Stell dir vor, du tauchst in einen See und öffnest die Augen: Überall gleiten Fische fast lautlos an dir vorbei, drehen blitzschnell ab und sind wieder weg. Kein einziger muss zum Luftholen auftauchen – sie leben ihr ganzes Leben unter Wasser. Wie schaffen sie das? In diesem Kapitel lernst du, woran du einen Fisch erkennst, wie er atmet, sich fortbewegt und fortpflanzt. Danach kannst du erklären, warum ein Fisch perfekt ans Leben im Wasser angepasst ist.
Was ist ein Fisch?
Ein Fisch ist ein im Wasser lebendes Wirbeltier, das mit Kiemen atmet. Ein Wirbeltier ist ein Tier mit einer knöchernen oder knorpeligen Wirbelsäule im Inneren des Körpers – genau wie du eine hast. Zu den Wirbeltieren gehören außer den Fischen auch Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere.
Fast alle Fische sind wechselwarm (auch „wechselwarm" oder „poikilotherm" genannt). Das bedeutet: Ihre Körpertemperatur passt sich der Temperatur des Wassers an. Ist das Wasser kalt, ist auch der Fisch kalt und bewegt sich langsamer. Fische müssen ihren Körper also nicht mit eigener Energie aufheizen – anders als du, dessen Temperatur immer ungefähr \(37\,\text{°C}\) beträgt.
Merke: Fisch = Wirbeltier + lebt im Wasser + atmet mit Kiemen + ist wechselwarm.
Der Körperbau eines Fisches
Der Körper eines typischen Fisches ist stromlinienförmig: vorne rund, hinten spitz zulaufend. Diese Form gleitet mit wenig Widerstand durchs Wasser – ähnlich wie die Spitze eines U-Boots oder eines Rennwagens.
Wichtige Körperteile sind:
- Schuppen: dünne, harte Plättchen, die den Körper wie Dachziegel überlappend bedecken und schützen.
- Schleimschicht: ein glitschiger Film über den Schuppen. Er macht den Fisch noch glatter und schützt vor Krankheitserregern.
- Flossen: die „Ruder" des Fisches (siehe unten).
- Seitenlinienorgan: ein feiner Streifen aus Sinneszellen an jeder Körperseite. Damit nimmt der Fisch Strömungen und Druckwellen im Wasser wahr und merkt, wenn sich etwas nähert – auch im Dunkeln.
- Schwimmblase: ein mit Gas gefülltes Organ im Bauchraum, mit dem der Fisch seinen Auftrieb regelt (siehe unten).
Tipp: Wenn du einen Fisch beschreiben sollst, gehe den Körper von vorne nach hinten durch: Kopf mit Maul und Augen, Kiemendeckel, Rumpf mit Flossen, Schwanz.
Die Flossen und die Fortbewegung
Fische bewegen sich vor allem durch seitliches Hin- und Herschlagen des Hinterkörpers und der Schwanzflosse – das ist ihr Antrieb. Die übrigen Flossen dienen zum Steuern und Stabilisieren.
| Flosse | Lage | Aufgabe |
|---|---|---|
| Schwanzflosse | ganz hinten | Antrieb (Vortrieb) |
| Rückenflosse | oben am Rücken | Stabilität, verhindert Kippen |
| Afterflosse | unten hinten | Stabilität |
| Brustflossen (Paar) | vorne seitlich | Steuern, Bremsen |
| Bauchflossen (Paar) | unten | Steuern, Höhe halten |
Beispiel: Will ein Fisch nach rechts abbiegen, stellt er seine rechte Brustflosse quer. Das Wasser bremst diese Seite ab, und der Fisch dreht nach rechts – so wie ein Ruderer, der auf einer Seite kräftiger zieht.
Atmung mit Kiemen
Auch Wasser enthält Sauerstoff – gelöst zwischen den Wassermolekülen. Fische holen sich diesen Sauerstoff mit ihren Kiemen, die hinter dem Kopf unter den Kiemendeckeln liegen.
