Biomembran: Aufbau, Funktion und Transport
Eine Biomembran ist eine flexible, selektiv durchlässige Grenze aus einer Phospholipid-Doppelschicht, Proteinen und weiteren Bestandteilen. Sie trennt wässrige Räume, ermöglicht einen geregelten Stoffaustausch und nimmt Signale auf. Als äußere Begrenzung einer Zelle heißt sie Zellmembran oder Plasmamembran.
Auf dieser Seite leitest du den Aufbau der Membran aus den Eigenschaften ihrer Bausteine ab. Danach entscheidest du, auf welchem Weg verschiedene Stoffe eine Membran passieren.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum bildet sich eine Doppelschicht?
Zellen und viele Zellorganellen enthalten wässrige Räume. Damit diese Räume voneinander getrennt bleiben, braucht die Membran einen besonderen Grundbaustein: das Phospholipid.
Amphipathisches Phospholipid
Ein Phospholipid besitzt zwei unterschiedliche Bereiche: einen hydrophilen, also wasserliebenden Kopf und hydrophobe, also wassermeidende Schwänze. Ein Molekül mit einem hydrophilen und einem hydrophoben Bereich heißt amphipathisch.
In Wasser richten sich die hydrophilen Köpfe zu den wässrigen Räumen. Die hydrophoben Schwänze wenden sich vom Wasser ab und einander zu. So entsteht spontan eine Phospholipid-Doppelschicht:
- Außen liegen auf beiden Seiten die hydrophilen Köpfe.
- Im Inneren treffen die hydrophoben Schwänze aufeinander.
- Der hydrophobe Innenbereich wirkt als Barriere für viele wasserlösliche oder geladene Stoffe.
Stell dir ein Membranstück zwischen Zellplasma und Außenraum vor. Beide Räume enthalten Wasser. Eine Anordnung, bei der die Schwänze ins Wasser ragen, wäre ungünstig. In der Doppelschicht berühren die Köpfe das Wasser, während die Schwänze im Inneren geschützt liegen. Der Aufbau folgt also direkt aus den Eigenschaften der Phospholipide.
Hydrophile Köpfe zeigen zum Wasser, hydrophobe Schwänze zueinander. Dadurch trennt die Doppelschicht zwei wässrige Räume.
Wie erklärt das Flüssig-Mosaik-Modell den Aufbau?
Die Biomembran ist keine starre Wand. Das Flüssig-Mosaik-Modell beschreibt eine bewegliche Lipiddoppelschicht, in der verschiedene Proteine mosaikartig verteilt sind.
„Flüssig“ bedeutet: Viele Lipide und Proteine können sich seitlich in der Membran bewegen. Diese laterale Diffusion macht die Membran flexibel. Ihre Fluidität hängt unter anderem von der Temperatur, der Fettsäurezusammensetzung und bei tierischen Membranen vom Cholesterin ab.
„Mosaik“ bedeutet: Unterschiedliche Proteine übernehmen unterschiedliche Aufgaben.
- Integrale Proteine sind teilweise eingebettet oder durchspannen die Membran vollständig. Dazu gehören Kanäle, Transporter, Pumpen und Rezeptoren.
- Periphere Proteine liegen einer Membranseite auf, ohne die Doppelschicht zu durchdringen.
- Lipidverankerte Proteine sind über ein Lipid an der Membran befestigt.
Auf der Außenseite können Kohlenhydratketten sitzen:
- an Lipiden als Glykolipide,
- an Proteinen als Glykoproteine.
Diese Strukturen unterstützen Schutz, Zellerkennung und Kommunikation. Gemeinsam können sie Teil der Glykokalyx, einer kohlenhydratreichen Außenschicht, sein.
Ein Kanalprotein durchspannt die Membran und bildet einen Weg für bestimmte Teilchen. Ein Rezeptorprotein bindet dagegen ein passendes Signalmolekül. Beide sind Proteine im Membranmosaik, erfüllen aber verschiedene Funktionen.
Biomembranen sind asymmetrisch: Innen- und Außenseite besitzen nicht zwangsläufig dieselben Bestandteile. Kohlenhydratketten befinden sich beispielsweise auf der Außenseite der Zellmembran.
Welche Aufgaben erfüllt eine Biomembran?
Der Aufbau der Membran ermöglicht mehrere miteinander verbundene Funktionen.
Abgrenzung und Kompartimentierung
Kompartimentierung bedeutet, dass Membranen getrennte Reaktions- oder Speicherräume bilden. In diesen Räumen können unterschiedliche Bedingungen herrschen und verschiedene Prozesse gleichzeitig ablaufen. So umschließt etwa der Tonoplast die Vakuole einer Pflanzenzelle.
Selektiver Stoffaustausch
Die Membran ist selektiv permeabel oder semipermeabel: Manche Stoffe können sie leichter passieren als andere. Entscheidend sind unter anderem Größe, Polarität und Ladung eines Teilchens.
Signale und Zellkontakte
Rezeptoren binden passende Signalmoleküle und lösen eine Reaktion der Zelle aus. Kohlenhydratstrukturen unterstützen die Erkennung von Zellen. Spezialisierte Verbindungen können Nachbarzellen außerdem mechanisch verbinden, abdichten oder einen direkten Austausch kleiner Teilchen ermöglichen.
Oberflächenvergrößerung
Ausstülpungen wie Mikrovilli vergrößern die Membranoberfläche. Im Darm steht dadurch mehr Fläche für die Aufnahme von Nährstoffen zur Verfügung.
