Biodiversität: Vielfalt verstehen und schützen
Biodiversität ist die Vielfalt des Lebens. Sie umfasst die genetischen Unterschiede innerhalb einer Art, die Vielfalt der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme. Artenzahl allein reicht deshalb nicht aus, um Biodiversität zu beschreiben.
Hier lernst du, wie die drei Ebenen zusammenwirken, warum Menschen von ihnen abhängen und wie du Schutzmaßnahmen begründet beurteilst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Die drei Ebenen der Biodiversität
Stell dir eine Streuobstwiese vor: Dort wachsen unterschiedliche Obstsorten, leben zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten und wirken Boden, Wasser, Licht sowie Lebewesen zusammen. Um ihre Biodiversität vollständig zu beschreiben, musst du drei Ebenen betrachten.
Genetische Vielfalt
Genetische Vielfalt bezeichnet Unterschiede im Erbgut innerhalb einer Art. Verschiedene Apfelsorten gehören beispielsweise zu einer größeren Fortpflanzungsgemeinschaft, besitzen aber unterschiedliche genetisch bedingte Merkmale.
Genetische Vielfalt erhöht die Chance, dass einige Individuen einer Population mit Krankheiten oder veränderten Umweltbedingungen besser zurechtkommen. Das bedeutet nicht, dass jedes einzelne Lebewesen automatisch widerstandsfähiger ist.
Artenvielfalt
Artenvielfalt beschreibt, wie viele unterschiedliche Arten in einem Gebiet vorkommen. Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen werden dabei berücksichtigt.
Ökosystemvielfalt
Ökosystemvielfalt ist die Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume und ihrer Wechselwirkungen. Zu einem Ökosystem gehören Lebewesen, unbelebte Umweltfaktoren sowie Stoff- und Energieflüsse.
Eine Wiese, eine Aue und ein Wald bieten unterschiedliche Bedingungen. Ein spezialisierter Wattwurm kann daher nicht einfach in einem artenreichen Regenwald leben. Viele Arten an einem ungeeigneten Ort ersetzen seinen benötigten Lebensraum nicht.
Biodiversität bedeutet Vielfalt innerhalb der Arten, zwischen den Arten und zwischen den Ökosystemen.
Wie die drei Ebenen zusammenwirken
Warum genügt es nicht, einfach viele Arten zu zählen? Die drei Ebenen erfüllen unterschiedliche Aufgaben und können einander nicht ersetzen.
Eine Art mit geringer genetischer Vielfalt kann gegenüber einer Krankheit besonders anfällig sein. Umgekehrt ersetzen viele genetisch verschiedene Individuen weniger Arten nicht: Wenn wichtige Organismen für Bestäubung, Samenverbreitung oder Abbau fehlen, bleiben ökologische Funktionen unbesetzt.
Auch der Lebensraum zählt. Arten benötigen passende Nahrung, Temperaturen, Böden und Beziehungen zu anderen Lebewesen. Wird ein Ökosystem zerstört oder stark verändert, können spezialisierte Arten verschwinden, obwohl anderswo artenreiche Gebiete erhalten bleiben.
In einer Pflanzengemeinschaft wachsen manche Arten früh im Jahr, andere später. Flachwurzler erschließen obere, Tiefwurzler tiefere Bodenschichten. Hoch und niedrig wachsende Pflanzen nutzen das Licht unterschiedlich.
Weil die Arten Ressourcen zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten nutzen, ergänzen sie sich. Im Jena-Experiment wurden Pflanzengemeinschaften mit unterschiedlich vielen Arten unter vergleichbaren Bedingungen untersucht. Artenreichere Wiesen speicherten mehr Kohlenstoff und Stickstoff im Boden. Auch vielfältigere Bodengemeinschaften konnten mehr Biomasse verwerten.
Das Beispiel zeigt einen Mechanismus: Vielfalt kann die Ressourcennutzung ergänzen. Daraus folgt jedoch nicht, dass in jeder Situation allein eine hohe Artenzahl jede Störung verhindert.
Was Biodiversität für Menschen leistet
Menschen sind Teil der Natur und hängen von funktionierenden Ökosystemen ab. Deren Beiträge werden Ökosystemleistungen genannt.
Ökosystemleistungen
Ökosystemleistungen sind Beiträge von Ökosystemen zum menschlichen Leben und Wohlergehen. Dazu gehören bereitgestellte Güter, regulierende Prozesse, Lebensräume sowie Erholung und kulturelle Bedeutung.
