Ökosystem einfach erklärt: Aufbau und Funktion
Ein Ökosystem besteht aus einem Lebensraum und der darin lebenden Lebensgemeinschaft. Beide beeinflussen einander: Licht, Wasser oder Boden wirken auf Lebewesen, während Lebewesen ihren Lebensraum verändern.
Auf dieser Seite lernst du, ein Ökosystem zu beschreiben, seine Bestandteile zuzuordnen und seine Veränderungen zu erklären.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie bilden Lebensraum und Lebewesen ein System?
Wenn du in einem Wald nur Boden, Wasser, Luft, Licht und Temperatur betrachtest, beschreibst du den Lebensraum. Erst der gemeinsame Blick auf den Lebensraum, die dort lebenden Organismen und ihre Beziehungen zeigt das Ökosystem.
Biotop
Das Biotop ist der Lebensraum mit seinen unbelebten Bestandteilen. Dazu gehören zum Beispiel Boden, Wasser, Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Biozönose
Die Biozönose ist die Lebensgemeinschaft der Organismen verschiedener Arten in einem Biotop. Zu ihr gehören unter anderem Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen.
Biotop und Biozönose bilden zusammen das Ökosystem. Entscheidend sind ihre Wechselwirkungen. Ein kleiner Tümpel kann ebenso als Ökosystem untersucht werden wie ein Wald. Die gesamte Biosphäre gilt als das größte Ökosystem.
In einem Wald gehören Boden, Licht, Temperatur und Wasser zum Biotop. Bäume, Farne, Rehe, Füchse, Pilze und Bakterien gehören zur Biozönose.
Der Zusammenhang wird sichtbar, wenn wenig Licht den Pflanzenwuchs am Waldboden begrenzt oder Laub zersetzt wird und dabei Stoffe wieder in den Boden gelangen.
Ökosystem = Biotop + Biozönose + ihre Wechselwirkungen.
Welche Faktoren wirken im Ökosystem?
Ein Umweltfaktor ist ein Einfluss aus der Umwelt, der auf Organismen wirkt. Dabei unterscheidest du unbelebte und belebte Einflüsse.
Abiotische Faktoren
Abiotische Faktoren sind Einflüsse der unbelebten Umwelt, zum Beispiel Licht, Temperatur, Wasser, Luftfeuchtigkeit, Sauerstoffgehalt und Bodenbeschaffenheit.
Biotische Faktoren
Biotische Faktoren entstehen durch andere Lebewesen. Dazu gehören Konkurrenz, Räuber-Beute-Beziehungen, Symbiose und Nahrungsbeziehungen.
Die Wirkungen verlaufen in mehrere Richtungen. Licht beeinflusst das Wachstum einer Pflanze. Die Pflanze bietet wiederum Nahrung und verändert durch ihren Schatten die Bedingungen für andere Organismen.
Auf einer trockenen, warmen Sandfläche können Arten gedeihen, die an Wassermangel und Hitze angepasst sind. Auf einem feuchten, schattigen Standort setzt sich eine andere Lebensgemeinschaft zusammen.
Auch innerhalb dieser Gemeinschaft wirken Organismen aufeinander: Pflanzen konkurrieren um Licht, Pflanzenfresser nutzen Pflanzen als Nahrung und Räuber erbeuten andere Tiere.
Die ökologische Nische beschreibt das Beziehungsgefüge einer Art zu den biotischen und abiotischen Bedingungen. Sie ist deshalb nicht einfach ein Wohnort. Die genauere Untersuchung von Toleranzbereichen und Konkurrenz gehört in eine Vertiefung zur ökologischen Nische.
Wie fließen Stoffe und Energie durch das System?
Organismen lassen sich nach ihrer Funktion im Nahrungsgefüge ordnen. Eine Art kann dabei in komplizierten Nahrungsnetzen an mehreren Beziehungen beteiligt sein.
Produzenten
Produzenten bauen aus anorganischen Stoffen organische Biomasse auf. Grüne Pflanzen und Algen nutzen dafür bei der Fotosynthese Lichtenergie.
Konsumenten
Konsumenten nehmen organische Stoffe als Nahrung auf. Pflanzenfresser fressen Produzenten; Fleischfresser nutzen andere Konsumenten als Nahrung.
Destruenten
Destruenten bauen tote Organismen, abgestorbene Pflanzenteile und Ausscheidungen ab. Besonders wichtig sind Pilze und Bakterien. Durch die Mineralisierung entstehen wieder anorganische Stoffe, die Produzenten nutzen können.
Manche Darstellungen unterscheiden zusätzlich zerkleinernde Destruenten wie Regenwürmer von mineralisierenden Reduzenten wie Pilzen und Bakterien. In anderen Darstellungen dient Destruenten als Oberbegriff für den gesamten Abbau.
Im Wald bauen Bäume und andere Pflanzen Biomasse auf. Ein Reh frisst Pflanzenteile und ist Konsument. Nach dem Absterben werden organische Reste unter anderem von Pilzen und Bakterien abgebaut. Anorganische Stoffe gelangen zurück in die unbelebte Umwelt und können erneut aufgenommen werden.
Stoffe können dabei mehrfach umgesetzt werden. Deshalb spricht man vereinfacht von einem Stoffkreislauf. Ökosysteme sind jedoch offen: Stoffe können hinein- oder hinausgelangen.
