Biologie

Systematik der Tiere: Verwandtschaft verstehen

Systematik der Tiere: Verwandtschaft verstehen
Systematik der Tiere: Verwandtschaft verstehen
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Die Systematik ordnet Tiere, benennt sie eindeutig und untersucht ihre Verwandtschaft. Moderne Systematik fragt deshalb nicht nur: „Welche Tiere sehen ähnlich aus?“, sondern auch: „Welche Tiere haben gemeinsame Vorfahren?“

Auf dieser Seite lernst du die klassische Rangfolge kennen und liest einfache Verwandtschaftsbäume. Außerdem erfährst du, warum einzelne Merkmale für eine sichere Einordnung oft nicht ausreichen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum ordnet die Biologie Tiere?

Im Alltag ordnen Menschen Tiere zum Beispiel nach Größe, Lebensraum oder Nützlichkeit. Solche Gruppen können praktisch sein, zeigen aber nicht unbedingt biologische Verwandtschaft.

Definition

Systematik

Die Systematik ist das biologische Fachgebiet, das Lebewesen einteilt, benennt und identifiziert. Die moderne Systematik versucht außerdem, ihre Stammesgeschichte und ihre evolutionäre Verwandtschaft zu rekonstruieren.

Vielzellige Tiere heißen auch Metazoa. Sie gehören zu den Eukaryoten, also zu den Lebewesen mit einem echten Zellkern. Tierzellen besitzen keine Zellwand und keine Chloroplasten. Trotzdem reicht kein einzelnes leicht sichtbares Merkmal aus, um ausnahmslos jedes Tier sicher zu erkennen.

Beispiel

Ein Wal, ein Hai und ein Pinguin leben im Wasser und haben eine stromlinienförmige Körperform. Der gemeinsame Lebensraum macht sie aber nicht zu einer engen Verwandtschaftsgruppe. Für ihre systematische Einordnung müssen weitere Merkmale und ihre Abstammung untersucht werden.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aufgabe gehört zur modernen biologischen Systematik?
Lösung: Tiere einordnen und ihre Verwandtschaft untersuchen — Moderne Systematik verbindet Einteilung und Benennung mit der Untersuchung gemeinsamer Abstammung.
Wie funktioniert die klassische Rangfolge?

Die klassische Systematik ordnet Lebewesen in ineinander liegende Gruppen. Von der größten zur kleinsten Einheit lautet die schulische Rangfolge:

Reich → Stamm → Klasse → Ordnung → Familie → Gattung → Art

Der Merksatz „Rosa Schweinchen kämpfen ohne Furcht gegen Alligatoren“ hilft dir bei der Reihenfolge. Die Anfangsbuchstaben stehen für Reich, Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung und Art.

Merke

Je weiter du in der Rangfolge nach rechts gehst, desto kleiner und genauer wird die Gruppe. Die Art ist hier die kleinste systematische Einheit.

Vollständiges Beispiel: das Eichhörnchen

Beispiel

Das Eichhörnchen wird von der großen zur kleinen Gruppe eingeordnet:

  1. Reich: Tierreich
  2. Stamm: Chordatiere
  3. Klasse: Säugetiere
  4. Ordnung: Nagetiere
  5. Familie: Hörnchen
  6. Gattung: Sciurus
  7. Art: Sciurus vulgaris

Der entscheidende Gedanke: Jede kleinere Gruppe liegt innerhalb der vorherigen größeren Gruppe. Das Eichhörnchen ist also zugleich ein Tier, ein Chordatier, ein Säugetier und ein Nagetier.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Von der größten zur kleinsten Gruppe beginnt die Rangfolge mit dem . Auf die Klasse folgt die . Unmittelbar vor der Art steht die .

Lösungen: Lücke 1: Reich; Lücke 2: Ordnung; Lücke 3: Gattung. Prüfe die Reihenfolge: Reich, Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art.
Was bedeuten Gattung und Art?

