Stell dir eine Wiese im Frühling vor: überall leuchten bunte Blüten, Bienen summen von Pflanze zu Pflanze. Was für uns einfach hübsch aussieht, ist in Wahrheit die raffinierte Fortpflanzungsmaschine der Pflanze. Wenn du diesen Text gelesen hast, kannst du den Aufbau einer Blüte benennen, erklären, wie aus einer Blüte eine Frucht mit Samen wird, und weißt, warum die Farben und der Duft kein Zufall sind.
Was ist eine Blüte?
Die Blüte ist der Teil einer Pflanze, der für die geschlechtliche Fortpflanzung zuständig ist. Aus ihr entstehen später Früchte und Samen, aus denen wieder neue Pflanzen wachsen. Blüten gehören zu den Blütenpflanzen (auch Samenpflanzen genannt) – dazu zählen fast alle Blumen, Bäume, Sträucher und Gräser, die du kennst.
Botanisch ist eine Blüte ein umgebildeter Kurzspross: also ein sehr kurzer Trieb, dessen Blätter im Laufe der Entwicklung zu besonderen Organen umgeformt wurden. Diese Organe haben nichts mehr mit gewöhnlichen grünen Laubblättern zu tun – sie dienen dem Schutz, dem Anlocken von Tieren und vor allem der Fortpflanzung.
Merke: Eine Blüte ist kein Schmuck – sie ist das Fortpflanzungsorgan der Pflanze.
Der Aufbau einer Blüte
Eine typische Blüte sitzt auf dem Blütenboden, dem verdickten Ende des Blütenstiels. Auf ihm sind die Blütenteile in Kreisen von außen nach innen angeordnet. Man unterscheidet vier Gruppen von Blütenblättern:
- Kelchblätter (die Gesamtheit heißt Kelch): Sie sind meist klein und grün und liegen ganz außen. Solange die Blüte noch eine Knospe ist, umhüllen und schützen sie das Innere.
- Kronblätter (die Gesamtheit heißt Krone): Sie sind oft groß und bunt. Ihre Farbe und ihr Duft locken Insekten an.
- Staubblätter: Sie sind die männlichen Fortpflanzungsorgane und bilden den Blütenstaub (Pollen).
- Fruchtblätter (der Stempel): Sie sind die weiblichen Fortpflanzungsorgane und stehen in der Mitte.
Kelch und Krone zusammen bilden die Blütenhülle. Sie ist nicht direkt an der Fortpflanzung beteiligt, sondern schützt und wirbt.
| Blütenteil | Lage | Aufgabe |
|---|---|---|
| Kelchblätter | außen | schützen die Knospe |
| Kronblätter | innen davor | locken Insekten an |
| Staubblätter | weiter innen | bilden Pollen (männlich) |
| Fruchtblätter (Stempel) | Mitte | enthalten die Eizellen (weiblich) |
Die männlichen und weiblichen Teile genauer
Ein Staubblatt besteht aus einem dünnen Stiel, dem Staubfaden, und einem Köpfchen am oberen Ende, dem Staubbeutel. Im Staubbeutel entsteht der Pollen (Blütenstaub) – winzige Körnchen, die die männlichen Geschlechtszellen enthalten.
Der Stempel in der Blütenmitte hat drei Abschnitte:
- die Narbe ganz oben, oft klebrig, um Pollen festzuhalten,
- den Griffel, einen Stiel darunter,
- den Fruchtknoten ganz unten, ein bauchiger Hohlraum.
Im Fruchtknoten liegen die Samenanlagen mit den weiblichen Eizellen. Merke dir die Reihenfolge von oben nach unten: Narbe – Griffel – Fruchtknoten.
Merke: Staubblätter sind männlich (Pollen), der Stempel ist weiblich (Eizellen im Fruchtknoten).
Enthält eine Blüte Staubblätter und Stempel, nennt man sie eine zwittrige Blüte – das ist bei den meisten Pflanzen so, zum Beispiel bei der Tulpe oder Kirsche. Manche Pflanzen bilden dagegen getrennte männliche und eingeschlechtliche weibliche Blüten, etwa der Haselstrauch.