Energie kreist nicht. Sie gelangt vor allem als Lichtenergie in das System, wird umgewandelt und schließlich als energieärmere Wärme an die Umwelt abgegeben. Zu höheren Ernährungsstufen steht deshalb weniger nutzbare Energie zur Verfügung.
Stoffe können wiederverwendet werden. Energie fließt gerichtet durch das Ökosystem und wird nicht im Kreis geführt.
Warum sind Ökosysteme offen und dynamisch?
Ökosysteme sind offene Systeme. Organismen wandern, Wasser und Stoffe werden transportiert, und Energie wird aufgenommen und abgegeben. Daher besitzen Ökosysteme oft keine scharfen natürlichen Grenzen.
Wo ein Ökosystem endet, hängt auch von der Untersuchungsfrage ab. Du kannst einen zersetzenden Baumstumpf betrachten oder den ganzen Wald, in dem er liegt. Beide Abgrenzungen können sinnvoll sein, wenn du sie begründest.
Ökosysteme sind außerdem dynamisch: Populationen schwanken, Artenzusammensetzungen verändern sich und Umweltbedingungen wechseln. Ein scheinbar unveränderliches Gleichgewicht ist deshalb kein notwendiger Normalzustand.
Störung
Eine Störung ist ein äußerer Einfluss, der ein Ökosystem verändert. Beispiele sind Waldbrand, Sturmwurf oder Überflutung. In der Ökologie ist der Begriff zunächst wertneutral.
Wirkung und Einordnung hängen vom Maßstab ab. Das Abfressen ist für eine einzelne Pflanze eine starke Störung, kann für eine regelmäßig beweidete Wiese aber ein typischer Bestandteil des Systems sein. Manche Ökosysteme bleiben gerade durch wiederkehrende Störungen wie Mahd oder Überflutung erhalten.
Auch Stabilität hat verschiedene Bedeutungen. Resistenz bezeichnet ein geringes Ausmaß der Veränderung trotz Störung. Resilienz bezeichnet die Rückkehr in einen früheren Zustand nach einer Störung. Beides darf nicht mit völliger Unveränderlichkeit verwechselt werden.
Nach einem Waldbrand kann sich ein Wald langfristig wieder entwickeln. Das bedeutet nicht, dass sofort dieselben Arten in derselben Anzahl vorkommen. Ob du von einer Rückkehr sprichst, hängt davon ab, welche Struktur, Funktion und Zeitspanne du untersuchst.
Wie untersuchst du ein lokales Ökosystem?
Eine Felduntersuchung verbindet Beobachtungen zum Biotop mit Beobachtungen zur Biozönose. Sie soll vergleichbare Daten liefern, ohne Organismen oder Lebensräume unnötig zu schädigen.
- Lege die Frage fest. Beispiel: Unterscheiden sich ein schattiger und ein sonniger Wiesenabschnitt?
- Grenze die Flächen vergleichbar ab. Nutze möglichst gleich große Untersuchungsflächen und ähnliche Beobachtungszeiten.
- Erfasse abiotische Faktoren. Dazu können Licht, Temperatur, Bodenfeuchte oder Bodenmerkmale gehören.
- Dokumentiere Lebewesen. Notiere beobachtete Arten oder erkennbare Organismengruppen und mögliche Beziehungen.
- Arbeite schonend und sicher. Beschädige keine Lebensräume und entnimm geschützte oder unbekannte Organismen nicht unnötig. Beachte örtliche Regeln und sichere dich bei unbekannten oder gefährlichen Organismen ab.
- Vergleiche die Ergebnisse. Verknüpfe Unterschiede der Lebensgemeinschaft vorsichtig mit gemessenen Bedingungen.
- Begrenze deine Aussage. Eine Stichprobe beschreibt nur die untersuchten Flächen und Zeitpunkte, nicht automatisch das gesamte Ökosystem.
Du findest auf einer kleinen, schattigen Fläche mehr feuchtigkeitsliebende Pflanzen als auf einer gleich großen sonnigen Fläche. Zugleich misst du dort eine höhere Bodenfeuchte.
Du darfst festhalten, dass in deiner Stichprobe höhere Bodenfeuchte und das häufigere Auftreten dieser Pflanzen gemeinsam vorkamen. Du kannst daraus allein aber noch nicht beweisen, dass Bodenfeuchte die einzige Ursache ist. Auch Licht, Temperatur, Konkurrenz und Zufall können mitwirken.
Eine Stichprobe liefert begrenzte Hinweise. Gute Untersuchungen nennen Fläche, Zeitpunkt, Methode und mögliche weitere Einflussfaktoren.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Ökosystem
- Biotop: Boden, Wasser, Licht, Temperatur
- Biozönose: Pflanzen, Tiere, Pilze, Mikroorganismen
- Beziehungen: Nahrung, Konkurrenz, Symbiose
- Funktionen: Produktion, Konsum, Zersetzung
- Prozesse: Stoffkreislauf und Energiefluss
- Eigenschaften: offen, dynamisch, räumlich abgrenzbar
- Untersuchung: messen, beobachten, vergleichen, Aussage begrenzen
Abschluss-Check
Du hast den Kern verstanden, wenn du ein Beispiel in Biotop und Biozönose gliedern, ihre Wechselwirkungen erklären und zwischen Stoffkreislauf und Energiefluss unterscheiden kannst.
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