Nahe verwandte Arten werden zu einer Gattung zusammengefasst. Die wissenschaftliche Bezeichnung einer Art verbindet den Gattungsnamen mit der Artbezeichnung, zum Beispiel Sciurus vulgaris.

Definition

Biologisches Artkonzept

Nach dem im Schulunterricht häufig verwendeten biologischen Artkonzept gehören Lebewesen zu derselben Art, wenn sie miteinander fruchtbare Nachkommen hervorbringen können.

Verschiedene, nahe verwandte Arten können manchmal ebenfalls gemeinsame Nachkommen haben. Diese Nachkommen sind in der Regel nicht fortpflanzungsfähig. Der Maulesel aus Pferd und Esel ist dafür ein Beispiel.

Das biologische Artkonzept ist nützlich, aber nicht universell anwendbar. Auch ein rein genetischer Grenzwert kann Arten nicht bei sämtlichen Tiergruppen eindeutig trennen. Biologinnen und Biologen müssen deshalb je nach Fall mehrere Merkmale und Daten gemeinsam beurteilen.

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Frage 1 von 1MittelZwei Tiere sehen ähnlich aus. Was lässt sich daraus sicher schließen?
Lösung: Ähnlichkeit ist ein Hinweis, aber für eine sichere Artzuordnung werden weitere Befunde benötigt. — Körpermerkmale können Verwandtschaft anzeigen. Eine zuverlässige Einordnung berücksichtigt jedoch mehrere Merkmale und gegebenenfalls genetische Daten.
Wie zeigen Merkmale Verwandtschaft?

Systematiker vergleichen äußere Merkmale, Organe, Anatomie und Erbgut. Besonders aussagekräftig sind Merkmale, die von einem gemeinsamen Vorfahren übernommen wurden.

Beispiel

Wolf, Rotfuchs und Hauskatze besitzen ausgeprägte, spitze Eckzähne. Das passt zu ihrer Einordnung bei den Raubtieren. Das Pferd besitzt dagegen große Zähne mit flachen Kronen zum Zermahlen pflanzlicher Nahrung und gehört zu den Unpaarhufern.

Der Vergleich zeigt zwei Ebenen:

  • Wolf und Fuchs sind nah verwandt.
  • Wolf und Katze sind näher miteinander verwandt als Wolf und Pferd.

Ein einzelnes Merkmal genügt trotzdem nicht. Weitere Körpermerkmale und genetische Daten können die Vermutung prüfen.

Definition

Synapomorphie

Eine Synapomorphie ist ein gemeinsames abgeleitetes Merkmal: Es entstand bei einem gemeinsamen Vorfahren und wurde an dessen Nachkommen weitergegeben. Solche Merkmale helfen, Abstammungsgruppen zu erkennen.

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Frage 1 von 1MittelWolf und Katze besitzen ähnliche spitze Eckzähne. Welche Auswertung ist fachlich angemessen?
Lösung: Das Merkmal unterstützt eine Verwandtschaftshypothese, die mit weiteren Daten geprüft wird. — Merkmale liefern Hinweise auf Verwandtschaft. Eine belastbare Einordnung entsteht durch den Vergleich mehrerer Merkmale und gegebenenfalls des Erbguts.
Wie liest du einen Verwandtschaftsbaum?

Ein Kladogramm ist ein verzweigtes Schaubild der angenommenen Abstammungsverhältnisse. Eine Verzweigung steht dafür, dass Linien auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgeführt werden.

Zwei Gruppen sind besonders nah verwandt, wenn ihr letzter gemeinsamer Vorfahr vergleichsweise jung ist. Entscheidend ist deshalb der Verzweigungspunkt, nicht die räumliche Nähe zweier Namen im Schaubild.

Definition

Monophylum

Ein Monophylum umfasst eine Stammart und sämtliche Nachkommen dieser Stammart. Die konsequent phylogenetische Systematik strebt solche vollständigen Abstammungsgruppen an.