Von der Bestäubung zur Befruchtung
Damit aus einer Blüte ein Samen wird, müssen zwei Schritte ablaufen.
Bestäubung heißt: Pollen gelangt von einem Staubbeutel auf die Narbe eines Stempels. Das geschieht auf zwei Wegen:
- Insektenbestäubung: Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge werden von Farbe, Duft und süßem Nektar angelockt. Beim Naschen bleibt Pollen an ihrem Körper hängen und wird zur nächsten Blüte getragen. Solche Blüten sind meist groß und bunt.
- Windbestäubung: Der Wind trägt große Mengen leichten Pollen fort, zum Beispiel bei Gräsern, Hasel oder Birke. Diese Blüten sind unscheinbar, haben aber sehr viel Pollen – deshalb bekommen im Frühling viele Menschen Heuschnupfen.
Beispiel: Eine Biene landet auf einer Kirschblüte, um Nektar zu trinken. Dabei streift sie die Staubbeutel und wird mit Pollen bestäubt. Fliegt sie zur nächsten Kirschblüte, bleibt ein Teil des Pollens an deren klebriger Narbe hängen – die Bestäubung ist geschafft.
Nach der Bestäubung folgt die Befruchtung: Aus dem Pollenkorn wächst ein feiner Pollenschlauch durch den Griffel bis zur Samenanlage im Fruchtknoten. Durch ihn wandert die männliche Geschlechtszelle zur Eizelle und verschmilzt mit ihr. Erst jetzt ist eine neue Pflanze angelegt.
Merke: Bestäubung ist der Transport des Pollens zur Narbe; Befruchtung ist erst das Verschmelzen der Geschlechtszellen im Fruchtknoten.
Von der Blüte zur Frucht
Nach der Befruchtung hat die Blüte ihre Aufgabe erfüllt. Kelch-, Kron- und Staubblätter welken und fallen ab – du kennst das von verblühten Blumen. Im Fruchtknoten aber beginnt etwas Neues:
- Aus jeder befruchteten Samenanlage entwickelt sich ein Samen.
- Aus dem Fruchtknoten (und manchmal weiteren Blütenteilen) entwickelt sich die Frucht, die die Samen umhüllt und schützt.
Beispiel: Aus der Kirschblüte wird eine Kirsche. Der Fruchtknoten wird zum saftigen Fruchtfleisch, die eine Samenanlage darin zum Kern (dem Samen). Frisst ein Vogel die Kirsche, verbreitet er den Kern – so gelangt der Samen an einen neuen Ort, wo eine neue Kirsche wachsen kann.
Tipp: Wenn du eine Frucht aufschneidest und Kerne findest, war das vorher immer der Fruchtknoten einer Blüte. Apfel, Tomate, Bohne, Kürbis – alles entstand aus einer Blüte.
Warum Blüten so verschieden aussehen
Blüten sind an ihre Bestäuber angepasst. Bunte, duftende Blüten mit viel Nektar setzen auf Insekten. Unscheinbare, hängende Blüten mit viel Pollen setzen auf den Wind. Die Form ist also kein Zufall, sondern das Ergebnis einer langen Anpassung: Jede Blüte wirbt auf die Art, die für ihre Fortpflanzung am besten funktioniert.
Zusammenfassung
- Die Blüte ist das Fortpflanzungsorgan der Blütenpflanzen; aus ihr entstehen Früchte und Samen.
- Von außen nach innen sitzen auf dem Blütenboden: Kelchblätter, Kronblätter, Staubblätter und Fruchtblätter (Stempel).
- Staubblätter (Staubfaden + Staubbeutel) sind männlich und bilden Pollen; der Stempel (Narbe – Griffel – Fruchtknoten) ist weiblich und enthält die Eizellen.
- Bei der Bestäubung gelangt Pollen zur Narbe (durch Insekten oder Wind); bei der Befruchtung verschmelzen die Geschlechtszellen im Fruchtknoten.
- Danach wird aus der Samenanlage ein Samen und aus dem Fruchtknoten eine Frucht.
- Bunte, duftende Blüten sind meist insektenbestäubt, unscheinbare Blüten meist windbestäubt.
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