Pflanzen: Angepasstheit an Wasser und Standort
Pflanzen besitzen Merkmale, die unter bestimmten Standortbedingungen nützlich sind. Bei Trockenheit begrenzen etwa eine dicke Cuticula und eingesenkte Spaltöffnungen den Wasserverlust. Im Wasser helfen dagegen große luftgefüllte Räume beim Gastransport und beim Auftrieb.
Du lernst, solche Merkmale nicht nur aufzuzählen, sondern aus dem Standort zu erklären. Außerdem erfährst du, warum Angepasstheit über viele Generationen entsteht und nicht durch eine absichtliche Veränderung der einzelnen Pflanze.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wasser stellt Pflanzen vor unterschiedliche Aufgaben
Eine Landpflanze muss Kohlenstoffdioxid aufnehmen, verliert dabei aber Wasser. Der Austausch erfolgt unter anderem über Spaltöffnungen. Diese regulierbaren Poren können sich bei starker Sonneneinstrahlung und hoher Verdunstung schließen.
Unter Wasser ist die Lage anders: Wasser umgibt die Pflanze, doch der Gastransport und der Auftrieb werden wichtig. Deshalb ist nicht ein einziger Blattbau überall günstig.
Angepasstheit
Angepasstheit bezeichnet die Ausprägung von Merkmalen, die unter bestimmten Umweltbedingungen das Überleben und den Fortpflanzungserfolg begünstigen. Sie ist immer auf eine bestimmte Umwelt bezogen.
Frage bei jedem Merkmal: Welche Herausforderung besteht am Standort, wie wirkt das Merkmal und welchen möglichen Vorteil hat diese Wirkung?
So liest du den Grundbau eines Blattes
Um angepasste Blätter zu vergleichen, brauchst du einige Bauteile:
- Epidermis: Abschlussgewebe an der Ober- und Unterseite des Blattes.
- Cuticula: schützende Schicht auf der Epidermis.
- Spaltöffnungen: regulierbare Poren für den Gasaustausch.
- Mesophyll: Blattgewebe zwischen den Epidermisschichten. Es umfasst Palisaden- und Schwammparenchym.
- Leitbündel: Transportstrukturen aus Xylem und Phloem.
- Interzellularräume: Zwischenräume zwischen Zellen, die am Gastransport beteiligt sind.
Das im feuchten, gemäßigten Klima verbreitete bifaziale Flachblatt besitzt eine unterschiedlich gebaute Ober- und Unterseite. Davon lassen sich besondere Blatttypen abgrenzen: Bei einem äquifazialen Blatt sind beide Seiten ähnlich beschaffen. Ein unifaziales Blatt, etwa bei Schwertlilie oder Lauch, besitzt eine weitgehend reduzierte Blattoberseite.
Du siehst in einem Blattquerschnitt eine obere und eine untere Epidermis, Mesophyll sowie Leitbündel. Damit kannst du zunächst die Gewebe benennen. Erst danach deutest du Besonderheiten wie eine besonders dicke Cuticula oder große luftgefüllte Räume. So trennst du Beobachtung und Deutung.
Vier Pflanzentypen im Wasservergleich
Die Typen sind Modelle, mit denen sich typische Merkmalskombinationen vergleichen lassen.
| Pflanzentyp | Typischer Standort | Häufig genannte Merkmale |
|---|---|---|
| Hydrophyt | im Wasser oder an der Wasseroberfläche | zarte Epidermis, schwache Cuticula, große Interzellularräume beziehungsweise Aerenchym |
| Hygrophyt | ständig feuchter Landstandort | große Blattfläche, dünne Cuticula, häufig herausgehobene Spaltöffnungen |
| Mesophyt | mäßig feuchter Standort | Mittelstellung ohne ausgeprägten dauerhaften Verdunstungsschutz |
| Xerophyt | trockener oder zeitweise wasserarmer Standort | dicke Cuticula, geschützte Spaltöffnungen, verkleinerte oder eingerollte Blattfläche, teilweise Wasserspeicherung |
Hydrophyten: Leben im Wasser
Das Aerenchym ist ein Gewebe mit großen luftgefüllten Räumen. Es unterstützt den inneren Gastransport und bei Schwimmblättern den Auftrieb. Untergetauchte Blätter können ohne Spaltöffnungen auskommen und Stoffe über ihre Oberfläche austauschen. Bei Schwimmblättern liegen Spaltöffnungen auf der Oberseite, weil diese Kontakt zur Luft hat.
Hygrophyten: viel Wasser an Land
Hygrophyten leben nicht im Wasser, sondern an feuchten Landstandorten. Große Blätter, eine dünne Cuticula und herausgehobene Spaltöffnungen fördern die Transpiration. Die Pestwurz ist ein genanntes Beispiel.
Mesophyten: mittleres Wasserangebot
Mesophyten stehen zwischen Feucht- und Trockenpflanzen. Ihr Blattbau zeigt weder die starken Einrichtungen eines Hydrophyten noch einen durchgehenden, ausgeprägten Verdunstungsschutz wie bei vielen Xerophyten.
Bei der Buche überschneiden sich die Vergleichsmodelle: Sie kann wegen ihres mittleren Wasserangebots als Mesophyt betrachtet werden. Ihr Blattabwurf ist zugleich eine tropophytische Strategie, mit der sie eine ungünstige Jahreszeit überbrückt. Tropophyten sind an wechselnde feuchte und trockene beziehungsweise warme und kalte Zeiten angepasst.