Vögel und Krokodile besitzen einen jüngeren gemeinsamen Vorfahren als Krokodile und die übrigen traditionell zusammengefassten Reptilien. Dieses Beispiel zeigt einen Konflikt: Eine klassische Rangordnung kann auffällige Neuerungen wie den Vogelflug stark gewichten, während die Kladistik vollständige Abstammungsgemeinschaften abbilden will.

Auch die Bezeichnung wirbellose Tiere verlangt Vorsicht. Sie fasst Tiere danach zusammen, dass sie keine Wirbelsäule besitzen. Dieses fehlende Merkmal allein beweist aber nicht, dass etwa Insekten, Spinnen und Weichtiere eine einzige nahe Verwandtschaftsgruppe bilden.

Merke

In einem Kladogramm zählt die gemeinsame Verzweigung. Ähnliches Aussehen, derselbe Lebensraum oder das Fehlen eines Merkmals reichen allein nicht als Verwandtschaftsbeweis.

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Frage 1 von 2MittelWelche Gruppe erfüllt die Definition eines Monophylums?
Lösung: Ein gemeinsamer Vorfahr mit sämtlichen seinen Nachkommen — Ein Monophylum enthält den gemeinsamen Vorfahren und ausnahmslos alle seine Nachkommen.
Frage 2 von 2SchwerWarum ist „wirbellose Tiere“ keine sichere Bezeichnung für eine nahe Verwandtschaftsgruppe?
Lösung: Das gemeinsame Fehlen einer Wirbelsäule zeigt nicht automatisch einen jungen gemeinsamen Vorfahren an. — Systematische Verwandtschaft wird mit gemeinsamen abgeleiteten Merkmalen und Abstammung begründet, nicht allein mit einem fehlenden Merkmal.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Systematik der Tiere
    • Aufgaben
      • einordnen
      • benennen
      • identifizieren
    • Klassische Rangfolge
      • Reich bis Art
      • Gattung und Artname
    • Hinweise auf Verwandtschaft
      • Körpermerkmale
      • Anatomie
      • Erbgut
    • Kladistik
      • Verzweigungen
      • Synapomorphien
      • Monophyla
    • Grenzen einfacher Ordnung
      • ähnliches Aussehen
      • gleicher Lebensraum
      • fehlendes Einzelmerkmal
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Reihenfolge verläuft von einer größeren zu einer kleineren systematischen Gruppe?
Lösung: Klasse → Ordnung → Familie — Der passende Ausschnitt der Rangfolge lautet Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art.
Frage 2 von 3MittelEin unbekanntes Tier besitzt keine Wirbelsäule. Welche Aussage ist gerechtfertigt?
Lösung: Es kann als wirbellos bezeichnet werden, doch seine nähere Verwandtschaft ist damit noch nicht bestimmt. — „Wirbellos“ beschreibt zunächst nur das Fehlen einer Wirbelsäule. Für die Einordnung brauchst du weitere Merkmale und Abstammungsdaten.
Frage 3 von 3SchwerZwei Tiergruppen besitzen ein gemeinsames abgeleitetes Merkmal. Genetische Daten unterstützen denselben Stammbaum. Welche Schlussfolgerung ist am besten begründet?
Lösung: Beide Befunde stützen die Hypothese einer gemeinsamen Abstammung. — Übereinstimmende Befunde aus Merkmalen und Erbgut können eine Verwandtschaftshypothese stützen. Ein universeller Einzeltest für jede Art und Tiergruppe existiert jedoch nicht.

Du kannst Tiere nun auf zwei Arten betrachten: Die klassische Rangfolge zeigt ihre hierarchische Einordnung, während Kladogramme ihre angenommene gemeinsame Abstammung sichtbar machen. Für eine begründete Zuordnung vergleichst du mehrere Merkmale und verlässt dich nicht auf ein einziges auffälliges Kennzeichen.

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