So läuft die Kiemenatmung Schritt für Schritt ab:
- Der Fisch nimmt durchs Maul Wasser auf.
- Das Wasser strömt über die stark durchbluteten, fein gefiederten Kiemenblättchen.
- In den Kiemenblättchen wandert der Sauerstoff aus dem Wasser ins Blut, und das Kohlenstoffdioxid wandert aus dem Blut ins Wasser.
- Das Wasser verlässt den Körper wieder durch die Kiemenspalten unter den Kiemendeckeln.
Die Kiemenblättchen haben eine sehr große Oberfläche. Dadurch kann der Fisch trotz des geringen Sauerstoffgehalts im Wasser genug aufnehmen.
Merke: An den Kiemen tauscht der Fisch Gase: Sauerstoff rein ins Blut, Kohlenstoffdioxid raus ins Wasser.
Die Schwimmblase – schweben ohne Anstrengung
Damit ein Fisch nicht ständig gegen das Absinken oder Aufsteigen anschwimmen muss, besitzen die meisten Knochenfische eine Schwimmblase. Das ist ein Gassack im Bauchraum.
Füllt der Fisch mehr Gas in die Schwimmblase, wird er insgesamt „leichter" im Verhältnis zum Wasser und steigt. Lässt er Gas ab, sinkt er. Ist die Menge genau passend, schwebt der Fisch bewegungslos in einer Wassertiefe. Die Schwimmblase wirkt also wie eine eingebaute Schwimmweste, die er selbst regeln kann.
Beispiel: Ein Karpfen, der reglos knapp über dem Grund steht, hat gerade so viel Gas in der Schwimmblase, dass sein Auftrieb genau sein Gewicht ausgleicht. Er muss keine Flosse rühren.
Fortpflanzung: der Laich
Die meisten Fische pflanzen sich durch äußere Befruchtung fort. Dabei findet die Befruchtung außerhalb des Körpers im Wasser statt.
- Das Weibchen gibt viele Eier ins Wasser ab. Die Eier zusammen nennt man Laich.
- Das Männchen gibt darüber seine Samenzellen (die Milch) ab.
- Im Wasser verschmelzen Samenzelle und Eizelle – das Ei ist befruchtet.
- Aus den befruchteten Eiern schlüpfen kleine Larven, die zuerst noch von einem Dottersack ernährt werden.
Fische legen sehr viele Eier – oft Tausende. Der Grund: Viele Eier und Larven werden von Feinden gefressen, deshalb überleben nur wenige. Durch die große Zahl bleiben trotzdem genug übrig.
Merke: Bei der äußeren Befruchtung treffen Ei und Samenzelle erst im Wasser aufeinander – deshalb die riesige Zahl an Eiern.
Zwei große Fischgruppen
Fische lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen:
| Gruppe | Skelett | Beispiele |
|---|---|---|
| Knochenfische | aus Knochen, meist mit Schwimmblase | Forelle, Karpfen, Hering, Goldfisch |
| Knorpelfische | aus biegsamem Knorpel, ohne Schwimmblase | Haie, Rochen |
Die meisten Fische, die du kennst, sind Knochenfische. Knorpelfische wie Haie haben keine Schwimmblase; sie müssen schwimmen oder haben eine sehr fettreiche Leber, um nicht abzusinken.
Zusammenfassung
- Fische sind wechselwarme Wirbeltiere, die im Wasser leben und mit Kiemen atmen.
- Ihr stromlinienförmiger Körper mit Schuppen und Schleim gleitet leicht durchs Wasser.
- Die Schwanzflosse treibt an, die übrigen Flossen steuern und stabilisieren.
- An den Kiemen nimmt der Fisch Sauerstoff aus dem Wasser auf und gibt Kohlenstoffdioxid ab.
- Die Schwimmblase regelt den Auftrieb, sodass der Fisch schweben kann.
- Bei der äußeren Befruchtung gibt das Weibchen Laich ab, das Männchen die Samenzellen; befruchtet wird im Wasser.
- Man unterscheidet Knochenfische und Knorpelfische.
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