Zwei Stoffwechselreaktionen benötigen unterschiedliche Bedingungen. Laufen sie in getrennten membranumhüllten Räumen ab, stören sie sich weniger. Die Membran grenzt die Räume ab, lässt aber einen geregelten Austausch ausgewählter Stoffe zu.
Wie gelangen Stoffe durch die Membran?
Prüfe bei einem Transportproblem drei Fragen:
- Kann der Stoff den hydrophoben Membrankern direkt passieren?
- Bewegt er sich entlang oder entgegen seinem Konzentrationsgefälle?
- Wird ein Protein oder unmittelbar Energie benötigt?
Ein Konzentrationsgefälle liegt vor, wenn ein Stoff auf einer Seite stärker konzentriert ist als auf der anderen.
| Transportweg | Membranprotein | Richtung | Energiezufuhr |
|---|---|---|---|
| Einfache Diffusion | nein | entlang des Konzentrationsgefälles | nein |
| Erleichterte Diffusion | Kanal oder Transporter | entlang des Konzentrationsgefälles | nein |
| Aktiver Transport | Pumpe oder Transporter | entgegen dem Konzentrationsgefälle | ja |
| Vesikeltransport | Membran bildet oder verschmilzt mit Vesikeln | nicht durch die Doppelschicht hindurch | ja |
Einfache Diffusion
Kleine unpolare Moleküle wie Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid können direkt durch die Lipiddoppelschicht diffundieren. Sie bewegen sich netto von hoher zu niedriger Konzentration.
Erleichterte Diffusion
Ionen und viele größere oder polare Stoffe benötigen einen hydrophilen Weg durch die Membran. Kanalproteine bilden Poren; Transporter binden passende Stoffe und verändern ihre Form. Der Transport bleibt passiv, wenn er entlang des Konzentrationsgefälles erfolgt.
Aktiver Transport
Beim aktiven Transport wird ein Stoff entgegen seinem Konzentrationsgefälle bewegt. Dafür ist Energie nötig. Eine Ionenpumpe kann ATP direkt verwenden. Beim sekundär aktiven Transport liefert ein zuvor aufgebauter Gradient die Energie für den gekoppelten Transport eines weiteren Stoffes.
Vesikeltransport
Bei der Endozytose umschließt die Membran Material und schnürt ein Vesikel ins Zellinnere ab. Bei der Exozytose verschmilzt ein Vesikel mit der Zellmembran und gibt seinen Inhalt nach außen ab. Beide Vorgänge benötigen Energie.
Ein Ion soll von einer niedrigen zu einer höheren Konzentration transportiert werden. Es kann den hydrophoben Membrankern nicht direkt passieren. Da es außerdem entgegen seinem Konzentrationsgefälle bewegt wird, reicht ein offener Kanal nicht aus. Benötigt wird ein aktiver Transport über ein geeignetes Protein unter Energieaufwand.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei der passiert ein geeigneter Stoff die Lipiddoppelschicht ohne Transportprotein. Ein Ion gelangt entlang seines Konzentrationsgefälles durch einen . Das ist eine Form der . Ein Transport entgegen dem Konzentrationsgefälle benötigt .
Wie leitest du den Transportweg in einer neuen Situation ab?
Ein Stoffname allein genügt oft nicht. Verbinde seine Eigenschaften mit dem Membranaufbau.
- Klein und unpolar: Direkter Weg durch die Lipiddoppelschicht ist möglich.
- Geladen, groß oder stark polar: Meist wird ein passendes Membranprotein benötigt.
- Entlang des Gefälles: Der Transport kann passiv erfolgen.
- Entgegen dem Gefälle: Der Transport ist aktiv und benötigt Energie.
- Großes Teilchen oder größere Stoffmenge: Ein Vesikeltransport kann nötig sein.
Transporter arbeiten spezifisch: Ein Stoff muss zu ihrer Bindungsstelle passen. Die Bindung kann eine Konformationsänderung, also eine Änderung der Proteinform, auslösen. Dadurch wird der gebundene Stoff auf die andere Membranseite gebracht.
Ein polares Zuckermolekül liegt außen in höherer Konzentration vor und soll nach innen gelangen. Weil es den hydrophoben Membrankern nicht gut direkt passiert, braucht es einen passenden Transporter. Da die Bewegung entlang des Konzentrationsgefälles erfolgt, handelt es sich um erleichterte Diffusion und nicht um aktiven Transport.
Das Flüssig-Mosaik-Modell erklärt den typischen Grundaufbau und die Beweglichkeit von Membranbestandteilen. Es ist jedoch ein Modell und bildet nicht jede Membran identisch ab. Zusammensetzung, Proteinverteilung und Fluidität können sich unterscheiden. Bei Archaeen kann als Sonderfall eine Lipidmonoschicht vorkommen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Biomembran
- Aufbau: Phospholipid-Doppelschicht, Proteine, Kohlenhydratstrukturen
- Anordnung: hydrophile Köpfe außen, hydrophobe Schwänze innen
- Modell: beweglich, flexibel und asymmetrisch
- Funktionen: Abgrenzung, Kompartimentierung, Signale und Zellkontakte
- Passiver Transport: einfache oder erleichterte Diffusion entlang des Gefälles
- Aktiver Transport: gegen das Gefälle mit Energie
- Große Fracht: Endozytose oder Exozytose über Vesikel
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