Ökologische Nische einfach erklärt
Eine ökologische Nische ist kein bestimmter Ort. Sie umfasst alle Ansprüche einer Art an ihre Umwelt, ihre Beziehungen zu anderen Lebewesen und die Art, wie sie Ressourcen nutzt.
Auf dieser Seite lernst du, eine Nische anhand von Umweltfaktoren zu beschreiben. Du unterscheidest außerdem Fundamental- und Realnische und erklärst, wie Konkurrenz zur Aufteilung von Ressourcen führen kann.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Lebensraum und Nische unterscheiden
Stell dir einen See vor, in dem Enten und Schwäne leben. Der See ist ihr Lebensraum. Daraus weißt du aber noch nicht, wo und wann sie Nahrung suchen, was sie fressen oder mit welchen Arten sie konkurrieren.
Ökologische Nische
Die ökologische Nische ist das Beziehungsgefüge zwischen einer Art und den für sie wichtigen Umweltfaktoren. Dazu gehören ihre Ansprüche, ihre Ressourcennutzung und ihre Wechselwirkungen mit anderen Lebewesen.
Ein Habitat oder Biotop bezeichnet dagegen den räumlichen Lebensbereich. Vereinfacht kannst du dir merken:
- Der Lebensraum beantwortet: Wo lebt die Art?
- Die ökologische Nische beantwortet: Unter welchen Bedingungen und auf welche Weise lebt die Art dort?
Zur Nische gehören beispielsweise Nahrung, Fressfeinde, Temperaturansprüche, Aktivitätszeiten, Nistplätze und die Weise der Nahrungssuche. Zwei Arten können deshalb im selben Lebensraum unterschiedliche Nischen haben.
Der Lebensraum ist der Ort. Die ökologische Nische beschreibt die Ansprüche, Beziehungen und Ressourcennutzung einer Art.
Biotische und abiotische Faktoren zuordnen
Um eine Nische zu beschreiben, untersuchst du sowohl die unbelebte als auch die belebte Umwelt.
Abiotische Faktoren
Abiotische Faktoren sind Einflüsse der unbelebten Umwelt, zum Beispiel Temperatur, Licht, Wasser, Luftfeuchtigkeit oder der pH-Wert.
Biotische Faktoren
Biotische Faktoren gehen von Lebewesen aus. Dazu zählen Nahrung, Beute, Fressfeinde, Parasiten und Konkurrenten.
Auch Eigenschaften und Verhaltensweisen der Art sind wichtig. Körperbau, Fortbewegung, Brutzeit oder Aktivitätszeit entscheiden mit darüber, welche vorhandenen Ressourcen die Art nutzen kann.
Ein Eichhörnchen nutzt den Kronenbereich von Bäumen, frisst dort pflanzliche Nahrung und kann dank seiner Kletterfähigkeit Äste erreichen. Temperatur und Wasser sind abiotische Einflüsse. Nahrung, Fressfeinde und Konkurrenten sind biotische Einflüsse. Das Klettern und das Anlegen von Vorräten sind Verhaltensweisen beziehungsweise Fähigkeiten des Eichhörnchens – keine abiotischen Faktoren.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Temperatur ist ein Faktor. Ein Fressfeind ist ein Faktor. Die Kletterfähigkeit eines Eichhörnchens ist eine .
Fundamentalnische und Realnische vergleichen
Eine Art könnte unter günstigen Bedingungen mehr Umweltbereiche und Ressourcen nutzen, als sie in der Natur tatsächlich nutzt. Deshalb werden zwei Nischenbegriffe unterschieden.
Fundamentalnische
Die Fundamentalnische ist der theoretisch mögliche Bereich, in dem eine Art aufgrund ihrer Eigenschaften und physiologischen Toleranzen leben und sich fortpflanzen könnte, wenn sie nicht durch zwischenartliche Konkurrenz eingeschränkt würde.
Realisierte Nische
Die realisierte Nische ist der unter natürlichen Bedingungen tatsächlich genutzte Teil. Biotische Einflüsse – besonders Konkurrenz – und die realen Umweltbedingungen können diesen Bereich einschränken.
Die Fundamentalnische beschreibt also eine Möglichkeit. Die realisierte Nische beschreibt die tatsächliche Nutzung in der Natur. Sie ist gewöhnlich nur ein Ausschnitt der Fundamentalnische.
Eine Pflanzenart verträgt theoretisch sonnige und halbschattige Standorte. An sonnigen Stellen wird sie jedoch von einer anderen Art verdrängt. In der Natur wächst sie deshalb vor allem im Halbschatten.
Der verträgliche Bereich aus Sonne und Halbschatten gehört zur Fundamentalnische. Der tatsächlich genutzte Halbschatten gehört zur realisierten Nische. Entscheidend ist hier die Einschränkung durch Konkurrenz.
Fundamental- und Realnische bestehen nicht nur aus einem einzigen Faktor. Temperatur, Feuchtigkeit, Nahrung und weitere Nischendimensionen wirken gemeinsam. Ein einzelner Toleranzbereich zeigt daher nur einen Ausschnitt der gesamten Nische.