Beispiele sind:
- Versorgung: Nahrung, Wasser, Rohstoffe und medizinisch nutzbare Wirkstoffe
- Regulation: Kohlenstoffspeicherung sowie Schutz vor Hochwasser, Erosion oder anderen Umweltgefahren
- Lebensraum: Rückzugs-, Fortpflanzungs- und Entwicklungsräume für Organismen
- Erholung und Wohlbefinden: Naturerfahrung, Ruhe und Heimatgefühl
Bestäubung und Samenverbreitung sind Funktionen, an denen verschiedene Tiere beteiligt sein können. Bakterien und Pilze bauen Biomasse um und halten dadurch Nährstoffe im Kreislauf. Wälder, Wiesen und Böden können Kohlenstoff speichern.
Der wirtschaftliche Nutzen ist nur ein Schutzargument. Biodiversität kann außerdem aus ethischen Gründen, zur Vorsorge und aus Verantwortung gegenüber künftigen Generationen geschützt werden. Da die Folgen des Verschwindens einzelner Arten oft nicht zuverlässig vorhersehbar sind, ist ein sicherer tolerierbarer Verlust kaum festzulegen.
Wie Biodiversität verloren geht
Biodiversitätsverlust betrifft nicht nur ausgestorbene Arten. Auch schrumpfende Populationen, abnehmende genetische Vielfalt und zerstörte oder voneinander getrennte Lebensräume gehören dazu.
Wichtige menschengemachte Treiber sind:
- Landnutzungsänderung und Lebensraumzerstörung: Lebensräume werden beseitigt, verkleinert oder stark verändert.
- Übernutzung: Bestände werden durch zu intensive Jagd, Fischerei oder andere Nutzung schneller verringert, als sie sich erholen können.
- Klimawandel: Veränderte Temperaturen und Wetterextreme verändern Lebensbedingungen.
- Verschmutzung: Dünger, Spritzmittel und andere Chemikalien belasten Boden, Wasser und Luft.
- Invasive Arten: Eingeschleppte Arten können heimische Arten verdrängen, besonders wenn regulierende Gegenspieler fehlen.
Diese Treiber können sich gegenseitig verstärken. Eine kleine, isolierte Population besitzt beispielsweise häufig weniger Möglichkeiten zum Genaustausch. Zusätzliche Umweltveränderungen können sie dann besonders stark belasten.
Wird eine artenreiche Wiese in eine Monokultur umgewandelt, sinken mehrere Ebenen der Biodiversität gleichzeitig: Andere Pflanzenarten verlieren Fläche, von ihnen abhängige Tiere und Bodenorganismen können zurückgehen, und der einheitliche Pflanzenbestand besitzt häufig nur geringe genetische Vielfalt.
Wie du Schutzmaßnahmen beurteilst
Es gibt nicht eine einzige Maßnahme, die jedes Biodiversitätsproblem löst. Drei grundlegende Ansätze sind Schutz, nachhaltige Nutzung und Wiederherstellung.
- Schutz soll noch intakte Lebensräume und ihre Funktionen erhalten.
- Nachhaltige Nutzung begrenzt die Nutzung so, dass natürliche Grundlagen langfristig bestehen bleiben.
- Wiederherstellung oder Renaturierung soll geschädigte Ökosysteme und ihre Prozesse wieder funktionsfähiger machen.
Eine Maßnahme kannst du mit vier Fragen prüfen:
- Wirkung: Welche Ebene der Biodiversität und welche Ursache erreicht sie?
- Zielkonflikt: Welche anderen Interessen, Nutzungen oder Rechte sind betroffen?
- Zeithorizont: Verhindert sie sofort weitere Schäden oder wirkt sie erst langfristig?
- Unsicherheit: Welche Wirkung ist belegt, und was muss weiter beobachtet werden?
Eine Landschaft enthält einen intakten Restlebensraum und eine angrenzende geschädigte Fläche.
Ein Schutzgebiet kann den verbliebenen Lebensraum kurzfristig vor weiteren Eingriffen sichern. Renaturierung kann auf der geschädigten Fläche langfristig ökologische Prozesse reaktivieren. Nachhaltige Nutzung im Umfeld kann den Nutzungsdruck verringern.
Die Ansätze verfolgen verschiedene Teilziele. Eine begründete Entscheidung prüft deshalb, ob eine Kombination sinnvoll ist. Sie berücksichtigt außerdem die lokale Bevölkerung sowie Menschen- und Landrechte. Ein politisch beschlossenes Programm ist dabei noch kein Beweis für seine tatsächliche Wirkung; diese muss beobachtet und ausgewertet werden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
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Abschluss-Check
Du hast das Thema verstanden, wenn du Biodiversität nicht mit Artenzahl gleichsetzt, Wirkungszusammenhänge erklären und Schutzvorschläge anhand nachvollziehbarer Kriterien beurteilen kannst.
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