleichenlurche leben bei uns nicht – sie sehen aus wie Regenwürmer und wühlen sich durch tropische Böden.
Beispiel: Woran erkennst du, ob ein Tier ein Frosch- oder ein Schwanzlurch ist? Hat das erwachsene Tier einen deutlichen Schwanz (wie ein Molch), ist es ein Schwanzlurch. Fehlt der Schwanz und hat es kräftige Sprungbeine (wie ein Frosch), ist es ein Froschlurch.
Fortpflanzung und Metamorphose
Der spannendste Teil im Leben eines Amphibiums ist die Metamorphose – die vollständige Umwandlung von der Larve zum erwachsenen Tier. Sie läuft am Beispiel des Frosches Schritt für Schritt so ab:
Beispiel: Vom Ei zum Frosch
- Laich: Im Frühling legt das Weibchen im Wasser Hunderte von Eiern ab, den sogenannten Laich. Eine Gallerthülle schützt die Eier.
- Kaulquappe: Aus jedem Ei schlüpft eine Kaulquappe. Sie lebt vollständig im Wasser, atmet mit Kiemen wie ein Fisch und hat einen Ruderschwanz, aber noch keine Beine.
- Umbau: Nach und nach wachsen zuerst die Hinterbeine, dann die Vorderbeine. Aus den Kiemen entwickeln sich Lungen, der Darm baut sich für tierische Nahrung um.
- Jungfrosch: Der Schwanz bildet sich zurück. Am Ende verlässt ein kleiner, lungenatmender Frosch das Wasser und lebt an Land.
Weil die Eier keine feste Schale haben und die Larven Kiemen tragen, ist die Fortpflanzung an Wasser gebunden. Ohne Gewässer gibt es keinen Nachwuchs – das ist der wichtigste Grund, warum Amphibien so empfindlich auf das Austrocknen von Teichen und Tümpeln reagieren.
Merke: Bei der Metamorphose wird aus der kiemenatmenden Wasserlarve ein lungenatmendes Landtier.
Ernährung und Jahreslauf
Erwachsene Amphibien sind Fleischfresser. Sie fressen Insekten, Würmer, Schnecken und andere kleine Tiere. Frösche schnappen ihre Beute oft mit einer blitzschnellen, klebrigen Zunge. Kaulquappen dagegen ernähren sich zunächst meist pflanzlich, zum Beispiel von Algen.
Das Amphibienjahr folgt den Jahreszeiten:
- Frühling: Nach der Winterstarre wandern die Tiere zu ihrem Laichgewässer. Diese Amphibienwanderung findet oft in feuchten Nächten statt.
- Sommer: Aus dem Laich entwickeln sich Larven, die ihre Metamorphose durchlaufen.
- Herbst/Winter: Die Tiere suchen ein frostfreies Winterquartier und fallen in die Winterstarre.
Warum Amphibien Schutz brauchen
Amphibien gehören zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen. Ihre empfindliche Haut nimmt Schadstoffe leicht auf, und sie brauchen sowohl saubere Gewässer zum Laichen als auch Landlebensräume. Werden Feuchtgebiete trockengelegt, Teiche zugeschüttet oder Straßen durch ihre Wandergebiete gebaut, verschwinden ganze Bestände.
Bei der Frühjahrswanderung werden viele Tiere auf Straßen überfahren. Deshalb errichten Naturschützer Krötenzäune und Amphibientunnel, die die Tiere sicher über die Straße leiten. Weil Amphibien so empfindlich reagieren, gelten sie außerdem als Zeigerarten: Wo es ihnen gut geht, ist meist der ganze Lebensraum gesund.
Zusammenfassung
- Amphibien (Lurche) sind wechselwarme Wirbeltiere mit einem Doppelleben zwischen Wasser und Land.
- Sie sind wechselwarm und halten deshalb im Winter eine Winterstarre.
- Ihre dünne, feuchte Haut dient der Hautatmung und trägt Schleim- und Giftdrüsen, kann aber leicht austrocknen.
- Es gibt drei Gruppen: Froschlurche, Schwanzlurche und Schleichenlurche.
- Bei der Metamorphose wird aus der kiemenatmenden Larve ein lungenatmendes Landtier; die Fortpflanzung ist an Wasser gebunden.
- Erwachsene Amphibien sind Fleischfresser und stark durch Lebensraumverlust bedroht – Krötenzäune und der Schutz von Gewässern helfen ihnen.
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