Konkurrenz durch Nischendifferenzierung mindern
Nutzen zwei Arten dieselbe begrenzte Ressource auf dieselbe Weise, entsteht interspezifische Konkurrenz, also Konkurrenz zwischen verschiedenen Arten. Sie kann Wachstum, Überleben und Fortpflanzung beeinträchtigen.
Das Konkurrenzausschlussprinzip besagt: Arten mit gleichen ökologischen Nischen können nicht dauerhaft stabil im selben Lebensraum zusammenleben, wenn sie dieselben begrenzten Ressourcen nutzen. Langfristig wird eine Art verdrängt oder die Arten unterscheiden sich in ihrer Ressourcennutzung.
Nischendifferenzierung
Bei der Nischendifferenzierung teilen Arten Ressourcen nach Raum, Zeit oder Nutzungsweise auf. Dadurch überlappen ihre Nischen weniger und die Konkurrenz nimmt ab.
Die Aufteilung kann auf verschiedene Weise erfolgen:
- räumlich: Arten suchen an unterschiedlichen Orten nach Nahrung;
- zeitlich: Arten sind zu verschiedenen Tages- oder Jahreszeiten aktiv;
- funktionell: Arten nutzen unterschiedliche Nahrung, Techniken oder Anpassungen.
Enten und Schwäne können in demselben See Unterwasserpflanzen und Kleintiere fressen. Suchen sie ihre Nahrung in unterschiedlichen Bereichen des Sees, nutzen sie die gemeinsame Ressource räumlich verschieden. Die Nischen überlappen weniger, sodass beide Arten nebeneinander leben können.
Vollständige Trennung ist nicht immer nötig. Eine Überschneidung bei einer Ressource kann durch deutliche Unterschiede bei anderen Nischendimensionen ausgeglichen werden. Konkurrenz wird außerdem erst wirksam, wenn eine gemeinsam genutzte Ressource begrenzt ist.
Nischenbreite und Nischenmodell verstehen
Arten unterscheiden sich darin, wie viele Ressourcen sie nutzen können.
Nischenbreite
Die Nischenbreite beschreibt die Vielfalt der von einer Art genutzten Ressourcen, etwa Nahrung oder Nistplätze.
- Generalisten nutzen viele unterschiedliche Ressourcen und besitzen eine große Nischenbreite.
- Spezialisten sind auf wenige oder besondere Ressourcen ausgerichtet und besitzen eine geringe Nischenbreite.
Fällt ein Konkurrent aus, kann eine Art zusätzliche Ressourcen nutzen. Ihre realisierte Nische erweitert sich. Kommt ein neuer Konkurrent hinzu, kann die tatsächlich genutzte Nische enger werden und eine stärkere Spezialisierung entstehen.
Vertiefung: Die Nische als mehrdimensionaler Raum
Im Nischenmodell nach Hutchinson wird jeder wichtige Umweltfaktor als eigene Dimension betrachtet. Für einen einzelnen Faktor wie die Temperatur kannst du einen artspezifischen Toleranzbereich angeben. Innerhalb dieses Bereichs sind Überleben und Wachstum möglich; nahe dem Optimum sind die Bedingungen besonders günstig.
Nimmst du weitere Faktoren wie Feuchtigkeit, Bodenbeschaffenheit und Nahrung hinzu, entsteht gedanklich ein mehrdimensionaler Nischenraum. Er umfasst alle passenden Kombinationen der Faktoren, unter denen die Art überleben und sich fortpflanzen kann.
In der Praxis lässt sich eine vollständige Nische kaum erfassen, weil sehr viele Dimensionen zusammenwirken. Untersuchungen betrachten deshalb oft Teilnischen, zum Beispiel nur die Nahrungsnische.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Ökologische Nische
- beschreibt das Beziehungsgefüge
- Umweltansprüche
- Ressourcennutzung
- Wechselwirkungen
- umfasst Umweltfaktoren
- abiotische Faktoren
- biotische Faktoren
- hat zwei Betrachtungsebenen
- Fundamentalnische
- realisierte Nische
- wird durch Konkurrenz beeinflusst
- Verdrängung
- Nischendifferenzierung
- Nischenerweiterung
- unterscheidet Arten nach Nischenbreite
- Generalisten
- Spezialisten
- beschreibt das Beziehungsgefüge
Die ökologische Nische beschreibt nicht nur, wo eine Art lebt, sondern wie sie unter bestimmten Bedingungen lebt. Konkurrenz kann die tatsächlich genutzte Nische einschränken. Teilen Arten Ressourcen räumlich, zeitlich oder funktionell auf, können sie trotz eines gemeinsamen Lebensraums koexistieren.
Abschluss-Check
Prüfe deine Erklärung zum Schluss mit drei Fragen: Nennst du den Unterschied zwischen Ort und Beziehungsgefüge? Unterscheidest du Möglichkeit und tatsächliche Nutzung? Kannst du zeigen, welche Ressource räumlich, zeitlich oder funktionell aufgeteilt wird? Wenn alle drei Antworten klar sind, kannst du eine ökologische Nische begründet beschreiben.
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