Xerophyten: wenig verfügbares Wasser
Xerophyten begrenzen Wasserverluste oder erschließen und speichern Wasser. Typische Möglichkeiten sind:
- eine dicke Cuticula und Wachsüberzüge,
- eingesenkte Spaltöffnungen,
- eingerollte, gefaltete oder reduzierte Blätter,
- eine windstille Schicht aus Haaren,
- tiefe Wurzeln,
- Wasserspeicherung in Blättern, Sprossen oder Wurzeln.
Sukkulenz bedeutet Wasserspeicherung in Gewebe. Beim Mauerpfeffer speichern verdickte Blätter Wasser; Kakteen sind dagegen Stammsukkulenten und besitzen zu Dornen umgebildete Blätter.
Vom Merkmal zur Funktion denken
Eine gute biologische Erklärung besteht aus einer Kette:
- Standortbedingung nennen: zum Beispiel Trockenheit.
- Problem ableiten: Die Pflanze kann verlorenes Wasser nur begrenzt ersetzen.
- Merkmal beschreiben: Die Spaltöffnungen liegen eingesenkt.
- Wirkung erklären: Der Luftaustausch direkt an den Öffnungen wird abgeschwächt.
- Vorteil einordnen: Der Wasserverlust kann sinken.
Beobachtung: Ein Oleanderblatt besitzt eine dicke Cuticula, tief zurückgezogene Spaltöffnungen und eingerollte Bereiche.
Deutung: Die Merkmale schützen die Austauschflächen und verringern den Kontakt mit bewegter Außenluft. Dadurch wird die Verdunstung begrenzt.
Standortbezug: Diese Kombination passt zu einem trockenen, stark sonnigen Standort, an dem Wasserverlust gefährlich werden kann.
Kein einzelnes Merkmal genügt immer für eine sichere Zuordnung. Eine große Blattfläche kann ein Hinweis auf einen feuchten Standort sein; für eine belastbare Deutung solltest du aber weitere Merkmale und den Fundort berücksichtigen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei Trockenheit kann eine Cuticula den Verdunstungsschutz unterstützen. Tief Spaltöffnungen passen häufig zu Xerophyten. Ein enthält große luftgefüllte Räume und unterstützt Wasserpflanzen beim Gastransport und Auftrieb.
Angepasstheit entsteht über Generationen
Eine einzelne Pflanze bildet nicht absichtlich ein nützliches erbliches Merkmal aus. Evolutionäre Angepasstheit entsteht in Populationen über viele Generationen:
- Individuen einer Population unterscheiden sich in ihren Merkmalen.
- Ein Teil dieser Unterschiede beruht auf erblichen Anlagen.
- Unter bestimmten Umweltbedingungen kommen manche Merkmalsträger besser zurecht.
- Sie können im Durchschnitt mehr fortpflanzungsfähige Nachkommen hinterlassen.
- Ihre erblichen Anlagen werden dadurch in späteren Generationen häufiger.
Diesen Prozess nennt man natürliche Selektion. Die Umwelt erzeugt nicht zielgerichtet das benötigte Merkmal. Sie beeinflusst, welche bereits vorhandenen erblichen Varianten einen höheren Fortpflanzungserfolg haben.
In einer Pflanzenpopulation unterscheiden sich die Blätter etwas in der Dicke ihrer Cuticula. Wird der Standort über viele Generationen trockener, können Pflanzen mit stärkerem Verdunstungsschutz häufiger erfolgreich Nachkommen bilden. Dann kann der Anteil entsprechender erblicher Anlagen in der Population steigen.
Das bedeutet nicht, dass eine einzelne Pflanze wegen der Trockenheit beschließt, eine dickere Cuticula zu vererben.
Einen Blattvergleich durchführen
Beim Vergleich unbekannter Blätter hilft dieses Vorgehen:
- Strukturen benennen: Epidermis, Cuticula, Mesophyll, Leitbündel, Spaltöffnungen und erkennbare Interzellularräume.
- Unterschiede beschreiben: zum Beispiel dick oder dünn, eingesenkt oder herausgehoben, große oder kleine Lufträume.
- Wirkungen erklären: Verdunstungsschutz, Gasaustausch, Wasserspeicherung, Auftrieb oder Standfestigkeit.
- Standortbezug herstellen: trocken, feucht an Land, mäßig feucht oder im Wasser.
- Deutung begrenzen: Formuliere bei unvollständigen Angaben eine begründete Vermutung statt einer angeblichen Gewissheit.
Blatt A: dünne Cuticula, große Blattfläche, herausgehobene Spaltöffnungen.
Blatt B: dicke Cuticula, eingesenkte Spaltöffnungen, eingerollte Blattbereiche.
Blatt A passt eher zu einem Hygrophyten: Die Merkmale fördern den Gasaustausch und die Transpiration am feuchten Landstandort. Blatt B passt eher zu einem Xerophyten: Seine Merkmale begrenzen die Verdunstung an einem trockenen Standort.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Angepasstheit von Pflanzen
- Wasserstandort: Hydrophyten mit Aerenchym und schwacher Cuticula
- Feuchter Landstandort: Hygrophyten mit großen Blättern und dünner Cuticula
- Mittleres Wasserangebot: Mesophyten als Mittelstellung
- Trockenstandort: Xerophyten mit Verdunstungsschutz, Speicherung oder tiefen Wurzeln
- Blattvergleich: Struktur beobachten, Wirkung erklären, Standort zuordnen
- Evolution: erbliche Variation, Selektion und unterschiedlicher Fortpflanzungserfolg
Abschluss-Check
Prüfe deine Antworten mit drei Fragen: Was beobachte ich? Wie wirkt das Merkmal? Warum kann diese Wirkung an diesem Standort vorteilhaft sein? Wenn du zusätzlich erklären kannst, wie sich ein erbliches Merkmal über Generationen verbreitet, hast du Blattbau, Standort und Evolution miteinander verbunden.
Mit Google fortfahren